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Nord a, ka
in den Jahren 1766, 1767 und 1768,
mit einer Landkarte.
Aus dem Englischen
Vocbeucht
Carver Reisen erſcheinen hier ohne die ver⸗
pprochenen Zufäße, weil unvermeidliche Ge⸗
ſchaͤfte mich daran hinderten / Sie auszuarbeiten;
auch fand ich bey der Leſung des Buchs, daß ſie
ſich beſſer an einem andern Orte anbringen ließen,
und Car ver ohne ſie verſtaͤndlich und unterhaltend
genug waͤre. Die Ueberſetzung iſt nicht von mir,
allein ich kann für böre Richtigkeit einſtehen.
C. D. Ebeling,
Auſſeher der Handlungsakademie
in Hamburg. .
a:
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kom ie 2 0
5 1 den eden zu u Verſales 1763 ge⸗
5 endigt war, dachte ich darauf, wie
ich meinem Vaterlande, dem ich waͤhrend des
Krieges einige Dienſte geleiftet hatte, noch
ferner nützlich ſeyn, und ihm den großen Strich
Landes, den es in Nordamerika erlangt hatte,
ſo eintraͤglich machen möchte, als in meinem
Vermögen ſtand. Es ſchien mir durchaus 3
nothwendig, zuerſt der Regierung eine hinrei⸗
ER Kenntniß von dem wahren Zuſtand der
. Me Laͤn⸗
vn Vorrede.
Laͤnder, die ihr eben abgetreten waren, zu
verſchaffen. Ich entſchloß mich daher, als
den beſten Beweis meines Eifers, die unbe⸗
| kannteſten Theile davon zu unterſuchen, und
keine Mühe und Unkoſten zu fparen, um eine
Einſicht zu erlangen, die meinen Landsleuten
ſo vortheilhaft werden konnte. Ich ſah vor⸗
her, daß der Mangel von guten Karten meis
nem Vorhaben große Hinderniſſe in den Weg
legen wuͤrde; denn die Franzoſen hatten ſo
: lange, als ſie die Obermacht in Nordamerika
' behielten 1 fi. alle erfinnliche Mühe gegeben,
| fremde Nationen, hauptſaͤchlich die Englaͤn⸗
| der, in einer völligen Unwiſſenheit von allem,
1 5 was das i innere des Landes betraf, zu erhal⸗
. ten. Um ihre Abſicht deſto ſicherer zu erlan⸗ 5
gen, gaben ſie fehlerhafte Karten und falſche
N Nachrichten heraus; und benannten die ver⸗
ſchiednen indifchen Bölferfihaften nach Bey⸗ 5
Vorrede. vir
nahmen, die ſie ihnen gegeben hatten, und
nicht nach ihren wuͤrklichen. | Ich weiß nicht, a
ob die Franzoſen dieſe Beynahmen erfanden, 1
um zu verhindern, daß dieſe Volkerſchaften .
nicht entdeckt werden möchten. und um ſie von
aller Handlung mit andern Europaͤern auszu⸗
g ſchlisſen, oder ob es blos geschah, um ſich
nicht zu verrathen, wenn ſie mit einander uͤber
undiſche Angelegenheiten in Gegenwart von .
Indiern ſprachen. Aber die Urſache dieſer ey
| Gewohnheit ſey auch, welche fie wolle, .
1 45 u nr andre zu verwirren. |
| die m
su Beneik, wie ie ſehr ip dee Engländer |
durch dieſe Nachrichten hintergehn fieffen ‚und
wie eingeſchräͤnkt ihre Kenntniß von Canada
war, fo hielten fie Crownpoint vor der Ero⸗
5 berung im Jahre 1759 für. eine unüͤberwind⸗
11 deu Und kaum war es übergegan⸗
er 4 nn,
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den e ee die feine * 1 Be⸗ u
ſitzer davon ausgeſprengt hatten, beſtand, und in
daß etliche Vierpfuͤnder es leicht hätten in den
Grund ſchieſſen koͤnnen. Selbſt nicht in⸗
mahl die Vortheile 0 die man von ſeiner Lage
erwartete waren gegruͤndet. Zwar ſind ei⸗
nige Landkarten von dieſen Gegenden von den
Franzoſen mit einem Anſchein von Genauig⸗
keit herausgegeben; allein ſie ſind nach einem
ſo verjüngten Maaßſtabe gemacht, daß man 5
ſich faſt gar nicht daraus finde Die
Quellen des M A iippi find, nach meiner eignen |
Erfahrung, uſſerſt unrichtig angegeben; denn
wie ich ſie unterſucht hatte, und ihre wahre
= Lage mit den franzöfifchen Karten verglich,
| ſeo ward ich überzeugt, daß dieſe nur nach ei⸗
ber rohen indiſchen Skitze gemacht waren.
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Vi N 1
x — 5 — — A 8
— . ER nee —— u — — DEE en
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ii ————
*
Noch als ſie Canada raͤumten, ſetzten ſie
ihren Plan zu hintergehn fort, und lieſſen 1
nicht die geringſten Spuren zuruͤck, woraus
ihre Ueberwinder Unterricht Hätten ziehn koͤn⸗
nen; denn ungeachtet ſie alle Seen ſehr! sut
1 kannten, und auf den Obere ſelbſt ein Fahr⸗
| zeug von beträchtlicher © roße beftändig hiel⸗ |
„ f find doch ihre Karten davon ſehr un- \
ten,
bi richtig Ich entdeckte viele Irrthümer in den w
Def preißungen! der Inseln und Buchten deſſel⸗
ben auf e. einer Strecke von eiff hundert Meilen, N
die ich in Kancen laͤngſt den Küften ſchi te.
Sie ſorgten ferner dafür, die Pläse a welche
denten Ms bre Heise in eben en |
nS bel d. von
0 einem sun — on das bis ae Waſſer
Dam > u > —
Vorrede.
abgebrannt war, grade wo ſich die €
von St. Marie in den See ofnet.
traße
Jedoch waren dieſe Schwierigkeiten nicht
hinreichend, mich von meiner Reiſe abzu⸗
ſchrecken. Mein Hauptaugenmerk war, wenn
ich die Olten, Gebräuche, Sprachen, den 8
Boden und die natürlichen Produkte des Ge⸗
bietes der Volkerſchaften, die hinten am Miſſi⸗
ſippi wohnen, erlangt habe wuͤrde, die wahre f
Brkeeite des ungeheuren feſten Landes, das fich
von dem großen Weltmeere bis an die Suͤdſee
erſtreckt, in ſeiner größten Ausdehnung zwi⸗
ſchen dem drey und vierzigſten und ſechs und
vierzigſten Grade n Breite, zu beſtim⸗
0 men. V Waͤre ich im Stande geweſen, dies
Wohiben auszuführen, fo wuͤrde ich der Re⸗
gierung vorgeſchlagen haben, irgendwo an der
Straße Anian einen Poſten anlegen zu laſſen, |
1 A | die
xı
die unſtreitig d den Englaͤndern geßte, da Sie
1 Duale ſie zuerſt entdeckte. Dieſer
Poſten wuͤrde die Entdeckung einer nordweſt⸗
“ lichen Durchfahrt, oder einer Gemeinſchaft zwi⸗ 0
ſchen dem Hudſonsmeerbuſen und der Süͤdſee
ſehr erleich tern; eine wuͤnſchenswehrte € Entdek⸗
kur g/ der man zwar ſchon oft, aber bisher noch
immer ohne Erfolg nachgetrachtet hat. Noch
auſſer dieſem wichtigen Endzwecke wuͤrde eine
iederlaſſung an dem Ende von Amerika noch
in ve ſchiednen andern Stuͤcken ſehr vortheil⸗
haft ſeyn, und alle Unkoſten, ie ſie verur⸗
ſachen koͤnnte, reichlich bezahlen. 4
würden nicht allein viele neue Handlungszweige
erwachſen, und viele nuͤtliche Entde ungen
befördert werden, ſondern ſie wüͤrde auch dazu
dienen, Nachrichten nach Sſina und den eng⸗ 5
lischen Befisungen in Oſtindien mit weit größe⸗ |
eſchw en ſchicke, als es a einer
lang⸗
)
Durch ſie -
langwierigen Schiffahrt um das Vorgebuͤrge
der guten Hofnung, oder en die bana
ach. e gen kann.
; ö 7
9 Wie * as e * e, ſol⸗
chen Unternehmen erſtrecken konnen, koͤmmt
blos auf die Verbindung guͤnſtiger Umſtaͤnde
in der Zukunft an. Aber daran zweifle ich gar
nicht, daß dies Projekt, das ich zuerſt vor⸗
zuſchlagen und zu verſuchen gewagt habe, ir⸗
gend einmal wird in Ausfuͤhrung gebracht wer⸗ |
den. Zwar f werden die unglücklichen Uneinig⸗ 7
keiten, die jetzt zwiſchen Grosbritannien und
Amerika herrſchen, einen zweyten Verſuch
| wohl noch etliche Jahre verzögern, aber wie
ſpaͤt es auch geſchieht, fo werden doch dieje⸗
nigen, die ihn gehoͤrig durchſetzen, auſſer dem
g allgemeinen Nutzen der ganzen Nation, ‚ für:
ſich . Vortheile daraus ziehn, die
ihre
. N
vefeurigftenErwartungen übertref en muͤſſen.
Und bey ihrer Froͤhligkeit über dies ihr Glück
5 we den ſie dann vielleicht auch Dank ur d Se⸗
gen uͤber den ausſchuͤtten, der ihnen zuerſt den b
ue 150 bahnte „und ich werde nr mit dem
; 1b Sufande Gesang en 0 0 Sede
wird, kann blos die Zeit entdecken. Allein 1
da der Sitz der Herrſchaft feit undenklichen gei⸗ 5
ten ſich allmählig immer weiter nach Weſten 5
errückt t hat, ; 8 iſt es ſehr wahrſcheinlich, 8
irgend in einer kuͤnftigen Periode, maͤchtige | 4 |
Reiche aus dieſen Wildniſſen entſtehn, und
prächtige: e, nebſt fi — Tempeln, 5
. an
an die Stelle bier Hütten kommen n erden,
N deren einziger Zierath jetzt in den barbariſchen
| Ersayiän von e ee —
2 1 . Leſer ſchon aus verſchiednen Stel⸗
len im Vorhergehenden geſehn haben, daß mein
Entwurf, bis an die Suͤdſee durchzudringen,
mislang „ ſo muß ich noch hinzuſetzen, daß
daran nicht die Unmoͤglichkeit der Sache ſelbſt,
0 ſondern undermuthete Hinderniſſe Schuld wa⸗
ren; denn je weiter ich kam, deſto mehr ward
0 ich von der Möglichkeit überzeugt, meinen
4 sunfeh erfüllt zu ſehn. Ich kam aber doch
ſo weit, daß meine Entdeckungen zu einem kuͤnf⸗
tigen Verſuche ſehr nuͤtzlic ſeyn, und einem
glücklicher Nachfolger zu einer guten G Grund⸗
lage dienen koͤnnen, ſein Unternehmen darauf
| bauen. ee Entdeckungen werde ich jetzt
dem
75 weißen davon bisher an von keinen, der vo .
den einlaͤndiſchen Voͤlkerſchaften der Indier ge⸗
| ſchrieben hat, ſind angefühet worden; vorzuͤg⸗
lich e 4 0 von den enen rn,
EN) en, — elie l Meilen len v ander f
N ittelpunkte des großen feften Landes ee t
gen; dem Biufe an der ſch inden Hud⸗ |
de m Fluſſe St. Lorenz;
der — | 15 und a EM je Oregan, oder
f dem Weſtfluſe, d „de bey der Straße Annan in 7
“dee lt.
| . Die Simemife, 15 die RR zwange , zuruͤck⸗ in
ji zukehren, ohne meine Abſicht erreicht zu haben,
waren folgende. Bey meiner Ankunft zu
neues dem entfernteſten eiglifchen |
05 | I Poſten,
.
U
verſprach mir, die uͤbrigen nach dem
nen Er
kogers,
der damahls Befehlshaber davon war, und
erſuchte ihn, mir verſchiedne Arten von Waa⸗
ren zu Geſchenken fuͤr die Indier, welche ich
zuf mein er Reiſerute antreffen wuͤrde, zu ver; ;
Kaffe. Allein er that es nur zum Theil, und
Dit aſſer⸗ |
falle von St. Anton nachzuſchicken. Ich er⸗
fuhr nachher „daß er befohlen hatte mir die
Waaren auszuliefern, allein d diejenigen, denen
Poſten, wandte ich mich an Heren N
fe anvertraut w waren, fanden es für gut, an⸗
| ſtatt ſeinen Befehlen zu schonen, ande des
fügungen darüber zu treffen.
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f * N 5 * & 8 — 2
Ich ſah . daher von dieſer Seite in mei⸗
artungen betrogen, und gezwungen,
nach la Prairie des chiens zuruck zu kehren, da
es unmöglich war, ohne Geſchenke, wodurch
* mir eine guͤnſtige Aufnahme verſchaffen
konnte,
1
iR Vorrede. dnn
nie, weite r zu gehn. 800 erreichte es im
Aufa ige des Jahres 17675 und da ich meine
R iſe auf dieſe Art gegen Weſten verzögert
nr . n er wer meinen ee
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z wiſchen aden dull d des Hehe ee und den
, Düne m A und um die e ee
ahr dem ech Kagepfähe Be an der N ordweſr
5 ſeite dieſes Sees kommen, anzutreffen. Ich |
| dachte von ihnen Waar ren einzukaufen, „ und
dann mei le Reife auf dieſer Seite uͤber die
| Seen la PI ute a Dubois und Uinipiek bis an
die Quellen des 2 geſtfluſſes fortzuſetzen, 2 der,
wie ich vorhin geſagt habe, in die Straße von
St. Aunian fällt. Ich erteichte den erſten
Theil meiner Abſicht, und kam beym Oberſee
= sepbrigen Bun an, allein ich erfuhr zu
. meinem 16
iii! Borsee
meinem großen Leidweſen von de
leuten, daß ſie keine W̃ 1a re für mich uͤber
hatten, da die, welche ſie mitgebracht hatten, |
kaum hinreichend waren, ihre eignen Beduͤrf⸗
niſſe in dieſen entfernten Gegenden zu beſtrei⸗
ten. Ich ward alſo zum zweytenmahle in mei⸗
ner Hofnung betrogen, und genoͤthigt, nad
dem Orte, wovon ich zuerſt ausreiſte, zurück
zu kehren. Doch verweilte ich vorher "0 t |
liche Monathe an der nordlichen und oſtlichen
Seite des Oberſees 5 und PER die 5
wogen und Fluͤſſe, / die LE in denselben —
en. Handels⸗ 5
1 et se -
15 Bellach wrd man von mir erwarten,
. Por ich dem? hzublikum meine Gruͤnde vorlege,
warum ich dieſe Entdeckungen, die einem jeden,
der mit Amerika i in der geringſten Verbindung e
ſteht, ſo wichtig u bisher noch nicht bekannt 1
| gemacht
nigfic hen Nathe eine B ittſcht
um Erſetzung d der € Summen: 10
im Dier an der Regieru ng aufge ge⸗
8 Si egen. an die Lords
. t { enfür ſowichtg, d A do 60
nen 10 er ur
di dame Me. Beft
An
JN
DW
1 XX Vorrede.
1
) waͤrtigen ſich endigte. Als ſie bc war,
fragte ich, was ich mit meinen Papieren an⸗
fangen ſollte, und der erſte ord antwortete
mir unverzüglich, ich ke
oͤnnte fie bekannt ma⸗
chen, wenn es mir geſiele. 8 ieſer Erlaubniß
zufolge verkaufte ich ſie an einen Buchhändler,
aber wie fie beynahe zum Drucke fertig waren,
0 erh pe eo. einen 2 Wan an die P
W
cher ah. bande g J apiere, die 1 — m in t
EN Entdeeku ingen bezoͤgen, einzuliefern. Um die⸗
ſem Befehle zu gehorchen, m ißte ich ſie von
25 ee mit großen Unfoften zuruͤck
kauf be ſuchte ich den
n b a . die e ich fen übe geben hatte,
a anzuhaͤngen; allein meine Forderung ward
mir abgeſchlagen, ungeachtet ich von der Hand⸗
N lungskammer Erlaubniß erhalten hatte, mit
— — ee St ae — — —ũ— — — — 2 — —
— — zu — . — — Zi a ex
— nn ae nn
— —
meinen Papieren anzufangen, was mir ge⸗
Kup | file.
i Bier 8 oh ich daher
Soma eee. 00 die Großmuth des S Brain
„ dem ich jet meine 2 Zach
vie ich er ie Qriginale,an d die Planta
amt ner überlieferte. Und dies thue ich
um m ſo viel lieber, | da ich Bis 8 Pr nahe
| a die mit den buen
ol N 19 Rordamenia wegen ihrer nahen
wegen ihrer Handlung irgend in
Verbindu 19 ſtehn, werden fie auf erſt nuͤtzlich
ſeyn und ihre A usgabe für mein Buch reich⸗
„ „% lich
l
*
XXII
lich bezahlen. Denen aber, die aus e fer o-
benswürdigen? Aae „ mit den Sitten
und Gebrluche Nen e ee e
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0 ah eine Sew, die bisher noch faſt
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Erwartun vic ſchmelce
. mi, daß fe vom tem überhaupt ebe 1f0
düuſig werden aufgenommen werden, als
eſchreibungen von Inſeln, die durch nichts,
sehe gefallen koͤnnen; und
als e die unſerm Vaterlande we⸗
nig Vortheile zu verſprechen ſcheinen, N a
tet ſie es ungeheure Summen koſten. ge 2
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ich und
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um das folgende Werk ſo verſt
aan zu kan) ; * es mir möglich
Ä iſt,
| Landes anführen. 2
5 te Karte verweiſe/ und alsdenn, ſo wie ich
geben „ wodurch fie 0 € St | 1 . 5 en,
mir zu folgen, wenn ich fie ne eee “ 5
we i er gehe, die Anzahl der Einwohner, *
Lage der Flüſſe und Seen und? We des
darauf w werde ) | ich K
5 ſondern Kapitteln von den Sitten, Geseäucen 5 i
und Sprachen der Indier handeln und um
das Ganze vollſtaͤndig zu machen, ein Ver⸗
0
| zeichniß von den unter ihnen am haufen ö
vorkommenden I oͤrtern be 5 ut Jen.
“ 925 a) 5 >
* a,
*
er finde es mas, den n geehrten
Theil meiner Leſer um Nachſicht gegen einen
Mann zu erſuchen, dem es ſein Beruf nicht
| erlaubt, ſich viele litteräͤriſche Kenntniſſe zu
waben Ich bei ihn bitten, mein Werk 5
nn DR | mit
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mit keinem zu kritiſchen Auge atzuſchn, vor⸗
welch da ee auf ſah, eine genaue
85 11 g ed Beſtze nerſck hopfliche Reich⸗
; Güte verſpricht, als mich einer guten Schreib⸗
art zu befleiſſigen; und mehr bemüht war,
mich verſ aͤndlich und genau auszudrücken,
als geblümt und ſchön zu schreiben.
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Beſchreib ung 0
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Seen, 2 u. ſ. w.
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1 Ju Junius 1766 reiſte ich von Boſton ab, )
und gieng über Albany und Niagara nach
Miſchillimackinae, einem Fort, das zwiſchen den
Seen Huron und Miſchigan liegt, und von Boſton
etwa dreizehnhundert Meilen entfernt if. Da
dies die aͤuſſerſte von unſern Faktoreien gegen
NPiordweſten iſt, fo ſah ich es als den bequemſten
Ort an, wovon ich mein Unternehmen anfangen,
und auf einmahl in die Gegenden kommen We
Oi ich unterſuchen wollte. N |
Ich muß meine Leſer wegen der Theile von
Nordamerika, die nahe an den aͤuſſern Pflanzun⸗
gen liegen, und daher bekannt genug ſind, auf
‚ältere Beſchreibungen verweiſen, und werde mich |
blos auf die Beſchreibung der innern Theile eins
ſchraͤnken, die ſelten beſucht werden, und folglich
auch nur wenig bekannt ſeyn koͤnnen Ich werde
Carvers Reiſen. 1 dabey
U
| 8 die Ale 99 5 Wahrheit! nie überſchreiten,
und alle unnuͤtzen und ausſchweifenden Vergröſſe⸗
rungen ſorgfaͤltig vermeiden, denen andre Reiſende
nur zu oft ergeben ſind, um die Neugierde des
Publikums deſto mehr zu erregen, oder ein groͤſſe⸗
res Anſehn von Wichtigkeit zu erlangen. Auch
werde ich keine Beobachtungen anführen, als ſolche,
die ich ſelbſt machte, oder die mir von glaubwuͤr⸗
digen Leuten mitgetheilt wurden, und fuͤr deren
Wahrheit ich folglich ſtehn kann. a
Miſchillimackinae, von wo aus ich meine Reiſe
antrat, iſt ein Fort, das aus einem ſtarken Stack⸗
werk beſteht, und gewöhnlich eine Beſatzung von
hundert Mann hat. Es ſind dreißig Haͤuſer darin,
wovon eins dem Kommendanten „und eins dem
Kommiſſaͤr gehoͤrt. Auſſerdem wohnen etliche Han⸗
delsleute innerhalb der Feſtungswerke, da die Lage
zum Handel mit den benachbarten Voͤlkerſchaften
ſehr bequem iſt. Miſchillimackinae bedeutet in der
Sprache der Tſchipiwaͤer eine Schildkröte, und der
Ort ſoll ſeinen Nahmen von einer Inſel erhalten
haben, die ſechs bis ſieben Meilen nordoſtlich im
15 Geſicht vom Fort liegt, und die Geſtalt dieſes
Thieres Dali
Waͤhrend des indiſchen Krieges, der auf die
Eroberung von Ranakeı 1763 folgte, und von
einem
einem Here e enen Nationen, der Hu⸗
ronen, Miamier, Tſchipiwaͤer, Ottowaer, Pon⸗
towattimier, Miff iſager und etlicher andrer Staͤm⸗
me, unter der Anfuͤhrung des Pontiac / eines
beruͤhmten indifchen Kriegers, und beſtaͤndigen
Freundes der Franzoſen geführt ward, gieng es
auf folgende Art durch einen Ueberfall uͤber. Als
die Indier ihren Plan gemacht hatten ſo naͤher⸗ |
ten fie ſich dem Forte, und fingen an Ball zu ſchla⸗
gen, ein Zeitvertreib, der bey ihnen ſehr gewoͤhn⸗
lich iſt. In der Hitze ihres Spiels, wobey etliche
engliſche Offiziere ohne den geringſten Verdacht
zuſahen, ſchlugen ſie den Ball, als von ungefaͤhr,
verſchiednemahl uͤber das Stackwerk, bis ſie da⸗
durch der Schildwache am Suͤdchore allen Verdacht
benommen hatten; worauf auf einmahl ein Trupp
von ihnen bineindrang, dem die uͤbrigen bald folg⸗
Me und das Fort ohne Widerſtand in Beſitz nah⸗
| Da die Indier ihren Entwurf auf eine fo
lache Art ausgeführt hatten, ſo waren ſie noch ſo
menſchlich, dem größten Theile der Beſatzung und
Handelsleute das Leben zu ſchenken, allein ſie fuͤhr⸗ N
ten fie alle als Kriegsgefangne mit ſich weg. Doch
bald nachher brachten ſie ſie nach Montreal, wo
ſie zu einem hohen Preiſe losgekauft wurden. Auch
| das Fort ward i im naͤchſten Jahre bey dem Friedens⸗
A 2 ſchluſſe
\ | | N
4 5 5 ee
ſchluſſe zwiſchen Pontiae und dem Kommendanten
von Detroit den Englaͤndern wieder eingeräumt. |
Nachdem ich die nothwendigen Anſtalten zu
meiner Reiſe gemacht, und verſchiedne Kreditbriefe
vom Kommendanten, Herrn Rogers, auf etliche
engliſche und kanadiſche Kaufleute erhalten hatte,
die am Miſſiſippi handeln wollten, ſo reiſte ich den
dritten September in Geſellſchaft dieſer Kaufleute
ab. Auſſer den Kreditbriefen verſprach mir Herr
Rogers noch, mir einen friſchen Vorrath von Waa⸗
ren nachzuſchicken, wenn ich an die Waſſerfaͤlle von |
St. Anton kommen wuͤrde, und ſo lange ich mich
bey den Kaufleuten aufhielt, ſollten ſie mich ſei⸗
nem Befehle zufolge mit ſoſchen Waaren verſehen, a
als ich zu Geſchenken für d die indſ ſchen Dberhäupter
brauchen würde.
Wir kamen zuſammen den achtzehnten zu Fort
la Bay an. Dies Fort liegt an dem ſuͤdlichen Ende
einer Bucht im See Miſchigan, die die Franzoſen
baye des puants (Bucht der Stinkenden) nannten;
aber ſeitdem die Englaͤnder im Beſitz aller Nieder
laſſungen in dieſem Theile des feſten Landes ſind,
heißt ſie die gruͤne Bucht, und dieſen Nahmen hat
ſie von dem Anblicke, den ſie macht. Denn wenn
man im Fruͤhlinge von Miſchillimackinae abreiſt,
| und dort die Bäume kaum anfangen Knoſpen zu
treiben,
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treiben, ſo ſieht man doch die Gegend um dieſe
Bucht herum, ungeachtet die Fahrt nicht uͤber
vierzehn Tage dauert, ſchon mit dem fihönften
Gruͤn bedeckt, und das ganze Pflanzenreich uͤber⸗
haupt in einem ſo ee ; als wenn |
es Sommer wäre.
Auch dies Fort iſt nur mit einem Stackwerk
umgeben, und ſo verfallen, daß es ſich kaum gegen
kleines Gewehr halten kann. Die Franzoſen bauten
es zur Bedeckung ihres Handels einige Zeit vor⸗
her, als ſie gendthiget wurden, es zu verlaſſen,
und wie Kanada mit allem Zubehör an die Englaͤn⸗ |
der übe rgeben ward, fo kam ein Offizier mit dreißig
Mann zur Beſatzung hieher, die bald darauf von
den Menomoniern, nach dem Ueberfalle von Mi⸗
ſchillimackinac, zu Gefangnen gemacht wurden.
Seit der Zeit hat das Fort keine Beſatzung weiter
1 gehabt, und verfaͤllt jetzt gänzlich.
Die Bucht iſt ungefähr neunzig Meilen lang,
aber ihre Breite iſt ſehr verſchieden, da ſie an ei⸗
nigen Stellen blos funfzehn und an andern zwan⸗
zig bis dreißig Meilen betraͤgt. Sie erſtreckt ſich |
faſt völlig von Nordoſten nach Suͤdweſten. Bey
dem Eingange vom See liegt eine Kette von In⸗
ſeln, die von Norden nach Suͤden laͤuft, und die
Grand Traverfe (große Blende) heißt. Sie iſt un⸗
f | A 3 geſaͤhr
ne
/
gefaͤhr dreißig Meilen lang, und erleichtert die
Fahrt mit Kanoen ſehr, da fie vor den Winden
bedeckt iſt, die oft mit großer Heftigkeit uͤber den
See her wehen. An der Seite, die nach Suͤdoſten
liegt, iſt die Schiffahrt am naͤchſten und ſicherſten.
Die Inſeln der Grand Traverſe ſind meiſten⸗
theils klein und felſicht. Die meiſten von den Fel⸗
ſen ſind von einer erſtaunlichen Hoͤhe, und haben
das Anſehen, als wenn ſie von Kuͤnſtlerhaͤnden ge⸗
macht waͤren. Auf der größten und beften von
dieſen Inſeln ſteht eine Stadt der Ottowaer,
worinn ich einen von den vornehmſten Oberhaͤup⸗
tern dieſer Nation antraf, der mich mit allen Ehren⸗
bezeugungen, die er einem Fremden erzeigen konnte,
aufnahm. Allein die Art, mit der man mich bey
meiner Landung empſieng, kam mir damahls ſehr
wunderbar vor, und ein jeder wird ſie dafuͤr halten,
der mit den Gebraͤuchen der Indier nicht bekannt
iſt. Wie unfte Kanoen ſich dem Ufer naͤherten,
und wir noch ungefähr ſechzig Ruten 9 davon
entfernt waren, ſo fiengen die Indier ein Freu⸗
denfeuer an, wobey ſie aber mit Kugeln geladene
Gewehre abſchoſſen, aber doch fü „daß fie immer
etliche Ellen hoch uͤber unſre Köpfe wegflogen.
. Während dieſes Freudenfeuers liefen ſie von einem
1 Baume
) Eine Rute hat 16% englifche Fuß.
Baume oder Stumpfe zum andern, und jauchzten
und betrugen ſich überhaupt, als wenn fie in der
Hitze des Treffens wären. Ich erſtaunte anfäng⸗
lich nicht wenig darüber, und befahl meinen Leuten,
wieder auf ſie zu ſeuren, weil ich glaubte, daß fie,
feindſelige Geſinnungen hegten; allein etliche von
den Handelsleuten belehrten mich eines beſſern,
und ſagten mir, daß ſie auf dieſe Art gewöhnlich
die Haͤupter andrer Volkerſchaften empfiengen;
und ſo ließ ich mir die Achtung, welche ſie mir be
zeugten, recht gerne gefa lien.
Ich blieb hier eine Nacht. Unter den Geſchen
ken, die ich den Oberhaͤuptern machte, waren ei⸗
nige geiſtige Getraͤnke, die ſie ſo aufmunterten,
daß ſie faſt die ganze Nacht mit einander durch⸗
tanzten. Am Morgen bey meiner Abfahrt beglei⸗
tete mich ihr Oberhaupt bis ans Ufer, und fieng,
ſo bald ich mich eingeſchifft hatte, mit großer Feier⸗
lichkeit ein lautes Gebet fuͤr mich an. Er betete,
daß der große Geiſt mir eine gluͤckliche Reiſe,
und bey Tage einen unumwoͤlkten Himmel und ein
15 ruhiges Waſſer verleihen wollte, daß ich mich des
Nachts auf einer Decke von Bieberfellen niederle⸗
gen, eines ununterbrochenen Schlafs und fröͤhli⸗
cher Träume genießen, und endlich beſtaͤndigen
a An unter der großen Pfeiffe des Friedens finden
0 | a moͤch⸗
med * Auf dieſe Art fuhr er fort zu beten, bis ö
ich ihn nicht weiter hoͤren konnte.
So ſchreckliche Begriffe, als ſich die Europe
von der Grauſamkeit der Wilden auch machen, ſo
muß ich doch geſtehn, daß ich bey jedem Stamme
von ihnen in dem i innern Theile des Landes die gaſt⸗
freieſte und höflichfte Begegnung angetroffen habe;
und ich bin überzeugt, daß fie dieſe gute Auffuͤh⸗
rung gegen Fremde nicht verliehren, bis ſie durch
das Beyſpiel und die geiſtigen Getraͤnke ihrer ver⸗
feinerten Nachbarn angeſteckt werden. Ihr ein⸗
gewurzelter Haß und ihre Grauſamkeit gegen ihre
Feinde, ſchaden zwar der guten Meinung, die ich
gern von ihnen hegen moͤchte, ſehr viel, allein die⸗
ſer Fehler iſt ihnen angeerbt, und da er durch un⸗
denkliche Gewohnheit gewiſſermaßen geheiligt iſt,
ſo hat er in ihrer Seele zu tiefe Wurzel gefaßt,
als daß man hoffen duͤrfte, 95 je ausrotten zu
koͤnnen.
Ich as bey dieſem Volke eine ganze beſondre Art
Brodt. Die Indier halten überhaupt wenig auf
dieſe nahrhafte Speiſe; allein hier ſchuͤtteln ſie die |
Körner, wenn das Getreide, wie fie es nennen,
in ſeiner Milch ſteht, das heißt, wenn es eben reif
werden will, aus der Aehre, und kneten ſie in
einen Teig, wozu der darinn enthaltene Saft,
ohne
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; Kin irgend einen Zuſat v von einer andern flüffigen
Materie, hinreichend iſt. Wenn dies geſchehen Be
iſt, fo machen fie Kuchen daraus, ſchlagen ſie in
Blaͤtter vom Baß oder weiſſem Holzbaume, und
legen ſie in heiſſe Aſche, wo ſie bald backen. Was
den Geſchmack dieſer Kuchen betrifft, ſo muß ich
geſtehn, daß ich nie ſchoͤner Brodt gegeſſen habe.
Der Ort beſteht blos aus einem Dorfe von uns
gefahr fünf und zwanzig Haͤuſern und ſiebenzig
Kriegern. Sonſt fand ich hier nichts Merkwuͤrdiges.
Das Land auf der Suͤdoſtſeite der grünen Bucht
iſt nur ſchlecht und dicht mit Schierlingstannen, 5
Canadiſchen und gemeinen Fichten bewachſen.
Man glaubte ſonſt, daß die Fahrt aus dem See
Miſchigan in die gruͤne Bucht fuͤr keine größere
Fahrzeuge als Boote und Kanoen wegen der ſeich⸗
ten Stellen zwiſchen den Inſeln der großen Tra⸗
verſe thunlich waͤre; allein wie ich die Tiefe mit
dem Sothe unterſuchte, fo fand ich fie für Schiffe von
ſechszig Tonnen hinreichend, und eine verbältnfß |
| 2 ſige Breite der Durchfahrt. a
Das Land, das an das Ende dieſer Bucht ftößt,
1 19 5 * und uͤberhaupt ſo eben, daß man
eine
759 Hemlock fir. Abies e foliis Kadsritihs ob⸗
tuſiuſeulis bifariam verſis conis ſubrotundis. Mil-
ler's Gardener’s dictionary Art. Abies Nro. 6.
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eine eue mee und ner Ausſicht dar⸗
über hat.
In dem Forte, das an der Weſtſeite des Fuchs⸗
fluſſes liegt, wohnen einige Familien, und gegen
demſelben über auf der Oſtſeite des Einganges giebt
es einige franzoͤſiſche Koloniſten, die das Land
bauen, , und ziemlich ertraͤglich zu leben ſcheinen.
Die gruͤne Bucht oder die Bucht der Stinken⸗
den, gehört zu den Stellen, denen die Franzoſen,
wie ich in der Einleitung anfuͤhrte, Beynahmen
gaben. Die Indier, die um ſie herum wohnen,
nennen ſie Menomonierbucht, wovon aber der fran⸗
zoͤſiſche Nahme herruͤhre, kann ich nicht ausfuͤn⸗
dig machen. Sie ſagen, daß ſie dieſe Beynahmen
den zu werden. Denn die erſten Handelsleute be;
merkten, daß, wenn ſie mit einander von ihnen re⸗
deten, und ſie bey ihrem wahren Nahmen nannten,
ſie gleich daruͤber Verdacht ſchoͤpften, und glaub⸗
ten, daß die Fremden entweder uͤbel von ihnen
ſpraͤchen, oder ihren Untergang vorhaͤtten. Die⸗
ſem auszuweichen gaben ſie ihnen fremde Nahmen. .
Allein es entſteht bieraus der Nachtheil, daß
engiſche und Ramzöſſche Erdbeſchreiber auf ihren
1
I
—
| nicht einfuͤhrten, um Fremde zu bintergehen, ſon⸗
dern blos um mit einander i in Gegenwart von In⸗
diern ſprechen zu koͤnnen, ohne von ihnen verſtan⸗
Karten von den i innern Theilen von Amerika e einer:
ley Völkerſchaften verſchiedne Nahmen geben, und
dadurch diejenigen verwirren, die Sn Ya ſoche
Karten beziehn muͤſſen. 4 |
Der See Miſchigan, wovon die grüne Bucht
ein Theil iſt, wird von dem See Huron durch die
Straße von Miſchillimackinae auf der Nordoſtſeite
getrennt; und liegt zwiſchen zwey und vierzig und
ſechs und vierzig Graden Norderbreite, und zwi⸗
ſchen vier und achtzig und ſieben und achtzig Gra⸗
den weſtlicher Länge. Seine größte Lange beträgt
zwey bundert und achtzig und ſeine Breite etwa
| vierzig im Umfange aber beynahe ſechshundert
Meilen. Es giebt darin eine merkwuͤrdige Kette
von kleinen Inſeln, „die ſich gegen Askins Meier⸗
hofe über anfängt, und dreißig Meilen ſuͤdweſtwaͤrts
in die See vorlaͤuft. Man nennt ſie die Bieber⸗
inſeln. Ihre Lage iſt ſehr anmuthig, allein der
Boden iſt unfruchtbar. Doch geben fie einen asche
| ſchonen Anblick.
An der nordweſtichen Seite theilt ſich dieſer
See i in zwey Arme oder? Buchten „wovon die nord⸗
liche die Bucht der Noketter genannt wird, und 1
die andre, welche die göen Sefniekenegeine Bude
u
Das
Das Waſſer in dieſem und den uͤbrigen großen
Seen iſt rein und geſund, und ihre Tiefe iſt fuͤr
große Schiffe hinreichend. Die Haͤlfte des Landes,
das gegen Oſten liegt und ſich bis an den See Hu⸗
ron erſtreckt, gehört den Ottowaern; die Linie,
welche ihr Gebiet von den Dſchipiwäernt trennt, läuft
faſt von Norden nach Suͤden, und erſtreckt ſich bey⸗
nahe von dem füdfichen Ende dieſes Sees, uͤber N
die Gebuͤrge, nach Miſchillimackinac, durch deſſen
Mittelpunkt ſie geht. So daß, wenn diefe beyden
Staͤmme auf der Faktorey zuſammen kommen, eine
jede auf ihrem eignen Gebiete, in einer Entfernung
von einigen Ellen vom Stackwerke, ihr Lager auf⸗
ſchlaͤgt; die Gegend an der oͤſtlichen und weſtlichen
Seite dieſes Sees iſt nur von mittelmaͤſſiger Gute,
ausgenommen wo kleine Baͤche oder Fluͤſſe in ihm
fallen, an deren Ufer fie ungemein fruchtbar iſt.
Nahe am Ufer des Sees giebt es eine Menge Sand⸗
kirſchen, ) die ſowohl wegen ihrer Art zu wachſen,
als wegen ihres vorzuͤglichen Geruches merkwuͤrdig
ſind. Sie wachſen auf einem niedrigen etwa vier
Fuß hohen Strauche „deſſen Zweige ſo damit be⸗
en, 15 man e haufenweiſe auf dem Sande
| antrifft.
*) Eine Art vom Ceraſus Canadenſis foliis lanceolatis
glabris, integerrimis, ſubtus caefiis, ramis patulir.
Miller Art. Ceraſus Nro. 5.
FR 13
antrifft. Da fie blos im Sande wachſen, deſſen
Waͤrme vermuthlich viel dazu beytraͤgt, ſie zu fol
cher Vollkommenheit zu bringen, ſo werden ſie
von den Franzoſen ceriſes de ſable, Sandkirſchen,
genannt. Sie ſind nicht größer, als eine kleine
Flintenkugel, aber man halt fie zum Einmachen i in
Brandtewein beſſer, als andre Arten. Auſſerdem
wachſen um den See Stachelbeeren, ſchwarze Jo⸗
hannisbeeren, und viele Wacholderbeerſtraͤuche,
die eine Menge Beeren von der beſten Art tragen.
Sumach waͤchſt hier ebenfalls haufig, und feine
Blätter, die um Michael roth werden, werden
alsdenn von den Einwohnern eingeſammlet, und
ſehr geſchaͤtzt. Sie vermiſchen ſie mit Toback zu
gleichen Theilen, der davon einen angenehmen Ge⸗
ſchmack erhäft. Nahe bey dieſem, und uͤberhaupt
bey allen andern Een giebt es eine Art Weide,
welche die Franzosen bois rouge, die Englaͤnder
aber red wood, roth Holz nennen. Ihre Rinde |
hat, wenn fie ein Jahr alt iſt, eine Scharlachfarbe,
und ſieht ſehr fehon aus; aber wenn fie. ein Jahr
aͤlter iſt, ſo wird ihre Farbe rothgrau. Viele
Staͤmme von dieſem Strauche wachſen zuſammen,
und erreichen eine Höhe von ſechs bis acht Fuß,
doch hat der groͤßte davon felten über einen engli⸗
ſchen Soll im Durchmeſſer. Auch dieſe Rinde
| ſcha⸗
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haben die Indier vom Boh ab, trocknen und
pulvern fie, und vermiſchen fie mit ihrem Toback.
Sie ſchaͤtzen ſie vorzuͤglich zum Rauchen waͤhrend
des Winters. Des Sommers nehmen ſie eine
Pflanze dazu, die in felſichten Gegenden um
die großen Seen waͤchſt. Die Indier nennen ſie
Degockimac; ſie ſchlaͤngelt ſich wie eine Wein⸗
ranke auf dem Boden oft zu einer Lnge von acht
bis zehn Fuß fort, und traͤgt ein beynahe rundes
Blatt, von der Groͤſſe eines ſilbernen Sechspfen⸗
ningſtuͤckes. Es hat die Subſtanz und die Farbe .
von einem Lorbeerblatte, und bleibt immer gruͤn.
Dieſe Blätter: mifchen fie ebenfalls getrocknet und
gepulvert unter ihren Toback, den ſie aber blos
des Sommers rauchen. Mit Huͤlfe dieſer drei Nes |
bentobacke haben die Indier zu allen Jahrszeiten
hinlaͤnglichen Vorrath fuͤr ihre Pfeiffen, und da
ſie große Raucher ſind, ſo geben ſie ſich viele Muͤhe,
fie gehörig einzuſamlen und zuzubereiten. 98
Den zwanzigſten September verlieh ich die gruͤne
Bucht, und gieng noch immer in Geſellſchaft von
den Handelsleuten und etlichen Indiern den Fuchs⸗
fluß hinauf. Den fuͤnf und zwanzigſten kam ich nach
der großen Ortſchaſt 9 der e „die auf
einer
0 Ich ale, daß dies immer der beſte Ausdruck fuͤr
Arm town iſt, denn da in dieſer die Wohnungen
| der
15
einer kleinen Inſel grade an der oſtlichen Einfahrt
in den See Winnebago liegt. Hier empfieng mich
die Koͤnigin, die uͤber dieſen Stamm anſtatt eines
Sachems herrſchte, mit großer Hoͤflichkeit, und
bezeugte mir, die vier Tage uͤber, die ich mich hier
auf hielt, ungemein viel Achtung. .
Den Tag nach meiner Ankunft biet ich einen
5 Rath mit den Oberhaͤuptern, und bat ſie um Er⸗
laubniß, auf meiner Reiſe zu entferntern Voͤlker⸗
ſchaften, die ich wichtiger Geſchaͤfte wegen unter⸗
1 nahme, durch ihr Land zu gehen. Sie ſahn mein
Anſuchen als ein großes Kompliment fuͤr ihren
Stamm an, und willigten ſehr gern darein. Die
Königin ſaß im Rathe, that aber nur einige we⸗
| nige Fragen, oder machte etliche unbedeutende
Verfuͤgungen in Staatsſachen; denn Weiber duͤr⸗
fen nie in ihrem Rathe ſitzen, ausgenommen wenn
fie mit dem höchften Anſehn bekleidet find, und ſelbſt
alsdenn iſt es nicht gebräuchlich für fie, foͤrmliche
\ Reden zu halten, wie die Haͤupter thun. Sie war
eine ſehr alte Frau, klein von Statur, und unter⸗
ſchied ſich nicht ſehr durch ihre Kleidung von etli⸗
der Indier oft viele Meilen von einander liegen,
ſo wuͤrde es eben ſo ungereimt ſeyn, es durch Stadt
zu überſetzen, als die Pagos (Gauen) der mittlern
Wi Zeiten für Dörfer zu erklären.
chen jungen Frauensleuten, die ihr Gefolg aus⸗
machten. Dieſe ihre Begleiterinnen ſchienen im⸗
mer ſehr vergnuͤgt zu ſeyn, wenn ich einige Zei⸗
chen von Hochachtung gegen ihre Königin blicken
ließ, hauptſaͤchlich wenn ich ſie kuͤßte, welches ich
oft that, um mir ihre Gunſt zu erwerben. Die
gute Alte ſuchte immer dabey ein jugendliches An⸗
ſehn anzunehmen und bezeigte durch ihr Lacheln,
daß ſie nicht weniger Gefallen an der Achtung
‚hätte, die ich ihr erwies.
Die Zeit, die ich hier 1 wandte ich
dazu an, die Gegend aufs beſte kennen zu lernen, |
und die zuverläffigften Nachrichten von dem Ur;
ſprunge, der Sprache und den Gebraͤuchen dieſes
Volkes zu ſammlen. Urſpruͤnglich wohnten, mei⸗
nen Unterſuchungen zufolge, die Winnebager in
irgend einer von den Provinzen von Neu⸗Mexico,
und zogen ſich vor ungefaͤhr einem Jahrhundert in
dieſe nordlichern Gegenden, da ſie entweder durch
innerliche Unruhen, oder durch die Ausbreitung
der Spanier aus ihren alten Sitzen vertrieben
wurden. |
Meine Gruͤnde für diese Meinung ſind erſlich
ihre unveraͤnderliche Anhaͤnglichkeit an die Nado⸗
weſſier, die, wie ſie ſagen, ihnen zuerſt huͤlf⸗
sie Hand bey ihren Auswanderungen leiſteten,
unge⸗
17
geachtet ihr jetziger eig über ſechshundert Meilen
von ihnen entfernt iſt.
Zyveytens, ihre Mundart, die von der von allen
bisher entdeckten indiſchen Voͤlkerſchaften gänzlich
verſchieden iſt, und aus einer ſehr rauhen Schlund⸗
ſprache befteht, die keiner von ihren Nachbaren zu
lernen wagt. Sie reden mit andern Voͤlkerſchaf⸗
ten in der Sprache der Tſchipiwaͤer, welches die
100 herrſchende Sprache unter allen Staͤmmen iſt,
von den Mohaken i in Kanada an, bis auf die Voͤl⸗
kerſchaften am Miſſtſippi, und von den Huronen
und Illineſen bis an die Bewohner von Hudſons
Meerbusen.
Drittens ihr eingewurzelter Haß gegen die
Spanier. Einige von ihnen ſagten mir, daß ſie
viele Streifereyen gegen Suͤdweſten vorgenommen
haͤtten, die etliche Monathe dauerten. Einer von
ihren alten Oberhaͤuptern erzaͤhlte mir auſſerdem,
daß er vor ſechs und vierzig Wintern an der Spitze
von funfzig Kriegern, gegen Suͤdweſten drey Mo⸗
nathe lang marſchirt waͤre, daß ſie auf ihrem Zuge,
wie fie über eine Ebene giengen, einen Trupp Leute
zu Pferde geſehn haͤtten, die zu dem ſchwarzen
Volke gehoͤrten; denn ſo nennen ſie die Spanier. |
So bald, als fie fie erblickten, giengen ſie behut⸗
Cervers Reiſen. B ſam
18
ſam zu Werke, und verbergen ſch, bis die begeht
einbrach, worauf ſie ſich ſo nahe an fie zogen daß
ſie die Anzahl und Stellung ihrer Feinde entdecken
konnten. Sie ſahen, daß ſie nicht im Stande
waͤren, mit einer ſo uͤberlegenen Anzahl bey Tage
zu fechten, und warteten daher bis ſie ſich zur Ruhe
begeben hatten, worauf ſie ſie uͤberftelen, und
nachdem ſie den groͤßten Theil der Leute niederge⸗
macht hatten, achtzig Pferde erbeuteten, die,
wie ſie ſich ausdruͤckten, mit weiſſen Steinen bela⸗
den waren. Ich vermuthe, daß dies Silber war,
da er mir ſagte, daß die Pferde damit be eſchlagen
und die Geſchirre damit verziert geweſen waͤren.
Wie ſie ihre Rache gefättige hatten, und fo weit
gekommen waren, daß die Spanier, die ihrer
Wuth entgiengen, ſie nicht weiter erreichen konnten,
fo lieſſen fie die ſchwere und unnuͤtze daſt, womit
ihre Pferde beladen waren, zurück, ſetzten ſich
auf/ und kamen auf dieſe Art wieder zu ihren
Freunden. Der Trupp, den ſie uͤberfielen, war
vermuthlich die Karavane, die jaͤhrlich das Silber
nach Mexico bringt, welches die Spanier in großer
Menge auf den Gebirgen finden, die nahe bey der
Quelle des Colorado liegen; und die Ebene, wo
ſie ſie angriffen, lag wahrſcheinlich auf dem
Wege zu den Quellen des ” St. non oder des
' Nord⸗ i
19
Nordfluſſes, der weſtwärts vom Wifi in den
een von Mexico faͤllt. ö
Die Winnebagoer koͤnnen ungefähr: en;
a. Krieger auf bringen. Ihre Ortſchaft enthaͤlt
ungefahr funfzig Haͤuſer, die ſtark mit Palliſaden \
gebaut find, und die Inſel, worauf ſie liegt ‚it
ungefähr funfzig engliſche Morgen groß. Sie
liegt fünf und dreyßig Meilen von der gruͤnen
Bucht, wenn man nach dem e des Fluſſes
| . ER
Der 9 Fluß hat 90 vier bis fünf Meilen; von
ber er Bucht einen gelinden Lauf, weiter hinauf aber
bis an den See Winnebago iſt er voller Felſen und
läuft ſehr ſchnell. An verſchiedenen Stellen was
ren wir ungen unſre Kanoen ans land zu ziehn,
und eine beträchtliche Strecke zu tragen. Seine
Breite von der gruͤnen Bucht bis an den See
Winnebago betraͤgt überhaupt zwey bis dreyhundert
Fuß. Das Land an feinen Ufern iſt gut, und
dünn mit Eichen, Haſeln und weißen Wala
bäumen ) bewachſen. e
Der See Winnebago iſt ua eon |
Meilen von Oſten nach Weſten lang, und ſechs
Meilen breit. An ſeinem ſuͤdweſtlichen Ende
ee B 8 | falle
* Hiekery, Jug alba toliolis lanceolatis ſerratis,
exterioribus latioribus. Miller Art. Juglans Nro. 4.
fällt ein Fluß hinein, der nicht weit von einem
von den noͤrdlichen Armen des Fluſſes Illinoa ent⸗
ſpringt. Ich nannte ihn den Crocodillenfluß wegen
einer Geſchichte, die unter den Indiern von einem
Thiere erzaͤhlt wird, das ſie darin fodteten, und
daß nach ihrer Beſchreibung ein Erocobil oder Alli⸗
gator geweſen ſeyn muß. |
Die € Gegend um den See iſt ſehr fruchtbar, und
hat einen Ueberfluß an wild wachſenden Trauben,
Pflaumen und andern Fruͤchten. Die Winne⸗
bagoer ziehn an demſelben eine Menge indiſches
Korn, Bohnen, Kuͤrbiſſe, Melonenpfeben “) und
| Waſſermelonen, und etwas Toback. Der See
ſelbſt hat einen Ueberfluß an Fiſchen, und gegen
das Ende des Jahrs findet man haͤufig il e Gaͤnſe,
Endten und Kriechendten“) darauf. Die lezten
kommen in großer Anzahl dahin, und ſind vorzuͤg⸗
lich gut und fett, und haben einen weit beſſern Ge⸗
ſchmack, als die, welche man an der See findet,
da fie ihr ſtarkes Fett von dem wilden Reiſe feßen,
der in dieſen Gegenden ſehr haͤufig waͤchſt.
Ich verließ die Ortſchaft der Winnebagoer den
neun und zwanzigſten September, nachdem ich der
guten alten een etliche anne Geſchenke
gemacht
l
10 > "Cüenrbita Melopepo, Sue, 5,
dene) Anas ecrecta L. Teal.
' 8 2
gemacht und ihren Segen erhalten hatte, und kam
zwölf Meilen davon, an die Stelle, wo der Fuchs⸗
6 fluß auf der Nordſeite in den See faͤllt. Wir gien⸗
gen dieſen Fluß hinauf und erreichten den ſiebten
October den großen ages der ibn von Wein
Uisconſin trennt.
Der Fuchsfluß iſt von der grünen Bucht bis an
den Trageplatz ungefähr hundert und achtzig Mei⸗
len lang. Von dem See Winnebago bis an den
Trageplatz iſt fein Lauf ſanft, und feine Tiefe be⸗
traͤchtlich, dem ungeachtet koͤnnen Kanoen an ver⸗
ſchiedenen Stellen nur mit Muͤhe durchkommen,
da ihnen die großen und dicken Reisſtengel, die
hier häufig wachſen, im Wege ſtehn. Die Ge⸗
| gend hier herum iſt fehr fruchtbar, und zum Anbau
ungemein geſchickt, etliche wenige Stellen nahe am
Fluſſe ausgenommen, wo ſie zu niedrig liegt. Sie
iſt nirgends zu ſehr mit Holz bewachſen, aber doch
hinreichend, um jede Anzahl von Einwohnern zu
ihren eignen Beduͤrfnißen reichlich damit zu verſe⸗
hen. Auf meiner ganzen Reiſe traf ich keine ſo große
Schwaͤrme von wilden Voͤgeln an, als bier, wo ſie
oft die Sonne etliche Minuten lang verdunkelten.
| Ungefähr vierzig Meilen den Fluß hinauf von
derf großen Ortſchaft der Winnebagoer, liegt eine
kleinere, die ebenfalls dieſer Nation gehört.
| | 3 Wild⸗
— und Bären find: in dieſen Gegen
ſehr zahlreich, und es wird eine große Menge Bie⸗
ber und andre Rauchthiere an den . die
in dieſen Fluß fallen, gefangen.
Dieſer Fluß war vor achtzig Jahren wegen des
Aufenthalts der vereinigten Voͤlkerſchaften der Ot⸗
tigamier und Sakier berühmt, denen die Franzo⸗
ſen ihrer oͤblichen Gewohnheit zufolge den Bey⸗
nahmen der Saͤcke und Fuͤchſe (des Saes & des Re-
nards) gegeben hatten, und wovon mit N Indier
folgende Anekdote erzaͤhlte.
Vor ungefähr ſechszig a hren, da dee ſtanzöſſchen
Miſſtonarien und Handelsleute wiederhohlten Be⸗
leidigungen von dieſem Volke waren ausgeſetzt ge⸗
weſen, ſo ward eine Parthei Franzoſen und Indier
unter dem Hauptmann Morand abgeſchickt, um
das ihnen wiederfahrne Unrecht zu raͤchen. Der
Hauptmann brach im Winter von der gruͤnen
Bucht auf, da die Indier ſich einen folchen Beſuch
gar nicht vermuthen waren, marſchirte über den
Schnee bis an ihre Dörfer, die ungefähr fünfzig
Meilen den Fuchsfluß hinauf lagen, und uͤberſiel
fie plötzlich. Er uͤberwand ſie leicht „da ſie ſich
nicht zu ſeinem Empfange vorbereitet hatten, und
ktoͤdtete oder nahm den größten Theil von ihnen
| gefangen. Auf dem Nückmarfehe der Franzosen
nach
e
aer 23
ach der en Bucht ſtand einer von den indi⸗
ſchen Anfuͤhrern, der mit ihnen im Buͤndniſſe war,
und einen betraͤchtlichen Haufen Gefangnen unter
ſeiner Aufſicht hatte, ſtill, um aus einem Bache
zu trinken, unterdeſſen aber giengen ſeine Gefaͤhr⸗
ten weiter. Eine von den gefangnen Weibern be⸗
merkte dies und ergriff ihn, wie er ſich eben nie⸗
derbuͤckte um zu trinken, bey einer aͤuſſerſt em⸗
pfindlichen Stelle, und bielt ihn daran feſt, bis er
todt war. Da der Anführer wegen des ſchreckli⸗ g
chen Schmerzens nicht im Stande war, ſeine Ge⸗
fahrten um Huͤlfe zu rufen „ oder ſonſt Laͤrm zu
machen ſo giengen fie, ohne zu wiſſen was vor⸗
gieng, weiter. Die Frau ſchnitt darauf die Bande
ihrer Mitgefangnen, „ die ſich im Hinterzuge be⸗
fanden, entzwey, und entfloh mit ihnen glücklich.
Dieſe Heldin ward nachher von ihrer Nation im⸗
mer als ihre Befreierin angefehen, und zu einer An⸗
| führerin erwaͤhlt, mit dem Vorrechte, dieſe Ehre
auf ihre Nachkommen zu vererben. Ein unge⸗
ohnlicher Vorzug, der nur bey ganz beſondern
Gelegenheiten zugeſtanden wird.
Ungefaͤhr zwoͤlf Meilen, ehe ich den Trageplaz
erreichte, beobachtete ich einige kleine Huͤgel, die
ſich bis an ihn erſtreckten. Ihre Größe war zwar
0 Mi daß man fie in Vergleichung mit
> 4 den
’ 5
*
—
den Bergen hinten an den Kolonien für Maul:
wurfs haufen halten konnte, aber da es die erſten
waren, die mir zu Geſichte kamen, nachdem ich
Niagara verlaſſen hatte, eine Entfernung von un⸗
gefaͤhr eilfhundert Meilen, ſo konnte ich nicht um⸗
hin, ihrer zu erwaͤhnen. 0 Den
Der Fuchsſluß iſt bey ſeinem Einfluſſe in den
See Winnebago ungefaͤhr funfzig Ellen weit, aber
er wird, etliche wenige Stellen ausgenommen,
wo er ſich in kleine Seen ausdehnt, allmaͤhlig
ſchmaler bis an den Trageplatz, wo ſeine
Breite nur fünf Ellen betraͤgt, doch bleibt
ſeine Tiefe noch immer betraͤchtlich. Sonſt finde
ich weiter nichts Merkwuͤrdiges an dieſem Fluffe,
als daß er fuͤnf Meilen lang ſo ſchlaͤngelnd fließt,
daß er in ſeinem Laufe nur eine Viertelmeile da⸗
durch gewinnt. e ir e
Der Trageplatz zwiſchen dem Fuchsfluſſe und |
Uisconſin iſt nur ſieben viertel Meile breit, unge⸗
achtet auf verſchiednen Karten ſeine Weite zehn
Meilen betraͤgt. Ueberhaupt ſind alle Karten, die
ich von dieſen Gegenden geſehn habe, aͤuſſerſt feh⸗ ;
lerhaft. Die Fluͤſſe haben darauf eine von ihrer
wuͤrklichen ganz verſchiedne Richtung, und viele
von ihren Armen, hauptſaͤchlich vom Miſſiſippi, find
ganz ausgelaſſen. Auch die Entfernungen zwiſchen
N | Oertern
b 25
Dertern ſind ſehr falſch angegeben. Ob die fran⸗
zöſiſchen Erdbeſchreiber, (denn die engliſchen Kar⸗
ten ſind alle nur Kopien von franzoͤſiſchen) aus
Abſicht oder aus Mangel einer richtigen Kentniß
der Gegend dieſe Fehler gemacht haben, kann ich
nicht beftimmen; nur iſt ſo viel gewiß, daß Rei⸗
ſende, die ſich in den Gegenden, welche ich beſucht
habe, auf ſie verlaſſen, oft in Verlegenheit gera⸗
then werden. Ich maaß die ganze Gegend, welche
ich durchreiſte, aufs genauefte, und kann daher
verſichern, daß der Abriß, den ich dieſem Werke
bengefügt habe, weit richtiger gezeichnet iſt, als
3 einer von den vorhergehenden. Ä
= v =
Ungefaͤhr auf dem halben Wege zwiſchen d den
beben Fluͤſſen iſt ein mit einer langen Art von
Gras uͤberwachſener Moraſt, der uͤbrige Theil iſt
eben, und mit etlichen Eichen und Fichten bewach⸗
ſen. Ich fand hier eine Menge Klapperſchlangen.
Herr Pinniſance, ein franzofifcher Kaufmann, ers
zaͤhlte mir von einer eine merkwuͤrdige Geſchichte,
wovon er Augenzeuge geweſen ſeyn wollte. Ein
Indier, der zur Voͤlkerſchaft der Menomonier ge⸗
hoͤrte, ſieng eine, und fand Mittel ſie zahm zu ma⸗
chen. Er verehrte ſie, wie ſeinen Gott, nannte
ſie immer ſeinen großen Vater, und trug ſie in
einer Schachtel uberall bey ſich. Dies hatte der
B 5 In⸗
=.
2
Indier verſchiedne W hindurch gethan, als
Herr Pinniſanee ihn zufaͤlligerweiſe an dieſem Tra⸗
geplatze antraf, grade wie er auf die Winterjagd
gehn wollte. Herr Pinniſance wunderte ſich un⸗
gemein, als er den Indier eines Tages die Schach⸗
tel, worinn er ſeinen Gott hatte, niederſetzen,
und den Deckel aufmachen ſah, um ihm die Frei⸗
heit zu geben. Er befahl ihr dabey genau, um die
Zeit, wenn er zuruͤck kommen wuͤrde, den folgenden
May, ſich wieder einzufinden. Da es damahls
erſt Oktober war, fo ſagte Herr Pinniſance zum
Indier, uͤber deſſen Einfalt er ſich ſehr wunderte,
daß er wahrſcheinlicherweiſe kuͤnftigen May lange
genug auf die Ankunft ſeines großen Vaters wuͤrde
warten muͤſſen. Allein der Indier hatte ein ſo gu⸗
tes Zutrauen zum Gehorſam dieſes Geſchoͤpfs, daß
er ſich zu einer Wette von acht Quartier Rum er⸗
bot, daß die Klapperſchlange zur beſtimmten Zeit
zuruͤck kommmen, und in ihre Schachtel kriechen
wuͤrde. Die Wette ward angenommen, und die
zweyte Woche im kuͤnftigen Monath May zur Ent⸗
ſcheidung feſtgeſetzt. Sie kamen beyde in dieſem
Monathe wieder zuſammen, und der Indier ſetzte
feine Schachtel hin, und rief ſeinen großen Vater.
Die Schlange hoͤrte ihn nicht, und da die Zeit
vorbey war, fo geſtand er ein, daß er verlohren
hätte, N
hätte, erbot ſich aber zugleich, „die Wette doppelt
zu bezahlen „wenn fein großer Vater in zwey Tas
gen nicht gurückfäme. Auch dies ward angenom⸗
men. Den zweyten Tag um ein Uhr kam die
5 Schlange unvermuthet zuruͤck, und kroch von ſelbſt
in die Se
| Pinniſance verſicherte, fuͤr die Richtigkeit dieſer
| Geſchic te einſtehn zu koͤnnen, und nach dem zu
urtheilen, was ich oft von der Gelehrigkeit dieſer
Thiere gehoͤrt habe, ſehe ich keine Urſache, ſeine
Wahrheitsliebe i in Zweifel zu ziehn.
Ich bemerkte, daß der Hauptarm des Fuchsfluſſes
| n Suͤdweſten und der Uisconſin von Nordoſten
kam; und daß etliche kleine Nebenarme von dieſen
Fluͤſſen fi) einander etwas ſuͤdwaͤrts vom Trage⸗
platze bis auf etliche Fuß naͤherten. Es giebt auf
dem großen feſten Lande von Amerika faſt kein aͤhn⸗
liches Beyſpiel, daß zwey ſolche Fluͤſſe, die ſo
nahe bey einander entſpringen, einen ſo entgegen
0 geſetzten Lauf nehmen, und i in einer ſo ungeheuren
Entfernung von einander ins Meer fallen; denn
der Fuchsfluß geht durch verſchiedne große Seen,
. and fällt nach einem Laufe von mehr als zweytau⸗
ſend Meilen in den Meerbufen von St. Lorenz, und
der Uisconſin vereinigt ſich mit dem Miſſtſippi,
und ergießt ſich nach einem eben ſo weiten Laufe in
2 er En den
chachtel, die fuͤr ſie hingeſetzt war. Herr N
rr N 22 - er te * . a
2 . Are . rs A NR PT LE 2 ——
28
den Meerbuſen von Mexico. Ich hatte das fol⸗
gende Jahr Gelegenheit, eine ähnliche Bemerkung
über die Nähe der Hauptarme des dorenzfluſſes und
des Miſſiſippi zu machen, und fuͤhre ſie hier als
einen Beweis an, daß die Meinung der Erdbe⸗
ſchreiber, daß Fluͤſſe, die ſo nahe bey einander
entſpringen, aus einerley Quelle entſtehn muͤſſen,
irrig iſt. Denn ich ſah deutlich eine voͤllige Ab⸗
ſonderung zwiſchen beyden, ungeachtet ſie ſich ſo
nahe kamen, daß ich von einem 59 zum andern
ſchreiten koͤnnen. |
Den achten October brachten wir unte Kanoen
in den Fluß Uisconſin, der hier uͤber dreyhundert
u Fuß breit iſt, und kamen den Tag darauf nach der
großen Ortſchaft der Sakier. Dies ft der größte
und am ſchoͤnſten gebaute indiſche Ort, den ich je
geſehn habe. Er beſteht aus neunzig Haͤuſern,
wovon jedes fuͤr etliche Familien Raum hat. Sie
ſind aus zugehauenen und huͤbſch an einander ge⸗
fügten Brettern gebaut, und fo dicht mit Rinde
gedeckt, daß kein Regen durchdringen kann. Vor
den Thuͤren ſtehn bequeme Schauer, worunter die
Einwohner ſitzen, wenn es die Witterung erlaubt,
und ihre Pfeiffe rauchen. Die Straßen ſind regel⸗
mäßig und geräumig, fo daß dieſer Ort überhaupt
be 4 das Anſehn eines * geſitteter
Ein⸗
2 29
Einwohner als eines Wohuplatzes roher Wilden
hat. Das Land um die Stadt herum iſt ſehr gut. |
In ihren Pflanzungen, die bey ihren Haͤuſern lie⸗
gen, und recht artig angelegt ſind, bauen ſie eine
Menge indiſch Korn, Bohnen, Melonen u. ſ. w.
und dieſer Ort wird daher auf einer Strecke von
achthundert Meilen für den beften Markt fuͤr die
Kaufleute, ſich mit Lebensmitteln zu verihen,
gehalten.
Die Sakier konnen 8 3 Mann
| aufbringen „die gewöhnlich alle Sommer Strei⸗
fereyen in die Gebiete der Alineſen und Panier
vornehmen, von welchen ſie oft mit einer großen
Anzahl S Sklaven zuruͤckkommen. Allein dieſe bey⸗
3 den Volkerſchaften brauchen oft das Recht der
| Wiedervergeltung, und bringen manchen von den
| safiern ums Leben; und dies iſt vermuthlich die
Ief he, warum HA: u nicht ſchneller aus |
nimmt. N
Wie ich mich bier aufbieft, Me beſuchte ich die
Gebirge, die etwa funfzehn Meilen gegen Suͤden
liegen, und einen Ueberfluß an Bleyerzt haben.
Ich beſtieg einen von den hoͤchſten Bergen, wo⸗
von ich eine weite Ausſicht hatte. Viele Meilen
weit ſah man nichts, als niedrigere Berge, auf
a denen gar keine Baͤume wuchſen, ‚ und die daher in
einer
2 wre EEE 2 ee) 2 T
A
einer Entfernung wie J
etliche Waͤlder von Waben Walnußbaͤumen und
verwitterten Eichen bedeckten etliche von den Thaͤ⸗
lern. Bley giebt es hier ſo haͤufig, daß ich eine
i große Menge davon auf den Gaſſen in dem Ort
der Sakier herumliegen ſah, und es ſchien dem
Bley aus We Lndern n an Güre nach
| geben.
Den zehnten Oktober giengen. wir weiter ben |
Fluß hinab, und kamen den naͤchſten Tag an die
Ortſchaft der Ottigamier. Dieſer Ort enthaͤlt
ungefaͤhr funfzig Haͤuſer, wovon wir aber die mei⸗
ſten wegen einer anſteckenden Krankheit verlaſſen
fanden, die hier vor einiger Zeit gewuͤthet, und
uͤber die Haͤlfte der Einwohner aufgerieben hatte.
Der größte Theil von den übrigen war in die Waͤl⸗
15 geflohen, um der Anſteckung zu entgehen. -
Den funfjehnten kamen wir auf den großen Fluß
Dr ſippi. Der Uisconſin hat von dem Trageplatze |
bis an feinen Einfluß in den Miſſeſippi einen ebenen
aber ſtarken Lauf; ; fein Waſſer iſt auſſerordentlich
klar, und man ſieht dadurch einen reinen ſandigten
Boden, ohne viele Felſen. Es giebt nur wenige
Inſeln darin, wovon der Boden gut zu ſeyn ſchien,
doch waren ſie etwas mit Holz bewachſen. Auch
11 ach nahe am Fluſſe hatte uͤberhaupt ein vor⸗
N
Heuſchober ausſahen. Nur
| 3¹
trefliches Anſehn, aber in einiger Entfernung da⸗
von iſt es voller Berge, die viele Dimaniben ent⸗
halten ſollen. | |
Ungefehr fünf Meilen von der ee die⸗
fer beiden Fluͤſſe bemerkte ich die Ruinen eines
großen Ortes, der eine ſehr ſchoͤne tage gehabt
hatte. Ich erkundigte mich bey den e f
Indiern, warum dieſer Ort verlaſſen waͤre, und
erfuhr, daß vor ungefahr dreiſſ ig Jahren der große
Geiſt ſich auf der Spitze einer Pyramide von Selen,
die i in einer kleinen Entfernung weſtwo arts von dem
Orte lag, gezeigt, und den Einwohnern angedeutet “
9 haͤtte, i re Wohnungen zu verlaſſen, weil das Land,
worauf ſie gebaut waͤren, ihm gehörte, und er es jezt
brauchen muͤßte. Zum Beweiſe, daß er, der ihnen
dies beföhle, wirklich der große Geiſt waͤre, ſollte
unverzuͤglich auf den Felſen, von denen er mit
ihnen ſpraͤche, und die fie als vollig an
kennten, Gras hervorwachſen. Die Indier ge⸗
horchten, und fanden bald nachher, daß dieſe wun⸗
derbare Veraͤnderung ſich wirklich zugetragen haͤtte.
Sie zeigten mir die Stelle, und ich fand an dem
Graswachſen hier gar nichts uͤbernatuͤrliches. Ver⸗
muthlich war dies eine Lift der Spanier oder Frans
zoſen, die fie aus eigennuͤtzigen Abſichten ausübten,
allein die Art, wie ſie ne ausfuͤhrten, iſt mir
unbekannt. i N „Dieſe
u a Ne EL r. u ene e - — * 1 rn
2 25 2 PEN ccc
Dieſe Indier bauten bald bad ihrem. *
einen Ort am Miſſt ippi, nicht weit von der Muͤn⸗
dung des Uisconſin, auf einer Stelle, welche die
Franzoſen la prairie des chiens, die Hundswieſe,
nannten. Der Ort iſt groß, und enthaͤlt dreihun⸗
dert Familen. Die Haͤuſer ſind nach indiſcher
Art gut gebaut, und haben eine anmuthige Lage
auf einem fruchtbaren Boden, der alle Lebensbe⸗
duͤrfniſſe im großen Ueberfluſſe hervorbringt. Ich
ſh hier viele Pferde von einer guten Groͤße und
Bildung. Dieſer Ort iſt der große Markt, wo alle
benachbarten Stämme, und ſelbſt die, welche an
den entfernteſten Armen des Miſſtſippi wohnen, ſich
alle Jahr gegen das Ende des Mays verſamlen,
und ihr Pelzwerk an die Handelsleute verkaufen.
Allein der Kauf wird nicht i immer hier geſchloſſen. .
Dies koͤmmt auf den allgemeinen Rath ihrer Ober⸗
haͤupter an, die beſtimmen, ob es ihnen vortheil⸗
hafter iſt, ihre Waaren hier zu verkaufen, oder ſie
nach fouifiana oder Miſchillimackinae zu bringen.
Dem Schluſſe dieſes Rathes zufolge, gehn ſie ent⸗
weder weiter, oder kehren nach Kr DE |
| en ru |
Der Miſſtſippi iſt bey Sem influffe des Uisconfin,
nahe bey welchem ein Berg von einer betraͤchtli⸗
chen Hoͤhe liegt, etwa eine halbe Meile breit.
f Allein
— ER — ͥͤ — — —
Allein bey dem eben erwaͤhnten Orte ſcheint er uͤber
eine Meile breit zu ſeyn, und iſt voller Inſeln, die
einen ſehr reichen Boden haben, aber duͤnn mit
Holz bewachſen ſind. |
Auf der andern Seite, etwas weiter gegen We⸗
ſten, faͤllt ein kleiner Fluß i in den Miſſiſippi, wel:
chen die Franzoſen la riviere jaune, den gelben
Fluß nennen. Hier ſchlugen die Handelsleute, die
mich bisher begleitet hatten, ihr Winterwohnung
| auf. Ich kaufte mir daher einen Kanoe, und gieng
mit zwey Bedienten, einem franzöſiſchen Kanadier,
und einem Mohaak aus Kanada, den een
den Miſſtſippi weiter hinauf. |
Ungefähr zehn Tage, nachdem ich die Kaufleute
verlaſſen hatte, ſtieg ich, wie ich gewohnlich alle
Abende that, ans Land, und befahl meinen geuten,
wie es dunkel ward, ſich niederzulegen, und zu
ſchlafen. Ich ſetzte mich unterdeſſen bey einem
lichte, das ich brennen hatte, hin, um die Bemer⸗
kungen, die ich den vorigen Tag gemacht hatte,
abzuſchreiben. Gegen zehn uhr, wie ich eben
damit fertig war ‚ trat id) vor mein Zeft, um zu
ſehn, was für Wetter wir haͤtten. Als ich meine
Augen gegen die Seite des Fluſſes zu richtete, ſah
ich beym Scheine der Sterne, die einen hellen
Lem von ſich warfen . etwas ei das einer. Heerde
Carvers Reifen. € 4 Vieh
34 | Bag
Vieh aͤhnlich war, einen Abhang in einer Enfer .
nung herunter kommen. Wie ich noch ungewiß
war, was dies etwa ſeyn konnte „ ſo ſprang einer
davon auf, und zeigte mir eine Menſchengeſtalt.
In einem Augenblick waren ſie alle auf den Fuͤßen, d
und ich zahlte zehn bis zwoͤlf, die auf mich zuliefen.
Ich gieng ſchnell in mein Zelt zuruͤck, weckte meine
Leute und befahl ihnen ihr Gewehr zu nehmen,
und mir zu folgen. Da ich hauptſaͤchlich für meinen
Kanoe beſorgt war, fo lief ich nach dem Waſſer h
zu, und fand eine Parthey Indier, denn dafuͤr er⸗
kannte ich ſie jezt, eben im Begrif, ihn zu plünbern.
Ehe ich an fie Fam, befahl ich meinen Leuten, nicht
zu feuern, ehe ich ihnen zuriefe, da ich nicht gerne
ohne die aͤuſſerſte Noth Feindſeligkeiten anfangen
wollte. Ich gieng deswegen entſchloſſen auf ſie
los, bis dicht an die Spitzen ihrer Spieße, die ihre
einzigen Waffen waren, und fragte ſie, indem ich
meinen Hirſchfaͤnger herum ſchwang, mit rauher
Stimme, was ſie wollten? Sie erſtaunten nicht
wenig daruͤber, und da ſie ein heiſſes Willkommen
befuͤrchteten, ſo kehrten ſie um, und giengen ge⸗
ſchwinde fort. Wir verfolgten fie bis an ein nahlie⸗
gendes Holz, in welches ſie ſich begaben, und ſahen
nichts weiter von ihnen. Jedoch wachten wir wech-
ſelsweiſe die ganze Nacht, aus Furcht, ſie zuruͤck
kom⸗
35
kommen zu ſehen. Den Tag darauf aͤuſſerten meine
Bedienten große Furcht, und baten mich inſtaͤndig,
zu den Handelsleuten, die wir vor kurzem verlaſſen |
hatten, zurück zu kehren. Allein ich ſagte ihnen,
wenn man ſie nicht fuͤr alte Weiber halten ſollte,
(der ſchimpflichſte Vorwurf, den man einem In⸗
dier RR kann) fo müßten fie mir folgen, denn
ich waͤre entſchloſſen, meine Reiſe fortzuſetzen, da
ein Englaͤnder, „wenn er ſich einmahl auf ein Uns
ternehmen eingelaſſen haͤtte, nie zuruͤck zoge. Sie
fliegen auf dieſe Erinnerung in den Kanoe, und
ich gieng fängft dem Ufer hin, um ſie gegen fernere
Angriffe zu bedecken. Ich erfuhr nachher, daß
dieſe Parthey Indier, die uns berauben wollte,
aus Sandftreichern beſtand, die verſchiedner Ver⸗
brechen wegen aus ihren Staͤmmen vertrieben
waren. Sie lebten jezt vom Raube, und waren
den Reiſenden, die in dieſe Gegenden kamen,
ſehr beſchwerlich. Sie verſchonen ſelbſt Indier
nicht. Die Handelsleute hatten mich vorher ge⸗
warnt, auf meiner Hut gegen ſie zu ſeyn 0 und ich
muß allen, deren Geſchaͤfte fie in dieſe Gegenden
fuͤhren konnte, dieſe Warnung wiederholen.
Den erſten November kam ich beym See Pepin
an, der eigentlich nur eine Erweiterung des Fluſſes
eh hp iſt, welcher die Franzoſen dieſe Benen⸗
. nung
| 36 e e,
nung gegeben boben Er liegt ungefaͤhr zweyhun⸗
dert Meilen vom Uisconſin. Der Miſſt ſippi fließt
unterhalb dieſes Sees ſehr gelinde, allein ſeine
Breite iſt ſehr abwechſelnd, da ſie an einigen
Stellen uͤber eine Meile, an andern hingegen kaum
eine Viertelmeile betraͤgt. Dieſer Fluß hat in
ſeiner ganzen Laͤnge auf beyden Seiten eine Reihe
von Gebirgen, die an einigen Stellen dicht darauf
ſtoßen, an andern aber in einer Entfernung von f
ihm liegen. Das Land zwiſchen den Gebirgen und
um ſie herum iſt mit Gras bed und man trift
nur hin und wieder zerſtreute W daͤlder an, bey wel⸗
chen man oft große Heerden von Wild und Elend⸗
thieren weiden ſieht. An vielen Stellen zeigten ſich
Felſenpyramiden, die wie alte verfallene Thuͤrme
aus ſahen; an andern gab es fuͤrchterliche Abgründe;
und was ſonderbar iſt, ſo iſt die andre Seite des
Berges, der einen ſolchen Anblick macht, oft mit
den ſchoͤnſten Kräutern bewachſen, die ſich ſtuffen⸗
weiſe bis an ſeinen Gipfel erſtrecken. Von dieſen
Bergen hat man eine unbegraͤnzte und ſo ſchoͤne
Ausſicht, als man ſich nur denken kann Gruͤne
Ebenen, fruchtbare Wief ſen, zahlreiche Inſeln, und auf
allen dieſen eine Menge von verſchiednen Baͤumen,
die ohne Sorgfalt und Kultur einen Ueberfluß von
Fruͤchten liefern, und worunter Nußbäͤume,
ng | Zucker⸗
Er — 72 | 37
Zuckeraborn“) mit Trauben beladene Weinſtöcke,
und Pflaumenbaͤume, die ſich unter ihrer reizen⸗
den Laſt biegen, die vornehmſten ſind. Doch nichts
macht einen fehonern Anblick als der ſilberne Strom,
der unten ſanft vorbeyfließt, und ſo weit reicht,
daß man ihm mit den Augen nicht folgen kann.
. Ses iſt ungefahr zwanzig Meilen lang, und
faſt ſechs breit; an verſchiednen Stellen iſt er ſehr
tief, und hat einen Ueberfluß an allerley Ar⸗
ten von Fiſchen. Es beſuchen ihn und die benach⸗
\ barten Fluͤſſe ebenfalls eine Menge Voͤgel, als
Stoͤrche, Schwaͤne, Gaͤnſe, und Enten; und
in den Waͤldern trift man haͤufig Calekutſche Huͤh⸗
ner und Rebhuͤner an. Auf den Ebenen giebt es
die groͤßten Buͤffelochſen in ganz Amerika. Ich
ſäah hier noch die Ruinen von einer Frangöfifchen
Faktoren, wo ſich Hauptmann St. Pierre, vor
der Eroberung von Canada, aufgehalten, und
einen anſehnlichen Handel mit den Nadoweſſtet ern
getrieben haben ſoll. |
Ungefähr ſechzig Meilen unterhalb des Sees
ligt ein Berg grade in der Mitte des Fluſſes, und
hat das Anſehn, als wenn er vom Ufer in den
Strom berabgegliſcht waͤre. Man kann ihn keine
| Nen nennen, da er gleich von der en |
Ä C 595 | N Rn an
5 Acer facharinum. L.
5
an zu einer beträchtlichen Höhe aufſteigt. Indier
und Franzoſen nennen ihn den Berg im Fluſſe.
Ich ſtieg eines Tages am Ufer des Miſſtſippi
etliche Meilen unterhalb des Sees Pepin ans Land,
und waͤhrend der Zeit, daß meine Gefaͤhrten mein
Mittagseſſen zurechte machten, gieng ich herum,
um die Gegend in Augenſchein zu nehmen. Ich
war noch nicht weit gegangen, | als ich auf eine
bübſche und ofne Ebene kam, auf der ich in einer
Entfernung eine Erhöhung anſichtig ward, die wie
eine Verſchanzung ausſah. Wie ich ſie genauer
unterſuchte, ſo fand ich noch gröffere Urſache zu
glauben, daß ſie wuͤrklich vor einigen Jahrhunder⸗
ten zu dieſem Endzweck gedient hatte. Sie war
zwar jezt ganz mit Gras bewachſen, allein ich konn⸗
te deutlich unterſcheiden, daß ſie ehemals aus einer
vier Fuß hohen Bruſtwehr beſtanden, die ſich faſt auf
eine Meile erſtreckte, und Raum genug fuͤr fuͤnftau⸗
ſend Mann hatte. Jyre Figur war beynahe kreis⸗
formig, und ihre Flanken erſtreckten ſich bis an den
Fluß. So ſehr dies Werk auch durch daͤnge der Zeit
2 gelitten hatte, fo konnte man doch noch jeden Winkel
daran unterſcheiden, und es ſchien fo regelmaͤßig
und mit ſo vieler Kriegskenntniß aufgeworfen zu
ſeyn, als ob Vauban es ſelbſt angelegt haͤtte. Der
Graben war nicht mehr ſichtbar, allein es ſchien
. | - mir
1
Il
7
3
ee i 29
mir doch bey genauer Untersuchung / als ob einer
da geweſen waͤre. Auch ſeine Lage ſcheint zu be⸗
weiſen, daß es zur Veſtung diente. Die Vorder⸗
feite davon ſtieß auf die Ebene und die Hinterſeite
auf den Fluß. Es gab in der Naͤhe keine Hoͤhe,
von der man es hätte beſtreichen koͤnnen, und nur
etliche Eichen ſtanden zerſtreut um daſſelbe herum.
An verſchiednen Stellen fand ich ſchmahle Wege, die
von den Fuͤßen der Elendthiere und Rehe, die
daruͤber gelaufen, entſtanden waren. Die Tiefe
des Bettes von Erde, womit es bedeckt war, be⸗
wies ſein hohes Alter. Ich unterſuchte alle Win⸗
kel und uͤbrigen Theile mit großer Genauigkeit, und
habe es oft nachher bedauert, daß ich nicht auf der
Stelle einen genauen Abriß davon nahm. Zum
Beweiſe, daß dieſe Beſt 8 nicht von einer
erhitzten Einbildungskraft t herruͤhrt, erfahre ich nach
meiner Ruͤckkunft, daß Herr Pierre und verſchiedne
Handelsleute ahnliche Verſchanzungen entdeckten,
uͤber die ſie einerley Anmerkungen mit mir mach⸗
ten, ohne ſie doch ſo genau unterſucht zu haben, 0
als ich es that. Wie ein Werk von dieſer Art in
| einem Lande entſtehn konnte, daß nach unſrer Mey⸗
nung bisher bloß der Sitz des Krieges zwiſchen un⸗
0 wiſſenden Indiern war, deren ganze Kriegswiſſen⸗
N ſchaſ vor zweybundert Jahren noch blos im Bogen⸗
\ AN ſpannen
ſpannen beſtand, und deren ganze Verſchanzung
noch jetzt ein dicker Buſch iſt, wage ich nicht zu bes
ſtimmen. Ich habe eine fo genaue Beſchreibung
von dieſer ſonderbaren Erſcheinung gegeben, als
mir moͤglich war, und uͤberlaſſe es kuͤnftigen Unter⸗
ſuchungen zu entſcheiden, ob ſie von Natur oder
Kunſt herruͤhre. Vielleicht geben meine Muth⸗
maſſungen Anlaß, die Sache einer genauern Be⸗
trachtung zu wuͤrdigen, die uns vielleicht ganz ver⸗
ſchiedene Begriffe von dem alten Zuſtande von Rei⸗
chen machen wird, welche wir bisher blos für eine
Wohnung der Wilden von den älteften Zeiten an
gehalten haben. N e
Der Fluß Miſſtſippi iſt bis an den Fluß St.
Erbix, dreißig Meilen über den See Pepin, voller
Inſeln, von denen einige eine beträchtliche Lange
haben. Auf dieſen wachſen ebenfalls viele Zuk⸗
kerahorne, um die ſich mit Trauben belaſtete Wein⸗
reben bis an die Gipfel hinauf ſchlingen. Ueber⸗
halb des Sees ſieht man wenig Berge, und ſelbſt
dieſe ſind nur niedrig. Nahe beym Fluſſe St. Croix
halten ſich drey Stämme von Nadoweſſtern auf,
welche die Flußſtaͤmme genannt werden.
Die Nation beſteht jetzo aus eilf Stämmen.
Urſpruͤnglich waren ihrer zwölf, allein die Aſſtni⸗
poilen empörten ſich vor etlichen Jahren, und
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N NN 17 * u 1
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8 mr ,
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trennten ſich von den übrigen. Die, welche ich
hier antraf, werden die Flußſtaͤmme genannt, weil
ſie vorzuͤglich am Ufer des Fluſſes wohnen; die
übrigen acht werden überhaupt durch den Nahmen
| der Nadoweſſter von den Ebenen, unterſchieden,
und wohnen in einer Gegend, die weiter nach We⸗
ſten zu liegt. Die erſten heiſſen die Nehogata⸗
wonaher, die Matabäntowaher und die Schahswin⸗
towaher, und beſtehn aus A zuge
Kriegern.
Nicht lange vorher, ehe ich dieſe drey Sen
antraf, ſtieß ich auf eine Parthey von Matabanto⸗
waher, die ſich auf vierzig Krieger mit ihren Fa⸗
milien belief. Bey dieſen hielt ich mich etliche
Tage auf, während welcher Zeit fünf bis ſechs
von ihnen, die auf eine Streiferey ausgeweſen
waren, eiligſt zurück kamen, und ihre Gefährten
benachrichtigten, daß eine große Parthey von Tſchi⸗
piwaͤern, nach ihrem Ausdrucke: “genug um fie
zu verfihlingen,” ihnen dicht nachfolgten, und ihr
kleines Lager gleich angreifen wuͤrden. Ihre Haͤup⸗
ter wandten ſich an mich, und verlangten, daß ich
mich an ihre Spitze ſtellen, und fie gegen ihre Feinde
aenfuͤhren ſollte. Da ich ein Fremder war, und keine
von beyden Nationen gern beleidigen wollte, fü
geriet ich dadurch in keine geringe Verlegenheit.
x 5 Hätte
42
Haͤtte ich Nice geweigert, den Nadoweſſ ern beh⸗
zuſtehn, ſo wuͤrde ich ihren Unwillen auf mich ge⸗
zogen haben, und hätte ich Feindseligkeiten gegen
die Tſchipiwaͤer veruͤbt, ſo wuͤrde ich ſie mir zu
Feinden gemacht haben, und waͤre ich auch gluͤck⸗
lich genug geweſen, ihnen diesmahl zu entkommen,
ſo wuͤrden ſie mich doch ihre Rache gewiß nachher
haben fühlen laſſen. Ich ſchlug daher in dieſer
Noth den Mittelweg ein, und bat die Nadoweſſter,
den Tſchipiwaͤern entgegen zu gehn, und zu ſuchen ihre
Wuth abzuwenden. Sie willigten ungern darein,
da ſie glaubten, daß wegen des eingewurzelten
Haſſes beyder Nationen gegen einander, meine
0 Wonſtelhgen vergeblich feyn würden. |
Ich nahm meinen Franzoſen mit mir, der die
Sprache der Tſchipiwaͤer reden konnte, und gieng
5 geſchwind nach der Seite, wo ſie herkommen ſollten.
Die Nadoweſſter blieben unterdeſſen in einer Ent⸗
fernung zurück, Wie ich mich ihnen mit der Frie⸗
| denspfeiffe naͤherte, kam eine kleine Anzahl ihrer
Anfuͤhrer auf eine freundſchaftliche Art auf mich
zu, mit denen ich durch meinen Dollmetſcher eine
lange Unterredung fuͤhrte. Der Erfolg davon war,
daß ſie ſich durch mich uͤberreden ließen, diesmahl
ihren Haß fahren zu laſſen, und ohne ihr grauſa⸗
mes Vorhaben auszufuͤhren, zuruͤck zu kehren.
Waͤh⸗
3 — . — — —— — — —
| Wahrend unſter Unterhandlung bemerkte ich, wie
ſie zerſtreut herum lagen, daß die Parthey ſehr
zahlreich war, und daß viele von 1 Flinten
| Bau |
Da ich meine Wemhantang gluͤcklich geendigt
hatte, ſo kehrte ich zu den Nadoweſſtern zuruͤck,
und rieth ihnen, ihr Lager unverzuͤglich in einer
| andern Gegend aufzuſchlagen, aus Furcht, ihre
Feinde möchten ihr gegebenes Verſprechen bereuen,
und ihr Vorhaben noch ins Werk richten. Sie
folgten mir willig, und fiengen ſo gleich an, ihre
Zelte abzubrechen, wobey ſie mich mit Dankbezeu⸗
gungen uͤberhaͤuften. Ich begleitete ſie bis an ihre
Kanoen, und ſetzte darauf meine Reiſe weiter fort.
. Dieſer Friedensſtiftung hatte ich nachher vor⸗
zuͤglich meine gute Aufnahme bey den Nadoweſſtern
der Ebenen zu danken, die mir waͤhrend meines
Aufenthaltes bey ihnen viel Achtung und Ehren⸗
bezeugungen bewieſen; und wie ich viele Monathe
nachher in dem Dorfe der Tſchipiwaͤer, nahe bey
den Seen Ottowa ankam, ſo erfuhr ich, daß mein
Ruhm ſchon vor meiner Ankunft bey ihnen erſchallt
war. Die Haͤupter empfiengen mich mit vieler
a Treuherzigkeit, und die aͤltern dankten mir dafür,
daß ich ſo viel Unheil abgewandt haͤtte. Sie ſag⸗
ten mir, daß der Krieg zwiſchen ihrer Nation und
den
den Nadoweſſtern über vierzig Winter ununterbro⸗
chen fortgedauert haͤtte. Sie haͤtten zwar lange
gewuͤnſcht, ihm ein Ende zu machen, allein die
jungen Krieger von beyden Voͤlkerſchaften, die ihre
Hitze, wenn ſie ſich einander begegneten, nicht
mäßigen konnten, hätten es verhindert. Sie ver⸗
ſicherten mich, ſie wuͤrden ſich ſehr gluͤcklich fehägen,
wenn irgend ein ſo friedfertiger Mann von Anſehn,
wie ich, der dabey eine eben ſo große Entſchloſ⸗
ſenheit und Kaltbluͤtigkeit beſaͤße, ſich hier im Lande
unter den beyden Nationen niederlaſſen wollte ‚da
durch feine Vermittelung leicht ein Vergleich, den
ſie ſehnlichſt wuͤnſchten, koͤnnte zu Stande gebracht
werden. Da ich in der Folge keine Nadoweſſter
weiter antraf, ſo hatte ich keine Gelegenheit ‚ein
ſo gutes Werk zu befördern. ı
Ungefähr dreißig Meilen unterhalb dem Waſſer⸗
falle von St. Anton, den ich zehn Tage nach
meiner Abreiſe vom See Pepin erreichte, iſt eine
merkwuͤrdige Hohle von einer erſtaunlichen Tiefe.
Die Indier nennen ſie Waͤkon⸗tibe, die Wohnung
des großen Geiſtes. Der Eingang iſt ungefähr zehn
Fuß weit, und fuͤnf Fuß hoch. Die Hoͤhe des
innern Gewoͤlbes betraͤgt funfzehn Fuß und ſeine
Breite ungefaͤhr dreißig Fuß. Der Boden beſteht
aus einem feinen klaren Sande. Ungefähr zwan⸗
zig
| a | 45
zig Fuß vom Eingange fängt ein See an, deſſen
Waſſer vollig durchſichtig iſt, und der ſich ſo weit
erſtreckt, daß man ſein Ende gar nicht hat ausſuͤn⸗
dig machen koͤnnen, da die Dunkelheit der Hoͤhle
keine genaue Unterſuchung erlaubt. Ich warf einen
kleinen Stein mit aller meiner S Staͤrke über denſel⸗
ben hin, der, ſo klein er auch war, wie er ins
Waſſer fiel, ein erſtaunlich fuͤrchterliches Geraͤuſch
machte, das durch dieſe ganze ſchauervolle Gegend
wiederhallte. Ich fand in dieſer Hoͤhle viele indiſche
Hieroglyphen, die ſehr alt zu ſeyn ſchienen, denn
die Zeit hatte ſie faſt ſo ſehr mit Mooße bedeckt,
| daß ich ihnen kaum nachſpuͤren konnte. Sie wa⸗
ren auf eine rauhe Art an der innern Seite der
Waͤnde ausgehauen, die aus einem ſo weichem |
Steine beftanden, daß man leicht mit einem Meſſer
hineinſtechen konnte. Man trifft dieſe Steinart
uͤberall am Miffippi an. Es giebt nur einen engen
und ſteilen Zugang zu dieſer Hoͤhle ö der bas
am Rande des Fluſſes fortlaͤuft.
In einer kleinen Entfernung von dieſer ſlachter⸗
lichen Hohle iſt ein Begraͤbnißplatz von verſchied⸗
nen Staͤmmen der Nadoweſſtier. Dieſe Voͤlker⸗
ſchaften haben zwar keinen feſten Wohnplatz, ſon⸗
dern ſie wohnen in Zelten, und halten ſich nur we⸗
nige Aaunacche auf einer Stelle auf, allein dem un⸗
. „ geachtet
geachtet bringen fie immer die Gebeine ihrer Ver⸗
ſtorbenen hieher, wenn ihre Oberhaͤupter zuſammen⸗
kommen, um ſich uͤber die öffentlichen Angelegen⸗
heiten fuͤr den kuͤnftigen Sommer zu berathſchlagen.
Zehn Meilen unterhalb des Waſſerfalles St. An⸗
ton fälle der Fluß St. Peter, den die Einge⸗
bohrnen? Wadapameneſotor nennen, auf der Weſt⸗
ſeite in den Miſſtſippi. Pater Hennepin erwaͤhnt
feiner nicht, da er doch ein großer ſchöͤner Fluß iſt.
An dieſem Irthume war vermuthlich eine kleine In⸗
ſel ſchuld, die grade vor ſeiner Muͤndung liegt,
und ihn verbirgt. Ich wuͤrde dieſen Fluß ſelbſt
nicht entdeckt haben, wenn ich mich nicht von den
gegenuͤberliegenden Anhoͤhen, die ſich ziemlich u
erheben, darnach umgeſehen hätte.
Faſt grade dieſem Fluſſe gegenuͤber zwang mich
das Eis, meinen Kanoe zu verlaſſen, und zu Lande
nach dem Waſſerfalle von St. Anton zu reiſen, wo
ich den 17ten November ankam. Der Miſſiſippi
iſt vom St. Petersfluſſe an bis hieher etwas reiſſen⸗
der, als ich ihn bisher angetroffen hatte, und man
ſieht gar keine Inſeln von irgend engen en
keit darin. 00
Noch ehe ich meinen 9 verließ, Ko 10
einen jungen Prinzen von den Winnebagoern an,
der als Aan zu den Nadowefli . Wilen
e | ſchaf⸗
fall beſehen wollte, ſo ließ er es ſich gefallen, mich
dahin zu begleiten, weil ſeine Neugierde oft durch
die Erzaͤhlungen davon, die er von einigen ſeiner
Oberhaͤupter gehoͤrt hatte, war rege gemacht wor⸗
en. Er ließ daher ſeine Familie (denn die Indier
ſchaften gieng. Da er hörte, daß ich den Waſſer⸗
reifen nie ohne ihre ganze Haushaltung) hier unter
der Aufficht meines Mohaak Indiers zurück, und
wir beyden giengen, blos in Begleitung meines
franzoͤſiſchen Bedienten, zu Lande nach dieſem 8
ruͤhmten Waſſerfalle.
Wir konnten ſchon i in einer Entfernung von funf, |
zehn engliſchen Meilen das Geraͤuſch des Waſſers
deutlich hoͤren, und mein Vergnuͤgen und Erſtaunen
wuchſen immer, je naͤher ich dieſem Wunderwerke
der Natur kam. Allein ich konnte dieſen Regungen
nicht lange nachhaͤngen, da das Betragen meines
Gefaͤhrten meine ganze Aufmerkſamkeit an ſich zog.
Der Prinz hatte kaum die Spitze erreicht, von
welcher man dieſen bewundernswuͤrdigen Waſſerfall
uͤberſehn kann, als er anfieng, mit vernehmlicher
Stimme zu dem großen Geiſte zu beten, weil er
glaubte, daß dieß einer von ſeinen Wohnplaͤtzen
waͤre. Er fagte ihm vor, daß er einen weiten
Weg gereiſt waͤre, um ihn bier anzubeten, und
| daße er ihm jetzt das beſte Opfer, das er in feiner
Macht
48 BES
Macht hätte, darbringen wollte. Er warf ar
zuerſt feine Pfeiffe in den Strom, und das Futte⸗
ral, worinn er ſeinen Toback auf bewahrte; darauf
folgten die Armbaͤnder, die er am Oberarme und
am Handgelenke trug, ſein Halsband, das aus
Draht und Roſenkraͤnzen beſtand, und zuletzt ſeine
Ohrringe; kurz er ſchenkte ſeinem Gotte alles,
was ſich nur von einigem Werthe in ſeinem Anzuge
befand. Waͤhrend der Zeit ſchlug er ſich oft auf
die Bruſt, ſchleuderte ſeine Arme umher, und
ſchien überhaupt in heftiger Bewegung zu ſeyn.
Er ſetzte zugleich fein Gebet immer fort, und
endigte es damit, daß er den großen Geiſt um ſei⸗
nen Schutz auf unſrer Reiſe, um eine glaͤnzende
Sonne, einen blauen Himmel, und helles heitres
Wetter bat. Er gieng auch nicht von der Stelle
weg, bis wir dem großen Geiſte zu Ehren eine
Pfeiffe zuſammen geraucht hatten. 17 5
Ich wunderte mich ungemein, ein Beyſpiel von
ſo erhabener Andacht bey einem jungen Indier zu
ſehn, und anſtatt mich uͤber ſeine Ceremonien daben
aufzuhalten, wie mein katholiſcher Bediente heim⸗
lich that, ſo vermehrten vielmehr dieſe aufrichtigen
Beweiſe von Froͤmmigkeit meine Hochachtung für
ihn, und ich zweifle nicht, daß fein Opfer und Ge⸗
bet dem allgemeinen Vater der Menſchen eben fo
ange⸗
angenehm waren, als wenn fie mit gebferm Ge⸗
praͤnge und an einem e Orte wären 0
90 ea worden. KIN, nah |
Ueberhaupt nahm mich das ganze Beg bie |
ſes jungen Prinzen ſehr fuͤr ihn ein. In den we⸗
nigen Tagen, die wir bey einander waren, fü chien
ſeine ganze Aufmerkſamkeit darauf gerichtet zu ſeyn,
mir zu dienen, und ſelbſt in dieſer kurzen Zeit gab
er mir ſo viele Beweiſe einer edeln und uneigen⸗
nuͤtzigen Freundſchaft, daß ich ihn bey unſrer Zu⸗
ruͤckkunft ſehr ungern verließ. Wenn ich uͤber un⸗
gekuͤnſtelten, die aber um ſo mehr einnehmenden
Sitten dieſes jungen Wilden nachdachte, ſo konnte
ich nicht umhin, einen Vergleich zwiſchen ihm und
etlichen von den feinern Einwohnern geſitteter Laͤn⸗
e anzuſtellen, der wirklich nicht ſehe 85 Vor⸗
KL. n der leztern ausfiel. „
Der Waſſerfall von St. Anton ah ſeinen
Rahmen vom Pater Ludwig Hennepin, einem fran⸗
2
zöſiſchen Miſſtonaͤr, der dieſe Gegenden im Jahre
1680 durchreiſte, und der erſte Europäer war /
ber f ich vor den Wilden ſehn ließ. Der Fluß, der
hier uber ſiebenhundert und funfzig Fuß breit iſt,
A macht hier einen ungemein praͤchtigen Waſſerfall.
Das Waſſer ſtuͤrzt ſich ſenkrecht über dreiffig Fuß
wa und die vielen Wirbel, die man auf einer
Carvers Reiſen. D Strecke
1. 1
0 Strecke von neunhundert Fuß antrift, . a.
Fall noch) weit beträchtficher, und machen, daß man
ihn in einiger Entfernung für weit höher anſieht, |
als er wuͤrklich iſt. Pater Hennepin ſchaͤtzt ihn auf
ſechszig Fuß, allein er machte einen eben ſo großen
Fehler bey der Berechnung des Waſſerfalls zu Nia⸗
gara, deſſen Hoͤhe er auf ſechshundert Fuß angab;
da ſie doch nach neuern und genauern Meſſungen
nicht uͤber hundert und vierzig betraͤgt. Allein ich
fuͤrchte, der gute Pater baute ſeine Rechnungen
uͤberhaupt nur zu ſehr auf fache Sitzen er
eine fluͤchtige Unterſuchung.
In der Mitte des Waſſerſals ſtebt ei eine e kleine
Aufl, die ungefähr vierzig Fuß breit und etwas
laͤnger iſt. Es wachſen blos etliche ſchlechte ame⸗
rikaniſche und andre Tannen darauf. Ungefaͤhr auf
der Haͤlfte der Weite zwiſchen dieſer Inſel und dem
oſtlichen Ufer grade am Rande des Falles liegt ein
Felſen i in einer ſchiefen Richtung, der ungefaͤhr ſechs
Fuß breit, und dreiſſig bis vierzig Fuß lang zu ſeyn
ſchien. Dieſer Waſſerfall iſt dadurch von allen uͤbri⸗
gen, die ich kenne, ſehr unterſchieden, daß man
ohne die geringſte Hinderniß von Huͤgeln oder
Klüften anzutreffen, dicht an ihn kommen kann.
Die Gegend hier herum iſt ungemein ſchoͤn.
| Sie, batch aus keiner animdthrachenen Ebene,
nz f re Er
“ar
Ft
\ wo en Auge gar keinen Rubevaultk finden kann,
ſondern aus vielen ſanften Anhoͤben 10 die i im Som⸗
mer mit dem ſchönſten Grün bedeckt find, und hin
und wieder durch kleine zerſtreute Waͤlder einen
ſehr angenehmen und mannigfaltigen Anblick ver⸗
urſachen. Ueberhaupt „wenn man den Waſſerfall
dazu nimmt, der ſich ſchon in einer Entfernung
von vier engliſchen Meilen zu zeigen anfängt, fo
laͤßt ſich kaum eine ſo ſchoͤne und mahleriſche Land⸗
ſchaft denken. Nur war es S Schade für mich, daß
ich zu keiner beſſern Jahrszeit hier war, da jetzt
Baͤume und Huͤgel ihr prächtigftes Gewand nicht
mehr anhatten, und dadurch viel von ihrer Schoͤn⸗
beit verlohren; aber auch ohne dieſen Schmuck
uͤbertraf die Gegend meine feurigſte Erwartung.
Ich habe mich bemuͤht, meinen leſern eine fo. ges
naue Vorſtellung von dieſem reitzenden Gegenſtande
der Natur zu geben, als es mir moͤglich war;
aber jede Beſchreibung, mit der Feder oder mit
dem Pinſel, muß dem en Berl weit
nachſtehn. Kane‘ e e
In einer kleinen fenen rbb des
A Waſſerfalles ſteht eine kleine Inſel, die ungefaͤhr
f anderthalb engliſche Morgen betraͤgt. Es wuchs
eine Menge Eichbaͤume darauf, und jeder Zweig,
in u nur * genug war, das Gewicht zu tragen,
e e war
a
32
war voller Adlerneſte. Dieſe Vögel Sehn ſich
in ſolcher Menge hieher, weil ihr Aufenthalt durch
die vielen Wirbel, über die ſich kein Indier wagt,
gegen alle Angriffe von Menſchen und Thieren in
Sicherheit geſetzt wird. Auſſerdem finden ſie hier
an den Fiſchen und Thieren die vom Waſſerfalle
zerſchmettert und ans Ufer geworfen werden, -
ſich und ihre Jungen hinreichende Nahrung.
Wie ich meiner Neugierde, ſo weit, als ein
menſchliches Auge befriedigt werden kann, ein Ge⸗
nuͤge gethan hatte, ſo gieng ich i in Begleitung mei⸗
nes jungen Freundes weiter, bis ich den Fluß St.
Franziseus erreichte, der ſechszig Meilen uͤberhalb
des Waſſerfalles liegt. Er erhielt feinen Rahmen
| vom Pater Hennepin, deſſen Reifen er, ſo wie den
meinigen, gegen N ordweſten, ihre Grenzen ſetzte.
Da die Jahrszeit fo ſpaͤt, und das Wetter ſo kalt
war, ſo war ich nicht im Stande, ſo viele Beobach⸗
tungen in dieſen dere eee 105 Br —
gewuͤnſ ſcht haͤtte. |
| Ich muß jedoch we lee J daß ich anf 10
kleinen Reiſe , die ich oberhalb des Waſſerfalles
that, vierzehn Meilen davon, einen ungefaͤhr ſechs⸗
zig Fuß breiten Fluß antraf, der von Nordoſten
herkam und Rumfluß heißt. Am zwanzigſten No⸗
e kamen! wir an einen zweyten Fluß, der
Gaaͤnſe⸗
Gaͤnſefluß genannt, der ungefähr ſechs und dreißig
Fuß breit war. Hier fängt der Miſſiſippi an
ſchmaͤler zu werden „und ſeine Breite betraͤgt ga
ungefähr. zweyhundert und ſiebenzig Fuß.
ſcheint groͤßtentheils aus kleinern Armen zu wi
Das Eis hinderte mich „ die Tiefe von Auen drey
Fluͤſſen zu unterſuchen. |
Die Gegend iſt an einigen ( Stelle pole EL
unter denen ſich aber keine hohe Berge befinden.
Ich fand hier viele Rehe, und Rennthire und
einige Elendthiere. Bieber, Ottern und and ere
Pelzthiere waren ſehr häufig. Etwas weiter von
hier gegen Nordoſten, giebt es eine Menge kleiner
Seen, die tauſend Seen genannt, in deren Ge⸗
gend, die wenig beſucht wird „die beſte J Jagd auf
viele Meilen umher angetroffen wird, da der Jaͤ⸗
ger verſichert ſeyn kann „ immer beladen daraus
zuruͤck zu kehren. |
| Niemand bat den Miffi ſippi höher bien, als bis
| zum St. Petersfiufe unterſucht, und blos Pater
Hennepin und ich kamen ſo weit. Alles, was wir von
den noͤrdlichern Theilen wiſſen, haben wir daher
blos den Indiern zu! danken. Dieſer Fluß iſt von
dem Meere an nicht weiter als bis zum Ausfluſſe .
des Ohio für Fahrzeuge von einiger Größe ſchiff bar,
a fefof bis dahin konnen fie wegen des reiſſen⸗
0 . den
54
den Stromes und der vielen Kruͤmmungen nicht
ohne viele Mühe kommen. Kolonien, die weiter
landeinwaͤrts an ihm angelegt waͤren, „ würden das
her gegen jeden Angriff von einer Seemacht völlig
ſicher ſeyÿn. Dem ungeachtet koͤnnten die Einwoh⸗
ner ihre Produkte mit großer Bequemlichkeit von
der Quelle des Stroms bis an den Meerbuſen von
Mexiko hinunter bringen, da er kleine Fahrzeuge
ſehr gut tragen kann. Vielleicht koͤnnte die Schif⸗
flahrt noch durch Kanäle und kuͤrzere Durchſchnitte
erleichtert werden. Nach Neu⸗Pork und Kanada
„ le ſich uͤber die Seen ebenfalls leicht eine Ge⸗
meinſchaft eröfnen. Der Einfluß des“ Ohio iſt nach
dem Laufe des Fluſſes zu rechnen 5 ungefaͤhr neun⸗
hundert engliſche Meilen von der Muͤndung des
Miſſiſippi entfernt; und der Meſſorie liegt ungefahr
noch zweyhundert Meilen höher. Don diefem bis “
zum Fluſſe Illinoa ungefaͤhr zwanzig Meilen, und
vom Illinoa bis zum Uisconſin, den ich ſchon be⸗
ſchrieben habe, ſind noch ungefähr ne Me
len weiter. 5 |
Den fünfund zwanzigſten kehrte ich macht meinem a
Kanoe, den ich an der Muͤndung des St. Peters⸗
Fluſſes verlaſſen hatte, zuruͤck; und hier nahm ich
ſehr ungern von meinem jungen Freunde, dem
Prinzen der W Abſchied. Da dieſer
Fluß
Fluß wegen feiner ſüdlichen Lage vom Eife frey
war, ſo fand ich nichts, das meine Fahrt haͤtte
g hindern können. Den acht und zwanzigſten hatte
ich ungefähr vierzig Meilen zuruͤck gelegt, und kam
an einen kleinen Arm, der von Norden her ſich mit
ihm vereinigte, und den ich, da er noch keinen
Nahmen hatte, nach mir benannte. Meine tefer
werden ihn auf meiner Reiſekarte unter dem Nah⸗
me en von Carversfluſſe finden. Ungefähr vierzig
Meilen weiter hinauf kam ich an den Ausfluß der
rothen und weiſſen Marmorfluͤſſe, die ſich kurz vor⸗
her mit einander vereinigen, ebe ve in den St
Gr fallen. . |
Der Fluß St. Peter iſt bey ſeinem Einſtuſſe i e in
den Miſſtſippi etwa dreyhundert Fuß breit, und
behält dieſe Breite ſo weit, a als ich ihn hinaufſegelte.
| Er iſt ſehr tief und an verſchiednen Stellen unge⸗
mein reiſſend. Ungefähr funfzig Meilen von ſeiner
Mündung giebt es einige Wirbel, t nd weit böher
binauf trift man deren noch viele an. |
Ei.) gieng dieſen Fluß ungefaͤhr dwerhundert
Meilen bis an das Land der Nadoweſſier von der
Ebene hinauf. Dies Land liegt etwas überhaf6
der Landzunge, welche der eben erwähnte gruͤne und
rothe Marmorfluß machen, und wo ein Arm von
. ber ſi er beynahe mit dem Meſſorie verei⸗
* D 4 nigt.
VVT ;
EE EEE LTE NE As
ae Ey > Kir Nr ge! rn.
7 Be £ BIER Ale: 7
nigt. Nach den Nachrichten zu urtheilen, die ich
von den Indiern erhielt, fo muͤſſen die Fluͤſſe Dep
ſorie und St. Peter, ungeachtet ſie zwoͤlf hundert
Meilen von einander in den Mir iſippi fließen, nahe
bey einander, und ſogar blos in der Entfernung
won einer Meile, entſpringen. Der nordliche Arm
des Fluſſes St. Peter entſteht aus einer Menge
Seen, nahe bey den glaͤnzenden Bergen, und aus
eben dieſen Seen kommt ein Hauptarm des Fluſſes
Burbon her, der in Hudſons Meerbuſen fälle.
Ich erfuhr von den Nadoweſſiern, bey denen
ich den ſiebenten December ankam, und deren
Sprache ich vollkommen in ſieben Monaten lernte,
daß die vier Hauptſtroͤme von Nordamerika, nem⸗ |
lich der St. Lorenz, der Miſſiſippi, der Burbon
und der Oregan, oder weſtliche Fluß, wie ich
ſchon in meiner Einleitung angefuͤhrt habe, nicht
weit von einander entſpringen. Die Quellen der
drey erſten Flͤſe find nicht über dreißig Meilen
von einander entfernt, allein der Oregan liegt
weiter nach Weſten zu. Dieſe Nachricht ward
8 nachher durch die Erzaͤhlung der Aſſinipoilen be
ſtaͤtigt, welche die Sprache der tadoweſſier reden,
von denen ſie ſich durch Empörung getrennt haben.
Auch die Killiniſtoer, die Nachbaren von den Aſſi⸗
nipoilen ſind, und mit den Tſchipiwaͤern einerley
no. 8 Sprache
„ JN.
Sprache haben, und meine eignen Beobachtungen
bekraͤftigten in der Folge dieſe Entdeckung, welche
bedeiſt, aß dies die höchite Gegend in Mime
rifa iſt. \
Es giebt ſonſt e in den dren ubrigen
= Weitcheilen kein Beyſpiel, daß vier ſo große Fluͤſſe
ſo nahe bey einander entſpringen, und dennoch jeder
ſeinen verſchiednen Lauf nimmt, und ſich zwey tau⸗ |
ſend Meilen von feiner Quelle in ein beſondres
Meer ergießt. Denn von dieſer Gegend rechnet
man oſtwaͤrts nach dem Meerbuſen von St. to
renz, ſuͤdwaͤrts nach dem Meerbuſen von Mexiko, |
nordwaͤrts nach Hudſonsbay, und weſtwaͤrts nach
dem Meerbuſen bey der Straße von Anian uͤber
zwey tauſend engliſche Meilen. |
Ich will jetzt meinen Leſern die Gedanken vor⸗
a tragen, die bey mir entftanden, als ich dieſe wich,
tige Nachricht erhielt, und mich durch unzaͤhlige
Nachfragen von ihrer Wahrheit wenigſtens ſo weit
uͤberzeugt batte, als man irgend von einer Sache
ohne perſoͤnliche eee een werden
kann. Ak
Es iſt bekannt daß die Kolonien „ werielich
| Ren, England und Kanada, wenn der Winter ein⸗
tritt, verſchiedne Monathe hindurch fehr von Nord⸗
I weſtwinden leiden, wodurch die Kälte größer wird,
D . als
fahrung beſtaͤtigen, denn ich fand den Winter, den
ich auf der Weſtſeite des Miſſiſippi zubrachte, nichts
58
als man ſie in den i innern Theilen von Nordame
rika findet. Ich kann dies mit meiner eignen Er⸗
weniger als hart, und die Rordweſtwinde, die in
den dortigen Gegenden. weheten, weit gelinder, als
Und daß dies nicht blos einem beſonders warmen
Winter zuzuſchreiben war, ſondern ſich alle Jahre
zutrug, konnte ich daraus ſchlieſſen, daß damahls
nur ſehr wenig Schnee fiel, und daß die Indier
überhaupt Schneeſchuhe gar nicht kannten, ohne
zu herrſchen pflegen, nicht vielleicht dem Laufe des
Miſſiſippi über das feſte Sand folgen, bis fie ie mit
den Nordwinden zuſammen ſtoßen, die aus einer
| ahnlichen Urſache vom Hudſonsmeerbuſen den
Burbon hinauf wehen? Sollten alsdenn beyde
welche bey den ra eee, ker e,
fortzufommen ift.
Naturkuͤndiger RN daß die luft dem
Waſſer in vielen Stuͤcken ahnlich iſt vorzüglich
| darinn, daß ſie oft in einem dichten Körper fließt,
und daß dieſer Luftſtrom gewohnlich dem Laufe
großer Stüffe folgt, und nur ſelten queer über ſie
weggeht. Sollten daher die Stroͤme, die gegen
das Ende des Jahrs im Meerbuſen von Mexico
verei⸗
ich ſie oft naͤher gegen die Kuͤſte zu bemerkt hatte.
—
\
5 9
0
vereinigte Winde, die jetzt uͤber die großen Seen
und laͤngſt den Strom St. dorenz hinuntergetrie⸗
ben werden, nicht die Verwuͤſtungen anrichten,
und die harten Winter verurſachen, die in den
n vorhin erwaͤhnten Gegenden ſo haͤufig ſind? Auf
ihrem Wege uͤber die Seen dehnen ſie ſich weiter
aus, und koͤnnen ſich daher uͤber einen groͤßern
Landſtrich ausbreiten, als ſie ſonſt thun wuͤrden.
Nach meiner geringen Einſicht in die Natur⸗
kunde iſt dies gar nicht unwahrſcheinlich, allein ich
kann nicht beſtimmen, ob es den Geſetzen ange⸗
meſſen ift, welche die Naturkuͤndiger zur Erklaͤrung
der Wuͤrkungen dieſes Elementes feſtgeſetzt haben.
Doch wird vielleicht meine Beſchreibung des Laufs
dieſer großen Waſſerſtröme, und ihr naher Urſprung
5 einander, nebſt meinen rohen Theorien uͤber ihren
Einfluß auf den Wind, in geſchickteren Haͤnden An⸗
f laß zu vielen nuͤtzlichen Entdeckungen geben können.
Den ſiebenten December erreichte ich wie ich
ſchon vorhin anführte, das Äufferfte Ende meiner
Reiſe nach Weſten, und traf einen großen Haufen
Nadoweſſier an, bey denen ich mich ſieben Mo⸗
| nathe aufhielt. Sie machten einen Theil von den
acht Stämmen der Nadoweſſier der Ebenen aus,
und wurden Wapintowaher, Tintoner, Arche
N Nahaer und Schianer genannt. Die
buten,
drey
N
1
IE
ne,
I
1
5
drey lbrigen Stämme, die Schianiſer, die Tſchon⸗
guſcetoner und die Waddapädſcheſtiner wohnen
hoͤher hinauf, und weſtwaͤrts vom Fluſſe St. Pe⸗
ter auf Ebenen, die ihrer Ausſage nach keine Gren⸗
zen haben, und ſich vermuthlich bis an die Kuͤſte
des ſtillen Meeres erſtrecken. Die ganze Bolten
ſthaft der Nadoweſſier beſteht zuſammen genom⸗
Aſſinipoilen, die ſich empoͤrten und von ihnen trenn⸗
ten, belaufen ſich auf dreyhundert, und leben ſo
wie die Killiniſtoer in beftändiger deindſ haft mit
0 den eilf übrigen Stämmen.
men aus mehr als zweytauſend Kriegern. Die
Wie ich den Fluß St. Peter inguß fube, 4 a |
ſchon nahe an den Ort gekommen war, wo dieſe
Voͤlkerſchaften ihr Lager hatten, fü bemerkte ich
zwey bis drey Kanoen, die den Fluß herunter
kamen. Allein kaum hatten die Indier, die darinn
waren, uns bemerkt, ſo ruderten ſie gegen das
Ufer, ſprangen mit der größten Beſtuͤrzung ans
Land, und fieffen ihre Kanoen treiben. Etliche
Minuten darauf ſah ich noch einige andre, die, ſo
bald ſie uns anſichtig wurden, eben ſo ſchnell dem
Beyſpiele ihrer Landsleute folgten. e
Ich hielt es daher jezt für noͤthig, mit Behut
ſamkeit weiter zu gehn, und bielt mich daher dicht
am Ufer an der andern on des Fluſſes. Jedoch
W
3%
ſeßte ich meine 1 fort, da ich glaubte, daß
mich die F riedenspfeiffe, die vorn an meinem Kane.
aufgeſteckt war, und die engliſche Flagge, die
binten wehte, in Sicherheit ſetzen würden. Als ich
ungefähr noch eine halbe Meile weiter gerudert war,
und um eine Landſpitze herumkam, ſo erblickte ich
eine große Menge von Zelten, und uͤber tauſend
5 Indier i in einer kleinen Entfernung vom Ufer. Da
ich nun ihnen faſt gegen über war, fo befahl ich
meinen deuten, grade auf fie zuzurudern, um ih⸗
nen durch dieſen Schritt zu zeigen , poor ich au
frauen in ſie ſetzte.
So bald als ich ans Land geſtiegen war, 0 reich⸗
ten mir zwey von ihren Haͤuptern die Haͤnde, und
‚führten mich mitten durch die erſtaunte Menge,
von der die meiſten nie einen weiſſen Menſchen ge⸗
ſehn hatten, nach einem Zelte. Wir giengen hin⸗
ein, und ſingen, nach einer bey allen indiſchen Voͤl⸗
g kerſchaften eingeführten Gewohnheit, an, die Frie⸗
denspfeiffe zu rauchen, allein der Zulauf war bald
ſo groß / daß wir Gefahr liefen, unter dem Zelte
erdruͤckt zu werden. Wir gingen daher auf die
Ebene zuruͤck, wo das gemeine Volk beſſere Gele⸗
genheit hatte, ſeine Neugierde zu befriedigen. Es
| 5 waͤhrte nicht lange, ſo ſah es mich ſchon nichtmehr
als ein Wunderthier an, und begegnete mir nachher
immer mit vieler AR Bi, Die
62
| Die Oberhaͤupter empfingen mich auf die
freundſchaftlichſte und gaſtfreyeſte Art, wodurch ich
bewogen ward, da ohnehin die Jahrszeit ſchon fo
weit verſtrichen war, den Winter uͤber mich bey
ihnen aufzuhalten. Um mir die Zeit ſo angenehm
zu machen, als es mir moͤglich war, fo ſuchte ich
zuerſt, ihre Sprache zu lernen, womit ich bald ſo
weit Fam, daß ich mich völlig verſtaͤndlich machen
konnte, da ich ohnehin vorher ſchon eine geringe
Kenntniß von der Sprache der Indier beſaß, die
hinten an den Kolonien wohnen. Ich erwarb mir
dadurch in der Folge alle Bequemlichkeiten, die ihre
Lebensart mit ſich bringt. Auch fehlte es mir nicht
an Zeitvertreibe, um eine lange Zeit vergnuͤgt zu⸗
7 Ä 2 7 5 7 . 8
zubringen. Ich jagte oft mit ihnen, und ſah zu
andern Zeiten gern ihren Beluſtigungen und Spie⸗
len zu, die ich nachher beſchreiben werde.
Oft ſaß ich bey den Oberhaͤuptern, und rauchte
eine freundſchaftliche Pfeiffe mit ihnen. Ich er⸗
zahlte ihnen daben zur Vergeltung fuͤr die Nachrich⸗
‚fen, die ſie mir von ihren Begebenheiten und
Kriegszuͤgen mittheilten, meinen eignen Lebens⸗
lauf, und beſchrieb ihnen alle Schlachten, die in
Amerika zwiſchen den Englaͤndern und Franzoſen
vorgefallen waren, und bey denen ich groͤßtentheils
geweſen war. Sie gaben auf jeden kleinen Um⸗
ie | Klier iu
797
ſtand Achtung „und thaten oft ſehr geſcheute gra
gen über die europaͤiſche Art, Krieg zu führen.
„Ich ließ mich mit ihnen in ſolche Uhterrebun,
a größtentheils deswegen ein, um mir eine
Kenntniß von der Lage und den Produkten ihres
eignen Landes und der mehr nach Weſten zu ge⸗
legenen Länder; zu verſchaffen, worauf ich immer
i mein Hauptaugenmerk gerichtet hatte. Ich fand
auch in meiner Erwartung keinesweges ber
een indem ich von ihnen viele nuͤtzliche Nach⸗
richten erhielt. Sie zeichneten mir Karten von
allen Gegenden, die ſie kannten; allein da ich
eben keine große Meinung von ihren geographi⸗
ſchen Kenntniſſen hatte, ſo baute ich nicht viel
darauf, und halte es auch jetzt fuͤr uͤberfluͤſſig, fie
| dem Publikum mitzutheilen. Doch machen die,
welche ich nachher durch andre Nachrichten oder
meine eignen Beobachtungen fuͤr richtig befand,
einen Theil von der dieſem Werke beygefuͤgten
darte aus. Sie zeichnen mit einer Kohle, die fie |
vom Heerde nehmen, auf die innere Rinde einer
Birke, die ſo glatt iſt, als Papier, und ſich vollig
a ſo e gut brauchen laͤßt, ungeachtet ſie etwas gelblicht |
iſt. Ibre Zeichnungen ſind ſehr raub, allein fie
a geben einen recht guten Begriff von der Gegend,
die aber nne IM: Karte nicht ſo genau
a) iR . Vor⸗
vorgeſtelle ift, als mehr nen agnes es thun
koͤnnten.
Ich verließ die Wohnungen dieſer gaſtfteien
Wilden gegen das Ende des Aprils 1767, allein
beynahe dreyhundert von ihnen, unter denen ſich
viele von ihren Oberhaͤuptern befanden, begleite⸗
ten mich bis an den Ausfluß des St. Petersfluſſes,
und trennten ſich erſt nach etlichen Tagen von
mir. Um dieſe Zeit gehn dieſe Staͤmme alle Jahr
nach der großen Hoͤhle, deren ich ſchon vorhin 8
waͤhnt habe, um mit allen uͤbrigen Staͤmmen einen
großen Rath zu halten, worin ſie ihre Unterneh⸗
mungen für das kuͤnftige Jahr feſtſetzen. Zugleich
nehmen fie ihre Todten, die in Birffelhäute genaͤht
ſind, mit ſich, um ſie zu begraben. Auſſer denen,
die mich begleiteten, waren ſchon etliche voraus⸗
gegangen, und die übrigen follten nachkommen.
Ich bin nie mit einer ſo aufgeraͤumten und mun⸗
tern Geſellſchaft gereiſt, als meine jetzige war.
Allein ihre Freude ward plötzlich durch ein heftiges
N Gewitter, das uns auf unſrer Fahrt uͤberſiel, unters
brochen. Wir waren eben ans Land geſtiegen, und
im Begriffe, unſre Zelte zum Nachtlager aufzu⸗
ſchlagen, als eine dunkle Wolke den ganzen Him
mel uͤberzog, und der fuͤrchterlichſte Donner, Blitz
und Regen, den ich le erlebt babe, We an
ſtuͤrmte. Die
65
Die Indier waren ungemein erſchrocken, und
ſuchten uͤberall Schutz, wo ſie ihn nur finden konn⸗
ten, denn wir hatten erſt wenige Zelte aufgeſchla⸗
gen. Da ich die Gefahr kannte, die mir bevor
ſtand, wenn ich mich bey einer Sache aufhielte,
die zum Ableiter dienen konnte, und jezt deſto
größer war, da die Wolken eine ſolche Menge von
elektriſchen Weſen zu enthalten ſchienen, ſo ent⸗
ich mich ſo ſehr von jeder Bedeckung „als es
mir moͤglich war, und wollte mich lieber der Wuth
des Regens, als einem rödtlichen Strahle aus⸗
ſetzen. Die Indier wunderten ſich nicht wenig
uͤber mein Betragen, und erhielten eine noch beſſere
Meinung von meinem Muthe, als ſie ſchon vorhin
zu haben ſchienen. Jedoch muß ich geſtehn, daß
ich gar nicht gleichguͤltig dabey war, da ſich kein
ſchrecklicher Auftritt in der Natur denken ließ.
Die D Donnerſchlaͤge waren ſo heftig, daß die Erde
davon erſchuͤtterte, und der Blitz fuhr uͤber dem
Boden wie ein Schwefelſtrom hin, ſo daß die Ober⸗
haͤupter der Indier, die doch ſonſt gewoͤhnlich in ihren
Kriegen einen unerſchuͤtterten Muth blicken laſſen,
ihre Furcht nicht verbergen konnten. So bald, als
das Gewitter vorbey war, verſammelten ſich die
Indier um mich her, und ſagten mir, daß dies
ein Beweis des Zornes der boͤſen Geiſter
Carvers Reiſen. E waͤre,
waͤre die fie wahrſcheiniich ſebr Geige Be
müßten.
Mie wir bey der großen Höhle ankamen, ſo be⸗
gruben die Indier ihre verſtorbenen Freunde, auf
dem Begraͤbnißplatze, der dichte dabey lag, und
fiengen Darauf ihren großen Rath an. Ich ward
auch mit dazu gezogen, und hatte zugleich die Ehre,
zum Anfuͤhrer ihrer Staͤmme ernannt zu werden.
Bey dieſer Gelegenheit hielt ich folgende Rede,
die ich hier einruͤcke, um meinen Leſern eine Probe
zu geben, wie man die Aufmerkſamkeit der Indier
zu erhalten, und ſich auf eine ihren Begriffen an⸗
gemeſſene Art auszudruͤcken ſuchen muß. Es war
grade der erſte May c als ich meine Anrede
an ſie hielt.
Meine Bruͤder, 1 pet der zablteichen und
“mächtigen Nadoweſſter! Ich freue mich, daß
mich mein langer Aufenthalt bey euch in den Stand
etzt, mit euch, wiewohl auf eine unvollkommne
„Art, in eurer eignen Sprache, wie eines von
“euren eignen Kindern zu reden. Ich freue mich
‘ferner, daß ich Gelegenheit gehabt habe, euch die
Macht und den Ruhm des großen Koͤnigs, der
cuͤber die Engländer und andre Volker herrſcht,
kund zu thun; der von einem ſehr alten Geſchlechte
von Regenten herkoͤmmt, ſo alt als die Erde und
“Se
pie größer find, als ihr fie je geſehn habt, und
mitten in dem größten Waſſer in der ganzen Welt
liegen; deſſen Haupt bis an die Sonne reicht, und
edeſſen Arme die ganze Erde umfaſſen; deſſen Krie⸗
“ger fo zahlreich find, wie die Bäume in den Thaͤ⸗
lern, die Reisſtengel in jenen Moraͤſten, oder
Hunderte von eigenen Kanden hat, von ſolcher er⸗
%
<ftaunfihen Größe, daß alles Waſſer in eurem
„ande nicht hinreichend ſeyn wuͤrde, eins davon zu
tragen; von welchen jeder Feuerröhre hat, die
nicht fo klein find, als meines, das ich jezt vor
emir habe, ſondern von einer ſolchen Größe, daß
chundert von euren ſtaͤrkſten jungen Maͤnnern
kaum im Stande ſeyn wuͤrden, eins davon zu
“heben. Und es ift eben fo wunderbar, die Wir⸗
kungen zu ſehen, die ſie gegen des großen Königs
S Feinde in der Schlacht thun; der Schrecken den
*fie verbreiten, kann in eurer Sprache durch keine
Worte ausgedruckt werden. Ihr werdet euch der
eſchwarzen Wolken, des Sturms, des Feuers,
ddes fuͤrchterlichen Geraͤuſches, des ſchrecklichen
„Krachens, und des Erdbebens erinnern, das euch
ein Schrecken ſetzte, wie wir uns bey dem Wada⸗
neee gelagert hatten, und die euch Anlas
Ea Gaben,
A: | 67
Gewaͤſſer find; deſſen Fuͤße auf zwey Inſeln ſtehn,
“pie Grashalmen auf euren großen Ebenen. Der
8 *
68 ; |
“gaben, zu glauben, daß eure Götter über euch
kerzuͤrnt wären. Dieſen ſind die Kriegswerkzeuge
eder Englaͤnder ahnlich, wenn ſie die Schlachte hr
“ihres großen Königs liefern.
„Verſchiedne von euren Oberbäuptern er |
“mir vor Seiten, „als ich in euren Zelten wohnte,
“oft geſagt, daß fie wuͤnſchten, mit zu den Kindern
und Bundsgenoſſen des großen Koͤnigs meines
Herrn gerechnet zu werden. Ihr werdet euch
“erinnern, wie oft ihr mich gebeten habt, wenn ich
nach meinem eignen Lande zurückfehre, dem großen
“Könige eure Neigung für ihn und feine Untertha⸗
“nen bekannt zu machen, und daß ihr wuͤnſchtet,
da engliſche Handelsſeute zu euch kommen moͤch⸗
“ten. Da ich jezt im Begriff bin, euch zu ver⸗
“laffen, und nach meinem eignen Lande zuruͤck zu
kehren, das weit gegen die aufgehende Sonne
“entfernt liegt ſo frage ich euch wieder, ob ihr
noch eben ſo denkt, als wie ich mit euch vorigen
Winter im Rathe ſprach; und da es jezt ver
ſchiedne von euren Haͤuptern hier giebt, die von
den großen Ebenen gegen die untergehende Sonne
zu herkamen, mit denen ich nie vorher im Rache
geſprochen habe, fo bitte ich euch, mich wiſſen
“zu laſſen, ob ihr alle willig ſeyd, euch fuͤr Kinder
“meines ee Herrn, des Zu der Engländer
“und
ddobweſſter mit dir zu reden. Wir glauben, und
und andrer Volker z zu erkennen, da ich die erſte Gele⸗
genheit wahrnehmen werde, ihn von eurem Verlan⸗
gen und euren guten Geſinnungen zu benachrichti⸗
“gen. Ich warne euch, böfen Nachrichten zu glau⸗
“ben, denn es giebt boshafte Voͤgel, die unter den be⸗
“nachbarten Voͤlkern herumfliegen, und die böſe Sa⸗
chen gegen die Engländer euch in die Obren raunen
können, gegen das, was ich euch geſagt habe.
Ihr muͤßt ihnen nicht glauben, denn ich 155 euch
die Wahrheit gefagt.” |
And was die Häupter betrifft, die nach M⸗
ſchillimackinac gehn wollen, ſo werde ich Sorge
“tragen, für fie und ihr Gefolge einen graden
Weg, ruhiges Waſſer, und einen hellen Himmel
zu machen; daß fie dort hingehn konnen, die Frie⸗
denspfeiffe zu rauchen, und ſicher auf einer Bie⸗
berdecke unter dem Schatten des großen Baumes
des Friedens zu liegen. Lebt wohl.“
Auf dieſe Rede erhielt ich fo! gende Antwort aus
dern Munde ihres vornehmſten Oberhauptes.
Guter Bruder! Ich bin jezt im Begriff, durch
aden Mund dieſer meiner Brüder, der Oberhaͤupter
der acht Staͤmme des maͤchtigen Volkes der Na⸗
find überzeugt von der Wahrheit alles deſſen, was
06 uns! von deinem großen Volke, und dem großen
e a 3 «Könige,
Könige, auen. größten Vater, geſagt haſt; fuͤr
«den wir dieſe Bieberdecke hinlegen, damit fein
“yäterlicher Schutz immer ſicher und fanft unter
“uns feinen Kindern ruhen möge. Deine Fahnen
„und deine Waffen kommen mit den Beſchreibun⸗
“gen überein, die du uns von deinem großen Volke
gemacht haſt. Wir wuͤnſchen, daß, wenn du
e zuruͤckkehreſt, du deinem großen Koͤnige ſagen
“molleft, wie ſehr wir wuͤnſchen, unter ſeine guten
Kinder gerechnet zu werden. Du kanſt glauben,
daß wir unſre Ohren keinem öfnen werden, der
bes wagen würde, übel von unſerm großen Vater,
dem Könige der Engländer und andrer Völker, |
“zu fprechen.” |
Mir danken dir für das „was du 1 haft,
Friede zwiſchen den Nadoweſſt tern und Tſchipi⸗
waͤern zu ſtiften, und hoffen, daß du, wenn du
zu uns zur uͤck kommſt, dies gute Werk vollenden,
“und ganz die Wolken vertreiben wirft, die noch
“über uns ſchweben, um den blauen Himmel des
Friedens zu öfnen, und die blutige Art tief unter
eden Wurzeln des en eee 8 > Friedens:
zu begraben.“
Gi Wir wuͤnſchen, j daß du dich e erinnern e
“unferm großen Vater vorzuſtellen, wie ſehr wir
en daß Handelsleute geſandt werden
“mögen, |
71
mögen, i fi unter uns aufzuhalten mit ſolchen
„Sachen, als wir brauchen, damit, die Herzen
tunſrer jungen Männer, unſter Weiber und unſrer
Kinder fröhlich gemacht werden. Und moͤge der
„Friede dauren zwiſchen uns fo lange, als bie
“Sonne, der Mond, die Erde und die Gewoͤſſer
ene Lebe wohl? 5
Ich hielt es für nothwendig die Indier zu war⸗
nen, irgend ſchlimme Nachreden gegen die Eng⸗
länder, die fie von den benachbarten Voͤlkerſchaf⸗
*
ten hören könnten, Glauben beyzumeſſen, da ich
an verſchiednen Orten, wo ich durchkam, erfuhr,
daß die Franzoſen noch jezt Abgeſchickte unterhiel⸗
ten, um die Volkerſchaften, die mit den Englaͤn⸗
dern verbunden waren, gegen ſie aufzubringen.
Ich ſah ſelbſt verſchiedne Schnuͤre Wampum, die
zu dem Ende an verſchiedne Staͤmme ausgerbeift
waren, bey welchen ich mich aufhielt. Bey ihrer
LAuuloeberreichung hielten fie Reden, worinn ſie den
Indiern ſagten, daß die Englaͤnder, ein armſeliges f
Volk, dies Land ihrem großen Vater, dem Koͤnige |
von Frankreich, geſtohlen hätten, als er ſchlief,
allein daß er bald aufwachen, und ſie wieder unter
ſeinen Schutz nehmen wuͤrde. Und dieſe Abgeord⸗
neten waren von Leuten in Kanada ausgeſchickt,
| wan der nn. ſebr zugethan zu ſeyn ſchienen.
N Waͤh⸗
7 |
' Während der Zeit, daß ich mich bey dieſen freund⸗
ſchaftlichen Indiern an der Muͤndung des Fluſſes
St. Peter auf hielt, ſo ſuchte ich Erkundigung ein⸗
zuziehn, ob einige Waaren zu meinem Gebrauche
nach dem Waſſerfalle von St. Anton waͤren geſchickt
worden, wie mir der Kommendant von Miſchilli⸗
mackinae bey meiner Abreiſe verſprochen hatte.
Allein ich erfuhr von einigen Indiern, die auf ihrer
Ruͤckreiſe aus den dortigen Gegenden hier vorbey
kamen „daß dies Verſprechen nicht erfüllt wäre,
und ſah mich daher genbthigt, alle Gedanken, auf
dieſem Wege weiter nordweſtwaͤrts zu gehn, wie
ich mir anfaͤnglich vorgeſetzt hatte, aufzugeben.
Ich kehrte daher nach la Prairie des chiens zuruͤck,
wo ich von den Handelsleuten, die ich dort das
vorige Jahr zuruͤck ließ, ſo viel Waaren erhielt,
als ſie zntbehren konnten.
Da dieſe aber nicht hinreichend waren, mein
erſtes Vorhaben wieder zu verfolgen, fü entſchloß
ich mich, meine Reiſe durch das Land der Tſchipi⸗
waͤer nach dem Obernſee zu nehmen, in der Hof⸗
nung, am großen Trageplatze an der Nordſeite
deſſelben die Handelsleute anzutreffen, die alle
Jahr von Miſchillimackinac nordweſtwaͤrts gehn,
und von denen ich gar nicht zweifelte, ſo viele
| ka zu e als ich zu meinem Endzwecke
Prag
| 73
brauchte, um von dort aus durch die nordlichen
Gegenden bis an die Meerenge von Anian zu ge⸗
.
Ich kehrte mit deſto groͤßerm Vergnügen nach
la Prairie des chiens zurück, da ich dort mein
Verfprechen, das ich einem Theile der Nadoweſſter
am Ende meiner Rede gethan hatte, beſſer erfüllen
konnte. Während meines Aufenthalts bey dieſer
Voölkerſchaft hatte ich einigen ihrer Oberhaͤupter
gerathen, um ſie deſto beſſer in guten Geſinnun⸗
gen fuͤr die Englaͤnder zu erhalten, nach Miſchil⸗
limackinae zu gehn, wo fie Gelegenheit zum Han⸗
del und die Nachrichten beſtaͤtigt finden würden,
die ich ihnen von meinen Landsleuten gegeben hätte.
Zugleich hatte ich ſie mit Empfehlungsbriefen an
den dortigen Kommendanten verſehn, und ihnen
gehoͤrige Vorſchriften zur een ihrer Reiſe
e -
Es entſchloß ſich daher einer von ihren vor⸗
nehmſten Anfuͤhrern, nebſt fuͤnf und zwanzig von
einem geringern Range, den naͤchſten Sommer
dahin zu gehn. Sie nahmen dazu die Gelegenheit
wahr, als fie an den St. Petersfluß kamen, um
mit ihren uͤbrigen Staͤmmen großen Rath zu halten.
Da mich die Nachricht, daß meine Hofnung fehl-
geſchlagen hätte, zwang, den Miſſtſippi wieder ſo
| E 5 weit
74
1
weit herunter zu gehn, ſo konnte ich ſie von dort
aus deſto leichter auf den rechten Weg bringen.
Da die untern Gegenden dieſes Fluſſes haͤu ufg
von den Tſchipiwaͤern beſucht werden, mit denen
die Nadoweſſter beſtaͤndig Krieg führen, ſo hielten
| fie es, weil ohnehin ihr Haufen nur klein war, fuͤr
rathſamer, bey Nacht, als mit mir bey Tage zu
reiſen. Sobald daher der große Rath aufgebrochen
war, nahm ich freundſchaftlichen Abſchied von die⸗
ſen leuten, die mir unzaͤhlige Hoͤflichkeiten erzeigt
hatten, und ſetzte meine Reiſe weiter fort. 1
Ich kam noch dem naͤhmlichen Abend an die
Oſtſeite des Sees Pepin, wo ich wie gewoͤhnlich
ans Land ſtieg, und mein Lager aufſchlug. Den
folgenden Morgen, als ich einige Meilen weiter
gegangen war, bemerkte ich Rauch in einiger Ent⸗
fernung, ein Zeichen, daß Indier nahe waren;
und entdeckte bald darauf zehn bis zwoͤlf Zelte nicht
weit vom Ufer des Fluſſes. Da ich fuͤrchtete,
daß dieß eine Rotte von den Raͤubern ſeyn
möchte, die ich vorhin angetroffen hatte, ſo wußte
ich nicht, wie ich meine Fahrt anſtellen ſollte.
Meine Begleiter riethen mir, an der gegenuͤber⸗
liegenden Seite des Fluſſes vorbey zu kommen zu
ſuchen; allein da mich bisher die Erfahrung gelehrt
ws daß man ſich n. am leichteſten eine
gute
—
U
| 75.
gute Aufnahme a Indiern verſchaffen kann,
wenn man ihnen dreiſt, und ohne alle Furcht ent
gegen geht, ſo wollte ich keinesweges in ihren Vor⸗
ſchlag einwilligen. Ich gieng daher grade über
den Fluß, und ſtieg mitten unter ihnen ans Land,
da jetzt der groͤßte Theil von ihnen am Ufer ſtand;
die erſtern, welche ich antraf, waren Tiehipiwäer,
die an den Ottowaher Seen wohnten. Sie em⸗
pfiengen mich ſehr freundſchaftlich, und druͤckten
mir die Haͤnde zum Beweiſe ihres Wohlwollens.
In einer kleinen Entfernung hinter ihnen ſtand
einer von den Anfuͤhrern, der ſehr groß und wohl
gebildet war, aber dabey ein ſo finſtres Anfehniharte,
daß ſelbſt der herzhafteſte Menſch ihn nicht ohne
Furcht wuͤrde haben anſehn koͤnnen. Er ſchien uͤber
ſeine beſten Jahre hin zu ſeyn, und aus der Art wie
er punktirt, (tatowed) und bemahlt war, ſchloß ich,
daß er einen ſehr hohen Rang haben müßte. Je,
doch näherte ich mich ihm auf eine ſehr hoͤfliche Art,
und erwartete, von ihm auf die naͤhmliche Weiſe
empfangen zu werden, als die übrigen es gethan
hatten; allein zu meinem großen Erſtaunen zog
er feine Hand zuruͤck, und ſagte auf Tſchipiwaͤiſch:
ain niſchiſchin ſagänoſch, die Englaͤnder taugen
nichts. Da er eben ſeine S treitart in der Hand
hatte, ſo erwartete ich, daß dieſe lakoniſche Anrede
W | von
von einem Schlage begleitet werden wuͤrde; und
um dieß zu verhindern zog ich eine Piſtole aus mei⸗
nem Gürtel; und gieng mit einer ruhigen Miene,
dicht bey ihm vorbey, um n zu zeigen, daß ich
mich nicht vor ihm fuͤrchtete.
Ich erfuhr nachher von den andern een
aß dies ein Anfuͤhrer waͤre, den die Franzoſen den
großen Springer (Sauteur) oder den großen An⸗
fuͤhrer nannten, denn die Tſchipiwaͤer heiſſen bey
ihnen Sauteurs. Sie ſagten mir ferner, daß er die⸗
ſer Nation immer ſtandhaft zugethan geweſen waͤre,
und geſchworen hätte, als fie Miſchillimackinac,
nebſt dem Reſte von Kanada, an die Englaͤnder
uͤbergeben mußten, daß er ewig ein Feind von ſei⸗
nen neuen Beſitzern bleiben wollte, weil die Grund⸗
ſtücke, worauf das Fort gebaut wäre, ihm gehörten.
Da ich dieſe Geſinnungen bey ihm verſpuͤrte, ſo
blieb ich immer auf meiner Hut, ſo lange, als ich
mich hier aufhielt; doch ſchlug ich mein Nachtlager
bier auf, damit er nicht glauben möchte, ſeine
Drohungen hätten mich weggetrieben. Ich hatte
mein Zelt in einiger Entfernung von den indiſchen
Hütten, und ward darin, wie ich mich kaum zur
Ruhe niedergelegt hatte, von meinem franzoͤſiſchen
Bedienten aufgeweckt. Er ward durch das Laͤrmen
von einer indiſchen Muſik in * geſetzt, und
wie
15 | =;
wie er aus dem Zelte hinausgieng, ſo fah er einen
Trupp. von jungen Wilden, die auf eine ſonderbare
Art auf uns zutanzten, und von denen ein jeder eine
Fackel auf einer langen Stange trug. Doch ich
will die umſtaͤndliche Beſchreibung von dieſer ſelt⸗
ſamen Luſtbarkeit, die mir keine geringe Unruhe
verurſachte, verſparen, bis ich von den indiſchen |
Taͤnzen reden werde. \ /
Den folgenden Tag ſetzte ich meine Reiſe fort, |
und kam noch vor Abend nach la Prairie des chiens,
wo der Trupp von Nadoweſſtern mich bald einholte.
Bald nachher kam auch der große Springer da—
hin, und brachte es in Vereinigung mit etlichen
franzoͤſiſchen Handelsleuten von Kuiſiana dahin,
daß mich etwa zehn von den Oberhaͤuptern der Na⸗
doweſſier verlieſſen, ehe fie ihre Reiſe nach Miſchilli⸗
mackinac fortſetzten, an mit ne nach ae
giengen. 1 .
Die uͤbrigen giongen meiner Anwetſung zu⸗
foge nach dem engliſchen Forte, und ich erfuhr
nachher, daß ſie gluͤcklich und ſehr zufrieden mit
der Aufnahme, die man ihnen hatte wiederfahren
laſſen, in ihrem Vaterlande wieder angekommen
waͤren. Von den uͤbrigen, die nach Suͤden zu gien⸗
gen, ſtarben uͤber die Haͤlfte durch die große Ver⸗
ſchiedenheit des ſuͤdlichen Klima's. Erſt nach
u. i meiner
#
meiner Ankunft in Engfand erfuhr ich, daß der große
Springer ſich den Englaͤndern immer mehr und
mehr durch ſeine eingewurzelte Feindſchaft verhaßt
gemacht habe, und endlich in feinem Zelte bey
Miſchillimackinac von einem Kaufmanne ermordet
worden ſey, welchem ich die A 1
ſchichte erzaͤhlt hatte.
Ich hätte ſchon vorhin anführen ſolen, daß *
Indier, die zu la Prairie des chiens, dem großen
Marktplatze für die umliegenden Gegenden zuſam⸗
men kommen, ſich ſchlechterdings aller Feindſelig⸗
keiten enthalten muͤſſen, ſo lange als ſie hier ſind,
wenn ſie auch in offenbarem Kriege mit einander
begriffen waͤren. Dieſe Einrichtung ward ſchon vor
vielen Jahren unter ihnen feſtgeſetzt „da ohne ſie
alle Handlung aufhören muͤßte. Eben dieſe Re⸗
gel gilt auch auf dem rothen Berge, den ich nach⸗
her beſchreiben werde, wo die Indier die Steine,
woraus ſie ihre Pfeiffen machen, herholen. Da
dies eine Waare iſt, die zur Bequemlichkeit aller
benachbarten Staͤmme unumgaͤnglich gehöre, fü
wird dadurch eine aͤhnliche Einſchraͤnkung voch⸗
wendig, und allen gleich vortheilhaft.
Dieer Fluß St. Peter, der durch das Gebiet der
Nadoweſſt er laͤuft, fließt durch eine ungemein
reizende Gegend, die an allem, was die Natur
frey⸗
freywillig hervorbringt, einen en Ueberfluß bat, und
| die bey weniger Kultur auch die meiſten Beduͤrf⸗
niſſe des Luxus liefern wuͤrde. Wilder Reiß waͤchſt
hier im Ueberfluſſe, und uͤberall erblickt man eine
Menge Baͤume, die ſich unter der daſt ihrer Fruͤchte 5
biegen, worunter Pflaumen, Trauben und Apfel
die vornehmſten ſind. Auf den Wieſen findet man
häufig Hopfen und andre nüßfiche Kräuter; und
das Erdreich ift mit eßbaren Wurzeln, als Anger
liken, Narden und Erdnuͤſſen angefuͤllt, wovon
die letztern ſo groß wie ein Huͤhnerey ſind. In
einer kleinen Entfernung von den Ufern des Fluſſes
giebt es Anhoͤhen, von denen man die ſchoͤnſten
Ausſichten hat, und zwiſchen dieſen Huͤgeln trift
man anmuthige Waͤlder an, in denen eine ſolche
Menge Ahornbaͤume waͤchſt, daß ſie faſt die größte
Anzahl von Einwohnern men mit e
verſebn koͤnnten. 5
Nicht weit von der Mündung dieses Stufe in
den Miſſi ſippi ſteht an der Nordſeite deſſelben
ein Huͤgel, davon der Theil, der gegen den
Miſſiſippi zu gerichtet iſt, ganz aus einem
Steine beſteht, der eben ſo weich iſt, als die
Art, welche ich ſchon eben beſchrieben habe,
und zu dieſer Art gehoͤrt faſt alles Geſtein in
dieſer Gegend. Das * dabey iſt
. 5 ſeine
80 | |
feine Farbe, die wie der weiſſeſte Schnee ausſieht.
Die aͤuſſere Rinde war durch Wind und Regen
abgeſpuͤhlt, und in einen Haufen von Sand ver⸗
wandelt, aus dem ſich eine ſchoͤne Zuſammenſetzung
machen laſſen wuͤrde; oder vielleicht könnte der
Stein durch gehoͤrige Behandlung mit der Zeit
haͤrter werden, und zu einer großen inen in der
Baukunſt gereichen.
Nah an dem Arme, der der Marmorſſeß; ge⸗
nannt wird, giebt es einen Berg, aus dem die
Indier eine Art von rothem Steine ziehn, woraus
fie ihre Pfeiffenkoͤpfe machen. Auſſerdem findet
man in den hieſigen Gegenden einen ſchwarzen
harten Thon, oder vielmehr Stein, der den Na⸗ 5
doweſſtern zur Verfertigung ihrer Haushaltungsge⸗
ſchirre dient. Sonſt findet man hier auch noch
einen Ueberfluß von einem milchweiſſen Thone,
aus dem ſich vollig fo gutes Porzellaͤn, als das
oſtindiſche iſt, wuͤrde machen laſſen; und einen
blauen Thon, womit die Indier ſich bemahlen.
Dieſen letzten vermiſchen ſie mit dem Pulver von
dem rothen Steine, und machen verſchiedne Far⸗
benabaͤnderungen daraus. Die Indier, die dieſes
blauen Thones habhaft werden können, bemahlen
fich vorzüglich ſtark damit, wenn ihre Luſtbarkeiten
N und Tanze anfangen. Sie ſehn ihn auch als ein
Frie⸗
*
-
A
, 81
Btudenszehen an, da er die Farbe des blauen
Himmels hat, der bey ihnen fuͤr ein Bild des Frie⸗
dens angeſehen „und oft in ihren Reden feyerlich
dafuͤr genommen wird. Wenn ſie zeigen wollen,
daß ſie friedlich gegen andre Staͤmme geſinnt find, |
u; ſchmuͤcken fi fi e ſich und ihre Gürtel ſtark damit.
Als ich meine Geſchaͤfte zu la Prairie des chiens
zu Stande gebracht hatte ſo gieng ich den Miſſt⸗
ſippi zum zweytenmale bis an die Stelle hinauf, wo
der Fluß Tſchipiwaͤ etwas unterhalb des Sees Pe⸗
pin in ihm fälle. Hier miethete ich einen indiſchen
Hootſen, und befahl ihm nach den Ottowa aber Seen
zuzuſteuren, die um die Quellen dieſes Fluſſes her⸗
umliegen. Er brachte mich im Anfange des Julius
dahin. Der Fluß Tſchipiwaͤ iſt bey ſeiner Muͤn⸗
dung in den Miſſt ſippi etwa zweyhundert und viers
Bi; Fuß breit, allein er wird immer breiter, je
weiter man ihn binauf fährt. Ungefaͤhr dreißig
Meilen von ſeinem Ausfluſſe theilt er ſich in zwey
Arme, von denen ich den oſtlichen Arm hinauffuhr.
Die Gegend um den Fluß herum auf einer
Strecke von ſechszig Meilen iſt ſehr eben, und an
ſeinen Ufern liegen fihone Wieſen, auf denen ich
gröffere Heerden von Buͤffeln und Elendthieren
weiden ſah, als ich ſonſt irgend auf meinen Reiſen
e hatte. Der Strich zwiſchen den beyden
no il 6 . Armen
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8 = N — *
RT — et 27 re . —— . 2 Fe 2 — r dr *
en dieſes Fuſes ward der Weg des Se
zwiſchen den ee fern und Afchibmme ge⸗
nannt. 1
Die Gegend bis an die Waſerſöle, die Be der i
Karte gezeichnet iſt, fo weit als ſich die Reiſen der
Danbefsfeure erſtrecken, hat einen völligen Manz
gel an Bauholz, und auſſerdem iſt fie ſehr rauh und
uneben, und dicht mit Fichten, Buͤchen, Ahorn⸗
baͤumen und Birken bewachſen. Hier ſtellte ſich
ein merkwuͤrdiges und wunderbares Schauſpiel
meinen Augen dar. In einem Walde, der auf
der Oſtſeite des Fluſſes lag, und ungefahr drey
engliſche Meilen lang war, bemerkte ich, daß alle
Baͤume, ſo weit als mein Auge reichen konnte,
ungeachtet viele davon mehr als ſechs Fuß im Um⸗
fange hatten, mit den Wurzeln ausgeriſſen waren,
und auf dem Boden lagen. Dies war vermuthlich
die Wirkung von einem Orkane, der vor etlichen
Jahren aus Weſten her geſtuͤrmt haben mußte,
doch kann ich das Jahr eigentlich nicht beſtimmen, |
da ich hier herum keinen Menſchen antraf, der mir
Nachricht davon haͤtte geben konnen. Die Gegend
an der Weſtſeite des Fluſſes war, da ſie nicht ſo ſtark
ebolzt iſt, dieſer Verwuͤſtung gröͤßtentheils ent⸗
gangen, und ich ſah nur einige wenige Bäume,
die der Sturm umgeriſſen hatte.
Nahe
>
—
Nahe be der Quelle dieſes Er liegt N
Ortſchaſt der Tſchipiwaͤer, von der er feinen Nahe
men hat. Sie liegt auf beyden Seiten des Fluſſes,
der bier keine beträchtliche Breite bat, und nahe
an dem Ufer eines kleinen Sees. Sie enthaͤlt
ungefaͤhr vierzig Haͤuſer und kann ungefähr bun⸗
rt Krieger aufbringen, worunter fich viele ae
junge Leute befinden. Die Haͤuſer ſind auf indiſch
Art gebaut „ und dicht hinter ihnen liegen Pan,
zungen. Die Einwohner ſchienen mir das ſchmu⸗
zigſte Volk zu ſeyn, das ich je geſehn hatte. Ich
bemerkte, daß die Weiber und Kinder ſich eine
Gewohnheit erlaubten, die zwar gewiſſ ermaaßen bey
allen indiſchen Boͤlkerſchaften uͤblich, aber nach un⸗
fern Begriffen aͤuſſerſt eckelhaft und widrig ſeyn wuͤr⸗
de, namlich ſich einander die Haare durchzuſuchen,
und das darinn gefangene Wildprett zu verzehren.
Im Julius verließ ich dieſen Ort, und kam
aber eine Menge kleiner Seen und dazwiſchen fies
| gender Trageplaͤtze an einen Hauptarm. des Fluſſes
St. Croix. Ich folgte dieſem Arm, bis er ſich mit
einem andern Arme vereinigte, und gieng alsdann
dieſen zweyten Arm bis an ſeine Quelle hinauf. |
An beyden Fi üffen entdeckte ich verſchiedne Adern
von gediegenem Kupfer, das völlig fo. rein war,
als man es ſonſt irgend in andern Ländern antrift.
„„
84 2 |
Ich kam hier an einen kleinen Bach, von dem
mein Führer glaubte, daß er ſich in einiger Ent
fernung mit andern Waſſern vereinigen, und da⸗
durch ſchiffbar werden wuͤrde. Er hatte anfaͤnglich
ſo wenig Waſſer, daß ich meinen Kanoe ſchlech⸗
terdings darinn nicht zum Schwimmen bringen
konnte, aber nachdem ich etliche alte Bieberdaͤmme,
die von Jaͤgern niedergeriſſen waren, wieder her⸗
geſtellt hatte, fo fahe ich mich im Stande, etliche
Meilen fortzufahren, bis endlich der Jufluß von
verſchiednen andern Baͤchen dies Huͤlfsmittel un⸗
noͤthig machte. Bald darauf ward dies Gewaͤſſer
zu einem reiſſenden Strome, dem wir hinab gien⸗
: gen, ‚bis er in den Obernſee (lac ſuperior) fiel.
Dieſen Fluß nannte ich Goddardsfluß nach einem
Herrn, der mich von der Ortſchaft der Ottoga⸗
mier bis an den Tragepfag des Obernßes eng
ten wollte.
Weſtwaͤrts von dieſem giebt es Ra einen kleinen
Fluß, der ebenfalls i in dieſen Seefällt. Ich nannte 8
| ihn den Erdbeerenfluß, (ſtrawberry river) von der
Menge großer und wohlſchmeckender Erdbeeren,
die an feinen Ufern wuchfen.
Die Gegend von den Seen Ottowa bis an den
Obernſee iſt durchgehends ſehr uneben und ganz vol⸗
ler Waͤlder. Der Erdboden 0 an einigen Stellen
recht
| 1 8 = y | 85
recht gut, an andern aber nur r schr mittelmäßig.
Bey den Quellen der Fluͤſſe St. Croix und Tſchi⸗
piwaͤ giebt es vortrefliche Störe. Die ganze Wild⸗
niß zwiſchen dem Miſſtſippi und dem Obernſee wird
von den Indiern das Muͤckenland (Muſchettoe
country) genannt, und ich glaube es verdient ſeinen
Nahmen völlig; denn ich ſah und fuͤhlte „da es
ohnehin die Jahrszeit davon war, nie 1 i
viele von diefen Inſekten.
Gegen Ende des Julius erreichte ich den geben
Trageplatz, der an dem nordweſtlichen Ufer des
Obernſees liegt. Ich nahm meinen Weg dahin
laͤngſt dem Ufer der weſtlichen Bucht. Bey dieſem
Trageplatze bringen die Kaufleute, die nordweſt⸗
waͤrts gegen die Seen la Pluie, Dubois u. ſ. w.
handeln, ihre Kanoen und ihr Gepaͤcke etwa neun 1 9
engliſche Meilen über Sand, bis fie an einen Haus
fen kleiner Seen kommen, wovon einige in den
Obereſee, andre aber in den Fluß Burbon fallen.
Der Obereſee hat von der weſtlichen Bucht bis
an dieſen Trageplatz einen ſehr felſichten Boden,
den ſuͤdweſtlichen Theil der Bucht eee |
wo er ziemlich eben war.
Bey dem großen e iſt eine kleine |
Bucht, an deren Einfahrt eine Inſel liegt, welche
Ne wilde ad grenzenloſe Ausſicht über den See
ä ws unters
7
x
—— Ä — * nm ———
— — — — —
— ́⁵ĩoꝓpß 2. - -
|
|
|
|
86.
unterbricht, und die Buch 100 und .
macht. Ich traf hier einen großen Haufen von
Killiſtinern und Aſſt inipoilen an, die ihre beyder⸗
ſeitigen Koͤnige und ihre Familien bey ſich hatten.
Sie waren hieher gekommen, um den Kaufleuten
von Miſchillimackinac zu begegnen, die hier auf
ihrer nordweſtlichen Reiſe vorbeygehn. Von ihnen
erhielt ich folgende Nachricht von den Seen, die
nordweſtwaͤrts vom Obernſee liegen.
Der See Burbon, der nordlichſte von den bis⸗
0 ber entdeckten, erhielt feinen Nahmen von etlichen
franzöſiſchen Kaufleuten, die einen Trupp Indier
vor etlichen Jahren bis an Hudſons Meerbuſen
begleiteten. Er erhaͤlt ſein Waſſer aus dem Fluſſe
Burbon, der, wie ich ſchon vorhin angefuͤhrt habe,
weit gegen Suͤden hin und nahe bey den nordlichen
Quellen. des Miſſeſt tjippi entſpringt. \ |
Dieſer See iſt ungefähr achtzig Meilen lang, er.
von Norden nach Suͤden, und hat überhaupt faft
die Geſtalt einer Kreiefläche Es giebt Feine große
Inſeln darinn. Das band auf der oſtlichen Seite
iſt ſehr gut, und gegen Suͤdweſten findet man ei⸗
nige Berge. An verſchiednen andern Theilen deſſel⸗
ben giebt es unfruchtbare Ebenen, Suͤmpfe und
Meraͤſte. Er liegt faſt ganz ſuͤdweſtwaͤrts von Hud⸗
ſons Bay, . n iwen und funfzigſten und
vier
vier und funfzigſten Grade nordlicher Breite. Man
finder i in den Gegenden um ihn herum nur wenige
Thiere, da die Witterung feiner nordlichen age
wegen ungemein kalt iſt, und ich erhielt von den
Indiern nur ſehr unzulaͤngliche Nachrichten von
den dortigen Landthieren, Voͤgeln und Fiſchen.
Man trifft zwar nur einige kleine Buͤffel, die ge⸗
gen Ende des Sommers gut und fett werden,
einige wenige Muſethiere und Rennthiere an, allein
die Menge von Pelzthieren von jeder Art erſetzt
dieſen Mangel hinreichend. Das hiefige Bauholz
beſteht groͤßtentheils in Tannen, salat und eis
nigen Ahornbaͤumen. f | = *
Der Winnepiek, oder wie die Franzoſen es
ſchreiben Ouinipique, liegt am naͤchſten bey dem
vorhergehenden, und erhaͤlt ſein Waſſer aus der
naͤhmlichen Quelle. Seine Lange von Norden
nach Suͤden beträgt etwa zweybhundert Meilen.
Seine Breite hat bisher noch niemand genau be⸗
ſtimmt, doch wird ſie in der groͤßten Weite auf
ungefaͤhr hundert Meilen geſchaͤtzt. Dieſer See iſt
voller Inſeln, unter denen ſich jedoch keine von
betraͤchtlicher Groͤße beſinden. Er nimmt viele
beträchtliche Fluͤſſe auf, wovon jedoch noch keine
Nahmen erhalten haben. Sein Waſſer iſt mit
. vorzüglich Forellen und Storen angefuͤllt,
4 und
4
und aufferdem trifft man noch etliche kleinere Arten
darinn an, die dieſen Seen beſonders eigen ſind.
Das Land auf der Suͤdweſtſeite if gut, vorzuͤg⸗
lich bey dem Ausfluſſe eines großen Arms des
Fluſſes Burbon, der von Suͤdweſten herkommt.
An dieſem Fluſſe liegt eine Faktorey, die von den
Franzoſen gebaut und la Reine genannt ward,
wohin die Kaufleute von Miſchillimackinae reifen, .
am mit den Affinipoifen-und Killiſtinoern zu han⸗
deln. Die Mahaer, welche ein Land zweyhundert
und funfzig Meilen weit nach Suͤdweſten zu be;
wohnen, kommen ebenfalls des Handels wegen
hieher, und bringen einen großen Vorrath von
indiſchem Korn mit, wogegen ſie Meſſer, Beile
und andre Stücke eintauſchen. Dieſe Vöekerſchaft
ſoll an einem Arme des weſtlichen Fluſſes wohnen.
Der See Winnepief hat gegen Nordoſten einige
Berge, und gegen Dften viele unfruchtbare Ebe⸗
nen. Der Ahorn oder Zuckerbaum waͤchſt hier ſehr |
haͤufig, und es wird eine ungeheure Menge Reis
eingeſammlet, ein Beweis, daß dieſe Getreideart
eben ſo gut in nordlichen, als in füdfichen Gegen⸗ |
den fortkommt. Büffel, Muſethiere und Renn⸗
tbiere find hier herum fer zahlreich. Die Büffel
aus dieſen Gegenden unterſcheiden ſich von den füd-
lichen blos durch ihre weit geringere Größe, fo wie
1 das
7%
das PAAR in den nördlichen Theilen von Groß⸗
britannien ebenfalls viel kleiner iſt, als on a
Ochſen.
An den Gewaͤſſern, die f in dieſen Seefallen, fans 5
gen die benachbarten Voͤlkerſchaften viele vortref⸗
liche Pelzthiere. Einige davon bringen ſie nach 0
den Faktoreyen und Beſitzungen der Geſellſchaft von
Hudſonsmeerbuſen, die nicht weit vom Ausfluſſe
des Burbon liegen, doch thun ſie dies äuffer t un⸗
gern. Denn einige Aſſtnipoilen und Killiſtinoer,
die gewöhnlich mit den Bedienten der Geſellſchaft
handelten, verſicherten mich, daß wenn ſie beſtaͤndig
fo viele Waaren, als ſie brauchten, von Miſchilli⸗
mackinac haben koͤnnten, fo würden fie nirgends
anders hinhandeln. Sie zeigten mir Tuch und
andre Stuͤcke, die ſie am Hudſonsmeerbuſen ge⸗
kauft hatten, und womit ſie ſich enen im en
beugen zu ſeyn glaubten. | 5
Wenn ihre Angabe richtig war, ſo kantich acht 5
anti, ihre Unzufriedenheit zu billigen. Allein 5
vielleicht waren die Kanadiſchen Kaufleute die
5 Haupturſache dieſes Misvergnügens. Diefe Kauf⸗
leute hatten ſich, ſo lange die Franzoſen noch im |
Beſitz von Miſchillimackinae waren, eine vollkom⸗
mene Kenntniß des H
de Gegenden erworben
„und wurden daher nach
der
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indels nach den nordweſtll?
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er 24
90
der Eroberung von Kanada von den dortigen engl
von denen dieſe nichts verſtanden, gebraucht. E
Hauptmittel, deſſen fi e ſich bedienten, a
ihre Anhänglichkeit an die Hudſonsgeſellſchaft zu
benehmen, beſtand darin, daß ſie alle Waaren
der Geſellſchaft bey jeder Gelegenheit verachteten,
und die Vortheile ihnen ſehr wichtig vorſtellten,
die ſie dadurch erlangen wuͤrden, daß ſie blos mit
den Kanadiſchen Kaufleuten handelten. Der Er⸗
folg von dieſem Verfahren war fuͤr ſie nur gar zu
günftig, und vermuthlich ruͤhrte die Unzufrieden⸗
heit, welche die Aſſinipoilen und Killiſtinoer gegen
mich aͤuſſerten, zum Theil davon her. Auſſerdem
ward ihnen die lange Reiſe bis zu den Saftoreyen
der Geſellſchaft, die ihnen den Sommer uͤber faſt
drey Monathe wegnahm, Hin⸗ und Zuruͤckreiſe
zuſammengerechnet, ungemein beſchwerlich, und |
ſie konnten noch dazu kaum ein Drittel von ihren
Bieberfellen in ihren kleinen Kanoen fortbringen.
Es iſt daher kein Wunder „daß dieſe Indier wuͤn⸗
ſchen, es möchten ſich Kaufleute bey ihnen auf hal⸗
ten. Zwar gehoͤrt die Gegend, welche ſie bewoh⸗
nen, zu dem Bezirke der Geſellſchaft, allein ſie
wuͤrde ſich gezwungen ſehn, Eingriffe von dieſer
Art z rü da die Indier wahrſcheinlicher⸗
weiſe
*
ſchen Kaufleuten zur Einrichtung dieſes 5 ie 6
weile ihre Kaufleute 8 BETEN Yufferbem
erlauben ihnen die Paͤſſe, welche den Kaufleuten
von Miſchillimackinac gegeben werden, nordweſt⸗
waͤrts vom Obernſee zu handeln, worunter Fort
la Reine, der See Winnepiek und die ganze andre
Gegend am Burbon begriffen ſind, in denen ſich
die Holzlaͤufer (eouriers de bois) oder Kaufleute nie⸗
derlaſſen duͤrfen, wo es ihnen am bequemſten ſcheint.
Der Holzſee (lac du bois) wie ihn die Franzo⸗
ſen gemeiniglich auf ihren Karten nennen, oder auf
engliſch lake of the wood, hat ſeinen Namen von
der Menge Holz, die an ſeinen Ufern waͤchſt, und
welches größtentheils aus Eichen, Fichten, Tan⸗
nen u. ſ. w. beſteht. Dieſer See fiegt noch höher
| binauf an einem Arme des Fluſſes Burbon, faſt
vollig oſtwaͤrts von dem füdfichen Ende des Sees
Winnepiek. Seine Länge von Oſten nach Weſten
betraͤgt etwa ſiebenzig „ und feine größte Breite bey⸗
nahe vierzig Meilen. Es giebt nur einige kleine
Inſeln darin. Die Fiſche, „Vogel und Landthiere
die man hier antrifft, find von denen bey den an⸗
dern beyden Seen nur wenig unterſchieden. Einige
von den Killiſtinoern ſchlagen bier zuweilen der i
Jagd und des Fiſchfangs wegen ihr Lager auf.
Dieſer See liegt an dem natuͤrlichen Ranale,
vn der n mit den Seen ii
und
8
92 1 0 8 05
Burbon ſeine Gemeinſchaft hat. Sein Waſſer oll
nicht vollig d rein ſeyn, als das von den übrigen
Seen, weiler an verſchiedenen Stellen einen ſebr b
ö ſchlammigten Boden hat. 0 |
| Der See, welchen die Franzoſen la Pluie e |
nen, heißt bey den Englaͤndern the rainy lake (der
| regnichte See) und ſoll ſeinen Nahmen von denen
erhalten haben, die ihn zuerſt bereiſten, und bey |
einer ungemein regnichten Witterung binuͤber fuh⸗
ren; oder wie andere wollen? von einem regenar⸗
tigen Nebel ; der von einem ſenkrechten Waſſerfalle
in einem Fluſſe auf der Suͤdweſtſeite verurſacht wird.
Dieſer See ſcheint in der Mitte von einer Erd⸗
zunge in zwey Theile getheilt zu werden; der weſt⸗
liche Theil heißt der große regnichte See, und der
| oftfiche, welcher der Fleinfte iſt, der kleine reg⸗
nichte See. Der ganze See liegt einige Meiſen
weiter oſtwaͤrts, als der Holzſee, an dem naͤmlichen
Arme des Burbon. Er iſt faſt durchgehends ſehr
ſeicht. Seine größte Breite beträgt nicht über.
zwanzig Meilen, und feine Lange, beyde Abthei⸗
lungen zuſammen genommen, ungefaͤhr dreyhun⸗
dert Meilen. das Waſſer in der weſtlichen Ab⸗
theilung iſt ſehr rein, und man findet einige vor⸗
trefliche Fiſcharten darin. Gegen das Ende des
| Rn kommen eine Menge wilder Voͤgel hieher.
* Muſe⸗
99 8
Muſethiere und ee werden häufig ange⸗
troffen, und ihre Haͤute ſchicken ſich zu Hoſen und
Handſchuhen weit beſſer, als alle uͤbrigen in ganz
Nordamerika. Das Land um dieſen See herum
wird an einigen Stellen fuͤr ſehr gut gehalten, doch
iſt es etwas zu ſtark beholzt. Hier haͤlt ſic ein
beträchtlicher Haufen Tſchipiwoͤer auf. |
Hſtwaͤrts von dieſem See liegen verſchiedne klei⸗
nere, die ſich in einer Kette bis an den großen |
Trageplatz, u „und von dort aus bis an den Obern
See erſtrecken. Zwiſchen dieſen kleinen Seen giebt
es verſchiedne Trageplaͤtze, die den Handel nach
| Nordweſten ſehr beſchwerlich und langwierig
machen, da zwey Jahre zu einer Reiſe von Michill⸗
mackinae nach dieſen Gegenden erfordert werden.
Der rothe See (red Lake) iſt vergleichungsweiſe
5 ein ſehr kleiner See bey der Quelle eines Armes
vom Fluſſe Burbon , der von einigen der rothe
Fluß (red river) genannt wird. Er iſt faſt vollig
rund und hat ſechszig Meilen im Umkreiſe. un
einer Seite deſſelben giebt es eine ziemlich große
Inſel, bey welcher ein kleiner Fluß in den See
fälle. Er liegt faſt gegen Suͤdoſten von dem See
Winnepiek und dem Holzſee. Die umherliegende
Gegend iſt wenig bekannt, und wird bst von 990
Wilden nur ſelten beſt cht. We
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Etwas gegen Süͤdweſten nicht weit ö dieſen
ö See liegt der ſogenannte Weiſſebaͤren S See (white
bear lake), der ungefaͤhr eben ſo groß iſt, als der
ger, als irgend eine im ganzen ubrigen Nordamerika.
Die Indier, welche hier jagen, kommen ſelten
zurück ohne ihre Kanoen fo voll geladen zu haben,
als es irgend moͤglich iſt, ohne ſie zu verſenken.
Da ich eben angefuͤhrt habe, daß dieſer See die
13 auſſerſte Quelle des Miſſiſippi nach Norden zu if,
fo muß ich hier noch hinzuſetzen, daß dieſer Strom,
ehe er in den Meerbuſen von Mexico fallt, alle
ſeine Kruͤmmungen mit eingerechnet, vollig eine
Weite von dreytauſend Meilen durchlaufen muß.
In einer graden Linie beträgt feine länge ungefähr
zwanzig Grade, welche beynahe vierzehnhundert
engliſche Meilen ausmachen. |
Eben diefe Indier ſagten mir j daß owe,
waͤrts vom See Winnepiek noch ein See läge, der
einen weit gröfferen Umkreis hätte, als irgend einer
von den eben beſchriebenen. 0 Sie gaben ihn gar
noch größer an, als den Obernſee. Allein da
feine sage ſo weit gegen Rordweſten iſt, ſo fölle
| vorige. Er gehört zu den nordlichſten Gewäffern,
woraus der Miffifippi entſteht, und koͤnnte fuͤglich
5 feine aͤuſſerſte Quelle genannt werden. Die Jagd von
Pelzthieren iſt in der benachbarten Gegend ergiebi⸗
—
f 95
is faſt glauben, daß ie kein See, ſondern der Ar⸗
chipelagus oder ein Bußen des Meeres iſt, wodurch
Hudſonsmeerbuſen, und die noͤrdlichen ne des 0
ſtillen Meeres zuſammenhbängen. |
Es giebt ſonſt noch eine große Menge von kleinen 5
Seen, an den weſtlichen Hauptarmen des Miſſiſippi,
und zwiſchen dieſen und dem See Winnepiek,
g allein keiner davon iſt ſo groß, daß man ihn für
den See oder das Gewaͤſſer, deſſen die Ster m
| wähntert, halten hinter: ? |
Ich erfuhr ferner von ihnen, daß einige von nden
nordlichen Armen des Meſſorie und die füdfichen
Arme des St. Petersfluſſe es ſich einander bis auf
eine Meile naͤhern, und daß ſie ihre Kanoen uͤber
g dieſe Landenge tragen. So viel, als ich von ihnen
verſtand/ ſo nehmen ſie auf ihren Kriegszuͤgen
gegen die Panier und Pananier, die we“ Arme
des Meſſorie bewohnen, dieſen Weg. In dem
Lande, das dieſen Völkerſchaſten gehoͤrt, ſoll haͤufig
Allraun *) gefunden werden, eine Art Wurzel, die
Menfihenfiguren von beyderley Geſchlecht ahnlich, en
und hier vollkommner ſeyn foll, als der, welchen
man am Nil in Unteräthiopien entdeckt hat.
A Etwas gegen Nordweſten von den Quellen des
Mefrie u und A Petersfluſſes 9000 wie An Indier
BA mir
a Munde, Atropa Mandagnie L. |
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Mr
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mir erzäßften, eine Bölferfihaft WER, die etwas
kleiner und weiſſer ift, als die benachbarten Staͤmme.
Sie treibt den Ackerbau, und legt ſich auch, wenn
ich anders ihre Ausdruͤcke recht verſtand, gewiſſer⸗
| maaßen auf Kuͤnſte. Sie fuͤgten noch hinzu, daß
einige von den Nationen, welche die Gegenden
bewohnen, die weſtwaͤrts von den glaͤnzenden Ber⸗
gen liegen, einen ſolchen Ueberfluß an Golde haben,
daß ſie ihren geringſten Hausrath daraus machen.
Dieſe Berge, die ich weiter unten genauer beſchrei⸗
ben werde, theilen die Gewaͤſſer, die in die Suͤdſee
fließen, von denen, die ins atlantiſche Meer fallen.
Die Voͤlkerſchaften, die nahe bey ihnen wohnen,
ſollen von den verſchiednen Staͤmmen herkommen,
welche den merifanifchen Koͤnigen zinsbar waren,
und die aus ihrem Vaterlande fücherteg wie
die Spanier Mexiko eroberten. |
Dieſe Muthmaaßung wird dadurch noch 2
ſcheinlicher „daß ſie grade die innerſte Gegend des
feſten Landes zu ihrem Aufenthalte gewaͤhlt haben,
und noch die Meinung hegen, daß die Seekuͤſte
von der damaligen Zeit an bis jetzt beſtaͤndig von
Ungeheuern verwuͤſtet werden, die d Feuer ſpruͤheten,
und Donner und Blitz umher ſpien; aus deren
Bauche Menſchen hervor kaͤmen, die mit unſicht⸗
baren allge oder durch Zauberen „die uns
\ Ä ſchul⸗
en N 97
ſhunigen Aubier in einer erſtaunlichen Weite
| födteten. Vor folchen Ungeheuern flohen ihre Vor⸗
vaͤter (einer Ueberlieferung zufolge, die ſich noch
unverſehrt bey ihnen erhaͤlt) nach den entfernten
Gegenden, welche ſie noch jetzt bebohnen. Denn
da ſie fanden, daß die ſchwimmenden Ungeheuer,
die fie in ſo großes Schrecken geſetzt hatten, ſich
dem Ufer nicht ganz naͤhern konnten, und daß die
Menſchen, die daraus hervor kamen, „es nicht der
Muͤhe werth hielten, Streifereyen tief ins Land
vorzunehmen, fo faßten fie den Entſchluß, in eine
Gegend zu ziehn, die weit vom Meere entfernt
waͤre, und wo fie vor ſolchen teufliſchen Feinden
ſicher ſeyn koͤnnten. Sie machten ſich daher mit
ihren Familien auf den Weg, und ließen ſich nach
einer langen Wanderſchaft bey dieſen Bergen
nieder wo ſie glaubten, ihre völlige Sicherheit ge
funden zu haben. i 8
Die Winnebagoer, die am Zuchefufe wohnen,
| und von denen ich ſchon vorhin gehandelt habe,
ſollen ebenfalls eine irrende Nation aus den meri⸗
kaniſchen Laͤndern ſeyn. Allein ſie koͤnnen nur eine
unvollkommene Nachricht von ihrem urſpruͤng⸗
lichen Aufenthalte geben. Sie erzaͤhlen, ſie waͤren
vor Zeiten weit von Weſten hergekommen, und
durch Kriege gezwungen worden, zu den Nado⸗
Carvers Reifen. G Ae ern
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weſſtern ihre Zuflucht zu nehmen. Allein da ſie
nichts von Kuͤnſten oder von dem Werthe des
Goldes wiſſen, ſo iſt eher zu vermuthen „daß fie
von den eben erwaͤhnten Fluͤchtlingen aus ihren
Befigungen vertrieben wurden, als dieſe bis zu
ihren jetzigen Wohnplaͤtzen vordrangen. |
Doch bedürfen diefe Muthmaaßungen noch einer
weitern Beſtaͤtigung; denn die kleinern Stämme
der Indier verändern ihre Wohnplaͤtze der befläns
digen Kriege wegen, in welche fie verwickelt find, fo
oft, daß es faſt unmoglich wird, nach einem halben
Jahrhunderte ihre ene he Lage zu be⸗
ſtimmen.
Die Kette von Gebirgen, wovon die glänzenden
Berge einen Theil ausmachen, faͤngt bey Mexiko
an, und geht nordwaͤrts bis an die Oſtſeite von
Kalifornien, und trennt die Quellen der zahlreichen
Fluͤſſe von einander, die entweder in den Meerbu⸗
ſen von Mexiko oder von Kalifornien fallen. Von
Kalifornien erſtreckt ſie ſich noch weiter nordwaͤrts,
zwiſchen die Quellen des Miſſt ſippi und der Fluͤſſe,
die in die Suͤdſee fallen, hindurch, und ſcheint un⸗
gefaͤhr ſich im ſieben und vierzigſten oder acht und
vierzigſten Grade nordlicher Breite zu endigen,
unter welcher Breite eine Menge Fluͤſſe entſpringen,
die entweder in die Süͤͤdſee, in Hudſons Meer⸗
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99
buſen nen in bie G Wale Semi ſſer
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Von dieſen Gebirgen heißt der Theil, der weſt⸗ 0
waͤrts vom Fluſſe St. Peter liegt, die ‚glänzenden.
Berge, und hat von einer unbeſchreiblichen Menge
erſtaunlich großer Kryſtallen, womit ſie bedeckt
ſind, den Nahmen. Dieſe Kryſtallen werfen, wenn
die Sonne darauf ſcheint, einen ſolchen Glanz von
ſich, daß man ſie in einer großen e
ſehn kann. |
Die Länge dieſer auſſerordentlichen Kette von
Gebirgen wird auf mehr als dreytauſend Meilen
geſchaͤtzt, ohne daß betraͤchtliche Zwiſchenraͤume ſie
unterbrechen, und ich glaube daher, daß ſie alle
andre Gebirge in den uͤbrigen Welttheilen uͤber⸗
trifft. Vielleicht wird man in kuͤnftigen Jahrhun⸗
derten entdecken, daß ſie mehr Reichthüͤmer in ihrem
Innern enthalten, als die Berge von Indoſtan
und Malabar, ie Goldkuͤſte von Guinea, oder
ſelbſt die peruaniſchen Erzgruben. Vielleicht wer⸗
den weſtwaͤrts von ihnen kuͤnftige Kolone oder Ras
leighe neue Seen, neue Ströme und Laͤnder ent:
decken, die mit allem, was zu den Beduͤrfniſſen und
e
ee
Vergnuͤgungen des Lebens gehören, angefüllt find;
und wo vielleicht fünftige Geſchlechter eine Zuflucht
finden konnen, wenn ſie durch Erpreſſungen raub⸗
. ſuͤchtiger
ſüchtiger Tyrannen, durch Sreigtonenerf,
oder durch den gar zu großen Anwachs ihrer
Miteinwohner aus ihrem Vaterlande vertrieben
werden. Doch es ſey nun aus Zwang „oder aus
Hofnung ſich zu bereichern, fo iſt nicht zu zweifeln,
daß ſie ihre Erwartungen in dieſen reichen und un⸗
erſchoͤpften Gegenden vollig befriedigen werden.
Abobbe es iſt Zeit, daß ich zu den Aſſinipoilen und |
Killiſtinoern zuruͤckkehre, die ich am großen Tra⸗
geplatze verließ, und von denen ich die vorherge⸗
benden Nachrichten von den Seen erhielt, die gegen
Nordweſten liegen. Pr
Da die Handelsleute, welche wir erwarteten,
b diesmahl laͤnger ausblieben, als gewoͤhnlich ge⸗
| ſchieht, und unſre Anzahl ſich auf dreyhundert be⸗
lief, ſo gerieth es ſehr mit unſerm Vorrathe von
Lebensmitteln, die wir mitgebracht hatten, auf
die Neige, und wir erwarteten ihre Ankunft mit
Ungedult. |
Eines Tages 1 da wir alle unſte Wöünſche des⸗
wegen aͤuſſerten, und von einer Anhöhe Acht gaben,
um ſie uͤber den See herkommen zu ſehn, ſo ſagte
uns der Oberprieſter der Killiſtinoer, daß er vers
ſuchen wollte, eine Unterredung mit dem großen
Geiſte zu halten, um von ihm zu erfahren, wenn
die Kaufleute ankommen wuͤrden. Ich achtete
wenig
101
wenig ‚auf dies . da c glaubte, daß es
nichts, als ein bloßes Taſchenſpielerſtuͤck ſeyn wuͤrde,
dadurch ſich nur unwiſſende Indier hintergehn
laſſen koͤnnten. Allein der Koͤnig dieſes Stammes
verſicherte mich, daß der Prieſter es vorzuͤglich
unternehme, um meine Beſorgniß zu vertreiben,
und um mich zugleich von dem Anſehn zu uͤber⸗
zeugen, in welchem er bey dem großen Geiſte ſtaͤnde.
Ich hielt es daher fuͤr meine Pflicht, meine Geda,
en, daruͤber noch nicht zu aͤuſſern. |
Der nächfte Abend ward zu dieſer geiſtlichen
„ eee feſtgeſetzt. Wie alles dazu vorberei⸗
| tet war, ſo kam der Koͤnig und führte mich i in ein
geraͤumiges Zelt, wovon die Gehaͤnge aufgezogen
waren, damit die Auſſenſtehenden alles beobachten
könnten, was darinn vorgienge. Wir fanden das
Zelt von einer großen Menge Indier umringt,
allein wir wurden willig durchgelaſſen, und ſetzten
uns auf Felle, die für uns al dem Boden en |
breitet waren.
In der Mitte bemerkte ich einen u ländlichen
Platz, der aus Stangen beſtand, die in die Erde
geſteckt waren, doch ſo, daß Zwiſchenraͤume offen
blieben, welche die Geſtalt von einem Kaſten oder
Sarge hatten, der groß genug war, einen menſch⸗
ichen Körper zu faſſen. Die Stangen waren von
G 3 mittler
1
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PIUS —
*
mittler Größe, und ſo weit von einander geftreckt,
daß man bequem alles fehen konnte, was ſich zwi⸗
ſchen ihnen befand. Das Zelt ward von einer
großen Menge Fackeln erleuchtet, die aus Splits
tern von Birken⸗ oder Tannenholze gemacht waren,
und von den Indiern gehalten wurden.
Nach einigen Minuten kam der Prieſter herein.
Es ward eine ſehr große Elendshaut grade zu mei⸗
no Füßen ausgebreitet, worauf er ſich niederlegte,
nachdem er alle Kleidungsſtuͤcke, ausgenommen
das, was er mitten um den Leib trug, ausgezogen
hatte. Er lag fetzt geſtreckt auf dem Ruͤcken, und
nahm eine Seite von der Haut, und legte fie
über ſich. Eben dies that er mit der andern Seite,
ſo daß blos ſein Kopf unbedeckt blieb. So bald dies
geſchehn war, ſo nahmen zwey junge Leute, die bey
ihm ſtanden, ungefaͤhr ſechszig Ellen von einem
ſtarken Seile, das ebenfalls aus einer Elendshaut
gemacht war, und banden es ihm feſt um den Leib,
ſo daß er vollig in der Haut „ wie ein Kind in ſei⸗
nen Windeln, lag. In dieſer Mumien ähnlichen.
Geſtalt ward er von einem bey den Fuͤßen, und
von dem andern bey dem Kopfe ergriffen, und über:
die Stangen in die Einfaſſung gehoben. Ich konnte
ihn noch jetzt voͤllig ſo genau beobachten, als ich
es sher gethan hatte, und ich nahm mich ſehr in
N
108
Acht r meine dugennurenen Kugenbfit von ihm zu
verruͤcken, damit ich das Kunſtſtuͤck deſto eher ent:
decken koͤnnte, denn ich zweifelte keinesweges, daß
| es doch endlich darauf hinauslaufen würde.
Kaum hatte der Prieſter in dieſer Stellung ei⸗
nige wenige Secunden gelegen, als er anfieng zu
murmeln. Er fuhr damit einige Zeit fort, und
ward allmaͤhlig lauter und lauter, bis er endlich
| anfteng deutlich zu fprechen; doch war das, was
er murmelte, ein ſolches Gemiſch aus der Sprache
der Tſchipiwaͤer/ der Ottowaer und Killiſtinoer,
daß ich nur ſehr wenig davon verſtehn konnte. Er
fuhr in dieſem Tone eine betraͤchtliche Zeit fort,
und erhob endlich feine Stimme aufs aͤuſſerſte,
bald betend, bald raſend, bis er ſich in ſolche be
tige Bewegung gebracht hatte, daße er am Munde
ſchaͤnmte. m |
Nachdem er faft breyviertel Eben anf dieſer
Stelle gelegen, und fein Schreyen mit unermuͤde⸗
ter Heftigkeit fortgeſetzt hatte, ſo ſchien er ganz ab⸗
gemattet zu ſeyn, und ward völlig ſprachlos. Allein
plötzlich ſprang er auf, ungeachtet es unmoͤglich
ſchien, wie er eingeſchnuͤrt ward, daß er Arme oder
Beine bewegen könnte, und warf ſeine Decke ſo
behende ab, als wenn die Seile, die darum gebun⸗
den waren / verbrannt wären, worauf er die, welche
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|
14 dee,
um ihn herum ſtanden, mit einer geſeßten 1
vernaͤhmlichen Stimme folgendermaßen anredete:
ö Meine Brüder, der große Geiſt hat ſich herabge⸗
laſſen, eine Unterredung mit ſeinem Knechte auf
meine ernſtliche Bitte zu halten. Er hat mir zwar
nicht geſagt, „wenn die Kaufleute, welche! wir er⸗
warten, ankommen werden, allein Morgen, wenn
die Sonne den hoͤchſten Gipfel am Himmel erreicht
hat, wird ein Kanoe kommen, und die deute darinn
werden uns Nachricht geben, wann wir auf die
Ankunft der Kaufleute ſicher rechnen koͤnnen. Wie
er dies geſagt hatte, ‚fo gieng er aus der Einfaſſung
heraus, zog ſeine Kleider an, und ließ die Ver⸗
ſammlung aus einander gehn. Ich muß geſtehn,
ich ward durch das, was ich geſehn hatte, nicht
wenig in Erſtaunen geſetzt; allein da ich ſah, daß
jedermann ſeine Augen auf mich geheftet hatte,
um meine Gedanken zu errathen, ſo gab ich mir
alle Muͤhe, meine Empfindungen zu verbergen.
Den folgenden Tag hatten wir hellen Sonnens
ſchein, und ſchon lange vor Mittage hatten ſich alle
Indier auf der Anhöhe verſammlet, von welcher
man den See uͤberſehn kann. Der alte Koͤnig
kam zu mir, und fragte mich, ob ich der Prophe⸗
zeihung des Prieſters ſo vielen Glauben beymaͤße,
daß ich mit ihm zu ſeinen Leuten auf dem Huͤgel
gehn,
\
105
1 und * ihre Erfüllung wotkeh könnte. Ich
ſagte ihm, daß ich nicht wuͤßte, was ich von ſeiner
Weiſſagung denken ſollte, allein ich wuͤrde ihn gern
begleiten. Wir giengen hierauf zuſammen an den
Ort, wo ſich die ubrigen verſammlet hatten. Jeder
heſtete feine Augen bald auf mich, bald auf den
See, und wie grade die Sonne ihren hoͤchſten
Stand erreicht hatte, ſo kam, wie der Prieſter
vorher geſagt hatte, ein Kanoe um eine Landſpitze
herum, die ungefähr eine Seemeile von uns lag.
So bald die Indier ihn erblickten, fo fiengen fie
ein allgemeines Freudengeſchrey an, und thaten
auf das Anſehn, in welchem ihr Prieſter bey dem
großen Geiſte ſo deutlich zu ſtehn ſchien, recht ſtolz.
Der Kanoe kam in weniger als einer Stunde
ans Ufer, wohin ich dem Koͤnige und den Ober⸗
haͤuptern folgte, um die Leute, die darin waren,
zu bewillkommen. So bald ſie ans Land geſtiegen
waren, giengen wir alle zuſammen nach dem Zelte
des Königs, wo wir, nach ihrer beſtaͤndigen Gewohn⸗
heit, anſiengen, zu rauchen, und ſelbſt ohne irgend
einige Fragen zu thun, ungeachtet wir aͤuſſerſt unge⸗
vr duldig waren, die Neuigkeiten, die ſie mit gebracht
hatten „zu hoͤren; denn überhaupt find die Indier
ſehr geſetzte Leute. Jedoch fragte der König nach
* Zeit, ob ſie icht von den Handelsleuten
| W geſebn
geſehn hätten? Sie antworteten „daß ſie dieſelben
vor einigen Tagen verlaſſen haͤtten, und daß ſie
entſchloſſen wären, uͤbermorgen hier einzutreffen,
und wuͤrklich kamen ſie auch zu unſrer groſſen Zu⸗
friedenheit an, doch ſchienen die Indier ſich am
meiſten daruͤber zu freuen, da ſie ſo wohl das An⸗
ſehn von ihrem Prieſter, als von ihrer Nation ſo
ſehr in Gegenwart eines Fremden erhoͤht ſahen.
Ich geſtehe gern, daß dieſe Geſchichte, den,
der ſie erzaͤhlt, ſehr in den Verdacht von Leichtglaͤu⸗ 1
bigkeit bringen muß. Allein ich bin uͤberzeugt, daß
niemand weniger von dieſer Schwachheit angeſteckt
N
ſeyn kann, als ich es bin. Die Umſtaͤnde dabey
ſind gewiß ſehr auſſerordentlich, allein da ich als
ein kalter und gleichguͤltiger Beobachter des ganzen
Vorfalls dafür ſtehn kann, daß fie nicht uͤbertrie⸗
ben oder unrichtig vorgeſtellt ſind, ſo konnte ich
dieſe Geſchichte meinen Leſern nicht vorenthalten,
die ihre eigenen Folgerungen daraus ziehn moͤgen.
Ich habe ſchon vorher angefuͤhrt „daß die Aſſini⸗
poilen ein von den Nadoweſſtern abgefallner Stamm
ſind. Sie trenneten ſich von ihren Landsleuten,
wegen wuͤrklicher oder eingebildeter Beſchwerden,
denn uͤberhaupt ſind die Indier ſehr eifrig fuͤr ihre
Rechte, und opferten ihre Bequemlichkeit ihrer
m: 0 Freiheit . Denn die Gegend um den
See
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See Winnepiek, welche ſe jest bersohnen, iſt, da
ſie viel weiter gegen Norden liegt, lange nicht ſo
fruchtbar und angenehm, als die, welche ſie ver⸗
lieſſen. Sie haben noch einerley Sprache und 50
ten mit ihren alten Landsleuten.
Die Killiſtinoer ſind jetzt Nachbarn! und Bundes
genoffen der Aſſinipoilen, denn ſie wohnen eben
falls an den naͤhmlichen See und dem Fluſſe Bur⸗
bon, und ſcheinen urſpruͤnglich von den Tſchipi⸗
waͤern abzuſtammen, deren Sprache fie noch jezt,
aber mit einer veraͤnderten Mundart, reden. Ihre
Voölkerſchaft beſteht aus drey bis vierhundert Krie⸗
gern, die ſtarke muthige Leute zu ſeyn ſcheinen.
Ich habe ſchon vorhin ihres Landes in meiner Be⸗
ſchreibung vom See Winnepiek erwaͤhnt. Da ſie
ſich innerhalb den Grenzen von der Geſellſchaft vom
Hudſonsmeerbuſen aufhalten „ ſo handeln fie ges
wohnlich nach den Faktoreyen der Geſellſchaft, doch
kommen ſie aus den vorhin angefuͤhrten Urſachen
nach dem Orte, wo ich ſie antraf, um den Kauf;
leuten von Miſchillimackinac zu begegnen.
Meine Unruhe uͤber den Verzug dieſer Kaufleute |
ward durch ihre Ankunft eben nicht gehoben. Ich
konnte von keinen die Waaren erhalten, welche ich
5 brauchte, und ſah mich alfo zum zweytenmahle i in
meiner Hofnung „ Mein ganzes Vorhaben
. | war
8
108 Be
war jetzt vernichtet, und mir blieb nichts übrig, , _
als nach dem Orte zuruͤckzukehren, von welchen ich
meine weitlaͤuftige Reiſe anfieng. Ich nahm daher |
von dem alten Könige der Killiſtinoer und den Ober⸗
haͤuptern beyder Voͤlkerſchaften Abſchied. Der
Koͤnig war ungefaͤhr ſechszig Jahr alt, und groß
und ſchlank, und trug ſich ſehr grade. Er war
uͤberhaupt ſehr artig und geſpraͤchig, und begegnete
mir mit großer Höflichkeit, welches mir ſonſt auch
von allen übrigen Oberhaͤuptern wiederſuhr.
Ich bemerkte, daß dieſe Voͤlkerſchaften noch eine
Gewohnheit beybehalten hatten, die allgemein ge⸗
weſen zu ſeyn ſcheint, ehe ſie mit den Sitten der
Europaͤer bekannt wurden; ich meine die Gewohn⸗
heit, Fremden ihre Weiber anzubieten. Und dies
thun nicht allein Leute von niedrigem Range, ſon⸗
dern die Oberhaͤupter ſelbſt, die es als den größten
Beweis ihrer Hoͤflichkeit gegen Fremde anſehen.
Inm Anfang des Octobers kam ich nach einer
Reiſe laͤngſt den nordlichen und oſtlichen Ufern des
Obernſees zu Cadots Fort an, welches bey dem
Waſſerfall von St. Maria und nahe bey ſeinem
ſuͤdweſtlichen Winkel liegt. |
Lake Superior, (der größte See) 115 ſonſt der
Oberſee von feiner nordlichen Lage genannt; aber
ſeinen n ſeßigen Nahmen hat er von feiner Größe,
der
\
109
der keiner von den ubrigen Seen gleich kommt.
Man konnte ihn mit Recht das Caſpiſche Meer von
Amerika nennen, da er wahrſcheinlicher Weiſe der
größte Landſee auf der ganzen Erdkugel iſt. Sein
Umkreis betragt nach den franzöſiſchen Karten etwa
funfzehnhundert Meilen; allein ich glaube, daß
über ſechshundert Meilen mehr herauskommen
wuͤrden, wenn man laͤngſt den Kuͤſten führe, und die
bbllige Weite jeder Bucht mäffe. ee
Tch kam aus dem Fluſſe Goddard an der weſt⸗
lichen Bucht zuerſt auf den See, und fuhr uͤber
zwölfhundert Meilen laͤngſt ſeinen nordlichen und
weſtlichen Ufern fort, und bemerkte, daß der
groͤßte Theil von dieſem weitlaͤuftigen Reiche von
Felſen und Anhoͤhen eingefaßt war. Der Grund
ſchien groͤßtentheils aus einem Felſenbette zu be⸗
ſtehn. Wenn es ruhiges Wetter und heller Son⸗
nenſchein war, ſo konnte ich in meinem Kanoe ſitzen,
| und in einer Tiefe von mehr, als ſechs Klaftern,
deutlich auf dem Grunde große Pfeiler von Stein,
von unterſchiedlichen Figuren unterſcheiden, davon
einige ordentlich das Anſehn hatten, als wenn ſie
behauen wären. Das Waſſer war alsdann ſo
rein und durchſichtig als zuft, und mein Kanoe
ſchien blos darin zu ſchweben. Es war unmöglich,
länger als einige Minuten durch dieſen bellen
N 0 8 Zwiſchen⸗
i e 2
ar a | 1, 4 7
cr r 2 3 T.
EEC TE EN 2
=
110
| Zwiſchenraum die Felſen zu betrachten, ohne
ſchwindlicht und gezwungen zu werden, ſeine Augen
von dieſer glänzenden Scene wegzuziehn.
Ich entdeckte durch einen Zufall noch eine zweyte
| auſſerordentliche Eigenſchaft des Waſſers in die⸗
ſem See. Es war im Julius, als ich daruͤber
fuhr, und die Oberflaͤche des Waſſers hatte von
drr daruͤber ſchwebenden duft einen beträchtlichen
Grad vom Waͤrme erhalten, allein dem ungeach⸗
tet hatte das Waſſer, das man mit einer Schale
ungefaͤhr eine Klafter tief hervorholte, eine ſolche
Kälte „daß es mir im 9 kunde wie Eis vorkam.
Die Lage dieſes Sees wird verſchiedentlich ange⸗
geben, allein nach den genaueſten Beobachtungen,
die ich anſtellen konnte, liegt er zwiſchen dem ſechs
und vierzigſten und funzigſten Grade nordlicher
Breite, und zwiſchen dem vier und achtzigſten und
drey und neunzigſten Grade weſtlicher Lange, von
der Londoner Mittagslinie angerechnet. |
Es giebt viele Inſeln in dieſem See, wovon
zwey ſehr groß find; und wenn ihr Boden ſich gut
zum Ackerbau ſchickt, ſo koͤnnte auf jeder eine be⸗
trächtliche Pflanzſtadt angelegt werden; vorzuͤglich
auf der Koͤnigsinſel (Isle royale) die wenigſtens
hundert Meilen lang, und an vielen Stellen vier,
zig Meilen breit ſeyn muß. Doch laͤßt ſich von
e N keiner
111
keiner von beyden Lange oder Breite genau an⸗
geben. Selbſt die Franzoſen, die immer einen
Schoner auf dieſem See hielten, ſo lange ſie noch
im Beſitz von Kanada waren, womit ſie leicht
eine ſolche Unterſuchung haͤtten anſtellen koͤnnen,
harten nur elne geringe Kenntniß von den Ufern
dieſer Inſeln. Wenigſtens haben ſie, ſo viel als
mir bekannt iſt, nie etwas von ihren innern Ge⸗
genden bekannt gemacht. i 5
Auch konnte ich in meinen Unterredungen mit
den benachbarten Indiern nie erfahren, ob ſie
Pflanzſtädte je darauf angelegt gehabt hätten, oder
auf ihren Jagdzuͤgen darauf ans Land geſtiegen
waͤren. So viel ich aus ihren Reden ſchließen
konnte, ſo ſcheinen die Indier zu glauben, daß
der große Geiſt ſeine Wohnung darauf habe, und
fie erzählen viele ſeltſame Geſchichte von Bezau.
berungen und Hexereyen, die armen Indiern
wiederfahren waren, wenn ſie ein Sturm zwang,
auf dieſen Inſeln Schutz zu ſuchen. ee
Einer von den Anfuͤhrern der Tſchipiwaͤer erzählte
mit, daß einige von feiner Bölkerfchaft einmal an
die Inſel Maurepas wären geworfen worden, die
auf der Nordoſtſeite des Sees liegt, und darauf
große Haufen von einem ſchweren glaͤnzenden gelben
ne gefunden hätten, der nach ihrer Beſchreibung
Soli |
Sofeftauß geweſen feyn muß. Sein glänzender
Anblick bewog ſie den folgenden Morgen, wie ſie
wieder in ihren Kanoe ſteigen wollten, etwas davon
mitzunehmen; allein ein großer Geiſt, der nach
ihrer Beſchreibung uͤber ſechszig Fuß hoch war,
gieng ihnen ins Waſſer nach, und befahl ihnen,
alles was ſie mitgenommen hatten, wieder heraus
zu geben. Sie ließen ſich durch ſeine Rieſengröͤße
in Schrecken ſetzen, und da er fie ohnehin beynahe
eingeholt hatte, ſo gaben ſie ihren glänzenden
Schatz wieder hin, worauf ſie auch ruhig ihre
Fahrt fortſetzen konnten. Seit der Zeit wagt ſich
kein Indier, der dieſe Geſchichte gehört hat,
weiter an dieſe Spuͤkkuͤſte. Sie erzaͤhlten mir noch
außer dieſer verſchiedne aͤhnliche Mährchen von
dieſen Inſeln. 5 /
Die Gegend auf der nordlichen und oſtlichen
Seite des Oberſees iſt ſehr gebirgicht und un⸗
fruchtbar. Das Wachsthum der Pflanzen iſt hier
ſehr kuͤmmerlich, da die Kaͤlte im Winter ſehr 1
ſcharf iſt, und die Sonne im Sommer keine 1 55
Kraft hat. Man findet daher nur wenige Früchte
auf feinen Ufern. Doch giebt es einige Arten in
großer Menge. Auf den Bergen nahe beym See
wachſen Heidelbeeren von einer ungemeinen Größe
und fer ch ent Geſchmack in erſtaunlichem Ueber⸗
| fluſſe,
| oe 113
fluſſe, und eben ſo gut kommen daſelbſt ſchwarze
Johannisbeeren und Stachelbeeren fort.
Allein die beſte von allen Fruͤchten iſt eine Beere,
die Hinbeeren ahnlich ift, aber eine hellrothe Farbe
und anfehnfichere Größe hat. Ihr Geſchmack iſt
ebenfalls weit angenehmer, als der von Hinbeeren,
die doch in Eukopa ſehr geſchaͤtzt werden. Sie
waͤchſt auf einem Strauche, der einer Weinrebe
ahnlich iſt, und auch eben ſolche Blaͤtter hat.
Es wuͤrde ohne Zweifel eine ſehr koſtbare und
ſchmacchaſte Feucht daraus werden, wenn man ſie
in eine waͤrmere Gegend verpflanzte. |
Es fallen auf der Nord⸗ und Oſtſeite zwey ſehr
große Fluͤſſe in dieſen See. Der eine davon heißt
der Nipegon Fluß, oder wie ihn die Franzoſen
ausſprechen, der Allanipegon, der von einem
Stamm der Tſchipiwaͤer herkommt, welcher in
der Gegend um einen See gleiches Namens wohnt;
der andre heißt der Mitſchipicuton, deſſen Quelle
nicht weit von Jamesbay liegt. Bey ſeiner Quelle
giebt es nur einen kurzen Trageplatz bis zu einem
andern Fluſſe, der bey einem Forte, das der
Geſellſchaft gehört, in den eben erwaͤhnten Meer⸗
buſen faͤllt. Dieſen Weg nahm eine Parthey Fran⸗
zoſen von Miſchillimackinac, wie fie die Beſitzun⸗
gen der Geſellſchaft unter der Regierung der
Carvers Reiſen. 5 Koni
— /
+
114 e |
Königin Anna angriffen. Sie eroberten und
ſchleiften die Forte, und nahmen die Kanonen, die
ſie darin fanden, mit nach der Feſtung, von wel⸗
cher ſie ausmarſchirt waren. Es waren kleine me⸗
tallene Stuͤcke, die ſich noch dort befinden, da ſie
durch den gewöhnlichen Wechſel des Gluͤcks wieder
an ihre alten Herrn gekommen ſind.
Nicht weit vom Nipegon giebt es einen kleinen
Fluß, der grade ehe er in den See fällt, ſenkrecht a
von dem Gipfel eines Berges mehr als ſechshun⸗
dert Fuß herabſtuͤrzt. Da er ſehr ſchmahl iſt, fo
laͤßt er in der Ferne wie ein weiſſes FOR das in
der Luft ſchwebt. f
Gngſt dem oſtlichen Ufer wohnen e e
* noch von den Algonkinen uͤbergeblieben ſeyn
ſollen, die ehemals im Beſitz dieſer Gegend waren,
aber faſt ganz von den Srofefen aus Kanada aus;
gerottet wurden. Es giebt uͤberhaupt beynahe
vierzig Fluͤſſe, die in den Obernſee fallen, von wel—
chen einige eine betraͤchtliche Groͤße haben. An
der Suͤdſeite liegt ein merkwuͤrdiges Vorgebuͤrge, 0
das ungefähr ſechszig Meilen lang iſt, und Kap
Schagomegan genannt wird. Man konnte es eben
ſo gut eine Halbinſel nennen, da es faſt ganz vom
feſten Lande auf der Oſtſeite durch eine enge Bucht,
0 le ſich ven Oſten a Weſten erſtreckt, getrennt
I wird.
115
wird. Man braucht die Kanoes nur eine kurze
Strecke über Sand zu tragen, da hingegen die Reiſe
zu Waſſer um daſſelbe über hundert Meilen betraͤgt.
Ungefaͤhr hundert Meilen weſtwaͤrts von dem
eben beſchriebenen Vorgebuͤrge faͤllt in den See
ein betraͤchtlicher Fluß, der aus einem Zuſam⸗
menfluſſe von vielen kleinen Gewaͤſſern entſteht.
Dieſer Fluß iſt wegen der Menge gediegen Kupfer
merkwuͤrdig, die man an ſeinen Ufern findet. Man
trift ſonſt dies Metall auch noch an verſchiednen
andern Stellen auf dieſer Kuͤſte an. Ich bemerkte,
daß viele von den kleinen Inſeln, hauptſaͤchlich auf
der oſtlichen Küfte, mit Kupfererzt bedeckt waren.
Sie ſahen wie Betten von Vitriol aus, von welchem
viele. Tonnen in einem kleinen Raume anne 5
lagen.
ei Geſelſchaft aus England fieng bald nach
der Eroberung von Kanada an, etwas von dieſem
Metall wegzufuͤhren; allein der verworrene Zuſtand
der Sachen in Amerika hat fie genoͤthigt, ihr Vor⸗
haben aufzugeben. Es könnte in Fünftigen Zeiten
eine vortheilhafte Handlung daraus entſtehn, da
das Metall nichts auf der Kuͤſte koſtet, und auch
ohne große Unkoſten eingeſchifft werden könnte. ü
Man muͤßte es erſt in Booten oder Kanoen uͤber
den Waſſerfall von St. Maria nach der Inſeſ
| ne Joleph
116 u.
Joſepb bringen, die am Ende der Meerenge nahe bey
ihrem Einfluß in den See Huron liegt; von dort
koͤnnte es auf größern Fahrzeugen uͤber dieſen See
bis an den Waſſerfall von Niagara geführt werden; 3 |
hier wuͤrde es zu Lande über den großen Trageplatz, ö
und alsdenn weiter ohne große Schwierigkeit nach
Quebec gebracht. Die leichtigkeit und die wenigen
Unkoſten, womit eine ſehr große Menge davon zu⸗
ſammen gebracht werden kann, erſetzt die Weite
des Weges völlig, und macht, daß die Eigner es
zu eben ſo guten Preiſen, als das Kupfer aus an⸗
dern Lͤndern, auf fremde Maͤrkte fuͤhren koͤnnen.
Der Oberſee hat einen Ueberfluß an Fiſchen,
worunter Forellen und Stoͤre die vornehmſten ſind,
welche man faſt zu jeder Jahrszeit im größten
Ueberfluſſe fangen kann. Die Forellen wiegen ge⸗
| meiniglich zwölf Pfund, und zuweilen ſogar uͤber
funfzig. Auſſer dieſen wird noch eine Art von Weiß⸗
fich ſehr häufig gefangen, die einer Elfe *) ähnlich,
aber etwas dicker iſt, und nicht ſo ſtarke Graͤten
hat. Sie wiegen ungefaͤhr vier Pfund, und ſchmek⸗
ken ſehr angenehm. Man faͤngt ſie am beſten mit
einem Netze, doch kann man Forellen i immer mit
Angeln fangen. Es giebt bier ebenfalls kleine
Rien von Wegen im großen Ueberfluſſe; und unter
l 4 dieſen
5 =) . Au, Shad 0. Aloſe fr.
117
dieſen eine, die einem Heringe ahnlich iſt, und
zum Köder fuͤr die Forellen gebraucht wird. So
wohl i in dieſem See, als in Miſchigan, findet man
noch eine kleine Art Taſchenkrebſe, bir nicht größer 0
ſind, als ein Gulden.
Dieſer See iſt Stärmen vollig ſo ſehr unterwor⸗
fen, als das atlantiſche Meer. Seine Wellen ſteigen
eben ſo hoch, und ſind den Schiffen eben fo gefaͤhrlich.
Sein Waſſer hat an dem ſüͤdoſtlichen Winkel durch
die Straße von St. Maria einen Ausfluß. An
dem obern Ende dieſer Straße ſteht ein Fort, das
ſeinen Nahmen von ihr hat, und vom Herrn Cadot,
einem franzöſiſchen Kanadier befehligt wird, der
als Eigenthuͤmer des Bodens in dem Beſitz davon
geblieben it. Nahe bey dieſem Forte iſt ein ſtar⸗ |
fer Strom, gegen den zwar keine Kanoes angehn
können „aber man kann ihn, wenn man einen ge⸗
| ſchickten wotſen bat, ohne e berabfahren.
Ungeachtet der Oberſee ; wie ich vorhin ange⸗
fuͤhrt habe, von beynahe vierzig Fluͤſſen fein
Waſſer erhaͤlt, unter welchen einige ſehr betracht
lich ſind, ſo ſcheint doch kaum der zehnte Theil
von dem Waſſer, das er aus dieſen Fluͤſſen er⸗
hält, durch dieſe Oefnung herauszufließen. Ich
ſehe nicht ein, wie ſch ein ſolcher Ueberfluß von
% Waſeer
3 2 5 SE . h 22 2 BZ RR
118 *
Waſſer verliehren Wan welches doch auf irgend
eine Art geſchehn muß, weil ſonſt die Oberflaͤche
des Sees beſtaͤndig zunehmen wuͤrde. So viel iſt
gewiß, daß er ſein Waſſer durch ei
ſtrom verliehrt, wie das mittellaͤndiſche Meer thun
einen Untern⸗
ſoll, wo dieſer untere Strom dem auf der Ober⸗ |
fläche beſtaͤndig entgegen arbeitet; denn der Strom,
5 der uͤber den Felſen faͤllt, iſt nicht uͤber fuͤnf bis
ſechs Fuß tief, und fließt ganz durch die Straße
in den naͤchſten See. Es iſt auch nicht wahrſchein⸗
lich, daß eine ſo große Menge durch Ausduͤnſtun⸗
gen verlohren gehn koͤnnte; und folglich muß es
irgendwo einen Ausfluß durch tiefe unterirrdiſche
Gaͤnge darinn geben.
Der Waſſerfall von St. Maria ſärzt sche ſenk⸗
recht herunter, wie die Waſſerfaͤlle von St. Anton
und Niagara, ſondern er beſteht aus einem reiſſen⸗
den Strome / der ſich dreyviertel Meile weit er⸗
ſtreckt, und über den Kanoe mit Vorficht geführt:
werden koͤnnen. |
Unten an dieſem Waſſerfalle ſchicken fich die Fel⸗
en fehr bequem zum Fiſchfang. Wenn man im
September und October feine Netze auswirft, fo
iſt man ſicher, fie immer voller Weißfiſche heraus
zu ziehn, die in dieſer Jahrszeit nebſt verſchiednen
em Fiſcharten in ſolchen Schwaͤrmen hieher
kom⸗
119
ü daß, wenn fe gehörig zubereitet würden, 10
Tauſende davon das Jahr hindurch leben koͤnnten.
Die Straße von St. Maria iſt ungefaͤhr vierzig
Meilen lang, und laͤuft ſuͤdoſtlich. Ihre Breite
iſt ſehr verſchieden. Der Strom zwiſchen dem
Waſſerfalle und dem See Huron iſt nicht fo reiffend,
als man erwarten koͤnnte, und Laſtſchiffe koͤnnen
er bis an die Inſel St. Joſeph hinauf fahren. h
Verſchiedene Reiſende haben angemerkt, daß
die Ausſicht, wenn man aus dieſer Straße in den
HOberſee koͤmmt, eine der ſchoͤnſten iſt, die man
ſich denken kann. Die Stelle, wo ſie ſich am vortheil⸗
hafteſten zeigt, iſt grade bey der Oefnung des
Sees, wo man zur linken Hand viele ſchoͤne kleine
Inſeln erblickt, die eine betraͤchtliche Kette aus⸗
machen. Zur rechten Hand ſieht man eine Menge
kleiner auf einander folgender Landſpitzen, die etwas
ins Waſſer vorlaufen, und dies reitzende Becken,
wenn man es fo nennen koͤnnte, gegen die Wuth
der ſtuͤrmiſchen Winde fichern, welchen der no
En See oft ausgeſetzt iſt.
Der See Huron, in welchen man aus 1
Straße St. Maria koͤmmt, iſt der größte nach dem
Oberſee. Er liegt zwiſchen dem zwey und vier⸗
zigſten und ſechs und vierzigſten Grade nord⸗
e Breite, und zwiſchen dem neun und ſieben⸗
8 * 4 en
sioften und fünf und achtzigſten Grade weſtlicher
| Lange. Seine Figur iſt dreyeckigt, und ſein Um⸗
kreis betraͤgt tauſend Meilen.
An der Nordſeite davon liegt eine Insel, die |
ihrer Laͤnge wegen merkwuͤrdig iſt, welche hundert
Meilen beträgt, da fie doch nur acht Meilen breit
iſt. Dieſe Inſel iſt unter dem Namen Manatalin,
Ort der Geiſter „bekannt, und wird von den In⸗
diern eben ſo heilig geſchaͤtzt, als die oben wle ̃
ten Inſeln im Oberſee.
Ungefaͤhr in der Mitte auf der Suͤdweſtſeite die⸗
ſes Sees liegt der Buſen Saganaum. Die Vor⸗
gebuͤrge, welche dieſen Buſen von dem See tren⸗
nen, liegen ungefaͤhr achtzehn Meilen von einander,
und in der Mitte dazwiſchen liegen zwey Inſeln,
welche den Kanoen und kleinern Fahrzeugen ſehr zu
ſtatten kommen, da man ohne einen folchen Sichers
heitsort ſich nicht gut uͤber einen fo. großen See
wagen koͤnnte. Laͤngſt der Kuͤſte hinzufahren wuͤrde
die Reiſe aͤuſſerſt langwierig und unangenehm
machen. Dieſer Buſen iſt ungefaͤhr achtzig Mei⸗
len lang, und im Durchſchnitt ungefaͤhr achtzebn
bis zwanzig Meilen breit. \
Beynahe auf der Haͤlfte der Weite zwischen na
Buſen Saganaum und dem nordweſtlichen Winkel
des rent / liegt ein n Buſen, der Donner⸗ |
bufen
121
buſen wn genannt. Die Indier, die
dieſe Gegenden ſeit undenklichen Zeiten beſucht ha⸗
ben, und alle Europaͤer, die daruͤber gekommen
ſind, geben ihm einmuͤthig dieſen Namen, weil
fie beſtaͤndig Donnerwetter darauf antrafen. Die
Bucht iſt ungefähr neun Meilen breit, und eben ſo
lang. Wie ich daruͤber fuhr, wozu ich faſt vier
und zwanzig Stunden brauchte, ſo donnerte und
blitzte es den groͤßten Theil dieſer Zeit auſſerordent⸗
lich ſtark. Ich konnte keine ſichtbare Urſache da⸗
von ausfündig machen, da überhaupt dieſe Gegend
| Gewittern nicht ſehr unterworfen iſt. Die Berge
umher waren von keiner beträchtlichen Höhe, und
ſchienen auf ihrer Oberflaͤche auch mit keiner ſchwe⸗ |
felartigen Materie bedeckt zu ſeyn. Da aber dieſe
Erſcheinung doch eine natuͤrliche Urſache haben
muß, ſo ſchließe ich, daß die Ufer des Buſens oder
die benachbarten Berge entweder eine große Menge
von ſchwefelartiger Materie oder irgend ein Mi⸗
neral enthalten, das in einem ſtarken Grade die
elektriſchen Theilchen an ſich ziehn kann, womit
die voruͤberziehenden Wolken angefuͤllt find. Doch
ich uͤberlaſſe die Auflöſung dieſer und aller übrigen
philoſophiſchen Probleme, die zufälliger Weiſe in
dieſem Werke vorkommen ſollten, deuten von gr
ſerer ne als ich beſitze. .
N 9 5 Die
19
Die her im See Huron ſind faſt die namlichen ;
wie im Oberſee. Das Land auf ſeinen Ufern iſt
an einigen Stellen fruchtbar „und ſchickt ſich fehe
gut zum Ackerbau, an andern hingegen iſt es ſan⸗
digt und unfruchtbar. Das Vorgebuͤrge, „ wel
ches dieſen See vom See Miſchigan trennt, beſteht
aus einer großen Ebene, die uͤber hundert Meilen
lang iſt, und eine abwechſelnde Breite hat, welche
zehn bis funfzehn Meilen betraͤgt. Dieſer Strich
iſt, wie ich ſchon oben angefuͤhrt habe, faſt zu glei⸗
chen Theilen zwiſchen den Ottowaern und Tſchipi⸗
waͤern getheilt. Am nordoſtlichen Winkel hat die⸗
ſer See eine Gemeinſchaft mit dem See Miſchigan
durch die ſchon beſchriebene Stroke von Miſchilli⸗
mackinac.
Ich haͤtte beynahe einen met Umſtand
vergeſſen, der dieſe Straße betrifft. Nach den
Beobachtungen, welche die Franzoſen machten,
da ſie noch im Beſitz des Fortes waren, giebt es
zwar keine taͤgliche Ebbe und Fluth darin, allein
durch eine genaue Aufmerkſamkeit entdeckt man
doch eine gewiſſe periodiſche Veranderung darin.
Man bemerkte, daß das Waſſer ſtuffenweiſe und
faſt unmerklich bis zu einer Hoͤhe von ungefaͤhr dre
Fuß ſtieg. Dies ereignete ſich in achtehalb Jahren,
und in eben dem Seitkaume nahm es wieder ab,
bis
. BIS 123
bis es ſeinen vorigen Stand erreicht hatte; ſo daß
dieſe unerklaͤrliche Revolution in funfzehn Jahre zu
Stande kam. Wie ich dort war, ſo konnte die
Richtigkeit dieſer Beobachtung noch von den Eng⸗
laͤndern nicht beftätigt werden, da fie blos einige 8
Jahre das Fort im Beſitz gehabt hatten; aber alle
ſtimmten darin überein, daß eine Veraͤnderung in
dem Waſſer der Straße zu ſpuͤren waͤre. Alle dieſe
Seen ſind den Winden fo ausgeſetzt, daß es zus
weilen ſcheint, als wenn eine Fluth ſtatt fände,
doch waͤhrt dies nur eine kurze Zeit, und ae
ſich nur über einen Theil der Seen.
Um dieſen See, vorzuͤglich nahe bey dem Buſen
Saganaum, wohnt eine große Anzahl von Tſchipi⸗
waͤern zerſtreut herum. An feinenlifern wachſen eine
erſtaunliche Menge von Sandkirſchen, und in der
berumliegenden Gegend findet man faſt eben ſolche
Früchte, als man bey den andern Seen antrifft.
„Bon dem Waſſerfall von St. Maria gieng ich
gemaͤchlich nach Miſchillimackinac zuruͤck, und kam
daſelbſt im Anfange des Novembers 1767 an,
nachdem ich vierzehn Monathe auf dieſer Reife, die
ſich beynahe auf viertauſend Meilen erſtreckte, zu⸗
gebracht hatte. Ich beſuchte darauf zwölf indiſche
Volkerſchaften, die gegen Weſten und Norden von
5 wohnen. Der inen el bald
nach
124
nach meiner Ankunſt ein, und ich ab mich daher
genoͤthigt, bis zum naͤchſten Junius zu verweilen,
da die Schiffahrt auf dem See Huron fuͤr große
Fahrzeuge wegen des Eiſes nicht eher wieder an⸗
fieng. Ich fand hier eine ſehr umgaͤngliche Geſell⸗
ſchaft, und brachte dieſe Monathe ſehr een
nnd ohne alle Langeweile zu.
Einer meiner vornehmſten Zeitvertreibe war 9206 .
Forellenfang. Die Straße war zwar mit Eife
bedeckt, worin wir aber Oeffnungen machten, durch
welche wir ſtarke und zwey und zwanzig Ellen lange
Linien hinunter ließen, an denen drey bis vier
Angel mit kleinen Fiſchen befeſtigt waren, und auf
dieſe Art fingen wir oft zwey zugleich, von welchen
ein jeder vierzig Pfund wog. Sonſt betraͤgt ihre
gewoͤhnliche Größe zehn bis zwanzig Pfund. Sie
geben ein ungemein ſchmackhaftes Eſſen ab. Man
krocknet fie in der Luft, ſo lange als der Winter
waͤhret „ welches gewohnlich drey Monate ſind,
und in einer einzigen Nacht frieren fie ſo hart, daß
fie ſich völlig ſo gut Kaan als wenn is rg ki
Salzen wären. |
IH habe auf meiner Reiſekarte th Weg be⸗ |
zeichnet, den ich nahm, als ich von Miſchillima⸗
ckinge ausreiſte, und wieder dahin zuruͤckkehrte.
Die duden welche nahe an den Kolonien liegen,
ſind
125
FR 160 oft und N unftänbtic beschrieben worden,
daß man keiner weitern Beſchreibung davon be⸗
darf. Ich will daher den uͤbrigen Theil meines
Tagebuchs blos der Beſchreibung von den uͤbrigen
großen Seen in Kanada widmen, da ich viele da⸗
von beſchifft habe, und zugleich einige beſondere
Vorfaͤlle erzehlen, die man hoffentlich nicht 95 |
eee und zweckwidrig halten wird.
Im Junius 1768 verließ ich Miſchilimakkinae,
Be gieng in dem Schoner Gladwyn, einem Fahr⸗
zeuge von ungefaͤhr achtzig Tonnen, uͤber den See
Huron nach dem See St. Klara zuruͤck, wo wir
das Schiff verließen „und in Booten weiter nach
Detroit giengen. Dieſer See hat ungefähr neun⸗
zig Meilen im Umkreiſe, und empfaͤngt durch den
Fluß Huron, der aus dem ſuͤdlichen Winkel des
Sees Huron kommt, das Waſſer aus den drey
großen Seen, dem Oberſee und den Seen Miſchi⸗
gan und Huron. Seine Figur iſt faſt rund, und
an einigen Stellen iſt er fuͤr große Schiffe tief
genug, aber gegen die Mitte zu giebt es eine
Sandbank, über die keine beladene Schiffe gehen
konnen. Schiffe, die blos Ballaſt fuͤhren, finden
Waſſer genug darauf, von andern aber muß die
Ladung auf Booten uͤber die Sandbank gebracht,
| und alabann wieder eingeladen werden.
Der
126 5 5
Der Fluß, der aus dem See St. Klara in den
See Erie fließt, heißt Derroit, welches im Fran⸗
zoͤſiſchen eine Meerenge bedeutet. Er laͤuft faſt
völlig ſuͤdwaͤrts, und hat einen gelinden Strom
und gehörige Tiefe für ziemlich große Laſtſchiffe.
Die Stadt Detroit liegt auf dem weſtlichen ufer
des Fluſſes, ungefähr neun Meilen unterhalb des
Sees St. Klara.
Faſt gegen dieſer Stadt uͤber liegt auf der Oft
ſeite des Fluſſes ein Dorf der alten Huronen; eines
Stammes von Indiern, „deren ſchon fo viele
Schriftſteller erwaͤhnt haben, daß ich ſie hier uͤber⸗
gehn muß, da ich mich blos auf die Beſchreibung
von wenig bekannten Oertern und Voͤlkern ein⸗
geſchraͤnkt habe. Ein Kartheuſer haͤlt ſich mit
Erlaubniß des Biſchofs von Kanada als Riff ionär
bey ihnen auf. 1
An den Ufern des Fluſſes Detroit, fo wohl ober⸗
halb als unterhalb der Stadt, liegen eine Menge
Meyereyen, die ſich auf eine Weite von zwanzig
Meilen erſtrecken. Die Gegend iſt ungemein
fruchtbar, und ſchickt ſich ſehr gut zum Anbau von
Waizen, indiſchem Korn, Hafer und Erbſen.
Auch giebt es an verſchiednen Stellen ſehr ſchöne
Weide. Da aber die Einwohner, die groͤßtentheils
aus Franzoſen befichn, welche ſich der engliſchen
*
| chen etliche ſchlechte kleine Stuͤcke aufgefuͤhrt ſind,
dieſe Gegenden vordrang, ſich mehr auf die Hand⸗
127
Regierung unterwarfen „als General Amherſt in
lung mit den Indiern legen, ſo wird der Ackerbau
nur mit wenigem Fleiße betrieben. 8
65 Die Stadt Detroit enthaͤlt uͤber hundert Sänfen |
Die Gaſſen find ziemlich regelmäßig, und an der
Suͤdſeite liegt eine Reihe von ſchoͤnen und beque⸗
men Barracken, nebſt einem geraͤumigen Waffen⸗ |
platze. Auf der Weſtſeite liegt der königliche
Garten, welcher dem Statthalter gehört, und
ſehr gut angelegt iſt. Die Veſtungswerke der
Stadt beſtehn aus einem ſtarken Stackwerk von
runden Pfaͤhlen, das außen mit vorſtehenden
Palliſaden beſetzt iſt. Dies Stackwerk wird von
etlichen kleinen Bollwerken vertheidigt, auf wel⸗
die blos gegen Indier, oder gegen einen Feind
ohne Artillerie von Nutzen ſeyn koͤnnen. |
Die Beſatzung beſteht in Friedenszeiten aus
zweyhundert Mann, die ein Staabsoffieier be⸗
fehligt, welcher zugleich hier die hoͤchſte Obrigkeit
unter dem Statthalter von Kanada iſt. Herr
Turnbull, Hauptmann vom ſechszigſten oder für
niglich amerikaniſchem Regiment, war eben Kom⸗
mandant, als ich mich hier anfhielt. Kaufleute
und > Einbohner haften * große Urſache, mit ſei⸗
nem
BEE vu 5. rk
1 * — YA
1 28
| nem Saane zufrieden zu ah „und ich chte
mich gluͤcklich, hier Gelegenheit zu haben, ihm
oͤffentlich meinen Dank für die vielen Gefaͤlligkeiten,
welche er mir erwieſen bat, zu bezeugen.
In Julius 1762 regnete es in der Stadt und
der umliegenden Gegend ein ſchwefelhaftiges
Waſſer von einer Farbe und Dicke wie Dinte.
Man ſammlete etwas davon in Flaſchen, und wie
man es verſuchte damit zu ſchreiben, fo fand man,
daß es die voͤlligen Dienſte von Dinte that. Bald
nachher brach der indiſche Krieg aus, wovon ſchon
viel war geſprochen worden. Ich will hiemit nicht
N behaupten, daß dieſer Zufall eine Vorbedeutung
davon war, ungeachtet man faſt aus jedem Zeit⸗
alter glaubwuͤrdige Schriftſteller hat, Die ähnliche
Beyſpiele von außerordentlichen Erſcheinungen vor
beſondern Begebenheiten anfuͤhren; ich erzehle den
Umſtand blos als eine geſchehene Sache, die mir von
verſchiednen glaubwuͤrdigen Leuten erzehlt wurde,
und uͤberlaſſe es meinen deſern, wie ich bisher gethan
babe, ihre eignen Folgerungen daraus zu ziehn.
Pontiac, unter dem die Indier den Angriff auf
das Fort Miſchillimackinae wagten, wie ich vorhin
erzaͤhlt habe, war ein unternehmender Anführer
oder Hauptkrieger der Miamier. Waͤhrend des
legen Krieges zwiſchen den Englaͤndern und Fran⸗
en
129
Fl fe en war er ein hanbafter Freund von den en |
und hegte feinen eingewurzelten Haß gegen jene
noch immer fort, ſelbſt wie ſchon der Friede zwiſchen
beyden Nationen geſchloſſen war. Da er den Raͤu⸗
bereyen die er ſo lange getrieben hatte, nicht gern
entſagen wollte ‚fo zog er ein Heer von verbunde⸗
nen Indiern zuſammen, die aus den oben anger
| führten Bölferiihaften beftanden, um den Krieg
foͤrmlich wieder anzufangen. Doch anſtatt die eng⸗
liſchen Beſitzungen öffentlich) anzugreifen, machte
er einen Entwurf alle Forte an den Grenzen, wel⸗
che ſie vor kurzem durch den Frieden erhalten are
ten, unvermuthet zu uͤberfallen. |
Meine gefer wiſſen ſchon, wie gut es der Par- |
they gluͤckte, welche er nach Miſchillimackinac abe
geſchickt hatte. Allein es erforderte mehr Ent⸗
ſchloſſenheit und tiefer ausgeſonnene diſt, um Der
troit, einen Ort von groͤſſerer Wichtigkeit, und
der weit beſſer beſetzt war, in ſeine Haͤnde zu be⸗
5 kommen. Er nahm daher dies Unternehmen ſelbſt
über ſich, und naͤherte ſich dem Platze mit demHaupt⸗
chor ſeiner Truppen. er ward jedoch an der Ausfuͤh⸗
rung ſeines Vorhabens durch einen dem Anſchein
Aach geringen und unvermutheten Zufall verhindert.
In der Stadt Detroit logen, als Pontiac ſeinen
Entwurf darauf machte, ungefähr. dreyhundert
Carvers Reifen 2 Mann
130
Mann in Beſatzung, unter den Befehlen des Ma⸗
jors Gladwyn, eines tapfern Officiers. Eben da⸗
mals ſchien der Krieg ein völliges Ende zu haben,
und die Indier betrugen ſich ungemein freundſchaft⸗
lich. Pontiac naͤherte ſich dem Forte, ohne irgend
Verdacht bey dem Befehlshaber oder den Einwoh⸗
nern zu erregen. Er ſchlug ſein Lager in einer llei⸗
nen Entfernung davon auf, und ließ dem Befehls,
haber ſagen, daß er gekommen waͤre, um zu han⸗
deln; und da er wuͤnſchte, die Kette des Friedens |
zwiſchen den Engländern und feiner Nation gläns
zend zu machen, fo möchte er ihm undſeinen Ober⸗
haͤuptern erlauben, einen Rath mit ihnen zu bal⸗
ten. Da der Statthalter noch nicht den gering⸗
ſten Argwohn i in die Aufrichtigkeit der Indier ge⸗
ſetzt hatte, fo gewaͤhrte er ihrem Anführer ſein Ge⸗
ſuch, und beſtimmte den folgenden — zur
Haltung des Raths.
Den naͤhmlichen Abend brachte eine indifche
Frau, die für Major Gladwyn ein Paar indiſche
Schuh aus einer vorzuͤglich guten Elendshaut ge⸗
macht hatte, fie nach feinem Hauſe. Sie gefielen
dem Major ſo ſehr, daß er ihr befahl, das übrige
von der Haut zu nehmen, und ihm noch ein Paar
daraus zu machen, da er dieſe zu einem Geſchenke
für einen guten — beſtimmt hatte. Er befahl
ER darauf 5
10 $
131
Ae en Bedienten, „ihr das erſte Paar zu
bezahlen, und ließ ſie gehn. Die Frau ging bis
an die Hausthuͤr, aber nicht weiter, und zoͤgerte
da noch, als wenn ſie ihr Geſchaͤft noch nicht aus⸗
gerichtet haͤtte. Endlich beobachtete ſie ein Bedien⸗
ter, und fragte ſie, warum ſie noch da waͤre,
allein ſie antwortete ihm nicht darauf. |
Bald darauf fah fie der Statthalter felöft, 1
| ce ſich bey ſeinem Bedienten, nach der Ur⸗
ſache ihres Zuruͤckbleibens „ und da er keine hinrei⸗
chende Antwort von ihm erhielt, ſo ließ er die Frau
wieder bereinrufen. Wie ſie vor ihm kam, ſo fragte
er ſie, warum ſie noch zauderte, und nicht aus
dem Forte gienge, ehe die Thore zugeſchloſſen
wuͤrden „damit ſie die Arbeit fuͤr ihn zur beſtimm⸗
Zeit fertig machen koͤnnte. Sie antwortete ihm
nach vieler Verwirrung, fie möchte das übrige von:
der Haut nicht mit nehmen, da er einen ſo großen
Wehrt darauf ſetzte, und ſich immer ſo guͤtig gegen
fie betragen hätte, und doch hätte fie ſich nicht übers
winden koͤnnen, es ihm gleich zu ſagen. Er fragte
fie,- warum fie denn jetzt es nicht ſo gern thun wollte,
als da ſie ihm das erſte Paar gemacht h hätte, und
fie antwortete mit noch größerer Verwirrung, daß
ſie nie im Stande ſeyn würde ‚sie sd zu
shi R c
J 2 | Da
N * r ,
SR 225
Da jetzt des Statthalters Neugierde erregt ward
ſo beſtand er darauf, das Geheimniß zu erfahren,
das ihr ſo viel Unruhe zu machen ſchien. Endlich,
wie er ihr verſprach, daß ihr die Nachricht, die
ſie ihm geben wuͤrde, icht zu ihrem Nachtheil ger
veichen „und daß ſie dafuͤr belohnt werden ſollte,
wenn man ſie wichtig ſinden wuͤrde, ſo erzaͤhlte
ſie ihm, daß bey dem Rathe, der Morgen gehal⸗
ten werden ſollte, Pontiac und die andern Ober⸗
haͤupter beſchloſſen haͤtten, ihn, die Beſatzung und
Einwohner zu ermorden, und darauf die Stadt zu
pluͤndern. Alle Oberhaͤupter/ die zum Rathe ge⸗
laſſen werden ſollten, haͤtten daher ihre Flinten
kuͤrzer gemacht „damit ſie ſie unter ihren Decken
verbergen konnten, und daß ſie, ſo bald ihr Anfuͤh⸗
rer ein Zeichen bey Ueberlieferung des Gehaͤnges ge⸗
macht haͤtte, auf ihn und ſein Gefolge Feuer geben
wuͤrden. Hierauf wollten ſie ſich gleich in die Gaſſen
ſtuͤrzen, wo fie von einer groſſen Anzahl ihrer Krie⸗
ger unterſtuͤtzt werden wuͤrden, die waͤhrend des
Raths, unter dem Vorwande zu handeln, in die
Stadt kommen, und auf die naͤhmliche Art bewaf⸗
net ſeyn ſollten. Da er von dieſer Frau alle Neben⸗
umftände dieſer Verſchwoͤrung, und auch die Art,
wie ſie dahinter gekommen war, erfahren hatte,
ſo befahl er ihr, ja nichts davon zu entdecken, und
a ver⸗
.
133
Pe. „ alles genun zu halten, was 92 von zn
Wee de Er
Die Nach richt, die der Statthalter eben erſb⸗
ren hatte, machte ihm viele Unruhe, und er fragte
gleich den Off teier, der zunaͤchſt das Kommando
unter ihm hatte, daruͤber um Rath, allein die ſer
glaubte daß die ganze Geſchichte ausgeſonnen
wäre, um vielleicht ſich ein Verdienſt dadurch zu
erwerben „und rieth ihm, nicht darauf zu achten.
Doch zum Gluͤck machte er auf den Major keinen
Eindruck. Er glaubte, er muͤßte die Nachricht
für wahr halten, bis er vom Gegentheil überzeugt
wäre; und nahm daher alle zu ſeiner Sicherheit noͤ⸗
thigen Maaßregeln, welche ihm die Kuͤrze der Zeit
erlaubte, ohne ſeinen Argwohn irgend jemand weiter
zu entdecken. Er machte die Nacht ſelbſt die Runde
im Fort, und ſah dahin, daß jede Schildwache auf
en Poſten blieb, und alle ie in gehöriger
Hudnung waren. |
Wie er über den Wall gieng, der dem diſhen
109 am naͤchſten war, fo hörte er, daß fie im
vollen Schmauſe waren, und ſich vielleicht ſchon
im Voraus auf ihren gluͤcklichen Erfolg freuten,
da ſie nicht leicht vermuthen konnten, daß ihr Vor⸗
haben ſchon entdeckt waͤre. So bald der Tag an⸗
brach, ließ er die Beſatzung ins Gewehr treten, 1
3 3 und
und machte einigen von den vornehmſten offenen
feinen? Verdacht bekannt, und gab ihnen die nöthi⸗ |
‚gen Verhaltungsbefehle. Zugleich ſchickte er an alle
Kaufleute, und ließ ihnen ſagen, daß fieihre 2
in Bereitſchaft halten moͤchten, da heute eine
Menge Indier in die Stadt kommen würben. die
ſich vielleicht einfallen laſſen koͤnnten, zu pluͤndern.
Ungefaͤhr um zehn Uhr kamen Pontiac und die
| übrigen Oberhaͤupter/ und wurden in das Raths⸗
zimmer geführt, wo der Statthalter und die uͤbri⸗
gen Offiziere mit Piſtolen i in ihren Guͤrteln ſie er⸗
warteten. Die Indier bemerkten, daß mehr Trup⸗
pen, als gewoͤhnlich, auf dem Waffenplatz waren,
und ſo bald ſie ins Zimmer gekommen waren, und
ſich geſetzt hatten, ſo fragte Pontiac den Statthal⸗
ter, warum ſeine jungen deute alle auf den Gaſſen
paradirten? Er erhielt zur Antwort, daß es bloß
geſchaͤhe, um ſie in ihren Vebungen vollkommen
a“ machen. |
Der Hauptkrieger der Indier ſteng jezt ſeine
Rede an, welche die ſtaͤrkſten Ausdruͤcke von Freund⸗
ſthaft und Zuneigung gegen die Engländer enthielt,
und wie er an die Ueberlieferung des Guͤrtels kam,
davon die beſondre Art, nach der Ausſage der Frau,
das Zeichen fuͤr die andern ſeyn ſollte, ſo zogen
der Statthalter und Em Off iziere ihre Degen zur
Halfte
135
N Halfte aus der bebe, und o zugleich TERN die
Soldaten vor der Thür, die mit Fleiß offen gelaſſen
war u ve Gerstl mit ihren. Mae ne
LI HR
aber anftac dem großen ee für die 3
| ſchaftsverſicherungen zu danken, die er ihm eben
gegeben hatte, beſchuldigte er ihn der Berrätheren.
| Die Engländer wuͤßten alles, und waͤren von ſei⸗
nen ſchaͤndlichen und verrätheriſchen Abſi chten
überzeugt. Und zum Beweiſe, wie genau ſi ſie ihr
geheimes Vorhaben kannten, gieng er auf den in⸗
diſchen Anfuͤhrer zu, der am naͤchſten bey ihm ff aß,
und zog feine Decke weg, ſo daß man das abge⸗
kürzte Gewehr ſehn konnte. Dies machte die Ver⸗
wirrung der Indier vollkommen, und buten
ihre Abſichten.
Er deutete ihnen pe an, ro er fein Wort
gegeben hätte, daß ihre Perſonen ſicher ſeyn follten,
ſo wollte er ſein Verſprechen unverletzt halten, un⸗
Naar. gabe
>
; { 4 .
z 1 5 ne
136 MS
geachtet fe es ſo wenig verdienten. Allein er rieth
ihnen, ſech geſchwind aus dem Forte wegzumachen,
damit ſeine jungen Leute, wenn fie ihr verraͤthe⸗
riſches Vorhaben erfuͤhren, ſie nicht in Stuͤcken
bieben. Pontiac ſuchte dieſer Beſchuldigung zu
| widerſprechen, und ſein verdaͤchtiges Betragen zu
entſchuldigen; allein der Statthalter, der die Falſch⸗
beit feiner Betheurungen kannte, wollte ihn nicht
anhoͤren. Die Indier verließen daher das Fort
ungefaumt, allein anſtatt das großmuͤthige Ver⸗
fahren des Statthalters dankbar zu erkennen, ſo
warfen ſie jezt die? Maſke ab, und thaten den Tag
darauf einen regelmäßigen Angriff. ö
Viele haben Major Gladwyn wegen dieſer uͤbel⸗
verſtandenen Gelindigkeit getadelt; denn wenn er
einige von den vornehmſten Anfuͤhrern als Gefangne
behalten hätte, ſo würde er dadurch alle verbundne
Volkerſchafteni in Furcht erhalten, und einem Kriege
vorgebeugt haben. Allein er machte dies Verſehn
durch die tapfere Vertheidigung des Forts vollig .
wieder gut, die unter vielen eee
A'ber ein Jahr waͤhrte.
Waͤhrend dieſer Belagerung ereigneten ſich ver⸗
ſchiedne hitzige S Scharmuͤtzel, worunter das folgende
das vornehmſte und blutigſte war. Hauptmann
1 ‚ein Wert Oft izier, * den Statthal⸗
f | ter,
—
137
| ter, ihm das Kommando Ader ungefüht bwenhun, .
dert Mann anzuvertrauen, um damit das fei liche
Lager anzugreifen. Er that den Ausfall aus der
Stadt vor Tages Anbruch; allein Pontiac, der
von einigen von feinen ſchnell laufenden Kriegern,
die beftändig die Bewegungen der Garniſon beob⸗
achteten, zeitige Nachricht von ſeinem Vorhaben
erhielt, nahm ſeine auserleſenſten Truppen, und
begegnete dem Detaſchementi in einiger Entfernung
von ſeinem Lager nahe bey einer Stelle, die ſeitdem
die blutige Bruͤcke (bloody bridge) heißt. Die
Indier waren weit zahlreicher „ als Hauptmann |
Delzels Parthey, und er ward daher bald uͤber⸗
mannt und zuruͤck getrieben. Da er ſchon faſt
i umringt war, ſo machte er noch einen tapfern Ver⸗
füch, wieder an die Bruͤcke zu kommen, uͤber welche
er eben! gegangen war, und wodurch er allein ſeinen
Ruͤckzug bewerkſtelligen konnte; allein er verlohr
mit vielen feiner Leute fein eben dabey. Doch fan⸗
den Major Rogers, der zweyte im Kommando, und
Lieutnant Breham Mittel, den Ueberreſt ihrer klei⸗
nen Armee su retten, e e m wieder ins
| Fort zuruͤck. ö |
Da durch dieſen Unfall die Beſatzung ſehr ge⸗
ſchmolzen war, ſo ward es dem Major ſehr ſchwer,
die Stadt länger zu vertheidigen. Doch hielt er
. ſich
138
ſich noch ſo lange, bis Ent tag kam „weil ohnehin
die Indier nur wenig Angriffe auf den Ort thaten,
| ſondern bloß fortfuhren, ihn eingeſchloſſen zu halten.
Der Schooner Gladwyn, das naͤhmliche Fahr⸗
zeug, in dem ich nachher meine Reiſe von Miſchil⸗
limackinac nach Detroit that, und das nachher mit
ſeiner ganzen Mannſchaft auf dem See Erie ver⸗
lohren gieng, weil der Befehlshaber darauf nicht
Ballaſt genug einnehmen wollte, kam gerade mit
einer Verſtaͤrkung und nothwendigen Kriegs» und
Mundvorrath nahe an die Stadt. Doch ward
dies Fahrzeug, noch ehe es den Ort feiner Be⸗
ſtimmung vollig erreichen konnte, von einer Par⸗
they von Pontiaes Indiern hartnaͤckig angegriffen.
Die Indier umringten es in ihren Kanoen und
toͤdteten viele von feiner Mannſchaft. Als endlich
der Kapitain geblieben war, und die Indier an⸗
ſiengen, auf allen Ecken hinauf zu klettern, ſo be⸗
fahl der Lieutenant Jacobs „der es nachher fuͤhrte
als es verungluͤckte, dem Konſtabel, die Pulver⸗
kammer anzuſtecken und das Schiff in die Luft zu
ſprengen. Das einzige Mittel, wodurch er noch
verhindern konnte „daß der Kriegsvorrath dem
Feinde nicht in die Haͤnde ſiel. Dieſer B
7
ſollte eben vollzogen werden, als ein Anfuͤhrer der
en. der Engliſch verſtand, ſeinen Lands⸗
leuten
139
Pan das Vorhaben des engen Befehlshabers
bekannt machte. So wie dieſe davon ‚hörten;
kletterten fie mit der größten Eilfertigkeit vom
Schiffe herunter „ und ſuchten bald fo weit davon
zu kommen, als ihnen moͤglich war. Lieutnant
Jacobs machte ſich ihre Beſtuͤrzung zu Nutze, und
kam ohne weitere Hinderniſſe gluͤcklich an die Stadt.
Dieſe zeitige Huͤlfe machte der Beſatzung neuen
| Much, und da Pontiac jetzt überzeugt war, daß
es nicht in ſeiner Macht ſtehn wuͤrde, den Platz zu
erobern, ſo bot er einen Vergleich an. Der Statt⸗
halter, der ebenfalls wuͤnſchte, von ſolchen be⸗
ſchwerlichen Feinden los zu kommen, die allen
Handel mit den benachbarten Nationen ſtoͤrten,
a hoͤrte ſeine Vorſchlaͤge an, und ſchloß auf vortheil⸗
hafte Bedingungen einen Frieden mit ihnen.
Bald darauf trennten ſich die Indier, und giengen
nach ihren verſchiednen Provinzen zuruͤck. Seit
der Zeit fanden ſie es auch nie wieder fuͤr gut, die
| Ruhe i in dieſen Gegenden zu ſtoͤren.
Pontiac ſchien in der Folge allen Widerwillen
gegen die Englaͤnder bey Seite geſetzt zu haben,
und ihr eifriger Freund geworden zu ſeyn. Um
ſeine Anhaͤnglichkeit zu belohnen und dauerhaft zu
machen, bewilligte ihm die Regierung einen an⸗
en Gehalt. Allein fein unruhiger und hin⸗
ters
terliſtiger Karakter erlaubte ihm nicht, dankbar
dafuͤr zu ſeyn, und ſein Betragen ward endlich von
neuem verdaͤchtig. Es begleitete ihn daher im
Jahr 1767, wie er im Lande der Illineſen einen
Rath halten wollte, ein beben entweder
auf Veranlaſſung eines engliſchen Befehlshabers,
oder aus eignem Triebe, als Kundſchafter, und
da dieſer Indier, durch eine Rede, die Pontiac
in dem Rathe hielt, uͤberzeugt ward, daß er noch
ſeine alten Vorurtheile gegen ſeine neuen vorgebs
lichen Freunde hegte, fo ſtieß er ihm fein Meſſer
durchs Herz, daß er auf der Stelle todt niederſiel.
Doch es iſt Zeit, von e nen zu⸗
ruͤckzukehren.
Der See Erie erhaͤlt das Waser aus den deen
großen Seen, durch die Straße Detroit, die in
ſeinem nordweſtlichen Winkel faͤllt. Dieſer See
liegt zwiſchen dem ein und vierzigſten und drey
und vierzigſten Grade nordlicher Breite, und zwi⸗
ſchen dem acht und ſiebenzigſten und drey und acht⸗
zigſten Grade weſtlicher Lange. Er iſt faſt drey⸗
hundert Meilen lang von Oſten nach Weſten, und
feine größte Weite beträgt ungefähr vierzig Meilen.
Auf feiner Nordſeite liegt eine ſehr lange ſchmale
Landſpitze, die ſuͤdoſtwaͤrts verſchiedne Meilen in
m verläuft, | |
An 7
\
er; ee AL
DD 141
An ſeinem weſtlichen Ende giebt es verſchiedne
Inſeln, die fo voller Klapperſchlangen ſind, daß
es ſehr gefährlich iſt, darauf ans Land zu ſteigen.
Man findet gewiß keine Gegend, die eine groͤßere
Anzahl von allen Arten dieſes Ungeziefers hervor⸗
brächte, als dieſe, doch ſind die Waſſerſchlangen
darunter vorzüglich häufig. Der See iſt nahe ben
den Ufern der Inſeln mit großen Seeroſen (Nym-
phaea) gleichſam bedeckt, und ihre Blaͤtter liegen
ſo dicht an einander, daß man auf eine große
Strecke faſt nichts vom Waſſer ſehn kann, und
doch lagen auf jedem Blatte, wie ich uͤber den
See fuhr, Waſſerſchlangen, die ſich ſonnten.
Pr Die merkwuͤrdigſte Art von den Schlangen die⸗
ſes Sees iſt die ziſchende Schlange. Sie iſt ge⸗
fleckt und ungefähr achtzehn Zoll lang. Wenn ſich
ihr irgend etwas naht, ſo macht ſie ſich ganz platt,
)
und ihre Flecken werden durch ihre Wuth ſichtbar⸗
lich glaͤnzender. Zugleich läßt fie aus ihrem Ra⸗
chen mit vieler Stärke einen feinen Wind, der
ſehr unangenehm riechen, und wenn man ihn un⸗
Ei vorſichtiger Weiſe einathmet, unfehlbar eine Aus⸗
zehrung verurfachen foll, die in wenigen Monaten
toͤdlich werden muß, da man bisher noch kein Ger
7
h Die
142
Die Steinarten an den Ufern dieſes Sees haben
groͤßtentheils mehr oder weniger Flecken, die wie
Meſſing ausſehn, aber eine Schwefelartige Natur
haben. Man findet kleine Stuͤcke von dem nehm⸗
lichen Mineral, von der Größe einer Haſelnuß,
W dem Sande am Ufer und unter dem Waſſer.
Die Schiffahrt auf dieſem See ſoll gefährlicher
Pe als auf den übrigen, weil viele fteife Anhoͤhen
an ſeinen Ufern liegen, und ſich viele Meilen weit
in einer ſenkrechten Lage ins Waſſer erſtrecken.
Wenn daher ein plötzlicher Sturm entſteht, ſo gehn
Teiche Kande und Boote verloren „da fie keine
Stelle finden können, wo ſie vor dem Winde fi cher
wären. |
Dieſer See verliert ſein Waſſer ok der Nord⸗
oſtſeite durch den Fluß Niagara, der nord- und
ſuͤdwaͤrts fließt, und ungefaͤhr ſechs und dreißig
Meilen lang iſt, und in den See Ontario fälle.
Beym Eingange in dieſen Fluß und auf ſeinem
oſtlichen Ufer liegt das Fort Niagara. Ungefaͤhr
achtzehn Meilen weiter hinauf findet man den
merkwuͤrdigen Waſſerfall, der unter allen bekann⸗
ten Werken der Natur für das 8 ge⸗
| fchägt Bien. 9,0
Da ſo viele Reiſende dien Waſſerfall beſucht
N ri 3 haben, ſo will ich blos davon an⸗
| führen,
143
führen, daß ſein Waſſer, das ſeine erſte Quelle
in einer Entfernung von zwey tauſend Meilen gegen
Nordweſten hat, und durch den Oberſee, die Seen
| Miſchigan, Huron und Erie laͤuft, u und beſtaͤndig
einen neuen Zufluß erhaͤlt, endlich ſich eine fen
rechte Hoͤhe von hundert und vierzig Fuß herunter
flürze, und in einem aͤußerſt ſchnellen Strome,
der ſich bis auf neun Meilen erſtreckt 5 noch wei
f eben ſo viel Fuß tiefer fällt. |
. Man kann das Geraͤuſch dieſes Falles in einer
erſtaunlichen Entfernung hoͤren. Ich ſelbſt hoͤrte
es an einem hellen Morgen deutlich in einer Weite
| von swanıig 9 Meilen. Andre behaupten , 5 es
5 wm Fünf 110 vierzig Meilen erſtrecke. |
Die © Gegend bey dem Waſſerfall iſt ungemein
betgicht und uneben, allein der größte Theil am
Fluſſe Niagara ſchickt ſich ſehr gut zur Weide.
Das Fort Niagara ward den Franzoſen im Jahr
1759 durch die Truppen unter Sir Wilhelm John⸗
ſon abgenommen, / und, bat jest eine were 5
Beſatzung. 1
Der See Ontario iſt der nöchfte ii efeinfte von
den fuͤnf großen Seen in Kanada. Er liegt zwi⸗
ſchen dem drey und vierzigſten⸗ und fuͤnf und vier⸗
ngſten Grade nordlicher B . und zwiſchen dem
* 4 KR
ſechs und fiebenzigften und neun und ſiebenzigſten
Grade weſtlicher länge. Seine Figur iſt faſt ganz
eyfoͤrmig, feine größte Lange erſtreckt ſich von
Nordoſten nach Suͤdweſten, und ſein Umkreis be⸗
trägt ungefähr ſechs hundert Meilen. Auf der
Suͤdoſtſeite nimmt er den Fluß Oswego auf, und
auf der Nordoſtſeite ergießt er ſich in den Fluß
Cataraqui. Nicht weit von feinem Ausfluſſe ſtand
ehemals das Fort Frontenae, welches den Fran⸗
zoſen im letzen Kriege 1758 durch ein kleines Heer
von Provinzialtruppen unter dem Oberſten Brad⸗
ſtreet abgenommen ward. RN
Bey der Muͤndung des Fluſſes Oswego ſteht
ein Fort gleiches Namens, worin jetzt nur ein
kleines Kommando zur Beſatzung liegt. Dies
Fort ward im Jahre 1756 von den Franzoſen
erobert, und ein großer Theil der Beſatzung, die
aus den ehemaligen Regimentern von Shirley und
Pepperil beſtand, von den Wilden mit kaltem
Blute ermordet. . \
Es werden viele Arten von Fischen im See ni
Ontario gefangen, worunter ſich eine dieſem See
eigene Art Barſche *) befindet, die einen vortreff⸗
lichen — hat, ungefähr drey bis vier Pfund
| wiegt.
”) 0 0 bass. v. Pennant; 8 bitifh Zoology C.
App. XXIII.
145
wiegt. es geb ach nuch eine andere Art, der
! Katerwels genannt, (Catfifh or Pour): der ge⸗
wöhnlich ſehr groß iſt, und zuweilen acht bis zehn
Pfund wiegt. Wenn er gehörig zubereitet wird,
pd macht er ein ſehr ſchmackhaftes Gericht.
In der Gegend, die an dem nordweſtlichen Thel
dieſes Sees und dem ſuͤdweſtlichen vom See Huron i
liegt , wohnt ein nicht ſehr zahlreicher Stamm von
Indiern, die Miſſtſagier genannt, deren Ortſchaft
von dem See, woran fie liegt, Toronto heißt.
Die Gegend um den See Ontario, hauptfächlich auf
feiner oſtlichen und nordlichen Seite, iſt ſehr gut,
und wird vielleicht in kuͤnftigen Zeiten blühende
Pflanzftäbte aufzeigen konnen.
Der Ses Oniada, der bey der Quelle des Fluſſes |
Oswego liegt, empfaͤngt ſein Waſſer aus dem Holz⸗
f fluſſe (Woodereck), | der nicht weit vom Fluſſe Mo⸗
bak entſpringt. Sie kommen einander ſo nahe,
daß bey dem Forte Stanwir eine Vereinigung durch
Schleuſen, ungefähr zwölf Meilen von dem Aus⸗
fluſſe des Holzfluſſes zu Stande gebracht worden iſt.
Dieſer See iſt ungefaͤhr dreißig Meilen lang, von
HOſten nach Weſten, und beynahe funfzehn Meilen
breit. Die Gegend abe ge süße den Oniada
es. Smbien.
Carvers Reifen, n K ren DW
Der See Schamplaͤn, der in Größe auf den
See Ontario folgt, und faſt voͤllig oſtwaͤrts von
ihm liegt, iſt ungefaͤhr achtzig Meilen lang von
Norden nach Suͤden, und ſeine groͤßte Breite be⸗
laͤuft ſich auf vierzehn Meilen. Er iſt ſehr gut mit
Fiſchen verſehn, und die Gegend an ſeinen Ufern,
oder den Fluͤſſen, die i in ihn mir ‚it ſehr gut.
Der See Georg, der ſonſt von den Frame
der See St. Sarrament genannt ward, liegt ſuͤd⸗
weſtwaͤrts von dem eben erwaͤhnten See, und iſt
ungefähr fünf und dreißig Meilen lang von Mord»
often nach Suͤdweſten, allein ſeine Breite iſt unbe⸗
traͤchtlich. Die Gegend umher iſt ſehr bergicht,
950 iſt das Land in den Thaͤlern ſehr gut.
Wie dieſe beyden Seen zuerſt entdeckt wurden,
ſo kannte man ſie blos unter dem Nahmen der
| Srofefen Seen, und mir deucht, daß ſie auch auf
den erſten Karten ſo genannt werden. Auch die
Indier, die damals Irokeſen genannt wurden,
heißen jetzt die fünf Mohakiſchen Nationen, und
die Mohakier von Kanada. In demletzten Kriege
waren die erſten, welche aus den Onondagiern,
den Oniaden, den Senekern, den Tuſearoriern
und Irundocks beſtanden, Bundsgenoſſen der
Englaͤnder, die letztern hingegen, welche die Coh⸗
I I i na⸗
e und St. Franzſſtus Indier ausmahen,
en es mit den Franzoſen.
Eine ungeheure Strecke Sandes, die zwichen
den beyden letzterwaͤhnten Seen und dem See On⸗
tario liegt, ward im Jahre 1629 von der Geſell⸗
ſchaft zu Plymouth, vermoͤge eines Freyheitsbrie⸗
fes, den fie vom Koͤnige Jacob dem Erſten erhal⸗
ten hatte, an Sir. Ferdinand Gorges, und Haupt⸗
| mann Johann Maſon „dem Haupte der Familie,
die ſich nachher von den uͤbrigen durch den Nahmen |
der Maſons von Connecticut unterſchied, abgetre⸗
ten. Das in dieſem Schenkungsbriefe angefuͤhr⸗
te Land, ſoll zehn Meilen von den Quellen der Fluͤſſe
anfangen, die von Oſten und Suͤden her in die
Seen Schamplaͤn und Georg fallen, und von dort
in einer graden Linie weſtwaͤrts bis an die Mitte
des Sees Ontario fortgehn. Von dort aus ſollte
ſie laͤngſt dem Cataracki oder Irokeſenfluſſe ſich! über
Richelieu liegt, und von dort aus ſolltebieſer letzte
Fluß bis an die beyden em ihre en, aus⸗
machen.
men der Provinz Lakonia den eben erwähnten Herrn
unter fen Bedingungen und Strafen, wovon
K ſich
nn
Montreal bis an das Fort Sorell erſtrecken, wel⸗
| ches bey der Vereinigung dieſes Fluſſes mit dem
Diefer ungeheure Kaum ward unter PER Nah⸗ N
fich aber Feine, im Fall jene nicht erfülle wuͤrden, auß
eine völlige Verwuͤrkung, ſondern nur aufe eine
Geldſ trafe belief, , abgetreten. 9
Wegen der beſtaͤndigen Kriege, 9 dieſe Ge⸗
genden wegen ihrer Lage zwiſchen den Indiern, den
franzoſiſchen und engliſchen Beſitzungen unterwor⸗
fen waren, konnten ſich die wahren Eigenthuͤmer
dieſes Schenkungsbriefes noch bisher nicht zu Nutze
machen. Dem ungeachtet ſind ſeit dem ſetzten
Kriege verſchiedne Herter am See Schamplaͤn an⸗
gelegt, und Sluͤcke von dieſem Gebiet an verſchiedne
deute vom Statthalter von Neu⸗Pork verwilligt
worden, zu deſſen Provinz es jetzt gehoͤrt.
e giebt im Norden von Kanada eine große
Menge Seen zwiſchen Labrador, dem Obernſee,
und dem Meerbuſen Hudſon, aber ſie ſind in Ver⸗
haͤltniß der andern nur klein, und da ſie auſſerhalb
dem Reiche meiner Reiſe liegen, ſo will ich ihrer
nur obenhin erwaͤhnen. Am weiteſten gegen Weſten
5 liegen die Seen Nipiſing und Tamiſcaming. Der
erſte liegt bey der Quelle des Franzoſenfluſſes, und
ergießt ſich in den See Huron; ; der andre liegt am
Fluſſe Ottowa, der ſich zu Montreal mit dem Ca⸗
taraki vereinigt. Jeder von dieſen Seen hat un⸗
sähe hundert Meilen im Umkreiſe.
N ah 1
=
1 49
EIN
Der nächfte 0 it der See Miſtaſſi 14 an "
fa ber Quelle des Fluſſes Rupert, der in Jamesbay
fälle. Dieſer See hat eine ſo unregelmäßige Figur,
durch die großen Landſpitzen, die von jeder Seite
| durchſchneiden, daß es ſehr ſchwer wird, ſie genau
1 8 beſchreiben „oder feine. Groͤße anzugeben. Er |
sent doch im Ganzen uͤber eee Meilen
im Umkreiſe zu haben.
Der St. Johannis See 0
von Quebec „und ergießt ſich in den Fluß St. dorenz,
etwas nordweſtlich von der eben genannten Stadt.
Der See Manikuagone liegt nahe bey der Quelle
des ſchwarzes Fluſſes (black river), der oſtwaͤrts
von dem oben erwaͤhnten Fluſſe „nahe bey der Kuͤſte
8 Labrador in den St. Lorenz fälle, und hat ungefaͤhr
verſchiedne andre kleine Seen liegen nahe bey den
Quellen des Fluſſes Buſtard, n nordwaͤrts vom St. Lo⸗
renz. Noch viele andre, die es nicht verdienen,
1 beſonders angefuͤhrt zu werden, findet man :
er den Seen Huron und Ontario.
Alle, 1 die ich hier bergerechnet habe, und ch |
‚au ſch. über, sea: ‚beläuft, liegen innerhalb
ö
—
der ungefähr acht |
Meilen i im Umfange, und I kreisförmige Figur
hat, liegt am Fluſſe Sag à, grade nordwaͤrts
ſechszig Meilen im Umkreiſe. Die Seen Pertibi, |
| Winktagan, Etſchelagon, und Papenuagane und
150
ſchreibung davon Fönnte bewieſen werden, daß die
nordlichen Theile von Nordamerika vermöge dieſer
inlaͤndiſchen Seen mehr Waſſer enthalten, als
irgend ein andres Viertel der Erde. |
Im October 1768 kam ich zu Boſton an, da
ich zwey Jahr und fünf Monate davon abweſend
geweſen war, und in der Zeit ſieben tauſend Meilen .
durchreiſt hatte. So bald ich hier mein Tagebuch
und meine Karten in Ordnung gebracht hatte, ſo
machte ich mich auf die Reiſe nach England, um
meine Entdeckung zum Vortheile der Nation be⸗
kannt zu machen. Allein die Ausfuͤhrung meines
Entwurfes, den ich zur Erlangung dieſer vortheil⸗
haften Ausſichten gemacht hatte, hat bisher noch
wegen die ungluͤcklichen Zwiſtigkeiten zwiſchen
Großbritannien und ſeinen Kolonien, die von ihren
beyderſeitigen Feinden erregt und unterhalten wur⸗
den, nicht zu Stande gebracht werden koͤnnen.
Sollte der Friede einmah! wieder hergeſtellt wer⸗
den, fo zweifle ich nicht, daß die Lander, welche
ich beſchrieben habe, eine ergiebigere Quelle von
Reichthuͤmern fuͤr die Nation abgeben werden, als
lyre oſtindiſchen und weſtindiſchen Beſitzungen; und
ich werde es mir zur Ehre und zum Gluͤcke rechnen,
ein Werkzeug geweſen zu ſeyn, ihr eine ſoſchäßbare 9 5
Ausſi icht zu Nad Ich
der Grenzen von Kanada; und aus meiner Br
u e 7.
er kann nicht umhin, die Beschreibung meiner
weitlaͤuftigen Reiſe damit zu beſchließen, daß ich
der Güte des höchiten Weſens, die mich unſicht⸗
barer Weiſe vor den vielen Gefahren beſchuͤtzt hat,
die mit einem ſo langen Aufenthalte unter rauhen
und unbaͤndigen Wilden nothwendig verknuͤpft ſeyn
muͤſſen, meinen ungeheuchelten Dank darbringe.
Zugleich hoffe ich, daß man mich nicht der Ei⸗
telkeit beſchuldigen werde, wenn ich verſichere, daß
die Bewegungsgruͤnde, die ich in der Einleitung
zu dieſem Werke angegeben habe, nicht die einzigen
waren, die mich zu dieſem ſchweren Unternehmen
bewogen. Meine Ausſichten waren nicht bloß auf
den Vortheil eingeſchraͤnkt, der mir oder meinem
Vaterlande daraus erwachſen konnte, ſondern ich
ward dazu von noch edlern Bewegungegründen
angetrieben. |
%% Der eingeſchränkte Zustand, ſowohl in Abſicht
auf buͤrgerliche als geiſtliche Kenntniſſe, in dem
ſo viele meiner Nebenmenſchen leben, erregten
in meiner Bruſt eine unwiderſtehliche Begierde,
die faſt völlig unbekannten Gegenden, welche ſie
bewohnen, zu unterfüchen, und ihre Sprache, Ge⸗
| braͤuche und Grundſaͤtze kennen zu lernen, um da⸗
durch den Weg zur Einführung feiner Sitten und
wenſhücher Geſinnungen unter ihnen zu bahnen.
\ „„
7
— 5
152 Ba |
Ich muß geſtehn, daß der geringe Nutzen, den
die Indier bisher aus ihrem Umgange mit denen,
die ſich Ehriſten nennen, geſchöpft haben, mir eben
keinen großen Muth zu meinem liebreichen Vor⸗
haben einfloͤßen konnte; allein da zu hoffen ſtand,
daß viele doch einigen Vortheil davon ziehn wuͤrden,
daß man die Sitten und Religion der Europäer
bey ihnen einfuͤhrte, ohne die Irrthuͤmer und
Laſter beyzubehalten, die ihre Bekenner nur leider
zu häufig damit verbinden, fü entſchloß ich MM
ſtandhaft dabey zu beharren.
Auch durfte ich mir nicht ſchmeicheln 75 dieſen
großen Entwurf allein auszuführen, allein ich war
bereitwillig, alles, was in meinem Vermoͤgen ſtand,
dazu beyzutragen. Und was fuͤr große Dinge
wuͤrden nicht zu Stande gebracht werden koͤnnen,
wenn jedermann dies bey allen öffentlichen 0
nehmungen thun wollte?
Die Indier find zwar nicht ohne alles Gefühl
von Religion, und einige verehren den großen
Schoͤpfer ſelbſt mit einem Grade von Lauterkeit, den
man bey Völkern oft vermißt, die beſſere Gelegen⸗
heiten hatten, zur Erkenntniß zu kommen. Allein
ihre Religionsgrundſaͤtze ſind lange nicht ſo fehler⸗
frey, als fie ein berühmter Schriftſteller beſchreibt,
oder ſo leer von ane und Gebräuchen, daß
ibr
1 0 \ a N 9985 . Ey
ihr Vorzug dadurch nicht ſehr verringert werden
ſollte. Wenn daher die dehren des wahren und le⸗
bendigen Chriſtenthums ſo rein und unverfäfftht, |
als fie aus dem Munde ihres göttlichen Stifters
Famen, bey ihnen eingeführt werden könnten, ſo
wuͤrde durch ſie gewiß der aberglaͤubiſche und ab⸗
göttiſche Wuſt weggeräumt werden, wodurch das
Vernuͤnftige in ihren Religionſaͤtzen itzt verdunkelt x
wird. Seine milden und wohlthaͤtigen Vorſchrif⸗
ten würden ihre unverſ öhnliche Denkungsart ers
weichen, und ihre wilden Sitten verfeinern. Wie
5 gluͤcklich wuͤrde ich mich ſchaͤtzen, wenn dies Werk
die Wege, worauf man ihnen ſolchen heilſamen
Unterricht mittheilen kann zeigen, und auch nur
an der Welchrung 1 050 ae e, fen“ |
; | ir 25 5
K 5 Rn
154
Von
dem Urfprunge, den Citten;;
den ee „ der Religion und
ie 9
der Indie 7.
————
; Erſtes Kapitel, | a
Von dem Urſprunge der Indier.
| D. At, auf e Amerika feine erſten Bes
wohner erhalten habe, iſt ſeit ſeiner Ent⸗
deckung durch die Europaͤer die Quelle von unzaͤh⸗
ligen Unterſuchungen geweſen. Wenn ich alle ver⸗
ſchiednen Meynungen und Gruͤnde der vielen
Schriftſteller, die ſich die Vertheidigung ihrer
Muthmaßungen eifrig haben angelegen ſeyn laſſen,
hier ſammlen wollte, ſo wuͤrde ich dadurch die
Grenzen, die ich mir bey dieſem Werke vorgeſetzt
habe, weit uͤberſchreiten, und wichtige Stücke
nur obenhin behandeln koͤnnen.
Die Dunkelheit, worin dieſe Materie eingehülfe
iſt, da bey allen indiſchen Voͤlkern viefes großen
eie die Kunſt zu ſchreiben völlig unbekannt
\ u war,
war, und mündliche Ueberlieferungen, die einen
fo entfernten Zeitpunft betreffen, nothwendiger⸗
weiſe ſehr ungewiß ſeyn muͤſſen, laͤßt befuͤrchten,
daß auch durch die genaueſten Unterſuchungen ſich
nichts mit Gewißheit darin wird beſtimmen laſſen.
und dieſe Vermuthung wird durch die Verſchie⸗
denheit der Sprache, die faſt bey allen Indiern ehe
auffallend iſt, noch gewiſſer gemacht, da man dar⸗
aus ſchlieſſen kann, daß die Bevoͤlkerung von
Amerika nicht einem Lande, ſondern verſchiednen
benachbarten Nationen und verſchiednen Jahrhun⸗
derten zugeſchrieben werden muͤſſe.
Die meiſten Geſchichtſchreiber und Reiſenden, |
die von den urſpruͤnglichen Bewohnern von Amerika
gehandelt haben, ſind ſich in ihren Meynungen nicht
einig. Man behauptet, „daß viele von den Alten
nicht allein gewußt hätten, daß dieſer Welttheil da
fey, fondern auch daß er Einwohner habe. Plato
behauptet in ſeinen Timaͤus, daß jenſeits der Inſel,
die er Atlantis nennt, und die nach ſeiner Beſchrei⸗ b
bung im weſtlichen Meere liegen ſollte, noch eine i
große Anzahl andrer Inſeln, und hinter dieſen ein
großes feſtes Lali angetroffen werde. en,
a Oviedo, ein beruͤhmter ſpaniſcher Schriſtſteller,
r in einem weit ſpaͤtern Zeitalter lebte, zweifelt
} var nicht. „ * die ee Inſeln die beruͤhm⸗
ten
2
ad u Fe Ei. J
7% 1. e
e
1 1 .
* %
156
ten Hoſperiden der alten Dichter waͤren; die ihre
| rechtmäßigen Herren, die Könige von Spanien,
als Abkoͤmmlinge des Koͤnigs Heſperus, der vor
ungefähr dreytauſend Jahren lebte, und von dem
ſie den Nahmen führten, endlich wieder in Bi
| genommen. hätten.
Zwen andre Spanier, der Vater en, Sara,
ein Dominikaner, und Vater Joſeph de Acofta
ein Jeſuit, ſchrieben ebenfalls uͤber den Hering a
der Amerikaner. Der erſte, der bey den M ionen 5
von Mexiko und Peru gebraucht ward, ſuchte aus
den Ueberlieferungen der M erifaner, der. Peruaner "iM
und andrer, und aus der Verſchi edenheit der Ka⸗
rackter, Gebräuche, Sprachen und Religion, in
den verſchiedenen Landern der! neuen Welt, zu be⸗ u.
weiſen, daß fie von verſchiednen Volkern ihre Ein, 55
wohner erhalten haͤtte. .
Vater de Acoſta hingegen unterſucht die Art, |
wie die erſten Indier ihren Weg nach Amerika köͤnn⸗
ten gefunden haben, und verwirft die Meynung,
daß ſie zur See dahin gekommen waͤren, weil kein
alter Schriftſteller der Magnetnadel erwaͤhnte.
Er behauptet, daß es entweder durch den Norden
von Aſia und Europa, die an einander ſtoßen, oder
durch die Gegenden, die fuͤdwaͤrts von der magella⸗
ui RR Straße liegen, geſchehn ſeyn muͤſſe. Er
ver⸗
a den Juden fen bevölkert worden.
der Zerſtreuung von Noahs Groß⸗Söhnen zuge⸗
5 . habe. Er zeigt daß die Nordamerikaner
in ihren Geſichtszuͤgen, in ihrer Farbe und Lebens⸗
andern Völkerſchaft haben.
| 0 einige Norweger uͤber Grönland nach Amerika ge⸗
.
| Jahre 964 waͤre entdeckt worden, und daß Gomera
105 lieferungen der Mexikaner, die ſie vertrieben, aus
einem Lande, das ſeit der Zeit Neu⸗Mexiko ge⸗
nannt wird, und aus der Nachbarſchaft von Kali⸗
fornien. Folglich muͤßte Nordamerika viele Jahr⸗
ag vorher ſchon bewohnt geweſen ſeyn, ehe
von Mexiko ſchon im Jahre 721 gewohnt haͤtten.
* 57 N
verwirft auch die Wehen daß Re von |
Johann de Laet, ein niederländiſcher Schrift 0
ſteller, widerlegt die Meynungen dieſer beyden
ſpaniſchen, und vieler andern Schriſtſteller. Er
glaubt vielmehr, daß Amerika gewiß von den
Seythen oder Tatarn ſeine Einwohner erhalten,
und daß die Wanderung dieſer Völker ſich bald nach
yon eine größere Aehnlichkeit mit den Seythen, |
Tatarn und Samojeden, als mit en einer
Er widerlegt Grotius, der behauptet batte, daß
kommen wären, damit, daß Grönland erſt im
und Herrera zeigten, daß die Tſchitſchimiker am See
Dieſe Wilden kamen nach den einſtimmigen Ueber⸗
es
158
es ſeine Einwohnern aus ade über Gtöntand
erhalten konnte.
Er beweiſt, daß es 96 gewiß ſey daß die waß⸗
ren Mexikaner i im Jahre 902 nach der Ueberwin⸗
dung der Tſchitſchimicker, der Ottomier und andrer
wilden Volker, die die Gegend um den See von
Mexico beſaſſen, und wovon jedes eine beſondre
Sprache redete, ihr Reich geſtiftet haͤtten. Auch
dieſe eigentlichen Mexikaner ſollen aus einem Lande
nicht weit von Kalifornien herkommen, und ihren
Weg groͤßtentheils zu Lande genommen haben.
Folglich konnten ſie nicht aus Norwegen kommen.
De daet ſetzt noch hinzu, daß zwar einige Eins
wohner von Nordamerika vielleicht aus Nordweſten
dahin gekommen ſeyn konnten, allein daß es zugleich
hoͤchſtwahrſcheinlich ſey, daß die Einwohner der
Inſeln auf der Weſtkuͤſte von Afrika, und vorzuͤg⸗
lich der kanariſchen Inſeln, nach Amerika uͤberge⸗
gangen waͤren, da Plinius und verſchiedne andre
Schriftſteller alter Gebaͤude erwähnen, die man
auf dieſen Inſeln geſehn habe, und die nachher
vollig unbewohnt gefunden wurden. Die Kuͤrze
und die Leichtigkeit der Ueberfahrt nach Amerika
macht dieſe Muthmaßung noch wahrſcheinlicher.
Dieſe Auswanderung muß ſich nach der Rechnung
jener Schriftſteller vor mehr als zweytauſend Jah⸗
ren
0 0 „
ren zugetragen haben, grade wie die Spanier von
den Karthaginenſern ſehr gedruͤckt wurden. Viel⸗
leicht lernten dieſe von ihren Siegern die Schiffahrt
und den Schifbau, und giengen uͤber die weſtlichen |
azoriſchen Inſeln, die grade auf der Halfte 50 N
Weges liegen, nach den Antillen.
Er glaubt auch, daß ſich Großbritanien, Fre; N
land und die Orkadiſchen Inſeln ſehr gut zu einer
hnlichen Muthmaßung ſchickten, und fuͤhrt zum
Beweiſe folgende Stelle aus der Geſchichte von
Wales an, die David 10 88500 im Jabre 1170
ſchrieb. . 0
Madoe, einer von den Söhnen des Owen Sah.
nith, ruͤſtete aus Unwillen uͤber die buͤrgerlichen
Kriege, die zwiſchen ſeinen Bruͤdern nach ſeines
Paters Tode ausbrachen, etliche Schiffe aus, und
da er ſie mit allem, was zu einer langen Seereiſe
nöthig war, verſehn hatte, fo gieng er aus, um
neue daͤnder weſtwaͤrts von Ireland zu ſuchen. Er
entdeckte auch wirklich ſehr fruchtbare Gegenden,
die aber unbewohnt waren. Er ſetzte einige von
| feinen Leuten ans Land, und kam nach Wales zu⸗
ruͤck, wo er neue Mannſchaft anwarb, und nach
| feiner Kolonie hinüber führte. | =
De $aet koͤmmt darauf zu den Scythen sth
und stellt einen Vergleich n jhnen und den
Se
Amerikanern an. Er bemerkt, daß verſchiedne
Staͤmme von ihnen nordwaͤrts vom kaſpiſchen Meere
eine herumwandernde Lebensart führten, welche
die Indier in Amerika, wie viele andere von ihren
Gewohnheiten und Sitten, mit ihnen gemein hätten.
Die Aehnlichkeit zwiſchen beyden waͤre zwar nicht
ganz vollkommen, aber ſelbſt die Auswandrer
waͤren noch, ehe fie ihr Vaterland verließen, von
einander unterſchieden geweſen, und hätten ver;
| ſchiedne Namen gefuͤhrt. Die Veraͤnderung ihres
Wohnplatzes mußte natuͤrlich auch viel zu einer
Veraͤnderung in ihrer Lebensart beytragen.
Außerdem behauptet er, daß eine eben ſolche
Aehnlichkeit zwiſchen verſchiednen amerikaniſchen
| Bölferfchaften und den Samojeden flatt fände, die
nach den Berichten der Ruſſen am großen Fluſſe |
Oby wohnen füllen. Und es wäre natürlicher zu
glauben, daß Pflanzvölker von dieſen Nationen
nach Amerika uͤber das Eismeer auf ihren Schlitten
gegangen waͤren, als daß die Norweger den Weg
baͤtcen nehmen ſollen, ; den ihnen Grotius vor⸗
| Far | 1
Dieſer Schriftſteller ace a berſchiedne |
in andre eben ſo richtige Bemerkungen, allein er
miſcht wieder viele mit unter, wovon man Teig |
den Under . kann. |
| \ N Emanuel
—
Emanuel de Mori ein Portugiese bobo
DR feiner Geſchichte von Braſilien, daß Amerika
ganz von den Karthaginenſern und Iſraeliten fen
bevölkert worden. Zum Beweiſe fuͤhrt er die Ent⸗
161
Kr
deckungen an, die jene bekanntermaaßen weit uͤber
die Kuͤſte von Afrika binaus ſollen gemacht haben,
und da ihr Fortgang durch den Rath von Karthago
‚as ward, ſo wurden diejenigen, die ſich eben
damals in den neuentdeckten Ländern befanden,
von aller Gemeinſt 0 aft mit ihren Landsleuten ge⸗
trennt, und ſielen, aus Mangel vieler eebens⸗
beduͤrfniſſe, in einen Stand der Wildheit zuruͤck.
Was die Iſraeliten betrifft, fo glaubt der Verfaſſer,
daß nichts als die Beſchneidung bey den Braſiliern
fehle, um eine völlige ANDERE zwischen We
Völkern z zu beweiſen. i eee een
Georg van Horn, ein gelehrter Holländer, ſchrieb 1
ebenfals über: dieſen Gegenſtand. Er glaubt, daß
Amerika unmöglich vor der Suͤndfluth habe be⸗
völkert werden koͤnnen, da zwiſchen ihr und der
Erſchaffung der Welt nur eine fo: kurze Zeit ver⸗
floſſen ſey. Er nimmt darauf an, daß nach der
Suͤndfluth Menſchen und andre Landthiere zu
Waſſer und zu Lande, einige mit Vorſatz, andre
aber durch ein bloßes Ungefähr, dahin gekommen
waͤren. Voͤgel konnten leicht hinuͤber fliegen, da
7 Carver Reifen, 1 ſie
162 e
ſie auf den Felſen und Inſeln, die im Weltmeere
zerſtreut umher liegen, Ruheplaͤtze fanden. Wilde
Thiere konnten leicht zu Lande hinkommen, und an
dem Mangel von Pferden und Hornvieh (er haͤtte
Elephanten, Kamele und mehrere Thiere hinzu⸗
fuͤgen koͤnnen,) ſey wahrſcheinlich die Unwiſſenheit
der Voͤlker, die hinuͤber giengen, oder die Unmoͤg⸗
lichkeit ſie fortzuſchaffen, Schuld geweſen. 5
Er ſchließt viele Voͤlker, welche andere mi: zu
den erſten Bevoͤlkerern von Amerika rechnen, ganz
von dieſer Ehre nicht ohne triftige Gruͤnde aus, und
5 nimmt an, daß es aus dem Norden ſeine erſten
Einwohner erhalten habe, die ſich durch die fand»
enge von Panama über das ganze feſte Land ads
breiteten.
Die erſten Stifter ber Judiſchen lanzoäifer
waren nach ſeiner Meynung unſtreitig Seythen.
Nachher erhielten auch die Phoͤnizier und Kartha⸗
ginenſer uͤber das atlantiſche Meer, und die Chi⸗
neſer uͤber die Suͤdſee/ feften Fuß in Amerika. 5
Vielleicht kamen auch noch andre Volker durch
Stuͤrme und andre Zufaͤlle dahin, da man auf dem
ganzen feſten Lande ſo wohl in dem nordlichen als
ſuͤdlichen Theile unwiderſprechliche Beweiſe einer
Vermiſchung der nordlichen Volker mit ſolchen, die
aus andern Gegenden kamen, antrifft. Vielleicht
990 ; | konnten
- 163 0
konnten auch etliche Juden und ebriſten durch aͤhn⸗
liche Aufälle dahin kommen, doch konnte dies nicht
eher geſchehn, als bis die ganze neue Welt N
ber voͤlkert war. |
Ueberhaupt ae geſteht er, * die Wehnen
si Frage mit großen Schwierigkeiten verknuͤpft fen,
woran theils die geringe Kenntniß, die wir von den
Enden der Erdrugel am Nord⸗ und Suͤdpole haben,
theils auch die Verwuͤſtungen Schuld ſind, welche
die Spanier unter den alten Denkmaͤhlern in
Amerika anrichteten, und worunter der große
pete Weg zwiſchen Quito und Cuzeo, ein ſo un⸗
geheuves Werk, daß ſelbſt die praͤchtigſten Werke
der Roͤmer damit aan ... werden een |
das vornehmſte wär. f | 3
Er nimmt noch eine zweyte Wales der 1
Phönizier an, die fi) während der dreyjaͤhrigen
Seereiſe ereignete, welche die tyriſche Flotte im
Dienſte des Koͤnigs Salomo that. Er beruft ſich
auf den Joſephus, nach welchem dieſe Flotte aus
einem Hafen am mittellaͤndiſchen Meere auslief.
Sie holte Elephantenzaͤhne und Pfauen von der
weſtlichen Kuͤſte von Afrika, welche Tarſiſch iſt,
und Gold aus Ophir, dem Haite der Indier, und
jetzigem Hiſpaniola. In dieſer letzten Meynung
8 RE Ra beſtaͤrkt, der Spuren von Schmelz⸗
f 0 e den,
ar
N
— *
oͤfen, worin das Gold war gelaͤutert w 1
f * glaubte, als er Hiſpaniola entdeckte.
Dieſen Auswanderungen, die vor der chriſlichen
Zeitrechtlüng hergiengen, fuͤgt er noch verſchiedne
ſpaͤtere von unterſchiedlichen Voͤlkern bey, die ich
hier nicht alle anführen kann. Eben ſo wenig er⸗
laubt es mir der Raum, mich bey unzaͤhlich andern
Schriftſtellern uͤber dieſen Gegenſtand aufzuhalten,
und ich will daher nur noch der Meynungen von
e andern Schriftſtellern erwaͤhne.
Der erſte davon iſt Peter Charlevoix, ein Funn
| we: der in dem Tagebuche ſeiner Reiſe nach
Nord⸗Amerika, die er erſt im Jahre 1720 unter⸗
nahm, die Muthmaaßungen vieler andern Schrift⸗
ſteller anführt, und endlich feine eignen hinzufuͤgt,
die aber nicht ohne Muͤhe eines Auszugs faͤhig ſind,
da man ſie ſo ſehr unter die angefuͤhrten Stellen
gemiſcht antrifft, daß es viele eee er⸗
kanten ſie hervor zu ſuchen. 1.9 9
Er ſcheint zuzugeben, daß Amerika feine 490
Einwohner aus der Tatarey und Hircanien erhalten
habe. Es ſcheint ihm dies dadurch noch wahr⸗
ſcheinlicher zu werden, daß die dwen und Tiger,
die man in Amerika antrifft, aus keinen andern,
als dieſen beyden Ländern, dahin haben kommen
Tonnen, und daß e die beyden Halokugeln
9 . gegen
165
gegen 1 Norden von Aſia amen len muͤſſen.
Und zum noch größern Beweiſe dieſes Satzes führe
er eine Geſchichte an, die ihm Vater Grollon, ein
franzk ſiſcher Jeſuit/ N als eine Rn ar
heit erzehlt hätte. |
Dieſer Seiffihe gieng nach China, je en
er einige Zeit in den Miſſtonen von Neufrankreich
gearbeitet hatte. Eines Tages, als er in der Ta⸗
tarey herumreiſte, traf er eine buroniſche Frau
an, die er vorher in Kanada gekannt hatte. Er
fragte fie, durch was fuͤr einen Zufall ſie in eine
Gegend ſo weit von ihrem Vaterlande gerathen
waͤre. Sie antwortete, ſie wäre in einem Kriege
9 gefangen, und von einem Volke zum andern gefuhrt
worden, bis ſie an den Ort, wo er wu 800
erreicht haͤtte.
Ein zweyter Jeſuit
durch Nantes, als er aus China zuruͤck kam, eine
ahnliche Begebenheit mit einer ſpaniſchen Frau
aus Florida erzehlt haben. Sie ward ebenfalls von
Indiern gefangen, und an andre Andier uͤberlaſſen, 0
die in einem entfernten Lande wohnten. Von die⸗
ſen gerieth ſie wieder unter eine andre Völker⸗
ſchaft, bis ſie endlich von einem Lande ins andre,
und zuletzt durch ſehr kalte Gegenden nach der
ne Hier v schenrathete fie ſich an einen
93 Tatar,
ſoll auß ſeiner Durchreise g
\
8 *
l
166 Pe
Tatar, „der mit feinen ſiegreichen! Landsleuten RN
China kam, und fich daſelbſt niedergelaſſen hatte.
Er geſteht zwar, daß die Glaubwuͤrdigkeit beyder
Geſchichten dadurch etwas zweifelhaft wuͤrde, daß
die Seefahrer, die am weiteſten oſtwaͤrts von Aſia
binausgiengen, und laͤngſt den Kuͤſten von Jeſſo
90 oder Kamſchatka hinfuͤhren, das aͤußerſte Ende
dieſes Welttheiles entdeckt haben wollen, und daher
geſchloſſen haben, daß gar keine Gemeinſchaft zu
Lande mit Amerika moͤglich waͤre. Allein er fuͤgt
hinzu, daß Franz Guella, ein Spanier, behauptet
habe, daß beyde Welttheile blos durch eine Meer:
enge von etwa hundert Meilen getrennt wuͤrden,
und daß einige neuere Seereiſen der Japaneſer
Anlaß geben, zu glauben, daß dieſe Meerenge blos
ein Meerbuſen fey, und daß weiter oben hinauf
wirklich beyde Theile zuſammenhiengen.
Es gaͤbe zwar nur wenig Arten von wilden Thie⸗
ren in Nordamerika, eine Tigerart ohne Flecken
ausgenommen, die man im Lande der Srofefen an -
trifft, allein gegen die Wendekreiſe zu faͤnde man
Swen und wuͤrkliche Tiger, die demungeachtet
aus der Tatarey und Hirkanien gekommen ſeyn
koͤnnten, denn wie ſie weiter gegen Suͤden ein
Klima antrafen, daß ihrer Natur een
war, ® n * die nn Gegenden. 75
a WR
—
167
Er beruſt ſich auf den Solinus und Plinius, um |
teile; daß die ſeythiſchen Menſchenfreſſer einſt⸗
malen einen großen Strich Landes bis an das Vor⸗
gebürge Tabin verwuͤſtet hätten. Auch füllte es
nach dem Mareus Polo, einem Schriftſteller aus
einem ſpaͤtern Zeitalter, gegen Nordoſten von 0
China und der . tarey große unbewohnte Sander
geben, wodurch die Muthmaßung wegen einer |
1 Auswanderung der Seythen nach Amerika ſehr be⸗
ſtaͤtigt wuͤrde. Man faͤnde bey den Alten Namen
von verſchiednen dieſer Voͤlkerſchaften; fo erwähnte
Plinius der Tabianer, Solinus der Apuleer, welche
die Maſſageten zu Nachbarn hatten, die, wie Pli⸗
nius erzaͤhlt, nachher völlig verſchwanden. Ammi⸗
anus Marcellinus ſagte ausdrücklich, daß die Furcht
vor den Menſchenfreſſern verſchiedne von den Ein⸗
wohnern dieſer zander gezwungen hätte, ihre Zuflucht
anderswohin zu nehmen. Und aus allen dieſen
1 Zeugniſſen ſchließt Herr Charlevoix, 70 daß man we⸗
nigſtens Grund habe, zu vermuthen , daß mehr
als eine amerikaniſche Nation ihren Urſprung von |
ww Scythen oder Tatarn herleiten muͤſe.
Er ſchließt ſeine Anmerkungen uͤber die ange⸗
führten Schriftſteller damit, daß dieſer Streit auf
olgende zwey Punkte i werden koͤnnte; erſt⸗
id, wie die neue Welt hätte bevoͤlkert werden
‘a koͤnnen,
168
können, und von welchen Völkern und af vage
ſe wuͤrklich waͤre bevölkert worden. 0
Nichts kann, nach ſeiner Meynung, ſo leicht
beantwortet werden, als der erſte Punkt. Amerika
konnte auf die naͤhmliche Art ſeine Einwohner er⸗
halten, als die uͤbrigen drey Welttheile. Man hat
ſich zwar viele Schwierigkeiten dabey vorgeſtellt, |
die einige für unuͤberwindlich halten, ob ſie es gleich
im geringſten nicht ſind. Die Bewohner beyder
Erdkugeln ſtammen unſtreitig von einem gemein⸗
schaftlichen Vater ab. Der erſte Menſch erhielt
einen ausdrücklichen Befehl, die ganze Welt zu bes
volkern, und folglich muß er ſie bevoͤlkert haben.
Urum dies moglich zu machen, mußten alle Schwie⸗
rigkeiten aus dem Wege geraͤumt werden, und ſie
wurden daher aus dem Wege geräumt. Waren
dieſe Schwierigkeiten größer bey der Bevölkerung
von Aſia, Afrika und Europa, oder war es ſchwe⸗
rer, Menſchen nach Inſeln zu bringen, die eine
beträchtliche Strecke vom feſten Lande liegen, als
nach Amerika hinüber zu gehn? Die Schiffahrt,
die in den drey oder vier letzten Jahrhunderten zu
einer ſo großen Vollkommenheit gebracht worden
iſt, konnte vielleicht in jenen frühen Zeiten eben ſo
vollkommen ſeyn, als ſie es jetzt iſt. Wer kann 1
ſich einbilden, daß 10 5 und ſeine naͤchſten Ab⸗
ni koͤmm⸗
tkömmiinge weniger dan wußten, ale! wie? und
daß der Erbauer und Steuermann des größten
3 das je geſehn ward, eines. Schiffes, das
azu beſtimmt war, ein unbegrenztes Meer u be⸗
. und wo ſo viele Gefahr von Felſen und
Sandbaͤnken zu befuͤrchten war, die Schiffahrt nicht |
follte verſtanden, und ſeine Nachkommen gelehrt
haben, durch welche er die Befehle ſeines großen
Schoͤpfers ausrichten mußte. Und dieſe Schiffahrt
0 it eee ee einem am won rn oo.
da es e gehen Erdboden bedeckte.
ö Wie leicht iſt es nicht, „wenn man dies ei |
| 40 ohne den obenangefuͤhrten Weg zu Lande, daß
Menſchen von der Kuͤſte von Afrika nach Brafilien,
von den kanariſchen Inſeln nach den azoriſchen,
und von dort nach den Antillen hinuͤbergehn konn⸗
ten? Die Ueberfahrt von den brittiſchen Inſeln
oder der Kuͤſte von Frankreich nach Newfoundland, |
iſt weder lang, noch gefaͤhrlich; eben das gilt von
der Ueberfahrt von China nach Japan, von dort
f nach den philippiniſchen Inſeln, von dieſen nach
den 3 Diebesinſeln, und endlich nach Mexiko. ee
Es giebt Inſeln in einer beträchtlichen Entfer⸗
| EN ſten Lande von Aſia, wo wir uns nicht
a V
kommt es uns denn mit den Einwohnern von Ame⸗
nnn 1 Einwohner anzutreffen, und warum
rika ſo wunderbar vor? Eben ſo wenig als es durch⸗
aus unmöglich, daß N oahs Enkel, als ſie ſich zur
Erfüllung der göttlichen Abſichten von einander
trennen, und über die ganze Erde ausbreiten muß⸗
Pele, weitlaͤuftiger geweſen, als ich willen:
ten, faſt die eine Haͤlfte davon bäh ſollen bene
kern koͤnnen.
Ich bin in meinem Auszuge aus dieſem Schl,
war,
da ſeine Gruͤnde wichtig, und viele von ſeinen Be⸗
merkungen wahr zu ſeyn ſcheinen. Doch muß ich
hiervon die Geſchichten von ſeinen huroniſchen und
ſpaniſchen Frauen ausſchließen, die ich vermuth⸗
lich mit Grunde fuͤr fabelhaft erklaͤren amm, Hin
Ich will blos noch die Methode hinzufuͤgen, der
Herr Charlevoix folgt, um die Wahrheit, nach der
wir trachten, zu erforſchen, damit meine Leſer eine
deutlichere Einſicht von ſeiner u. erhals
die Sprachen der Amerikaner mit dei
ten mögen. REN
Das einzige Mittel, wodurch man wis en ſagt, |
hier zum Zweck kommen kann, beſteht dar
der verſchiedenen Volker, wovon ſie abſtamm N
ſollen, vergleicht. Wenn wir die Wörter. aus je⸗
nen mit den ſogenannten Stammwoͤrtern aus die⸗
ce N ſer
t daß man 1
171
fer nnen „ ſo duͤrfte man vielleicht dadurch
auf irgend eine gluͤckliche Entdeckung gerathen. Und
dieſer Weg auf den Urſprung eines Volkes zu kom⸗
men, iſt dem wenigſten Zweifel unterworfen, und
lange nicht ſo ſchwer, als man vielleicht glauben
könnte. Wir haben Miffionarien gehabt und has b
ben ſie noch, welche die Sprachen lernten, die in
allen Theilen der neuen Welt geredet werden. Es
wuͤrde nichts weiter erfordert werden, als eine
N Sammlung aus ihren Sprachlehren und Woͤrter⸗
buͤchern zu machen, und ſie mit den todten und |
lebendigen Sprachen der alten Welt, die füͤr Grund⸗
ſprachen gehalten werden, zu vergleichen, und ſo
wuͤrde es leicht ſeyn, die Aehnlichkeit heraus zu
bringen. Selbſt die verſchiednen Mandarten ha⸗
ben ungeachtet der Veränderungen, „denen fie uns
terworfen waren, noch genug von ihrer Stamm
sprache beybehalten, um m hinteichenbee echt dadurch
zu erhalten. e i 1
Eine 1 der Sitten, Gebräuche, Her
figion und Ueberlieferungen der Amerikaner, würde,
wie er glaubt, wenig gruͤndliches zur Entdeckung
ihres Urſprunges beytragen. Eine Unterſuchung
von der Art giebt nur ein falſches Licht, daß uns
eher vom rechten Wege abführt „als uns mit
Sheen zum Ziele bringt. =
Alle
Alle Usterfieferungen verliehren ſich aus dem
Gedechtniße, da wo man die noͤthigen Mittel, ſie
zu erhalten, nicht kennt, oder ſeit einigen Jahr⸗
hunderten nicht gehabt hat. Und in dieſem Zuſtande
befindet ſich wenigſtens die Halfte der Welt Neue
Begebenheiten, neue Einrichtungen der Dinge,
geben Anlaß zu neuen Ueberlieferungen, welche die
alten ausloͤſchen, und zu ihrer Zeit wieder ausge⸗
löſcht werden. Nach zwey bis drey Jahrhunder⸗
ten ſind von den erſten Ueberfieferungen feine Spu⸗
ren mehr übrig, und ſo ur wir uns von neuem
0 in eden eingehuͤllt.
Per
Er ſchließt darauf mit ber folgenden Na
Unvermuthete Zufälle, Stürme und Schiffbruͤche
haben unftreitig dazu beygetragen, jeden wohnba⸗
ren Theil der neuen Welt zu bevölkern. Sollten
| wir uns daher wundern ; gewiſſe Aehnlich keiten f in a
der Bildung und den Sitten zwiſchen Völkern wahr⸗
zunehmen, die weit von einander entfernt find, da
wir doch einen fo großen Unterſchied gwiſchen un⸗
mittelbaren Nachbarn beobachten? Da uns biſto⸗ |
riſche Beweiſe fehlen, ſo können uns, ich ſage es
noch einmahl „ blos eine Kenntniß der Stamm⸗
ſprachen, einiges dicht in dieß a
Finſterniß geben, ee aaa
EN wi
Wir wuͤrden bey dieſer Untersuchung n we⸗
nigstens ſo viel erfahren koͤnnen, was fuͤr welche
aus der ungeheuren Anzahl von Voͤlkern, in ihren
Sprachen ſchlechterdings keine Woͤrter aus den
Sprachen der alten Welt haben, und folglich in
den fruͤheſten Zeiten nach Amerika gekommen ſeyn
muͤſſen, und was fuͤr welche hingegen durch irgend
eine Aehnlichkeit ihrer Sprache mit einer Sprache
aus den drey Theilen der alten Welt, Anlaß geben nn.
zu ſchlieſſen daß ihre Auswanderung in neuern
Zeiten geſchehn/ und Schiff n oder e |
Zufällen zuzuſchreiben ſey. e 0
Ich will blos noch die Meinung eines einzigen 5
Schriftſtellers anführen, ehe ich meine eignen Ge⸗
danken über dieſen Gegenſtand eröfne, naͤhmlich
die Meynung vom Herrn Jakob Adair, welcher ſich
vierzig Jahr unter den Indiern aufhielt, und ſeine
Geſchichte von ihnen im Jahre 1772 herausgab.
In dieſer ſyſtematiſchen Geſchichte der Nationen,
die weſtwaͤrts von den of ichften Kolonien der Eng⸗
länder in Amerika ihre Wohnplaͤtze haben, behaups
tet er grade zu, daß die Vorvaͤter der Amerikaner
von den Iſraeliten herſtammen, und daß ſie ent⸗
weder zu der Zeit, da dieſe Nation noch eine See⸗
macht war, oder auch bald nach ihrer allgemeinen
Gefangenſchaft nach Amerika gekommen waͤren.
Er
*
Mie ar
Er ANAL
. „
n
N 0 9
Er ſucht dieſen Satz durch ihre Neligionsfeyer⸗
lichkeiten, durch ihre buͤrgerlichen und kriegriſchen
Gebräuche, durch ihre Heirathen, ihre Leichenbe⸗
0 gaͤngniſſe / ihre Sitten, Sprache, Ueberlieferun⸗
gen und eine Menge andrer Umſtaͤnde zu beweiſen.
Er ſcheint ſo vollkommen davon uͤberzeugt zu ſeyn,
daß er eine vollkommene und unleugbare Aehnlich⸗
keit zwiſchen allen findet. Es erlauben mir nicht
die Umſtaͤnde, hier alle feine Beweiſe herzuſetzen,
und ich werde daher nur einen kurzen Auszug von
einigen geben, um zu zeigen, auf was fuͤr einem |
Grunde feine Muthmaßungen beruhen, und in wie |
fern er in dieſem Stücke Beyfall verdient.
Er bemerkt zuerſt, daß zwar einige geglaubt
haͤtten, die Amerikaner ſtammten von den Chine⸗
ſern her, allein dies wuͤrde hinlaͤnglich dadurch wi⸗
derlegt, daß ſo wenig ihre Religion, als ihre Ge⸗
ſetze und Gebraͤuche, die geringſte Aehnlichkeit mit
den chineſiſchen haͤtten. Auſſerdem braͤchten unſre
beſten Schiffe auf der Reiſe nach China, oder der
. Prise nach e 05 ein een Jahr ) zu,
A und
5 Herr Adar denkt hier nich daran, daß di be Fahrt
in einer hohen nordlichen Breite anfaͤngt, durch die
Linie und dann wieder nordwaͤrts hinauf geht, und
nicht blos grade über die Suͤdſee geſchieht, welches
nur eine Weite von hundert und eilf Graden aus:
| machen wuͤrde.
—
» 175
es wäre daher fehr unwahrſcheinlich, daß ſie
es gewagt haben wuͤrden, mit ihren kleinen Schif⸗
fen auf ſolche gefährliche Entdeckungen gegen veiß
fende ‚Ströme und ee n e
auszugehnn.
Und dieſe Vermuthung indie ach desto un⸗
b wahrſtheinlicher 1 da man keine Spuren haͤtte, daß
die Chineſer mit dem Gebrauche der Magnetnadel |
wären bekannt geweſen. China laͤge ungefähr acht
ufend Meilen vom feften Sande von America, eine
doppelt ſo große Entfernung, „als die Breite des
| atlantiſchen Meeres. Kein alter Schriftſteller gaͤbe
is Nachricht von ihrer Schiffahrtkunde oder ihrer
Neigung zu Seereiſen, kleine Reifen laͤngſt den
Kuͤſten ausgenommen. Außerdem wehen die
Winde groͤßtentheils von Oſten nach Weſten, zwi⸗
ſchen dem dreißigſten Grade nordlicher und ſuͤdli⸗
cher Breite, und folglich ihnen gerade entgegen,
ſo daß ein em ſie . leicht a0 een
treiben konnte. l
Eben ſo wenig An man . von de
Tatarey und dem alten Scythien aus nach Amerika
ſegeln, da dies Land ſeiner Lage wegen nie eine
Seemacht ſeyn konnte, und es ohnehin unmöglich
war, uͤber das dortige Meer zu gehn. Außerdem
ſind i een ihre buͤrgerlichen und
er krie⸗
8
176
kriegeriſchen Gewohnheiten: „den ſtythiſchen ſo
viel man dieſen nachſpuͤren kann, vollig entgegen
geſetzt. Selbſt in den gemaͤßigten nordiſchen Ge⸗
genden findet man nicht die geringſten Spuren von
anſehnlichen Gebaͤuden, oder nahe an einander
liegenden Oertern, als noch in den weniger geſun⸗
den Gegenden von Mexiko und Peru uͤbrig ſeyn
ſollen. Und verſchiedne indiſche Nationen verſi⸗
chern, ji daß ſie uͤber den Miſſiſippi giengen, ehe ſie
| ſich i in ihren jetzigen nordlichen Beſitzungen nieder⸗
lieſſen. Alles Beweiſe, welche die ungegruͤndete
Meynung, daß die erſten Einwohner von Amerika
von den Tatarn oder alten N ener,
leicht widerlegen können.
Herrn Adairs Gruͤnde, daß die unertaer e von
den Juden abſtammen, ſind folgende. 6
Erſtlich ſind ſie in Staͤmme Weben A die ihre
eigene Oberhaͤupter haben, wie bey den Juden.
Zweytens waren die Juden verbunden, den wah⸗
ren und lebendigen Gott zu Jeruſalem unter dem
Namen Jehovah zu verehren. Auch die Indier nen⸗
nen das höchfte Weſen Pohewah. Die alten Heiden
verehrten bekanntermaaßen mehrere Götter, allein
die Indier bezeigen blos dem großen guͤtigen, heili⸗
gen und hoͤchſten Geiſte des Feuers, der ſich uͤber
den Wolken und zuweilen auch bey a
ER. auf
auf der E Erde auf halten ſoll, göttliche Ehre. Sie
beten keine Bilder, Todte, bimmliſche Körper, boͤſe
Re oder irgend ſonſt ein Geſchoͤpf an.
Drittens halten die Indier, nach den Grund⸗
fäßen der jüdifchen Theokratie, die Gottheit ie das j
unmittelbare Oberhaupt ihres Stammes. \
Viertens, die Juden glaubten, daß Gott ſich der
Engel zur Ausrichtung ſeiner Befehle bediene, und
die Judier glauben, daß die hoͤhern een von
enn, Geiſtern bewohnt werden.
Fuͤnftens, die indiſche Sprache und ihre Mund,
Ma ſcheinen vollig den Ton und die Wendungen
der hebraͤiſchen Sprache zu haben. Ihre Woͤrter
und Redensarten ſind kurz, nachdruͤcklich, wohl⸗
klingend und kuͤhn, und baben oft die naͤhmlichen
Buchſtaben und Bedeutungen, wie die hebraͤiſchen.
11 Sechſtens en ſie bie MR Saiten
er die Juden. |
as Siebentens, haben ſie ch 5 Beyſpiele ve .
Ju en ihre Propheten, Hoheprieſter und en f
tesdi ienſtlichen Ordnungen. eee
Achtens, find ihre Feſte, Faſten, u gottes⸗
Fienſtlichen Feierlichkeiten den juͤdiſchen ſehr ahnlich.
Neuntens haben die Indier, ehe ſie einen Krieg
anfangen, Ceremonien, zur Reinigung und Faſten⸗
e ſo, als es die Juden thaten. eg
Carvers Reiſen. MM Zehn.
178-
ara nden ſie einen Geschmack n den
Gchmlichen Zierathen, und machen auch noch wirk⸗
lich Gebrauch von A die 105 den Wenden 9
fall fanden.
Dieſe und viele ahnliche e führt Pe
Adair zur Behauptung feiner Meinung an, allein.
ich ſollte doch denken, daß die Indier, wenn ſie
wirklich von den Juden abſtammten, unter ihren
gottesdienſtlichen Ceremonien, auf deren Aehnlich⸗
keit er doch hauptſaͤchlich zu bauen ſcheint, gewiß die
Beſchneidung wuͤrden beybehalten haben, von der
man nicht die geringſte Spur bey ihnen antrifft.
Ss zahlreich und fo verſchieden find die Meynun⸗
gen der bisherigen Schriftſteller über dieſen Cegens
ſtand. Ich werde mich aber nicht dabey autumn
ſie mit einander zu vereinigen, oder zu zeigen worin
ein jeder irre, ſondern jetzt meine eigne Meyn ung
uͤber den Urſprung der Amerikaner vortragen.
Sie beruhet auf Folgerungen, die ich aus den vor⸗
nehmſten Gruͤnden der angeführten Schriftſteller
und meinen eignen Beobachtungen hergeleitet habe,
und meine Leſer moͤgen ſelbſt beurtheilen, in wie
ferne ſie richtig oder ungegruͤndet ſind.
Um meine Muthmaßungen in dieſemStuͤcke deſto
deutlicher verſtellen zu koͤnnen, ſo halte ich es erſt
fuͤr , „ bis eue zwiſchen Amerika
riet | 9 0 Ad
0
und den Theilen der bewohnten Erdku gel, die in
ren liegen, zu beſtimmen.
Das feſte Land von Amerika ſcheint, allen Unter⸗
Parse zufolge, die man bey den Polen ange⸗
ſtellt hat, völlig von den andern Theilen der Welt 0
getrennt zu ſeyn. Der Theil von Europa, der
ihm am nächften koͤmmt, iſt die Kuͤſte von Groͤn⸗
land, die ungefähr unter ſiebenzig Graden Norder⸗
breiteliegt, und ſich bis auf zwölf Grad von der Kuͤſte
von Labrador erſtreckt, die auf der nordoſtlichen
Grenze dieſes Welttheiles ſich befindet. Die Kuͤſte
von Guinea iſt der naͤchſte Theil von Afrika, und
liegt ungefähr acht hundert und ſechszig Meilen
nordweſtwaͤrts von Braſilien. Die oſtlichſte Kuͤſte
von Aſia, die ſich bis an das Meer von Korca ge⸗
gen Norden von China erſtreckt, laͤuft nordoſtwaͤrts
vor der oſtlichen Tatarey und Kamſchatka vorbey,
bis an Siberien, in einer nordlichen Breite von
ungefaͤhr ſechszig Graden. Gegen ſie erſtreckt ſich 5
die weſtliche Kuͤſte von Amerika, von Kalifornien
bis an die Straße von Annian, faſt nordweſtwaͤrts,
und liegt ungefaͤhr unter dem chen un Woiaugfen 5
nde der naͤhmlichen Breite. e
Oh: fich das feſte fand von Amerika. welter nach
Norden ausdehne, als dieſe Straße, und ſich mit
0 den ache Theilen von Aſia vereiniger wie einige ö
. von
180
von den vorhin angeführten Schriſtſtellern behaur⸗
ten, oder ob das Land, das dazwiſchen entdeckt
worden iſt, blos ein Haufen von Inſeln ſey, die
ſich gegen das gegen uͤberliegende Land zu —
iR bisher. noch nicht vollig ausgemacht. ind |
Da aber ſo viel gewiß iſt, daß viele geoße Juſeln
zwischen den aͤuſſerſten Theilen von Aſia und Ame⸗
rika liegen, z. E. Japan, Yefooder Pedſo, Gama's
Land, Behrings Inſel, und viele andre Inſeln,
die Tſchirikow entdeckte; und da auſſer dieſen vom
funfzigſten Grade Norderbreite noch ein Haufen von
Inſeln vorhanden zu ſeyn ſcheint, der bis nach Si⸗
berien hinauf reicht, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß
Amerika, dem ſie ſo nahe liegen, ſeine erſten Ein⸗
wohner daraus erhielt. Dieſer S Schluß ſcheint mie
der vernuͤnftigſte zu ſeyn, den ich daraus folgern
kann, wenn man annehmen darf, daß dieſer Theil
der Welt, ſeit der Zeit, daß ſeine erſten Bewoh⸗
| ner ſich darin feſtſetzten, keinen auſſerordentlichen
unnd plötzlichen Veränderungen, in ſeiner Lage und
Oberflache, durch Ueberſchwemmungen „Erdbe⸗
ben, oder andre Zufaͤlle, von denen wir jetzt nichts
wiſſen, iſt unterworfen geweſen.
Mir koͤmmt es hoͤchſt unwahrſcheinlich vor / daß
es aus verſchiednen Welttheilen uͤber das Meer her
ſollce bevölkert worden 4 wie einige behauptet
| baben.
90
=
181
haben. Da die bangen Schiffe ſo klein waren,
und da man den Gebrauch der Magnetnadel noch
gar nicht kannte, ſo laͤßt es ſich nicht denken, daß
irgend ein Volk ſich uͤber den unergruͤndlichen \
Ocean gewagt haben follte, um entfernte Lander
zu entdecken. Haͤtten ſie aber wirklich einen ſol⸗
chen Verſuch gemacht, oder waͤre Amerika durch
Schiffe, auf denen ſich deute von beyderley Geſchlecht
befanden, und die von ſtarken Oſtwinden uͤber das
atlantiſche Meer getrieben wurden, zuerſt bevoͤlkert
worden, iD müßten diefe: Koloniſten doch wenigſtens
noch einige Spuren von der Sprache des Landes,
aus welchem ſie kamen, beybehalten haben; und
dieſe Spuren wuͤrde man doch ſeit der Ankunft der
‚Europäer wohl ausfuͤndig gemacht haben. Auſſer⸗
dem ſcheint es ſonderbar, daß ſolche zufällige Aus⸗
wanderungen, wie einige zugeben, aus ber ſchied⸗
nen Gegenden ſich ſollten eraͤugnet haben.
Ueberhaupt bin ich nach den genaueſten Unter⸗
e und der reiflichſten Ueberlegung gewiß
verſichert, daß Amerika ſeine erſten Bewohner aus
Nordoſten uͤber den großen eben erwähnten Inſel⸗
baufen „und blos von dieſer Seite her erhalten habe. |
Allein dies konnte zu verſchiednen Zeiten und s
verſchiednen Gegenden geſchehn; aus der Tatarey,
us 8 „Japan oder Kamſchatka, da die Ein⸗
4 | 9 3 wohner
| wohner dieſer Sänder einander an Bildung, Ge⸗
ſichtsfarbe und Geſtalt ſehr aͤhnlich find; und viel,
leicht auch, ehe ſie einige Kenntniß von Kuͤnſten
und Wiſſenſchaften erlangten, ähnliche, Sitten,
Gebraͤuche, Religion und Sprache haben konnten.
Der einzige Unterſchied zwiſchen den Chineſern
und Tatarn beruht darauf, daß dieſe ein völlig
rohes, jene aber ein verfeinertes Volk ſind. Jene
legen ſich ſtark auf die Handlung, und wohnen in
Haͤuſern, die regelmäßige Dörfer und Staͤdte aus⸗
| machen; dieſe leben groͤßtentheils unter Zelten,
und ſchwaͤrmen hordenweiſe herum, ohne einen feſten
Wohnplatz zu haben. Selbſt die langen und blu⸗
tigen Kriege, die dieſe beyden Volker mit einander
fuͤhrten, haben dieſe angeerbte Aehnlichkeit nicht
auslöſchen koͤnnen. Die jetzige Familie der chine⸗
ſiſ ſchen Kaiſer iſt tatariſcher Abkunft, und wenn fie
nicht noch andre Rechte, als das Recht der Erobe⸗
rung haͤtten, ſo wuͤrde ein ſo zahlreiches Volk ſich
nicht leicht unter der Regierung von Auslaͤndern
ae verhalten .
Es iſt augenſcheinlich, daß eiuige von Ai Sit
ten und Gebraͤuchen der Amerikaner tatariſchen
ähnlich find, und ich zweiffe nicht, daß man in einem
kuͤnftigen Zeitalter, und vielelht bald, noch mit
| ien werde beſtimmen können, daß wahrend
eines
1 a
eines a ul den Tatarn in ebineſern |
ein Theil der Einwohner aus den nordliche
und ſich nach den vorerwaͤhnten Inſeln, und aus
ten fliehen. Hieraus entſtand vermuthlich die Aehn⸗
lichkeit der Indier mit allen dieſen Voͤlkern „und
gegen einander hegen.
und blos einen kleinen Zopf oben auf dem Wirbel
ſtehn laſſen. Die tatariſchen Kaiſer ſollen dieſen
70 Gebrauch den Chineſern auferlegt haben, als ſie
ſich dieſelben unterwarfen, und folglich iſt dies ein
Beweis „daß die Tatarn dieſe Gewohnheit hatten,
0 an Ton und Bedeutung, den chineſiſchen ähnlich
ſind. Die Chineſer nennen Sklaven Sbungo, und
“4 ie, wenigen Umgangs mit den Europäern am
n Pro⸗
vinzen aus ihrem Vaterlande getrieben worden; ey,
dieſen nach Amerika begeben habe. Jede von den
beyden Nationen erhielt vielleicht wechſelsweiſe die
Oberhand, und die Sieger mußten vor den Beſieg⸗
die Feindſchaft N die ſo een ihren Staͤmmen
Mir ſcheint es ein deutlicher Beweis von 4
Aehnlichkeit der Indier mit den Chineſern zu ſeyn,
daß ſie ſich das Haar abſcheeren oder ausreiſſen,
von d denen die Amerikaner fie, bb: wie die FE
annahmen. |
Auſſerdem haben bie Onbier viele Wörter, N die
die Nadoweſſtſchen Indiern, deren Sprache wegen
N Mi wenige.
184 | f
wenigſten verdorben iſt, heißen einen Hund Schan⸗
guſch. Jene nennen eine Art von ihrem Thee
Schauſong und dieſe ihren Toback Schauſaſſa.
Sonſt haben noch viele andre indiſche Woͤrter die
Silben eſche, tſchau und tſchu, die der chineſiſchen
Sprache eigen ſind. cee
Vielleicht würde man auch eine Aehnlichkeit in
den Sprachen der Tatarn und eigentlichen Ameri⸗
kaner entdecken, wenn wir fie fo gut kennten, als
wir die chineſiſche durch den Handel mit dieſer
Nation haben kennen lerntn :
Ich werde in dieſen Muthmaßungen durch die
Nachrichten von Kamſchatka, die auf Beſehl dern
Kaiſerinn ven Rußland vor einigen Jahren bekannt |
gemacht wurden, noch beſtaͤrkt. Der Verfaſſer
davon ſagt, daß das Meer zwiſchen dieſer Halbinſel
und Amerika voller Inſeln ſey, und daß die Ent⸗
fernung zwiſchen Tſchukotſtoi⸗Noſs, einem Vor⸗
gebürge, das am aͤußerſten Ende dieſes Landes
liegt, und der Kuͤſte von Amerika nicht mehr
als drittehalb Grade eines großen Kreiſes betrage;
und daß es ſehr wahrſcheinlich ſey, daß Aſia und
Amerika hier einmal zuſammengehaͤngt haben, da hr
beyde Kuͤſten Buchten und Vorgebuͤrge haben,
die in einander zu paſſen ſcheinen. Außerdem ſind N
die Einwohner beyder Theile einander an Geſtalt, „
5 | 0 e,,
185
Kle Wei „Sitten und Nahrung vollig gleich.
Ihre Sprache ſcheint zwar nicht die naͤhmliche zu
ſeyn, aber die Einwohner eines jeden Diſtrikts von
Kamſchatka reden eine Sprache, die von einander
eben ſo unterſchieden iſt, als von der, die auf der
gegenuͤber liegenden Kuͤſte geſprochen wird. Hiezu
kommt noch, daß die Boote der Einwohner jauf
beyden Kuͤſten einander vollig ähnlich find, und daß
die Bewohner dieſes Theils von Amerika Wein
und Toback gar nicht kennen, welches er als einen Be⸗ |
weis anſieht, daß ſie bisher mit den Europäern noch
keine Gemeinſchaft gehabt haben. Alle dieſe Gruͤnde
ſollen ſeiner Meynung nach faſt ganz gewiß bewei⸗
ſen, daß Amerika von dieſem mu von Pe. aus 75
ii bevoͤlkert worden. 8
Die Grenzen dieſes Buches erlauben mir 115 |
mich länger bey dieſem Gegenſtande aufzuhalten,
oder noch andre Beweiſe fuͤr meinen Satz anzu⸗
führen. Ich bin jedoch fo ſehr von der Gewißheit
deſſelben überzeugt, und ich habe mir fo viele Muͤhe
gegeben, alle Gruͤnde zu ſeiner Unterſtuͤtzung zu
ſammlen, daß ich einſt gegen eine Geſellſchaft von
Pr vatperſonen, die aufmerkſam auf ſolche Unter⸗
ſuchungen waren, und denen ich meine Gedanken
uͤber dieſen Punkt mitgetheilt hatte, mich erbot,
mit sehbeiger Unterſtuͤtzung eine Reiſe durch die
u Ä | M . nord⸗
Be
** 9
we SR nf
nn a
nordoſtlchen Theile von Europa und Aſia nach
den innern Theilen von Nordamerika, und von
dort zuruͤck nach England zu thun. Meine Abſicht f
war, ſo wie ich weiter reiſte, uͤber die Sprache und
Sitten eines jeden Volkes, das mir auf ſtoßen
würde, ſolche Beobachtungen anzuftellen, als zur
Erlaͤuterung meines Satzes, und zur Befriedigung
wißbegieriger! Leute dienen koͤnnten. Allein da man
— glaubte, daß ein ſolches Unternehmen mehr eine
Unterſtuͤtzung von der Nation, als von Privat⸗
perſonen bedürfte, ‚ fo kam es ache damit zur Aus⸗
fuͤhrung.
Ich freue Mich, daß diese Schlüſſe, wor
ich ſie entworfen hatte, mit der Meynung des
großen und beruͤhmten Geſchichtſchreibers, Dr.
Robertſon, uͤbereinſtimmen, und ob ich gleich mit
ihm einraͤumen muß, daß die Unterſuchung ihrer
Beſchaffenheit noch ſo dunkel und verwickelt iſt,
daß meine Muthmaßungen nichts als Muthmaßun⸗
gen und keine ſichere Schluͤſſe find, fo haben ſie
doch ſo mehr Wahrſcheinliches, als die Meynung
derer, die glauben, daß Amerika ſeine r ge
von einer andern Seite her erhalten habe. a |
Eine Stelle, die Dr. Robertſon aus den Tage⸗
Kir von Bering und Tfehirifom, die ungefähr
Tat von Kamſchatka e ene 2 u
h ein
N: 5 187
ein großes Gewicht zu haben, und meinen Grün |
den neue Feſtigkeit zu geben. Dieſe, Befehlshaber
richteten ihren Lauf nach Oſten, und entdeckten
Land, das ſie fuͤr einen Theil des feſten Landes von
Amerika hielten, und daß nach ihren Beobachtun⸗
gen einige Grade von der nordweſtlichen Kuͤſte von
Kalifornien gelegen zu haben ſcheint. Sie hatten
etwas Umgang wit den Einwohnern, die ihnen
Nordamerikanern ähnlich zu feyn ſchienen. Sie
boten den Ruſſen den Kalumet oder die Friedens⸗
pfeife an, die bey allen Nordamerikaniſchen Bols
kern ein Sinnbild des Friedens, und eine ihnen
eigne willküͤhrlich eingeführte Gewohnheit it...
Einer von den Gründen, welche dieſer unvers
N gleichfiche Schriftſteller für feine Meynung anfuͤhrt,
zeugt ebenfalls von großer Beurtheilungskraft und
iſt beynahe ganz uͤberzeugend. Er ſagt: wir koͤn⸗
nen es als einen gewiſſen Grundſatz bey dieſer Unter⸗
ſuchung annehmen, daß Amerika von keinem Volke
aus der alten Welt, das ſchon einen betraͤchtlichen
Fortgang in ſeiner Verfeinerung gemacht hatte,
9 erſten Bewohner erhalten habe. Die Ein⸗
e ah ne: der neuen Welt en ch in einem *
Selbſt d den
geſit⸗
. . e zur 3 een
-
\
188 re
geſitteſten Voͤlkern von Amerika fehlten viele von
den einfachen Erfindungen „die in andern em
faſt zugleich mit der menſchlichen Geſellſchaft ent⸗
ſtanden, und die ſchon in den erſten Zeitpunkten
des bürgerlichen Lebens bekannt waren. Dies be⸗
weiſt offenbar, daß die Stämme, die zuerſt nach
Amerika kamen, zu Voͤlkern gehörten, die eben fo
roh und unwiſſend waren, als ihre Nachkommen⸗
ſchaft, wie die Europaͤer zuerſt mit ihnen bekannt
wurden. Hätten die Wilden in Amerika, oder
ihre Vorfahren, je den Gebrauch des Eiſens ge⸗
kannt, hätten fie ſich je eines Pfluges, eines Wer
berſtuhles oder einer Schmiede bedient, ſo wuͤrde
der Nutzen dieſer Erfindungen ſie erhalten haben,
und es wuͤrde unmöglich für fie geweſen feyn, fie
ganz zu vage 0 BR zu vernachlaͤßigen. 555
x J 0 4 a 1 7 N
ERTEILT * >
* — —
N „
1 Zbweytes Kapitel.
Von ben „dien ſelbſt, n Kleidung u. 0 w.
we...
\ \
on der geit an, da ſch die Franzoſen in Ka⸗ |
nada zuerſt n iederließen, bis zum Jahre 1760,
da es die Engfänder eroberten, haben verſchiedne
von dieſer Nation, die in die innern Theile von
de reiſten, um mit den Indiern zu han⸗
deln,
deln, oder fie zu ü Nachrichten v
Lebensart, den Sitten und eee der In
bier befannt gemacht. non 0
Die vornehmſten davon ost nd Vater budwig Bu N
a Her Charlevoix und der Baron la Hontan.
Der erſte gab vor vielen Jahren einige gruͤndliche
Betrachtungen heraus, wozu er von den Karten
und Tagebuͤchern des ungluͤcklichen Herrn de la
Salle, der auf ſeinen Reiſen von ſeinen eignen
Leuten ermordet ward, viel neuen Stoff erhielt.
Viele, die Indier betreffenden wichtigen Umſtaͤnde
hat Vater Hennepin aus dieſen Tagebuͤchern ge⸗ |
nommen; doch beſaß er ſonſt in vielen Stuͤcken
lange nicht die Kenntniſſe, welche er durch ſeinen
N langen A ufenthalt bey den Indiern haͤtte erlangen
koͤnnen, auch ſind ſeine Berechnungen und ſelbſt
* Nachrichten nicht ümimer richtig
Die Beſchreibungen der beyden andern, vor⸗
züglich die vom Herrn Charlevoix, find in der Erd⸗
beſchreibung ſehr unrichtig, und viele von den Ge⸗
nn des Barons la Hontan vollig fabelhaft.
Einige von den Jeſuiten, die bisher dieſe Ge⸗
Jaden bereiſten, haben ebenfalls uͤber dieſen Ge⸗
genſtand geſchrieben. Allein da wenige oder gar
keine von ihren Schriften ins Engliſche uͤberſetzt
1 fad, er können nur wenige bey uns einigen Nutzen
| 1 daraus
5
daraus ſchoͤpfen. Ueberhaupt enthalten fie auch
nicht viel Wichtiges, da ſie ihre Beobachtungen
groͤßtentheils auf die Religionsgrundſaͤtze der Wil⸗
den, und die Art einſchraͤnkten, auf we ſie ine
Bekehrung zu bewuͤrken füchren. N
Seit der Eroberung von Kanada haben uns *
; einige: von unfern Landsleuten, die unter den J In⸗
diern lebten, und ihre Sprache lernten, ihre Be⸗
merkungen mitgetheilt; allein da ihre Reiſen ſich |
| nicht bis in die innern Gegenden erſtreckten, von
denen ich handle, ſondern ſich bloß auf die Voͤlker⸗
ſchaften einfchränften, die nahe bey unſern Pflan⸗
zungen wohnen, ſo kann man keine Kenntniß von
den wahren und unverfaͤlſchten Sitten und Ge
braͤuchen der Indier bey ihnen erwarten.
Die füdfichen und übrigen Staͤmme, die einen
3 beftändigen Umgang mit den Franzoſen oder Enge
laͤndern hatten, koͤnnen ihre Sitten und Gewohn⸗
heiten unmöglich in ihrer völligen Reinheit erhal⸗
ten haben. Sie konnten es nicht vermeiden, die
Laſter und ſelbſt die Sprache derer, mit welchen
ſie umgiengen, anzunehmen, und der Hang zur
Trunkenheit „wozu fie durch die vielen ſchaͤdlichen
Getraͤnke, welche die Europäer unter ihnen eins
führten, hauptſäͤchlich angereizt wurden, verurſach⸗
ten eine gaͤnzliche Veraͤnderung in nähen Karakter.
Bey
191
Ben dieſen trift man folglich bloß ein verwirrtes BR
Gemisch von Gebraͤuchen und Grundſätzen an.
Ihre wahren und unverſtellten Sitten kann man
bloß bey denen kennen lernen, die wenig Gemein⸗
ſchaft mit den Provinzen hatten. Ich fand ſolche
Indier vorzuͤglich in den nordweſtlichen Gegenden,
und ſchmeichle mir daher / im Stande zu ſeyn, eine
richtigere Nachricht von dem unverfaͤlſchten Zu⸗
ſtande ihrer Sitten und Lebensart geben zu koͤnnen,
als man in den bisherigen Schriften antreffen wird.
Meine Beobachtungen erſtrecken ſich uͤber dreißig
Voͤlkerſthaften, wovon ſich zwar die meiſten durch
ihre Sprache unterſcheiden, aber doch einander an
Sitten ſehr aͤhnlich ſind. |
Da es meine Abſicht nicht ift, ein oöliges bei 4
regelmäßiges Syſtem von der gebensart der Indier
zu geben, ſondern bloß ſolche Umſtaͤnde davon an⸗
zuführen, ‚ die ich für beſonders merkwuͤrdig halte,
und die man eben bey andern Schriftſtellern nicht
en ſo muß ich meine Leſer um Verzeihung
bitten, daß ich nicht in gehbriger erh 8270
weitlaͤuftiger davon handle.
Mir ſcheint es nicht, daß die indischen Völker
ſchaften an Geſtalt, Farbe oder Leibesbeſchaffen⸗
heit von einander ſo ſehr unterſchieden ſind, als
Ne * behaupten. Sie ſind größten
theils
N aus * 2 r 8
2 a) r . 7
eheit ſchlank, etwas groß und gut gewachſen.
Man trifft ſelten Verwachſene unter ihnen an.
Ihre Haut hat eine roͤthliche Kupferfarbe. Ihre
Augen ſind groß und ſchwarz, und ihr Haar hat
dieſelbe Farbe, doch iſt es nur ſelten kraus. Sie
haben gute Zaͤhne ‚und ihr Athen riecht ſo gut,
als die Luft die fie einarhmen. Ihre Wangen⸗
knochen ſtehn etwas hervor, doch mehr bey den
Frauensleuten, als bey den Männern. Die
Frauensleute ſind nicht völlig ſo groß, als die
europaͤiſchen, aber man trifft häufig gute Geſichter
und einen huͤbſchen Wuchs bey ihnen an, un⸗
geachtet ſie leichter fett werden; als das 0
Geſchlecht. | Ä 8
Ich werde mich auf keine — 8
gung einlaſſen, ob die Indier die Farbe ihrer
Haut der Natur, der Kunſt oder dem Himmels⸗
| ſtriche, unter welchem fie leben, zu danken haben.
Mir ſcheint es zwar glaublich, daß ſie dieſe Farbe
N urſpruͤnglich von der Natur erhalten haben, allein
ich wage es nicht, zu entſcheiden, zu welcher Zeit
ſich die Veranderung ereignete, die man jetzt in
der Farbe und den Zuͤgen ſo vieler Nationen an⸗
trifft, wenn der Europaͤer ſeine Weiſſe, der Afri⸗
kaner feine Agathſchwaͤrze, und der Amerikaner
n HAfuse Pre, oder welche die erſte |
. Ä
„ | „
Farbe der Menſchen war, und welche den hoͤchſten
Grad der Vollkommenheit beſitze. .
Viele Schriftſteller behaupten, daß die Iudier
Er in ihren reifſten Jahren blos Haare auf dem
Kopfe haben, und daß ungeachtet der Menge, 0
womit dieſer Theil bedeckt iſt, alle übrigen Theile,
wo man ſie bey den Europäern antrift, voͤllig das
von frey bleiben. Selbſt Doktor Robertſon hat
ſich durch ihre falſchen Vorſtellungen verleiten
laſſen, „ dieſen Irrthum weiter zu verbreiten, und
da er von der Richtigkeit der Beobachtung uͤber⸗
zeugt zu ſeyn glaubte, verſchiedne Folgerungen in
Abſicht auf ihre körperliche Stoͤrke und Geſundheit |
daraus hergeleitet „deren Ungrund ſich aber jezt
von ſelbſt zeigt. Denn ich kann ſicher behaupten,
da ich mich durch genaue Unterſuchungen und meine
eignen Augen davon uͤberzeugt habe, daß alle Be⸗
hauptungen dieſer Schriftſteller i in dieſem E Stuͤcke 5 8
falſch ſind, und von dem Mangel einer völligen
Kenntniß der Gebräuche der Indier herruͤhren.
In dem männlichen Alter werden die Körper der
Indier, wenn man ſie der Natur uͤberlaͤßt/ eben 5
ſo gut mit Haaren bedeckt, als bey den Europäern. 0
Die Maͤnner glauben, daß ein Bart ſehr verun⸗
ſtalte, und wenden daher viele Muͤhe an, ſich da⸗
von zu befreyen, und man wird nicht leicht Spu⸗
Carver Reifen. N en
en * 17
1 18 * 2 R *
n
ren davon bey ihnen antreffen, ausgenommen bey
alten Leuten, die ſich um ihren Putz nicht ſehr
mehr bekuͤmmern. Eben ſo halten ſie jeden andern
Auswuchs von Haar auf ihrem Koͤrper fuͤr haͤß⸗
lich, und beyde Geſchlechter wenden viele Zeit auf
die Ausrottung deffelben.
Die Nadoweſſter und die übrigen entfernten Nas
| tionen reiffen es mit krumgebogenen Stuͤcken von
hartem Holze aus. Die Indier hingegen, die Ge⸗
meinſchaft mit den Europaͤern haben, ſchaffen ſich
Drath von ihnen an, und machen daraus eine Art
von Schraubengang oder Wurm, den ſie irgend⸗
wo an den Leib ſetzen. Sie druͤcken die Ringe darauf
zuſammen, und reiſſen mit einem ploͤtzlichen Zuge
alles Haar aus, was ſie dazwiſchen gefaßt hatten.
Die Mannsperſonen bey allen Volkerſchaften
unterſcheiden ſich durch ihren Anzug nur wenig von
h einander, diejenigen ausgenommen, die mit den
1 0 Europaͤern handeln, und ihr Pelzwerk gegen Decken,
Hemde und andre Zeuge vertauſchen „deren ſie
ſich ſowohl zum Putz, als zur nothwendigen Klei⸗
dung bedienen. Sie binden ungefaͤhr dreyviertel
Ellen breites Tuch mit einem Guͤrtel um die Mitte
des Koͤrpers, und die, welche Hemden tragen,
binden ſie ſo wenig um das Handgelenke, als um
den e zu, weil ihnen dies eine unertraͤgliche
Ein
ſcheidet verſchiedne Nationen von einander.
„ i195
Einſchränkung ſeyn wuͤrde. Sie werfen ihre Decke
los uͤber die Schultern, und halten die obere ite
davon bey den beyden Zipfeln, dabey tragen ſie ein
Meſſer in einer Hand, und eine Pfeiffe, einen To⸗
backsbeutel, u. d. m. in der andern, und fo gehn
fie in ihren Dörfern oder Lagern herum. Bey
ihrem Tanze tragen ſie ſelten Decken.
Diejenigen unter den Mannsperſonen, die fich Ä |
‚ein jugendlicheres Anſehn geben wollen, reiſſen ſich
alles Haar aus dem Kopfe, einen Zopf oben
auf dem Scheitel ausgenommen, der ungefaͤhr eine
Stelle wie ein Gulden groß, bedeckt, und den ſie
ziemlich lang auswachſen laſſen. An dieſen Zopf
"hängen fie Federn von verſchiednen Farben, und
kleine Staͤbe von Elfenbein und Silber. Dieſe
Art, das Haar zu ſchneiden und zu verzieren, unter⸗
Sie bemahlen ihr Geſicht ſchwarz und roth, und
glauben, daß ihnen dies ſehr ſchoͤn ſteht. Sie be⸗
mahlen ſich auch ſonſt noch, wenn ſie in den Krieg
ziehn, doch bemahlen ſie ſich alsdenn auf eine andre
Art, als wenn ſie es bloß zur Zierde thun. 4
Die jungen Indier ſpalten ſich den aͤuſſern Rand
von beyden Ohren, wenn ſie ihre Gefaͤhrten an Putz
uͤbertreffen wollen, doch nehmen ſie ſich ſehr in Acht,
* nicht ganz e e ſondern laſſen das
N 2 e Fleiſch
! N
Fſeiſch an benden Enden feſtſtzen, und durchſchnei⸗
den nur die dazwiſchen liegenden Theile. Um dieſen
abgeſteckten Knorpel wickeln ſie von oben bis unten
Meſſt ingdrath, bis das Gewicht davon den getrenn,
ten Rand i in einen Bogen zieht, der fuͤnf bis ſechs
Zoll i im Durchmeſſer hat, und bis auf die Schul⸗
tern herabhängt. Dieſe Zierde wird fuͤr ſebr abe)
und anſtaͤndig gehalten.
Es iſt ebenfalls eine ziemlich gemeine e Gettobn⸗
beit bey ihnen, fich die Naſe zu durchbohren, und
haͤngen; und dieſer Theil, der an der Auſſenſeite
verſchiedne Arten Gehaͤnge darinn zu tragen. Ich.
bemerkte, daß Seemuſcheln in den infändifchen
Gegenden häufig getragen, und für eine große
Zierde gehalten wurden, allein ich konnte nicht er;
fahren, wo ſie ſie herbekamen. Vielleicht erhielten |
fie diefelben durch den Handel mit e die
naͤher bey der See wohnten. e
Sie bedecken ihre Schenkel gar nicht, wenn man
das Tuch um den Mittelleib ausnimmt, das bis
auf die Hälfte der Schenkel herab haͤngt. Fuͤr die
Beine machen ſie eine Art Struͤmpfe aus Fellen
oder Tuch. Man naͤhet ſie ſo eng, daß ſie ſich
’
nur eben an- und abziehn laſſen. Sie laſſen den
Rand des Zeuges, woraus ſie gemacht ſind, an
der Math ſitzen, und ungefähr eine Hand breit los
des
. | 197
Pe Beins fi befindet, wird 1 den Ser, die
mit den Europäern handeln, gewöhnlich mit Band
oder Spitzen, wenn die Strümpfe von Tuch find,
und wenn fie von leder ſind, mit Stickerey und
bunt gefärbten Stacheln von Stachelſchweinen aus⸗
| geziert. Fremde, die unter den Indiern in Ge⸗
| genden auf die Jagd gehn, wo es viel Schnee giebt, 5
| finden dieſe Strümpfe weit been als andre
Struͤmpfe. win,
Ihre Schuhe machen ſie aus Reh⸗ Elendifiers
| oder Buͤßfelhaͤuten. Zuweilen ſind ſie auf euro⸗
i paͤiſche Art zubereitet, und zuweilen laſſen ſie das
Haar darauf ſitzen, wenn ſie Schuh daraus zu⸗
| ſchneiden, die leicht ſitzen und ſehr bequem zum Gehn ö
| ſind. Der Rand um die Knochel iſt mit Stuͤcken
von Meſßſi ing oder Zinn ausgeziert, die an ledernen
ungefähr. einen Zoll langen Schnuͤren haͤngen, und
die, wenn ſie dicht an einander ſitzen, eben kein
4 unangenehmes Geräufi 05 machen 1 wenn u: gehn
oder tanzen. i 1
Die Frauensleute tragen eine Art von Bedek⸗
kung, die vom Halſe bis auf die Knie heruntergeht. g
Bey den Indiern, die mit Europaͤern handeln,
25 tragen ſie eine Art von leinenen Hemden, fo wie
die Männer, und wovon die Enden über den Rock
ö een Sonſt machen ſie fh, wenn fie ſich
„ noch
N
„
ö * N. 2
2 Ne ech
198
noch nach der alten Mode tragen, eine Art von
ledernen Hemde, das bloß den Koͤrper, aber nicht |
die Arme bedeckr. Ihre Roͤcke find entweder von
$eder oder von Tuch, und reichen von den Huͤften
bis an die Knie. An ihren Fuͤßen tragen ſie Struͤmpfe
und Schuh, die eben ſo gemacht und dus gezſeßt
fi nd, als bey den Mannsperſonen.
ee unterſcheiden ſich von einander in der Art
ihren Kopf aufzuputzen, da eine jede der Gewohn⸗
heit folgt „die bey der Nation oder dem Stamme,
wozu ſie gehoͤrt . uͤblich iſt, und ſie haben noch die |
naͤmliche Mode, die bey ihren Vorfahren vor un⸗
denklichen Zeiten herrſchte.
Ich bemerkte, daß die meiſten von den Frauens⸗
leuten auf der Oſtſeite des Miſſtſippi ihre Haare
entweder in Baͤnder einflechten, oder zwiſchen
Platten von Silber binden; doch thun dies letztere,
da es ſehr koſtbar iſt, nur Frauensperſonen vom
Stande. Das Silber, das ſi e dazu gebrauchen,
wird in duͤnne Platten geſchlagen, die ungefähr
vier Zoll breit ſind, und wovon ſie verſchiedne brau⸗
chen, ihr Haar einzuwickeln. Die Platte, die zunaͤchſt
am Kopfe ſitzt, hat eine beträchtliche Größe, die
zweyte iſt etwas ſchmahler, und geht zum Theil unter
die erſte hinunter; und auf dieſe Art befeſtigen ſie
ſie in en und N ſie immer enger, bis tief
auf
auf den Ruͤcken herab. Da das Haar der Indier
immer gewohnlich ſehr lang iſt, ſo 1 dieſe Node
dadurch ſehr koſtbar. | #
Die Frauensleute auf der Weſtſeite des Mit 3
sept theilen ihr Haar auf der Mitte des Kopfs in |
zwey Zöpfe, die gegen die Ohren zu berabpaͤngen. 8
Dieſe Zoͤpfe find ungefähr drey Zoll lang und wie
ein Arm dick. Sie haͤngen ſenkrecht vor beyden
Obren herunter, und reichen bis an wa 3
En davon.
Die Frauensperſonen von allen een
machen gewoͤhnlich einen Fleck von Schminke, wie
ein Speciesthaler groß, unten ans Ohr; einige
färben ihr Haar, und zuweilen auch eine Stelle
auf der Stirn. |
Ueberbaupt wenden die FRE mehr Aufmerk⸗
ſamkeit auf ihre Kleidung und ihren perſ ſönlichen
Putz, als auf die Bequemlichkeit in ihren Hütten
oder Zelten, die ſie auf e . und leichte
Art anlegen. |
Sie wählen ſich Pfaͤhle abe: Etangen von ges
böriger Länge, „und binden zwey davon immer an
ihren Enden ins Kreuz mit Baſt an einander.
Wenn ſie damit fertig find, ſo richten ſie ſie in die Hoͤ⸗
he, und ziehn ſie unten ſo weit auseinander, als es der
Aae Raum des Zeltes erfordert. Hierauf richten
e e
R j Nee en 9 5
200 ? N ITS
* Nr > R .
ſie mehrere von gleicher Länge auf, pn beſtſt⸗
gen ſie Pr: daß ſie den beyden Hauptpfaͤhlen zur
Stuͤtze dienen. Das Dach beſteht aus Reh⸗ oder
Elendshaͤuten, die zuſammen genaͤht werden, und
von denen ſie eine hinreichende Menge nehmen,
um die Pfaͤhle zu bedecken. Die Thuͤr beſteht in
einer Oefnung, uͤber die man ebenfalls ein Fell
ziehn kann. Es wird hiezu oft eine große Menge
Felle erfordert, da ihre Zelte ſehr geräumig find.
Das Zell des Hauptkriegers der Nadoweſſter hatte
wenigſtens vierzig Fuß im anke und war * |
lich bequem.
Sie ſchlagen ihr 1 obne ri geringe Ord-
nung auf, und ſtellen ihre Zelte grade auf die
Stelle hin, die ſie für, die bequemſte halten.
Auch die Hütten, welche ſie errichten, wenn ſie
auf ihren Reiſen keine Zelte brauchen, denn es
giebe überhaupt nur wenig Staͤmme, die einen
feſten Wohnplatz oder regelmaͤßige Doͤrfer und
Staͤdte hätten, find eben ſo einfach, und Ian
bald aufbauen. | |
Sie ſtecken kleine biegſame ee. in die Erde, |
und biegen fie, bis fie oben an einander ſtoßen,
und einen halbkreisförmige Bogen machen, und
binden fie zuſammen. Dieſe Stangen bedecken
ba mit Matten, die aus Schilf gelochten werden,
oder
>.
um
| oder mit Birkenrinde/ die ha in al Kanom zu
dieſem Gebrauche mit ſich Aren
Dieſe ‚Hütten haben weder Schornsteine ii
i genfter Sie faffen bloß eine kleine Oefnung mit⸗
ten im Dache „durch welche der Rauch hinaus
geht, die aber zugeſtopft werden muß, wenn es
ſtark regnet oder ſchneyet/ und Wan Ben Rauch |
Wer beſchwerlich macht.
Sie ſchlafen überhaupt auf Fellen, und . |
Bärenhäuten, die Reihenweiſe auf dem Boden aus⸗
gebreitet ſind. Wenn der Fußboden nicht groß
genug fuͤr Betten für die ganze Familie iſt, fo wird
ein Geruͤſte vier bis fünf Fuß hoch vom Boden er⸗
richtet, worauf die juͤngern Kinder liegen. |
Da die Wohnungen der Indier ſo ſchlecht find,
ſo baben ſie auch nur wenigen und einfachen Haus⸗
rath. Die Werkzeuge, die ſie zu ſeiner Verfer⸗
| tigung brauchen, find ſo ungeſchickt und ſchlecht,
daß es unmöglich iſt, fie. auch nur etwas huͤbſch
auszuarbeiten, und es wird dadurch eine ſo große 5
Zeit dazu erfodert, daß ſie von aller Handarbeit
x abgeſchreckt werden muͤſſen, wenn ſie abe Rupert
nothwendig i
Die Nadoweſſ er machen die Töpfe, worin A
| the Speiſe kochen, aus der ſchwarzen Thon: oder
i Steinatt, deren ich i in meinem Tagebuche erwahnt
i N 5 habe, 5
205 2
| bee) und die 0 bert if, daß weder Feuer 120
Eiſen daraufwuͤrken koͤnnen. Wenn fie einen Bra⸗
ten machen, es ſey nun ein großes Stuͤck oder gar
ein ganzes Thier, zum Beyſpiel ein Bieber, fo
befeſtigen fie ihn auf europäifihe Art an einem
Spieße von hartem Holze, und legen die Enden auf
gabelfoͤrmigen Stangen, und drehen ihn zuweilen
um. Wenn das Stuͤck kleiner iſt, ſo ſpießen ſie
es an auf die naͤhmliche Art, und befeſtigen den
Spieß in einer vertikalen Richtung, doch ſo, daß
das Fleiſch nach dem Feuer zuhaͤngt, und veraͤndern
oft die age, bis alles gehoͤrig gebraten iſt.
Sie machen ihre Schuͤſſeln und Schaalen, worin
ſie die Speiſen auftragen, aus den aſtigen Aus⸗
wuͤchſen des Ahornbaums und andre Bäume. Ihre
Löffel find ziemlich gut gearbeitet, da weit weniger
Arbeit dazu gehoͤrt, als zu größern Sachen. Sie
nehmen dazu eine beſondere Art Holz, die in Ame⸗
rika Löffelholz genannt wird, und Buchsbaumholze
ſehr ahnlich iſt.
Jeder Stamm iſt jetzt mit Meſſern und Feuer⸗
ſtahlen verſehen. Da dieſe Stuͤcke zu den gemein⸗
ſten Beduͤrfniſſen des Lebens fo nothwendig ſind,
ſo kaufen die Indier, welche keine unmittelbare Ge⸗
meinſchaft mit europaͤiſchen Handelsleuten haben,
203
ſie von ihren Nachbarn, die näher an den Kolonien
eee, und 3 eee men e
Drittes Kapitel.
Von Aan eee und en ene eee Indier. N
Wen die diſhen Frauensperſonen ſitzen, ſo
nehmen ſie eine anſtaͤndige Stellung an, und
halten ihre Knie dicht zuſammen, aber eben dieſe
| Stellung, an die fie ſehr gewöhnt find, macht, daß
fie ſchlecht gehn, und lahm zu ſeyn ſcheinen. *
Es giebt keine Hebammen bey ihnen, da der
Himmelsſtrich, unter dem ſie leben, oder eine beſon⸗
ders gluͤckliche keibesbeſchaffenheit ihren Beyſtand
unnoͤthig macht. Ihre Niederkunft haͤlt ſie nur
einige Stunden von ihren gewohnlichen Beſchaͤfti⸗
gungen ab, die gewohnlich ſehr ſchwer find, da die
Maͤnner, die einen ungewoͤhnlichen Grad von Traͤg⸗
heit beſttzen, ihnen alle harten Arbeiten uͤberlaſſen.
Selbſt auf der Jagd bringen die Maͤnner nie dass
Wildprett nach Hauſe, ſondern laſſen es durch ihre
Weiber holen, wenn es auch gleich e eine beträcht⸗ =
liche Strecke entfernt iſt.
Die Weiber legen ihre Kinder Hark 1c ibrer
Geburt auf Bretter, die mit weichem Moos, fo
| wie
204 Ä
wie man es in Suͤmpfen oder auf Wieſen antrifft,
bedeckt ſind. Das Kind liegt auf dem Ruͤcken, in
dieſer Art von Wiege, und wird in Felle oder Tuch
eingewickelt, um es warm zu halten. Damit es
nicht herunter fallen kann, fo find an beyden Seiten
da krummgebogene Stuͤcke Holz angebracht.
Dieſe Maſchinen werden mit Riemen an Baum⸗
zweigen aufgehängt, „oder wenn es feine Bäume
in der Naͤhe giebt, ſo binden ſie ſie an einen Klotz
oder Stein, wenn es ihre Geſchaͤfte erfordern.
In dieſer Lage werden die Kinder einige Monathe
lang erhalten. Wenn ſie heraus genommen wer⸗
den, ſo laͤßt man die J Jungen nackend lauſen, aber
die Maͤdchen werden vom Halſe bis an die Knie mit
einem Hemde und einem kurzen Rocke bedeckt.
Die indiſchen Frauensleute ſind waͤhrend lbrer
monachfichen Reinigung ungemein beſcheiden. Bey
| den Voͤlkerſchaſten, die von den europaͤiſchen Nies
derlaſſungen am weiteſten entfernt wohnen, find -
fie in dieſem Stuͤcke vorzüglich forgfältig. Doch
folgen ſie alle ohne Ausnahme einerley Serpofabeit
nur in verſchiednem Grade.
In jedem Lager oder Dorfe giebt es ein Simmer,
Soc ſich Verheyrathete und Unverheyrathete zu
dieſer Zeit begeben, und ſich mit der groͤßten Strenge
alles Umgangs, ſo lange als ſie dauert, enthalten.
8 en Nach⸗
205
Nachher reinigen ſie schl im flegenben Waſſer, und
8 kehren zu ihren verſchiednen Beſchaͤſtigungen zuruͤck.
Die Mannsperſonen vermeiden bey dieſen Gele⸗ f
genheiten allen U. ngang mit ihnen aufs ſorgfaͤltigſte,
und die Nadoweſſter ſind hierin ſo ſtrenge, daß ſie
nicht einmal erlauben, die nothwendigſten Dinge,
ſelbſt Feuer, von den Frauensleuten waͤhrend ihrer
monathlichen Entfernung zu hohlen, und wenn auch
der Mangel derſelben mit den größten Unbequem⸗
lichkeiten verbunden ſeyn ſollte. Sie haben ſo gar
den Aberglauben, wenn eine Pfeiffenröhre, die bey
ihnen von Holze ſind „ zerbricht F daß der Eigen⸗
thuͤmer davon fie entweder bey einem unreinen
Feuer angezündet, oder gar mit einer Frauens⸗
perſon waͤhrend ihrer Entfernung Gemeinſchaft ge⸗
pflogen habe, welches ſie für de e und
e haften.
Die Indier ſind ſehr berichtig und een
ee“ Wort und jede Handlung ſehr genau. Nichts
bringt ſie leicht in übermäßige Hitze, als der eins
gewurzelte Haß gegen ihre Feinde, der einmahl ſo
tief in ihrem Herzen liegt, daß es aͤuſſerſt ſchwer |
iſt, ihn völlig auszurotten. In jedem andern Falle
ſind ſie kalt und ſo behutſam, daß ſie nicht leicht
ihre eidenſchaften aͤuſſern. Wenn ein Indier ent⸗
b daß ein Freund in Geſahr . von einem,
den
206 |
den er beleidigt hat, umgebracht zu werden, ſo
ſagt er ihm nicht in deutlichen Ausdrucken, wie ge⸗
faͤhrlich es fuͤr ihn ſeyn wuͤrde, den Weg zu nehmen,
auf welchem ſein Feind ihm auf laurt, ſondern er
fragt ihn erſt kaltblütig, wohin er heute gehn wuͤrde; 3
und wenn er es erfaͤhrt, ſo ſagt er ihm mit der
naͤhmlichen Gleichguͤltigkeit, daß ein Hund nahe
bey dem Platze laͤge, der ihm ſchaden könnte. Die⸗
ſer Wink iſt hinreichend; und ſein Freund vermei⸗
det die Gefahr eben ſo ſorgfaͤltig, als wenn ihm
jede Abſicht und Bewegung feines Fein wäre
angezeigt worden. |
Dieſe naͤhmliche Kaltbluͤtigkeit Sufert ſich oft bey f
Gelegenheiten, welche ein fuͤhlbares Herz in die
groͤßte Waͤrme verſetzen wuͤrde. Wenn ein Indier
von ſeiner Familie und ſeinen Freunden viele Mo⸗
nathe auf einem Kriegs» oder Jagdzuge abweſend
geweſen iſt, und ſeine Frau und Kinder ihm eine
Strecke von ſeiner Wohnung entgegen kommen,
ſo geht er, anſtatt zaͤrtliche Empfindungen zu aͤuſ⸗
ſern, die in der Bruſt eines fuͤhlbaren Weſens ges
wiß entſtehn wuͤrden, feinen graden Gang fort,
0 ohne ſich um alle, die ihn umgeben, zu bekuͤmmern,
1 bis er nach Haufe kommt. a
| Hier ſetzt er ſich hin, und raucht feine Pfeiffe 1
mit der naͤhmſichen Gleichgüligkelt; als 0 er
| | inen
—
/
207
feinen Tag abweſend geweſen waͤre. Seine Be⸗
kannten, die ihn begleitet hatten, thun das nehm⸗
liche, und es waͤhret vielleicht etliche Stunden, ehe
er ihnen die Zufaͤlle erzählt, die ihn waͤhrend ſeiner
Abweſenheit begegneten, ſelbſt wenn er einen Vater,
einen Bruder oder Sohn auf dem Schlachtfelde
verlohr, über deſſen Tod er trauren ſollte, oder
wenn ihm das ganze Unternehmen fehlſchlug, das
ſeine Abweſenheit verurſacht hatte.
Wenn ein Indier etliche Tage auf der Jagd oder
bey einem andern muͤhſamen Geſchaͤfte zugebracht
hat, ohne ſeinen Hunger dabey ſtillen zu koͤnnen,
ſo nimmt er ſich doch ſehr in Acht, ſich etwas da⸗
von merken zu laſſen, wenn er in die Huͤtte oder
das Zelt ſeines Freundes kömmt „wo er feine Bes
duͤrfniſſe gleich befriedigen koͤnnte; ſondern ſetzt ſich
geruhig nieder, und raucht feine Pfeiffe mit fo vie⸗
ler Zufriedenheit, als wenn ihm nichts weiter
fehlte. Eben dies thut er bey Fremden. Dieſe
e Gewohnheit wird bey alten Staͤmmen genau be⸗
obachtet, da ſie fie für einen Beweis von Stand⸗
baftigkeit halten, und glauben, daß ſie den Nahmen
eines alten Weibes verdienen ah wenn fie
| das Gegentheil thaͤten. |
Wenn man einem Indier erzaͤblt, daß ſeine Kin⸗
der u 0. Ya gegen bie Omen bervorgethan, ſo viele
| getöbe
getodtet und ſo viele als Gefangene mitgebracht 15
haben, ſo ſcheint er eben keine ſehr große Freude
daruͤber zu empfinden. Seine Antwort beſteht ge⸗ \
woͤhnlich darin, “es iſt gut“, ohne ſich genauer nach
beſondern Umſtaͤnden zu erkundigen. Wenn man
ihm im Gegentheil ſagt, daß ſeine Kinder geblie⸗
ben oder gefangen ſind, ſo ruͤhrt ihn auch dies nicht,
ſondern er antwortet blos; ves thut nichts”, und
Fragt wahrſcheinlich, werigfiens imeinigerSeitgar 2
ö 2 wie es zugieng.
Dieſe ſcheinbare Gleichgültigkeit e jedoch 0
nicht von einer gaͤnzlichen Unterdruͤckung alles na⸗
tuͤrlichen Gefuͤhls her; denn ungeachtet man ſie
Wilde nennt, fo ſah ich bey keiner geſitteten Na»
tion größere Beweiſe von Kindes⸗ oder Vaterliebe;
und ungeachtet fie ihren Weibern nach einer langen
Abweſenheit mit einer folchen ſtoiſchen Unempfind⸗
lichkeit begegnen, ſo fehlt ihnen * en ganz
alle eheliche Zaͤrtlichkeit. x
Bey ihren Beſuchen betragen ſie ſch gleichels
auf eine ſonderbare Art. Wenn ein Indier eine
beſondre Perſon aus einer Familie beſuchen will,
ſo ſagt er gleich, wem er ſeinen Beſuch zugedacht
hat, und der uͤbrige Theil der Familie begiebt ſich
an das andere Ende des Zeltes oder der Hütte,
und nimmt ſich ſehr f in When ihnen Vicht ſo nahe
299 | u zu
| er 209
zu kommen, daß fie dadurch in ihrem Gefpräche
könnten unterbrochen werden. Eben fü machen ſie
es, wenn ein Mann eine Frauensperſon beſucht, nur
muß er ſich alsdann huͤten ‚ nicht Liebe zum Gegen⸗ 5
ſtande ſeines eee z machen, ſo lange es d
helle iſt. H
Die Indier koͤnnen eine Sache ungemein leich
begreifen, und lernen alles, wozu eine genaue Auf⸗
merkſamkeit gehört, ſehr bald. Sie erlangen durch
Uebung und ſcharfe Beobachtung viele Vollkom⸗
menheiten, die Europaͤern fehlen. So gehn ſie
zum Beyſpiele durch einen Wald oder eine Ebene
von zweyhundert Meilen Breite, und kommen ges
nau an den Punkt, den ſie ſich vorgeſetzt hatten,
ohne irgend einen betraͤchtlichen Umweg zu machen,
und es iſt ihnen vollig gleichguͤltig dabey, ob OHR
| Wetter heiter oder dunkel iſt. 95
Eben ſo genau konnen fie die Stelle 8
wo die Sonne am Himmel iſt, wenn ſie auch vollig
von Wolken und Nebel verſteckt wird. Sie füns
nen mit eben ſo großer Fertigkeit die Sp: uren von
Menſchen oder Thieren „auf Laub oder auf Graſe
ausſuͤndig machen, und daher entgeht ihnen auch
ein fli ehender Feind nicht leicht. |
Sie haben dieſe Eigenſchaften nicht bloß der Nas
ſondern einer auſſerordentlichen Schaͤrfe ihrer
Carvere Reifen, „„ Sim
we wi
SEAN
210 REST
Sinne zu danken, die ſich bloß durch eine unauf⸗
hoͤrliche dann und ee e erlan⸗
on. tape © i ne t 9)
Ihr Gedächtniß iſt ebenfals ſehn glücklich im
Behalten Sie koͤnnen jeden kleinen Umſtand an⸗
fuͤhren, der im Rathe vorgieng, und wiſſen genau
zu beſtimmen, wenn ein ſolcher Rath gehalten ward.
Ihre Wampumguͤrtel dienen dazu, ſich an das We⸗
ſentlichſte der Vertrage zu erinnern, die ſie mit
den benachbarten Staͤmmen vor vielen Jahren
ſchloſſen „und ſie beziehn ſich darauf mit eben ſo viel
Genauigkeit und Deutlichkeit, als es die n
auf ihre ſchriftlichen Urkunden thun koͤnnen.
Das Alter wird bey jeder Nation ſehr⸗ geht |
Der junge Indier port zwar den Rath feines Va⸗
ters mit vieler Gleichguͤltigkeit an; aber den Be⸗
fehlen ſeines Großvaters gehorcht er mit der groͤßben
Bereitwilligkeit. Die jungen hören auf den Rath
der aͤltern Mitglieder ihrer Verſammlung, als wenn
es Orakelſpruͤche waͤren⸗ Wenn ihnen auf der Jagd
ein ungewöhnlich gutes Wildpret aufſtoͤßt, ſo wird
es gleich den Alten zum Geſchenke dargebracht.
Sie haͤngen nie ihren Sorgen nach, ſondern
eben in einer ſteten Ruhe und Zufriedenheit. Da
ſie von Natur traͤgs find, ſo geben fie dic) keine bes
1 Mühe, " beffern oder reichlichern Unter⸗
Wee f 1118 5: sn halt |
halt zu verſchaffen, wenn fie ohne Mühe in der
Re gerade ſo viel finden koͤnnen, als ſie brauchen.
Ihre muͤßige Zeit bringen ſie mit Eſſen, Trin⸗
iin Schlafen oder Herumgehen in ihren Dörfern
| und Laͤgern zu. Zwingt ſie aber die Noth, gegen
einen Feind ins Feld zu ziehn, oder ſich Nahrung
zu verſchaffen, ſo ſind ſie thaͤtig und unermuͤdet.
Ich werde kuͤnftig bey der Nachricht von ihren Krie⸗
9 gen viele Beyſpiele davon anfuͤhren koͤnnen.
Der bethöͤrende Geiſt der Spielſucht iſt nicht
auf Europa allein eingeſchraͤnkt; auch die Indier
verſpielen oft ihre Waffen, ihre Kleidung und ſogar |
alle ihre Habſeligkeiten. Doch thun fie dies ohne
alles Murren und Fluchen, und tragen ihr Ungluͤck
mit einer philoſophiſchen Gleichmuͤthigkeit. u
BIN Ihr Hauptlaſter iſt ihre Grauſamkeit gegen ihre |
Feinde, die bey jeder andern Nation Schauder er⸗
regen würde. Aber eben fo freundſchaftlich, gaſt⸗
dey und leutſeltg find fie im Frieden. Man kannmit
Wahrheit von ihnen ſagen, daß fie die ſchlimmſten
ee und die beſten Freunde von der Welt find.
Die Indier wiſſen uͤberhaupt nicht, was Eifer
och iſt. Bey einigen Staͤmmen hat man ſelbſt
nicht einmahl den geringſten Begriff davon, da
ohnehin ihre jungen Leute ſelten die Tugend ver⸗
ene Frauensperſonen auf die Probe ſtellen,
. .
oder von dieſen gereißt werden. Demungeachtet
find die indiſchen Frauensperſonen ſehr verliebter
Natur, und es ſchadet ihrer Ehre gar nicht, wenn
ſie vor ihrer Heyrath ihrer teidenfihaft nachbaͤngen.
Als ich mich bey den Nadoweſſt tern auf hielt, ſo
bemerkte ich, daß ſie einer Frau mit ſehr viel Ehr⸗
erbietung begegneten, und erfuhr nach genauer Un⸗
terſuchung „ daß die Urſache davon ihr in Europa |
eine ewige Schande würde zugezogen haben.
Sie gab in ihrer Jugend ein ſogenanntes Reisfeſt.
Nach einer alten und faſt ganz verloſchnen Gewohn⸗
heit, bat ſie vierzig von ihren erſten Kriegern dazu,
und bewirthete fie alle, nachdem fie ſich mit Reis und
Wildfleiſch hinreichend geſaͤttigt hatten, mit einer
geheimen N achſchuͤſſel hinter einem Schirme, der in
der Mitte des Zeltes eigentlich dazu aufgeſtellt war.
0 Dieſe verſchwendriſche Gefaͤlligkeit zog ihr die
GBrunſt ihrer Gaͤſte „ und den Beyfall des ganzen
ee Stamms zu. Die jungen Indier fuͤhlten ihr auſſer⸗
5 ordentliches Verdienſt ſo ſehr, daß ſie mit einander
% um ihre Hand eiferten, und bald darauf ward ſie
an einen von ihren vornehmſten Anfuͤhrern verhey⸗
8 rathet, der ihr immer die größten Beweiſe u
N debe und Ehrerbietung gb.
Jedoch findet ſich kaum eine Fraueneperſon i in
1 hunde Jahren, die es wagte, ein ſolches Gaſt⸗
0 | | mahl
213
mahl zu g geben, under fie fi 0 einen Mann
vom erſten Range zur Belohnung verſprechen kann;
und die ganze Gewohnhei it ur blos bey den hee m
weffiern ſtatt.
Die Indier kennen übe fein Eigene 1 0
recht, als in Dingen, die blos zum häuslichen Ge
brauche gehören, und die ein jeder vermehrt, ſo
wie es ſeine Imſtaͤnde erlauben. Sie ſind ſehr
freygebig gegen einander, und helfen dem e
e, Freunde gerne mit ihrem Ueberfluſſe ab.
n Gefahr helfen ſie ihren Mitbuͤrgern willig obne
Belohnung zu erwarten, die ausgenommen, welche |
bey Indiern immer dem Verdienſte folgt. Ber
herrſcht von deutlichen und billigen Geſetzen der
Natur, wird jeder blos nach ſeinem Verdienſte ge⸗
ſchaͤtzt, und die Gleichheit am Stande, Sitten
und Vorzuͤgen, die man bey jeder indiſchen Voͤlker⸗
ſchaft antrifft, beſeelt ſie mit einem reinen und
wahren vaterlaͤndiſchen Geiſte, der i immer auf das
allgemeine Beſte der SAN 5 au aue fie
| gehbkenß; bedacht iſt. |
Wenn einer von feinen Machbaren fine Kinder |
durch Krankheiten oder im Kriege verliert, ſo 10
erſetzen die, welche die meiſten Sklaven haben,
dieſen Abgang; und dieſe Sklaven werden von dem
er loſen Vater an Kindesſtatt angenommen, und
W e 3 1 wuͤrk⸗
214
wuͤrklich als Kinder den, „ Be f e anbau wur⸗
den, behandelt. „ an
| ‚Die Indier, blos Bei, hs
die nahe an den europaͤiſchen Beſitzungen wohnen,
koͤnnen ſich gar keinen Begriff von dem Wehrte
des Geldes machen, und ſehn es als die Quelle un⸗
zaͤhlicher Uebel an, wenn ſie von dem Gebrauche
hoͤren, den andre Volker davon machen.
Sie halten es für widerſinnig, daß ein Menſch
6 mehr davon beſitzt als ein andrer, und koͤnnen es
nicht begreifen, daß dieſer Beſitz Ehre und Anſehn
verſchaffe. Aber daß der Mangel dieſes unnuͤtzen
Metalls Menſchen ihrer Freiheit berauben und zwi⸗
ſchen die fuͤrchterlichen Mauren eines Gefaͤngniſſes
einſchlieſſen Fonne, uͤberſteigt allen Glauben bey
ihnen; und wenn man ihnen von dieſem Theile
des europaͤiſchen Regierungsſyſtems erzaͤhlt, ſo be⸗
ſchuldigen ſie die Urheber deſſelben eines gaͤnzlichen
Mangels von menſchlichem Gefühl, und belegen,
ſie mit dem Nahmen von Wilden und Ungeheuern.
Faſt eben ſo wenig ſcheinen ſie ſich um die Pro⸗
dukte der Kunſt zu bekuͤmmern. Wenn man i ihnen
Stuͤcke davon zeigt ſo ſagen ſie zwar, es iſt hübſch/
ich mag es gern anfehn”, aber ohne nach der Ein⸗
richtung zu fragen, oder ſich einen richtigen Be⸗
riff von ſeinem Nuten wachen zu konnen. Aber
Sun 208 f wenn
wenn man n ha erzaͤblt der ſehr chu 5
| laufen kann, der ſehr geſchickt auf der Jagd iſt, der
richtig das Ziel treſfen, oder einen Bogen mit Leich⸗
tigkeit ſpannen kann, der einen Kanoe zu regieren
weiß, der den Krieg verſteht, der die Lage feines
Landes kennt, und ohne Fuͤhrer durch einen uner⸗
meßlichen Wald ſeinen Weg finden, und dabey von
wenig Nahrungsmittel leben kann, ſo hören fie dieſe
angenehme Erzählung. mit: großer Aufmerkſamkeit
an, und koͤnnen DaB Se daham rg genug
erheben. : g g 0 |
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n . Fan N ?
EHE RE DEE EEE RD Sg, 1
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92 5 Viertes Kapitel.
‚2m der Zeitrechnung der e. ya
De Indier We ihre geit 1 der ihrer
gaͤnzlichen Unwiſſenheit in der Sternkunde,
auf eine ſehr vernuͤnftige Art ein. In den innern
Gegenden von Nordamerika, von deren Bewoh⸗
nern ich vorzuͤglich rede, rechnen ſie ihre Jahre nach
Wintern, oder wie ſie fer anstzüäckeil „ 18150
b sa “a 0
Einige Voͤlkerſe ſchaften rochnen; iber Aahre nic)
Monden, und geben jedem Ja bre zwölf; z ſynodiſche
oder Mondenmonathe/ und zaͤhlen nach dem Ver⸗ *
RE ne. ala
21 5
laufe von dreyßig Monathen einen neuen a
welchen ſie den verlohrnen Monath nennen, wor⸗
auf ſie ihre Rechnung wie zuvor wieder anfangen.
Sie achten ſehr genau auf jeden Neumond, und
aͤuſſern ihre Freude daruͤber durch beſondre Toͤne,
und dadurch „ en ſie ibre e gegen . empor
hebe.
Ein jeder Monath hp ben neh einen oben
Namen, „der die Jahrszeit ausdruͤckt, in welche er
faͤllt. So nennen ſie zum Beyſpiel den Maͤrz, mit
dem ſich ihr Jahr gewoͤhnlich bey dem erſten Neu⸗
monde nach der Fruͤhlingsnachtgleiche anfaͤngt, den
Wurmmonath, weil um dieſe Zeit die Wuͤrmer
ihre Schlupfwinkel in der Rinde von Baͤumen, im
Holze u. f w. worin fie ech dem Winter über .
| hielten, verlaſſen.
Der April heißt der eee. „der May
| der Blumenmonath, der Junius der heiſſe Monath,
der Julius der Bockmonath. Die Urſache .
Benennungen iſt deutlich genug. 11
Der Auguſt heißt der Stoͤrmonath „ weil fie e in N
dieſem Monathe eine große vr von dieß dich.
art fangen. i
Der September heißt Pr Semen FR
fie in dem ee a ane Korn ne
len. en u. | 4 5
19 "986 | Der
0
217
Der Oetober heißt der Reiſemonath, „weil fie
um dieſe Zeit ihre Doͤrfer verlaſſen, und i in die Ge⸗
genden reifen, wo ge den Winter über zu jagen
denken.
Der ne wird von ihnen der Bieber
nath genannt, weil die Bieber in dieſem Monath
anfangen, ſich in ihren Haͤuſern zu halten, da ſie
hinreichenden Vorrath auf den c eingefamn,
| 1 haben. I
Der December beißt ber Jagdmonath, wel
fe biefen Monath mit der Jagd zubringen. ee
Der Jenner der kalte Monath, da es in dieſem
Monathe gewoͤhnlich ſtaͤrker 16 05 ale im N sangen,
übrigen Winter. |
Den Februar nennen ſie den Ehen)
weil darin gemeinlich der meiſte Schnee fallt.
Wenn der Mond nicht ſcheint, fo ſagen fie der
Mond iſt todt, und einige nennen die drey letzten
Tage deſſelben die nakten Tage. Die erſte ee
ſcheinung des Mondes nennen fie fein ha a |
er | |
Sie haben Win eunchelung von Wochen, aber
Tage zaͤhlen ſie nach Schlafen. Halbe Tage be⸗
ſtimmen ſie, indem ſie des Mittags auf die Sonne
zeigen, und viertel Tage durch den Aufgang und
a der Sonne; und um dies auszudruͤcken, 1
O ee. bedies
ran er
72
2
218
bedienen fie ſich! in ihren nada rau
fallender Hieroglyphen. er
Die Indier find eben fo unwiſſend in der Eros |
ſchreibung als in andern Wiſſenſchaften, und
dem ungeachtet zeichnen ſie auf Birkenrinde febr
‚genaue Karten von den Gegenden, die fie kennen.
Blos die Breite und enge fehle, um 15 vollkommen
1 machen.
‚Ihre ganze Kennenif in der Aftronomie beſteht
arinn, daß ſie den Polarftern beſtimmen koͤnnen, |
nad) welchen fie ſich auch richten, A wenn fie bey
Nacht reiſen. RR Ei,
Sie 9 die m 5 Oerter nicht 5
Meilen, ſondern nach Tagereiſen, die nach der rich⸗
tigſten Rechnung die ich machen konnte, aug
faͤhr zwanzig engliſche Meilen betragen moͤgen.
Sie theilen ſie in halbe und viertel Tagereiſen ein,
und geben ſie auf ihren Karten mit großer Genauig⸗
keit durch die eben angeführten Hieroglyphen an,
und koͤnnen ſie in ihren Rathsverſammlungen,
wenn ſie Partheyen zum Kriege oder auff die >
| ausſchicken, ſehr richtig beſtimmen. A
Von der Rechenkunſt haben ſie gar keinen Bes
griff. 0 Sie! zaͤhlen zwar ſehr weit, aber ſie kennen
Zahlzeichen eben r ang a eie
EE f Pi Als
ze,
Als ich mich bey den Nadoweſſtern aufhielt ſo
bemerkten einige von ihren Anfuͤhrern eine Zeich⸗
nung von einer Mondsfinfterniß in einem aftronos
miſchen Buche, welches ich in der Hand hielt, und
baten mich, daß ich fie ihnen zeigen möchte: . Ich
gab ihnen das Buch von ungefaͤhr zuſammen ge⸗
macht hin; allein fie zaͤhlten die Blaͤtter, bis ſie
an die Stelle kamen, wo das Kupfer war. Nach⸗
dem fie es angefehn „ und viele Fragen daruͤber 5 5
than hatten, ſo ſagte ich ihnen, daß ſie nicht Nds
thig gehabt hätten, das Blatt, worauf die Zeich⸗
nung war, mit ſo vieler Muͤhe aufſuſuchen, denn
ich Fönnte ihnen, ohne die Blätter zu zählen, gleich
ſagen, wo es ſch be und wie dee Blaͤtter
vorhergiengen.
Dies kam ihnen auſſerſt wunderbar vor, undfie
baten mich, ihnen die Moͤglichkeit davon zu zeigen.
Ich bat daher einen von ihnen, der das Buch in der
Hand hatte, es aufzuſchlagen, wo er wollte, und
den Rand forgfättig zuzuhalten, damit ich nicht im
Stande waͤre, die Blaͤtter zu sählen. Er that es
mit großer Behutſamkeit, und demungeachtet
konnte ich ihm leicht die Zahl der Blaͤtter ſagen,
| indem ich oben auf die Pagina ſah. Er zaͤhlte ſie
ordentlich über, und fand, daß meine Angabe rich⸗
“ war. Wie die Judlet ſahen, daß ich dies zu
Hi } vers
220
| verſchiednenmalen that, und immer ohne zu irren,
ſo ſahen ſie eben ſo erſtaunt aus, als wenn ich
Todte auferweckt hätte. Sie konnten mein Ver⸗
fahren bloß dadurch erklaͤren, daß das Buch ein
Geiſt waͤre, der mir alles kae wat 10 von
1 zu wiſſen verlangte. i
Dieſer Umſtand, fo unbedeutend er Yin: ebe
Wiffenden Leuten ſcheinen wird, trug nicht wenig
dazu bey, ihnen noch eine guͤnſtigere Meynung von
mir einzufloͤßen, als fie ſchon vorhin hatten. |
Funſtes Kapitel.
Von der — 5 der Judier. |
| Wei, indiſhe Völkerſchaft wird wiede in ihre
Stämme abgetheilt, der in dem Volke, zu
zu welchem er gehoͤrt, wieder einen kleinen Staat
ausmacht. Da jede Voͤlkerſchaft ein gewiſſes Sinn⸗
bild hat, wodurch ſie ſich von andern unterſcheidet, N
ſo hat jeder Stamm wieder ſein beſonders Zeichen,
wonach er benannt wird. Z. E. einen Adler, Pan⸗
ther, Tieger oder Büffel, Ein Stamm der Na⸗
doweſſter wird durch eine Schlange, ein zweyter
durch eine Schildkroͤte, ein dritter durch - -_
Birnen, ein vierter durch einen We
inf
221
nämliche Att reale: fich cen wie wie
allen Bölferfihaften, und der geringſte unter ihnen
weiß gewiß, von wem er Wine und RR ne
zu ſeiner beſondern Familie.
Wenn nicht viele andre Umſtände es wöderlgg
ten ‚sw möchte ich ſelbſt aus dieſer Abtheilung in
‚Stämmen, und der befoadern Anhaͤnglichkeit,
b welche die Indier dafuͤr haben, faſt⸗ ſchließen, daß
fie, wie einige awc en: von an Waden
‚Rene Das, |
Auſſerdem ER fi 2000 ede Völker
ſchaft! in der Art, ihre Zelte oder Huͤtten zu bauen,
und alle Indier kennen dieſen Unterſchied ſehr gut,
ſelbſt da „wo ein Europaͤer, wenn er auch noch ſo
f aufmerkſam iſt, nicht das geringſte bemerken kann.
Sie konnen es genau, und vielleicht bloß aus der
Lage eines Pfahls, der in der Erde ſtecken geblie
ben iſt, beſtimmen, welche Voͤlkerſchaft vor vielen
Monaten ihr Lager auf dem Platze gehabt hat. 5
Jeder Stamm hat ein Oberhaupt, welches der f
große Anfuͤhrer oder der Hauptkrieger genannt
wird. Man ſieht bey ſeiner Wahl auf ſeine Er⸗
N fahrung i im Kriege und feine bewaͤ ährte Tapferkeit. 1
Er macht die Einrichtung bey ihren Kriegszuͤgen,
und ie die Aufſicht über alles, was zu dieſem
Fache
99
225
7 A 7 - *
Hache gebört Allein dieſer mſihrer iſt nicht als
das Oberhaupt des Staates anzuſehn. Auſſer ihm
giebt es noch einen zweyten, der ſeinen Vorzug
dem Erbrechte zu danken hat, und der alle buͤrger⸗
liche Sachen beſorgen muß. Dies Oberhaupt konnte
eigentlicher der Sachem genannt werden, und feine
Einwilligung wird zu allen Ausfertigungen und
Vertraͤgen erfordert denen er auch das Zeichen
karl Stammes oder der Voͤlkerſchaft anhaͤngt. f
Dieſe beyden werden zwar als die Regenten des
5 angeſehn, und der letzte hat gewöhnlich
den Titel eines Koͤnigs; allein die Indier kennen
demungeachtetllinterwüͤrfigkeit ſo wenig in bürger
lichen, als in Kriegsſachen. Da ein jeder eine
große Meynung von ſeiner eignen Wichtigkeit hat,
und ſehr eiferfüchtig auf feine Freyheit iſt, fo wer:
den alle Aufträge, die das Anſehn von einem aus⸗
drüͤcklichen Befehle eben, ke mit ee
Wee 32313 1
Ihre Anfuͤhrer find AR feten fü unSeftheiben, |
ihre Befehle auf eine gebietriſche Art zu ertheilen.
Ein bloßer Wink von einem Anfuͤhrer, daß er
glaubte „eine gewiſſe Sache muͤſſe geſchehen, er⸗
regt den Augenblick einen Wetteifer unter den Ge⸗
ringern, und ſie wird gewiß mit vieler Munter⸗
ei ausgeführt. Durch dieſen Weg wird das Unan⸗
Ache genehme
7
/
i genehme des Befehls vermichen;; und FR,
tet eine faſt uneingefihränfte Gewalt auggeühfin 10
Bey den Indiern giebt es keine in die Augen N
fallende Regierungsform. Sie kennen den Unter N
| ſchied zwiſchen Obrigkeit und Unterthan nicht, und |
jeder ſcheint eine vollkommene Unabhaͤngigkeit zu
genießen. Der Gegenſtand ihrer Regierung be⸗
trifft mehr! das Aeuſſere als das Junere ihres ge⸗
meinen Weſens, y und ihre Aufmerkfamkeit ſcheint
mehr darauf gerichtet zu ſeyn, eine Einigkeit zwi
fen den Gliedern des Stammes zu befeftigen, die
ſie i in den Stand ſetzen kann, die Bewegungen ihrer
Feinde zu beobachten, und ſich ihnen mit Nach⸗
druck zu widerſetzen, als die innre Ordnung durch |
öffentliche Einrichtungen zu erhalten. Wenn der
Anfuͤhr er einen Vorſchlag ihut, der dem gemeinen
Weſen vortheilhaft zu ſeyn ſcheint, ſo hat ein jeder
die Freyheit zu wählen, ob er das S Seinige zur Aus⸗
führung, deſſelben beytragen will, oder nicht.
Zwanggeſetze ſind bey ihnen vollig unbekannt.
Wenn Gewaltthaͤtigkeiten oder Mordthaten ver⸗
uͤbt werden „ ſo wird das Recht, dieſe Verbrechen
zu rächen, der befeidigten Familie uͤberlaſſen. Die
Anführer unterſtehn ſich nicht, au e 4 oder
re 5 mildern. e ch
a 542 2 7 Pi 19 „ i W 5
je ii dp Fe ER LE 40 Be og
Einige
224
Einige Voͤlkerſchaften, bey denen die Wuͤrde
erblich iſt, ſchrenken die Nachfolge auf die weib⸗
liche einie ein. Beym Tode eines Oberhauptes
folgt ihm oft ſeiner Schweſter Sohn, wenn er
5 gleich eigne Söhne hinterlaͤßt und wenn er keine
| Schweſter hat, ſo maaßt ſich der naͤchſte Auver⸗
wandte von weiblicher Seite der Wuͤrde an. Aus
dieſer Gewohnheit fäßt es fich erklaͤren, warum
eine Frauensperſon die Regierung bey den Winne-
bagoern hatte, ein Umſtand, der mir ſehr wunder⸗
bar vorkam, ehe ich mit ihren Geſetzen bekannt war.
Jede Familie hat ein Recht, einen von ihren
Oberhäuptern zum Gehuͤlfen des vornehmſten
Oberhauptes zu ernennen, der fuͤr das Beſte der
Familie ſorgen muß, und ohne deſſen Einwilligung
kein oͤffentliches Gefchäft zu Stande gebracht wer:
den kann. Sie werden größtentheils nach ihren
a redneriſchen Faͤbigkeiten erwaͤhlt, und fie allein find
berechtigt, in ihren Rathsverſammlungen und all⸗
gemeinen Zuſammenkuͤnften Reden zu halten.
Auf dieſen Oberhaͤuptern, an deren Spitze der
Erbanfuͤhrer ſteht, ſcheint die böchſte Gewalt zu
beruhen; da ſie alles entſcheiden, was ihre Jagden,
ihren Krieg und Frieden, und uͤberhaupt alle öffents
lichen Angelegenheiten betrifft. Auf ſie folgt der
wen der Krieger, wozu alles gehört, was im
N Stande
+
225
Stande if, die n zu tragen. Dieſe Abthei⸗
| hung bat zuweilen den Regenten der Nation an
se Spitze, wenn er ſich durch irgend eine tapfere
That bervorgethan hat, ſonſt aber einen andern
Anfuͤhrer, von deſſen 55 man durch binrei
| chende Proben uͤberzeugt iſt. „
In ihren Rathsverſammlungen, die von den
Übkneriähnten Mitgliedern gehalten werden, wird
jede Sache von Wichtigkeit abgehandelt; und kein
irgend wichtiger Vorſchlag kann zur Ausführung
gebracht werden, wenn er nicht von den Ober⸗
haͤuptern allgemeinen Beyfall erhalt. Sie ver⸗
ſammlen ſich gemeiniglich in einem beſonders dazu
gewidmeten Zelte, oder einer Hütte, und ſetzen
ſich in einem Kreiſe auf dem Boden herum, worauf
der ältefte Anführer aufſteht und eine Rede haͤlt.
Wenn er fertig iſt, ſo ſteht ein andrer auf, und
ſo ſagen alle nach der Reihe ihre Meynung, n wenn
es die Noth erfordert |
Ibre Sprache iſt bey fotchen Gelegenheiten (ehe 0
ſtark und nachdrücklich. Ihre Reden find voller
Bilder, Gleichniſſe, ſtarker Methaphern und Alles
gorien, die man ſelbſt in keiner orientaliſchen
Sprache beſſer ausdrücken konnte. In allen forms
lichen Reden herrſcht viel Heftigkeit, aber im
Carvers Reiſen P | gemel
>
gemeinen Leben ſprechen ſie eben p wie ii es .
d thun. 0
Es iſt den jungen Leuten erlaubt . den Rothe,
8 verſammlungen gegenwaͤrtig zu ſeyn, doch duͤrfen
ſie keine Reden halten, bis ſie ordentlich zugelaſſen
worden ſind. Sie hoͤren jedoch mit ſehr großer
Aufmerkſamkeit zu, und um zu zeigen, daß ſie die
| Entſchluͤſſe der verſammelten Oberhaͤupter verſtehn,
und e ſo rufen ſie oft. „ 5 iſt 5 2 das
iſt gutt. |
Die gewöhnliche Art bey allen Ständen, ren
Beyfall auszudrucken, 1 und die ſie faſt bey jeder
Periode wiederhohlen „ befteht in einem ſtarken
Tone, der faſt klingt, wie unſte e 5 5
zuſammen ausgesprochen. En
9 5 Scchſtes Kapitel.
Von den Gaſtmahlen der Sidi, au
3
N ie indiſche Nationen machen keinen Gebrauch
von Brodt, Salz oder andern Gewuͤrzen, und
einigen find ſie vollig unbekannt. Die Nadoweſſter
insbeſondre haben kein Brodt „und uͤberhaupt
nichts, das ſeine Stelle vertreten koͤnnte. Sie
een wilden . ber Häufig in verſchiednen e Ge⸗
12 ah genden
7
genden ihres Gebietes waͤchſt, aber er wird ges
kocht, und allein gegeſſen. Sie eſſen das Fleiſch
von allen Thieren, die ſie auf der Jagd fangen,
aber ohne irgend eine mehligte Subſtanz dazu zu
nehmen, um die gröbern Theile des Fleiſches ver⸗
dauen z zu helfen. Und ſelbſt Zucker, den ſie aus
dem Ahornbaum ziehn, brauchen ſie nicht, um
irgend eine andre Speiſe ſchmackhafter zu hen
0 ſondern eſſen ihn gewoͤhnlich allein.
Den Gebrauch der Milch kennen ſie ebenfalls gar
nicht, ungeachtet fie von Buͤffeln und Elendsrhies
ren genug haben koͤnnten. Sie glauben, daß ſie
zu nichts dienen koͤnne, als junge Thiere in ihrem
| zarteſten Zuſtande zu ernaͤhren Mir kam es den⸗
noch eben nicht vor „daß der gaͤnzliche Mangel von
Dingen, „die bey andern Völkern für ſehr noth⸗
| wendig und nahrhaft gehalten werden, ihnen nach⸗
theilig wäre, denn ſie ſind, uͤberhaupt betrachtet,
gefünde, , ſtarke Leute.
Bey den Ottagamiern, „den Safiern und 5
5 oſtlichern Volkerſchaften giebt es ein Gericht, das
faſt die Stelle des Brodtes vertreten koͤnnte. Es
waͤchſt bey ihnen viel indiſches Korn, das nicht
allein von den Indiern, ſondern auch von Euro⸗
ö pern, die in dieſe Gegenden kommen, ſehr geſchaͤtzt
wird. Das eben erwaͤhnte ya beſteht aus un⸗
911 W
Nee
* * 1 1 :
4 8 .
3 N
een Korn und unreifen Bohnen, die mit Bären,
| fleiſche gekocht werden „wovon das Fett dem Korn
und den Bohnen ihre Trockenheit benimmt, und
ſie ungemein wohlſchmeckend macht. Sie nennen
dies Gericht Succatoſch. e
Die Indier eſſen nichts weniger als rohes Flach,
ungeachtet ſie oft dafuͤr verſchrien werden. Alle
. ihre Speiſen werden ſehr ſtark gekocht oder gebra⸗
ten. Ihr Getraͤnk iſt me, die N
| worin ſie gekocht wurden.
Ihre Gerichte beſtehn i in Bären, Elends, Reh,
Bieber und Coatiſteiſch, das ſie auf die eben er⸗
waͤhnte Art zubereiten. Sie effen gewöhnlich Rep |
fleiſch, das von Natur trocken iſt, und Bären⸗
fleiſch, welches fett und ſaftig iſt, zuſammen. So
fett auch das letztere it, fo ißt man es fich 1 8
nicht leicht zum Eckel. Be l
Im Srübjahre effen bie Nadomeffier die innere
Rinde von einem Strauche, der irgendwo in ihrem
Lande waͤchſt; allein ich konnte fo wenig den Nah⸗
men davon ausfündig machen, als erfahren, wo
ſie ſie her bekommen. Sie war ſehr ſpröde, und
ließ ſich leicht kauen. Sie ſchmeckte ungemein an⸗
genehm, faſt wie Rüben, und die Indier Pe
We daß fie ſebr nahrhaft waͤre.
4 | Die
29
Die geringern Indier ſind ſehr unteinlich bey der
teile von ihren Speiſen, aber einige von
den Vornehmen halten ſehr viel auf Nettigkeit und
Reinlichkeit, in ibrer Kleidung, ihren Selten und
Speiſen. e e {
Sie eſſen gewöhnlich i in großen Haufen mit ein⸗
ander, ſo daß ihre Mahlzeiten eigentlich als Gaſte⸗
reyen konnten angeſehn werden. Sie eſſen, ohne
ſich an gewiſſe Stunden zu binden, grade wie es
ihr Hunger und ihre Bequemlichkeit erfordert.
Sie tanzen gewöhnlich vor oder nach jeder Mob
beit, und bringen durch ihre Froͤhlichkeit wahr⸗
ſche inlich dem großen Geiſte, dem ſie fuͤr alles Gute
verpflichtet zu ſeyn glauben ein angenehmeres
Opfer, als ſie es durch ein förmliches Dankgebet
wuͤrden thun können. Männer und Weiber effen
bey offentlichen Gelegenheiten nicht zuſammen,
und jedes Geſchlecht hat ſeine beſondere Gaſtmahle.
Zu Hauſe hingegen, wenn keine Fremde da ſind,
eſſen Ansneperfonen und eum mit a g
ander. a: %
Wenn bie Oberhäupter ſich bey ugend En
4 entlichen Angelegenheit verſammlen, ſo wird
fi e immer mit einem Gaſtmahle beſchloſſen, bey
welchem ihre See und e keine
N kennt. |
» is Sibbe,
Siebentes Kavittel.
Bon den Tänzen der Indie,
een
er 1 .
5 2
Der Dan if eine von den liebſtenkeibesübungen .
der Indier. Sie kommen bey keiner offent
chen Gelegenheit zufammen, ohne ihn zu einer
von ihren Beluſtigungen zu machen, und wenn ſie g
nicht mit Kriegen oder mit der Jagd. zu thun haben,
® vergnügen ſich die jungen Leute von dene G
fihlechtern u Abend damit.
In den Tanzen bey ihren Oaſtmablen ul ſonſt
in allen uͤbrigen Tanzen, ſteht jede Mannsperſon
nach der Reihe auf, und tanzt mit großer Leichtig⸗
keit und Kuͤhnheit, und beſingt dabey die Thaten
ſeiner Vorfahren. Waͤhrend der Zeit giebt die
Geſellſchaft, die auf dem Boden in einem Kreiſe
um den Taͤnzer herum ſitzt, mit dem Taͤnzer den
Takt durch einen Ton an, den ſie alle zugleich aus⸗
ſtoſſen, und der faſt klingt wie heh, heh, heh'.
Dieſe Töne, wenn man fie fo nennen kann, wer
den ſehr rauh, und mit der größten Anſtrengung
der kungen berausgeſtoſſen, daß man faſt glauben
ſollte, ihre Staͤrke muͤßte bald dadurch erſchoͤpft
werden; aber dies geſchieht ſo wenig, daß ſie es
die ganze Zeit über, die fie tanzen, mit der naͤhm⸗
5 Heftigkeit wiederhohſen. ae
u. 1 | Die
. Schritte auf europaͤiſche Art zu thun, ſondern hal⸗
ten ihre Füße dicht aneinander, und bewegen die
gewiſſe Stelle, und wieder zuruͤck, und wenn auch
doch ſo genau Takt, daß der Tanz nie unterbrochen
| Männer, „die um fie herum fißen, denn Manns⸗ 1
| beſondern Gelegenheiten gewidmet ſind, als den
Pfeiffen oder Kalumettanz, den Kriegstanz, den
Die Frauensleute 10 — bey den 3
lichen Volkerſchaften, tanzen mit ſehr viel Anmuth.
Sie tragen ſich ſehr grade, und laſſen ihre Arme
dicht am Leibe herunter haͤngen. Sie fangen ihren
Tanz damit an, daß ſie erſt etliche Schritte zur
rechten und dann wieder zur linken zuruͤck gehn.
Dieſe Bewegung machen ſie ohne ordentliche
—
Zähen ı und die Hacken eins ums andre. Auf dieſe
Art glitſchen fie. mit großer Leichtigkeit bis an eine
ae ſo viele mit einander tanzen, ſo halten fie
wird. ı Während des Tanzes vermiſchen fie ihre
hellen Stimmen mit den heiſern Scimmen der
Dem Frauensperſonen tanzen nie zuſammen und
ies macht nebſt ihren Trommeln und te
pe Hemer
Die Indier haben Warhehne 2 Arten Tänze, die
Hochzeittanz, und den Opfertanz. Die Bewe⸗
gungen bey jiedem find verſchieden ji allein es iſt faft |
nicht möglich den Unterſchied genau zu beſchreiben.
* e 7 ar. Auſſer
Auſſerdem hat jede Vöͤlkerſchaft ihre beſondre Art
zu tanzen. Die Tſchipiwaͤer nehmen mehr ver⸗
ſchiedne Stellungen an, als die uͤbrigen Indier.
Bald halten fie den Kopf i in die Höhe, bald buͤcken
ſie ſich faſt bis auf die Erde, bald neigen ſie ſich
ganz auf die eine Seite, bald aber wieder auf die
andre. Die Nadoweſſt ier tragen ſich grader, tre⸗
ten feſter, und machen ihre Bewegungen mit mehr
Anſtand. Aber alle machen bey ihrem Tanze das
unangenehme Geraͤuſch, en eben nn |
ben habe.
Der Pfeiffentanz iſt 55 Hohen „und der
| angenehmſte für den Zuſchauer, da er nicht fi ſo aus⸗
ſchweifend if, wie die uͤbrigen, und die ſchoͤnſten
Figuren hat. Man tanzt ihn blos bey gewiſſen Ge⸗
legenheiten, als wenn feindliche Geſandten kom.
men, um Friedensunterhandlungen zu pflegen, oder
wenn vornehme Fremde durch ihr Gebiet reifen.
Der Kriegstanz, den fie immer tanzen, wenn
ſte auf den Krieg ausgehen, oder aus dem
Kriege zuruck kommen, ſetzt F Fremde in Schrecken.
Er wird, wie die übrigen, in einem Kreife von
Kriegern getanzt. Ein Anführer fängt ihn gewoͤhn⸗
lich damit an, daß er von der rechten zur linken
geht, und zugleich ſeine eignen Thaten und die Tha ⸗
ten feiner Vorfahren beſingt. Wenn er mit der
Ra | | ie
Erzählung, 1550 einer merkwuͤrdigen hat fertig |
iſt, fo ſchlaͤgt er heftig mit feiner Kriegskeule gegen N
einen Pfahl, der mitten im Kreiſe nne ban in
die Erde gerammt iſt. ee ö
Ein jeder tanzt ſo wie die Reihe an ihn We,
und beſingt ebenfalls die wundervollen Thaten ſei⸗
ier Familie, bis fie endlich alle zuſammen tanzen.
Jetzt faͤngt der Tanz wuͤrklich an, für jeden Frem⸗
den fuͤrchterlich zu werden, da ſie faſt eine jede
ſuͤrchterliche und ſcheusliche Stellung annehmen,
die ſich nur denken laͤßt, und dabey in voraus zei⸗
gen, was ſie gegen ihre Feinde im Kriege thun
wollen. Waͤhrend dieſes Tanzes halten ſie ihre
ſcharſen Meſſer in der Hand, und drohen damit,
wenn ſie ſich herum werfen, einander zu durchſtoßen; .
und dies wuͤrde auch ſicher geſchehen, wenn ſie
nicht mit auſſerordentli cher Fertigkeit dem Stoße
auswichen. Durch dieſe Bewegungen ſuchen fie
die Art auszudruͤcken, wie ſie ihre Feinde toͤdten,
ihnen die Haut vom Kopfe ziehn, oder ſie gefangen
nehmen. Um den ganzen Auftritt noch auffallen⸗
der zu machen, ſo erheben ſie ein eben ſo fuͤrchter⸗
liches Gehaͤul und Kriegsgeſchrey, als ſie in ihren
Schlachten thun; ſo daß man ſie in dieſen Augen⸗
blicken ‚für einen Per en Teufeln anſehn
3 Be, BL), 1109 157 1 re
„ Ey Be Ich
Ich tanzte dieſn Tanz of mit ihnen, aber ich
fand eben nicht lange Vergnuͤgen daran, da ich
meine Furcht, eine gefaͤhrliche Wunde zu bekom⸗
men, nicht ablegen konnte. i
Ich fand, daß bey den Nationen auf der Bel 1
feite des Miſſtſippi „und an den obern See, der
Pawa oder ſchwarze Tanz noch uͤblich iſt. Die
Einwohner in den Kolonien erzählen tauſend laͤcher⸗
iche Geſchichten von Erſcheinungen des Teufels,
die dieſer Tanz zuwege gebracht hätte. Allein fie
geben zu, daß dies nur vor Zeiten geſchehen ſey aber
jetzt ſich bey denen Indiern/ die nah an den euro⸗
paͤiſchen Niederlaſſungen wohnen, nur ſelten zutrage.
Ich ſah zwar bey dieſem Tanze i in den inlaͤndiſchen
Gegenden keine wuͤrkliche Erſcheinung des Teufels,
aber doch ſolche Dinge, die nur Leute thun konnten,
die mit ihm im Bunde nen 70 area
gelle Gauckler waren.
N Wie ich mich bey den Nadoweſſtern aufbieft, 0
ward eben ein ſolcher Tanz aufgeführt. Eye der |
Me. anſieng / ward einer von den Indiern in
eine Geſellſchaft aufgenommen, welche ſie Waͤkon
Kitſchewah, oder die freundſchaftliche Geſellſchaft
des Geiſtes nannten. Dieſe Geſellſchaft beſteht
aus Perſonen von beyden Geſchlechtern, allein es
werden keine darin aufgenommen / die einen ta⸗
. AM 8 e del⸗
us
235
delhaften Karakter haben, 60 nicht von * ganzen
ward wie en mit einem m mE
— die Einweihung nie I ſehr russ. 8
fländen verknuͤpft war, die, wie ich ſchon vorhin
geſagt habe „ entweder eine Wuͤrkung von Zaube⸗
ordentlichen Geſchicklich⸗ 15
keit ſeyn mußte, ſo will ich das ganze Verfahren
dabey umſtaͤndlich beſchreiben. Die Ceremonie
gieng zur Zeit des Neumondes auf einem Platze
vor ſich, der in der Mitte des Lagers eigentlich dazu
rey, oder von einer auſſ |
gewidmet war, und ungefähr zweyhundert Perſo⸗
nen faffen konnte. Ich ward als ein Fremder, dem 5
ſie ohnehin bey jeder andern Gelegenheit ſchon ſo
viele Hoͤflie chkeiten erwieſen hatten, zu dieſer Feyer⸗
lichkeit ei eingeladen, und erhielt meine Stelle diane
an den Schranken des Verſchlags s.
Gegen 12 Uhr fiengen die Indier an m ſich zu
umlen. Die Sonne ſchien ſehr hell, welches
verſar
halten ſie ihre oͤffentlichen Zuſammenkuͤnfte nicht
en wenn der Himmel nicht heiter iſt.
ehen
r ein gutes Zeichen anſahen; denn uͤberhaupt
E eſellſchaft gebilligt werden. Auf dieſe Aufnahme
folgte der Pawatanz, worin ich aber nichts ſah,
daß zu den Erzaͤhlungen, die ich davon gehoͤrt hatte, |
Anlaß geben konnte, und die ganze Feyerlichkeit
=»
Zuerſt
erfihien eine große Anzahl von O erhaͤuptern „die
ihre beſten Kleidungsſtuͤcke an hatten. Nach ihnen
kam der Hauptkrieger, der einen bis auf die Erde
herabhaͤngenden. Rock von reichen Fellen an hatte,
und mit it em ein Gefolge von funfzehn bis zwanzig
8 Derfonen, „ die ſehr ſchoͤn bemahlt und angekleidet
waren. Auf ſie folgten die Frauen von denen, die
ſchon in die Geſellſchaft au genommen waren, und
hinten nach kam ein vermiſchter Haufen von ge⸗
ringen Leuten, die alle nach ihrem Vermoͤgen dazu
beytrugen „die e prächtig und e
TR zu machen.
Als die Geſellſchaft ſich gefeßt hatte, wo Sil,
ſchweigen geboten war, ſo ſtand einer von den vor⸗
. nehmſten Anfuͤhr ern auf, und machte der Geſellſchaft
in einer kurzen aber meiſterhaften Rede die Urſache
ihrer Zuſammenkunft kund; naͤhmlich daß einer von
ihren jungen Männern wuͤnſchte, in ihre Geſellſchaft
aufgenommen zu werden. Er nahm dieſen jungen
Mann darauf bey der Hand, und fragte die Geſell⸗
ſchaft, ob ſie etwas dagegen einzuwenden haͤtte,
daß er ein Mitglied ihres Ordens wuͤrde?
Da niemand etwas dawider hatte, ſo ward der
junge Kandidat in die Mitte geftelle, und vier Ober⸗
haͤupter ſtellten ſich dicht bey ihm hin, und ermahn⸗
an. Br au der elk, nicht unter der Ceremonie,
0 der
— ee, von eee ann ibn d done . 0 5
den Armen, und ließen ihn niederknien, der dritte
ſtellte ſich hinter ihn, um ihn aufzufangen, wenn
er fiele, und der vierte ging ungefhr ö Saß un
f n vor ihm zuruͤck. 1 |
Wie nun alles in gehörigen ae war, 80
| 408585 der Anführer, der vor dem knienden Kan⸗
didaten ſtand, ihn mit einer vernehm lichen Stimme
an. N
chen Geiſte beſeſſen wäre, der auch in wenigen
Augenblicken uͤber ihn kommen wuͤrde. Der Geiſt
a wuͤrde ihn zwar todt ſchlagen, aber er wuͤrde ihm
auch gleich das Leben wiedergeben. So ſchrecklich
dieſe Gemeinſchaft des Geiſtes auch wäre, fo noth⸗
wendig waͤre ſie doch, ihn zu den Vorzuͤgen vorzu⸗
bereiten, welche die Geſellſchaft genöſſe/ in die er
jezt aufgenommen werden ſollte. Sr |
Wie er dies fagte,* ſchien er ſelbſt ſehr heftige
Bewegungen zu fühlen, die endlich ſo ſtark wurden,
daß ſich ſeine Geſichtszuͤge verzerrten, und fein
ganzer Körper in Zuckungen fiel; und jetzt warf er
etwas, das an Farbe und Geſtalt einer kleinen
Bohne aͤhnlich ſah, dem jungen Manne dem An⸗
| ug 1 8 in den Mund. * junge Mann fiel
| | auf
Er ſagte ihm, daß er ſchon von dem naͤhmli⸗ f |
| ee für todt auf die Erde nieder.
e
1
a der Stele obne alle Bewegung nieder, als
wenn er von einer Kugel getroffen waͤre. Der
9 EN;
Armen auf, und legte ihn mit H le der Im
So bald dies geſchehn war, ſiengen fie an, fine
Glieder zu reiben, und ihn fo auf den Ruͤcken zu
8 &
der gewaltſamen Wuͤrkung des Geiſtes auf Organe
ſchlagen, daß Lebendige eher davon hätten e
ſchlaͤfert, als Todte erweckt werden koͤnnen Un⸗
terdeſſen ſetzte der Redner ſeine Rede Aer fort,
und bat die Zuſchauer, ſich nicht zu wundern, oder
an der Wiederherſtellung des jungen Mannes zu
zweifeln, da ſein jetziger lebloſer Zuſtand bloß von
herruͤhrte, die bisher ſolcher Begeſßerungen r e
nicht gewohnt waren:: 5
Der Kandidat lag verſchiedne Minuten on
Gefühl oder Bewegung; doch machten endlich die
Vielen heftigen Schlaͤge, daß er wieder einige Spu⸗
ren von Leben zeigte, die aber mit heftigen Zuckun,
gen und einer Art von Erſticken verbunden waren.
Allein dieſe hoͤrten bald auf, und wie er die Bohne,
on.
oder was es ſonſt auch war, das der Indier auf ihn
zuwarf, wieder von ſich gegeben hatte, ſo —
er in gr. Zeit ren Yansei n
*
Anfuͤhrer, der hinter ihm ftand, fieng ihn in feinen
N
le
239
Aus dieſer Theil der Ceremonie gluͤcklich vorbey
war, ſo nahmen ihm die vier Oberhaͤupter feine
gewoͤhnliche Kleidung ab, und zogen ihm dafür eine |
ganz neue wieder an. Hierauf nahm. ihn der Redner
wieder bey der Hand, und ſtellte ihn der Geſell⸗
ſchaft als ein ordentliches und vollig eingeweihtes
Mitglied vor, und ermahnte fie, ihm allen Bey ⸗
ſtand zu leiſten „deſſen er als ein junges Mitglied
bedürftig ſeyn könnte. Dem jungen Bruder ges
bot er, den Rath feiner altern Brüder mit Beſchei⸗
berhelt anzuhören, und pänfelich zu befolgen. 5
Jetzt machten alle, die in den Sc ranken waren,
einen Kreis um ihren neuen Bruder. Die Muſik
ſeeng an, und der große Krieger ſang ein Lied, |
worinn wie gewöhnlich die kriegeriſchen Tbaten
über Nation erhoben wurden. e
Ihre ganze Muſik beſteht i in einer Trommel von
einem kuͤnſtlich gearbeiteten Stuͤcke eines hohlen
Baumes, uͤber welches an einem Ende eine Haut
geſpannt iſt, auf welche man mit einem einzeln ö
Stocke ſchlaͤgt. Der Ton dieſes Inſtruments iſt 1
ſehr uͤbellautend ’ und man braucht es bloß, ’ um
das Zeitmaaß damit anzugeben. 2 Zuweilen brau-
chen ſie auch das Tcchitſchiku, undi in ihren Kriegs⸗
taͤnzen eine Art Pfeiffen von Rohr / die einen durch⸗
Wehnen igen Ton baben. N
Nach
De“
SIEH
‚te
Pe} - :
240
Nach dieſer eben beſchriebenen Feyerlichkeit feng
der Tanz an, ſo wie die Geſellſchaft ſich zuſammen
geftelle hatte. Verſchiedne Sänger verflärkten
| die Muſik mit ihren Stimmen „und vie Frauens⸗
leute ſielen zuweilen in den Chor mit ein, wodurch
eine wilde, aber dennoch nicht unangenehme Har⸗
monie entſtand. Dies war uͤberhaupt eins von
den angenehmſten Feſten, denen ich beywohnte,
als ich mich unter den Indiern aufhielt.
Ein lächerliches Stuck bey dieſem Tanze, das
einer Art von Zauberen aͤhnlich ſah, war mir vor⸗ |
zuͤglich auffallend. Die meiſten Tänzer hatten ein
aufgeblafenes Marder: oder Öfternfell in der Hand,
das, wenn man darauf druͤckte, ein pfeifendes Ge⸗
4 raͤuſch durch eine hölzerne Roͤhre machte. So wie
dies Inſtrument jemand vor das Geſicht gehalten
ward, und ſeinen Laut von ſich gab, fo fiel er auf
der Stelle, allem Anſchein nach, todt nieder. Zu⸗
weilen lagen drey oder mehrere Mannsperſonen
und Frauensleute zugleich auf der Erde; allein
ſie erhohlten ſich gleich wieder, und traten von
neuem in den Tanz ein. Dies ſchien ſelbſt den
Vornehmern viel Vergnuͤgen zu machen. | Ich
| boͤrte nachher, daß dieſe Schläuche Ihre Dii en
oder ö wären.
PR, ee
155 241
Als man einige Stunden auf dieſe Art zuge⸗
bracht hatte, ſo fieng das Gaſtmahl an. Ich ſah, |
daß alle die Gerichte, die nahe bey mir hingeſetzt
wurden, aus Hundefleiſch beſtanden, und erfuhr, |
daß fie bey allen ihren öffentlichen Gaſtereyen kein
ander Fleiſch brauchten, und der junge Kandidat
ſucht daher, zu dem eben erwaͤhnten Feſte, es, wenn
es auch noch ſo viel koſten ſollte, herbey zu ſchaffen.
Eben dieſe Gewohnheit, Hundefleiſch bey gewiſ⸗
| fen Gelegenheiten zu eſſen, iſt bey verſchiednen Voͤl⸗
kerſchaften in den Ländern eingefuͤhrt, die an den
nordoſtlichen Grenzen von Aſien liegen. Der
Verfaſſer der Beſchreibung von Kamſchatka, die
auf Befehl der Rußiſchen Kayſerinn herausgegeben
ward, erzaͤhlt, daß die Einwohner von Koreka,
einem Lande gegen Norden von Kamſchatka, die
wie die Tatarn hordenweiſe herumziehn, ein Renn⸗
thier oder einen Hund ſchlachten, wenn fie den böͤ⸗
ſen Geiſtern opfern, und daß fie davon das Fleiſch
eſſen, den Kopf aber mit der Zunge auf einen Pfahl
ſtecken, ſo daß die Stirn nach Oſten gekehrt iſt.
Auch wenn ſie anſteckende Krankheiten befuͤrchten, |
ſo ſchlachten fie einen Hund, winden feine Gedaͤrme
um zwey Pfaͤhle und gehn dazwiſchen durch. Dieſe
Gebraͤuche, worin ihnen die Indier faſt völlig gleich
kommen, ſcheinen meine Meinung, daß Amerika
Carvers Reiſen. von
242
von dieſen Gegenden aus ſey beoblkert Gil,
| noch mehr zu bekraͤftigen. ee, '
Ich weiß nicht, zu was fuͤr einer Art von Tin
zen ich den rechnen ſoll, welchen die Indier auf:
führten, die auf mein Zelt zukamen, als ich nahe
beym See Pepin, an den Ufern des Mifftfippi, ans
Land geſtiegen war. Als ich aus meinem Zelte
heraus kam, fo ſah ich ungefähr zwanzig nackte
junge Indier, wovon die meiften ſo fihon gewach⸗
ſen waren, als ich ſie je geſehn habe, nach der Muſik
ihrer Trommeln auf mich zutanzen. Alle zehn
oder zwolf Schritte blieben ſie ſtehn, und 1 |
ein fuͤrchterliches Geheul. 5
Als ſie mein Zelt erreicht hatten ‚fo bat ich fie, |
herein zu kommen, welches fie auch thaten, ohne
mich einer Antwort zu würdigen. Ich bemerkte,
daß ſie ſich roth und ſchwarz bemahlt hatten, wel
ches fie gewöhnfich thun, wenn fie gegen einen
Feind ausziehn, und daß fie etliche Stuͤcke aus dem
Kriegstanze unter ihre Figuren mit untermiſchten;
beydes Dinge, die mich nicht laͤnger zweifeln ließen,
daß der feindſelige Anführer, der meinen Gruß
nicht erwiederte, fie abgeſchickt hätte. Ich entſchloß |
mich daher, mein Leben fo theuer zu verkaufen, als
möglich, und ſetzte mich mit meiner Flinte und
meinen Piſtolen an der Seite auf meinen Koffer
2
5 nie⸗
der, und befahl meinen Leuten, gut auf ihrer |
Hut zu ſeyn.
Im Zelte ſetzten die Indier ihren Tanz abwech⸗
ſelnd fort, und beſangen dabey ihre Heldenthaten, N
und die Vorzuͤge ihres Stammes vor allen andern.
Um ihren Ausdrucken, „die ohnehin ſchon ſo ſtark
und kraͤftig waren, daß der beherzteſte Menſch ſich
. wuͤrde in Furcht haben ſetzen laſſen, noch
mehr Gewicht zu geben, ſchlugen fie beym Ende
eines jeden Abſatzes gegen die Pfaͤhle meines Zeltes
mit einer ſolchen Heftigkeit „daß ich jeden Augen⸗
blick vermuthete, es wuͤrde uͤber uns zuſammen
fallen. Sie hielten, fo wie ein jeder in der Runde
bey mir vorbeytanzte, ihre rechte Hand uͤber ihre
Augen, und ſahen mir ſtarr ins Geſicht, welches
ich eben fuͤr kein Freundſchaftszeichen halten konnte.
Meine Leute hielten fi ch für verlohren, und ich muß
geſtehn, 2 ich nie eine e Furcht ge⸗
fuͤhlt habe. |
Als ihr Tanz faſt zu Ende war, © bot ich ihne 15
die Friedenspfeiffe an, allein ſie wollten ſie nicht
annehmen. Ich nahm daher meine letzte Zuflucht
zu Geſchenken, und ſuchte aus meiner Kiſte etliche
Baͤnder und andre Kleinigkeiten hervor, und bot
ſie ihnen an. Dies ſchien ſie in ihrem Entſchluſſe
wankend zu machen, und ihren Zorn etwas zu be⸗
2 5 | 1 N
2344
*
fänftigen; denn fie ſetzten ſich nach einer kurzen Ber
rathſchlagung auf die Erde nieder, welches 45 fuͤr
ein gutes Zeichen anſah.
Und dies war es auch in der That, an bald
FR nahmen fie die Friedenspfeiffe, zuͤndeten
ſie an, und gaben ſie mir zuerſt, und rauchten nach⸗
her ſelbſt daraus. Sie nahmen darauf die Geſchenke
auf, die ſie bis dahin kaum angeſehn hatten, aber
ihnen jetzt ſehr willkommen zu ſeyn ſchienen, und
verlieſſen mich als gute Freunde. Ich muß geſtehn, |
daß ich nie froher war, als jezt, da ich dieſe fuͤrch⸗
terlichen Gaͤſte vom Halſe hatte. So ſehr ich es
auch wuͤnſchte, ſo konnte ich doch nie die eigentliche
Abſicht ihres Be ſurchse s erfahren. Es war immer aͤuſ⸗
ſerſt wahrſcheinlich daß ſie feindliche Abſichten hat⸗
ten, und daß ihr Beſuch bey ſpaͤter Nacht blos
durch den großen Springer war veranlaßt wor⸗
den. Doch konnte es vielleicht, wie ich nachher
erfuhr, auch geſchehn ſeyn, um mir eine große Ehre
zu erzeigen, die gewoͤhnlich allen Anfuͤhrern frem⸗
der Voͤlkerſchaften wiederfährt, wenn fie zu ihnen
kommen; und daß die Punkte ihres Betragens,
die mir verdächtig vorkamen, blos Wirkungen ihrer
Eitelkeit waren, und darauf abzielen ſollten, den
N Fremden eine hohe Meynung von ihrer Größe und
Tapferkeit einzufldßen. Den Morgen darauf,
ehe
245
ehe ich meine Reis fortſetzte, brachten mir einige
| Frauensperſonen ein Geſchenk von Zucker, em
ich mit einigen neuen Bändern erwiederte.
Der Opfertanz hat ſeinen Nahmen von keinem |
| wuͤrklichen Opfer, das irgend einem guten oder
boͤſen Geiſte dargebracht wird, ſondern es iſt ein
Tanz, den die Nadoweſſter ſo nennen, weil er
blos bey öffentlichen reudensfeſten aufgefuͤhrt wird.
Als ich mich bey ihnen aufhielt, ſo verlief ſich ein
ſchoͤnes Reh in ihr Lager, wo es bald gefangen und
geſchlachtet ward. Da dies ſich grade beym Neu⸗
monde zutrug, ſo ſahen ſie es als eine gute Vorbe⸗
deutung an. Es ward ganz gebraten, ein jeder
im Lager erhielt ſeinen Theil davon, und das ganze
| Sen ward mit einem ſolchen Opfertanze beſchloſſen.
ag —
Achtes Kapittel.
1 den Jagden der Indie
ae
| De gad uche die vornehmſte Beschäftigung
der Indier aus; ſie werden dazu von ihrer
fruͤbeſten Jugend angehalten, und ſie wird bey ih⸗
nen fuͤr eben ſo ruhmwuͤrdig gehalten, als ſie zu
ihrem Unterhalte nothwendig it. Ein geſchickter
1% ne Jager wird faſt eben ſo ſehr ger
2 ia f datt, i
- \ A 6
N S 9 TR
246 Er DR |
ſchaͤtzt, als ein tapfrer Krieger, Es wird daher
auch nicht leicht irgend ein Kunſtſtuͤck, das der
menſchliche Witz erfunden hat, Thiere, die ihres
Fleiſches oder ihres Felles wegen ſchaͤtzbar find, zu
fangen, bey ihnen unbekannt ſenn.
So lange, als ſie dieſem Geſchaͤſte nachgehn,
verläßt fie die ihnen angebohrne Traͤgheit gänzlich,
und ſie bezeigen ſich dabey thaͤtig, geduldig und un⸗
ermüdet. Sie wiſſen die Mittel, ihren Raub aus⸗
fuͤndig zu machen, eben fo gut, als ihn zu fangen.
Sie können die Spur vom Wilde unterſcheiden,
N ungeachtet jedes andre Auge nichts davon gewahr
wird, und es mit der groͤßten Gewißheit durch un⸗
wegſame Waͤlder verfolgen. .
Die Thiere, welche die Indier ihres Fleisches
oder ihrer Felle wegen jagen, woraus ſie entweder
ihre Kleidung machen, oder wofür fie von den Eu⸗
ropaͤern andre Beduͤrfniſſe eintauſchen, ſind Buͤffel,
Elendsthiere, Rehe, Muſethiere, Baͤren, Renn⸗
thiere, Bieber, Ottern, Marder u. ſ. w. Ich
will die Beſchreibung dieſer Thiere noch verſparen,
und jetzt die Art, wie ſie gejagt werden, erzaͤhlen.
Die Jagdrute, und die Partheyen, welche auf
die verſchiednen Züge ausgehn muͤſſen, werden in
ihren allgemeinen Verſamlungen, die im Sommer
f gehalten werden, fo wie alle übrigen Wintergeſchaͤfte
. | feſt⸗
*
2 247
feſtgeſetzt. Der Hauptkrieger, deſſen Amt es mit
ſich bringt, dazu die noͤthigen Einrichtungen zu
machen, laͤßt alle die bereit ſind, ihm zu folgen, |
feierlich einladen; denn die Indier erkennen, wie
ich fehon vorhin bemerkt habe, keine Oberherrſchaft,
und konnen ſich vom Zwange gar keinen Begriff
machen. Ein jeder, der die Einladung annimmt,
bereitet ſich dazu ee vor, daß er a Tage
faſter ?
Das Fasten Ser Indier beſteht ber nicht, wie
bey etlichen andern Völkerſchaften, darin, daß
man nur die ſchmackhafteſten und koſtbarſten Spei⸗
fen ißt, ſondern ſie enthalten ſich wuͤrklich alles mög⸗
lichen Eſſens und Trinkens, und ihre Geduld und
Standhaftigkeit geht ſo weit, daß der heftigfte Durſt
fie nicht bewegen würde, auch nur einen Tropfen
Waſſer zu koſten. Bey aller dieſer ſtrengen Ent⸗
haltſamkeit behalten ſie dennoch einen Anſchein von
Zufriedenheit und Heiterkeit. N‘
Sie faſten, wie fie behaupten, vorzuͤglich um
deſto freyer träumen zu koͤnnen, und in dieſen Traͤu⸗
men zu erfahren, wo das meiſte Wild anzutreffen |
ſey / und zugleich den Zorn der böſen Geiſter abzu⸗ 5
wenden, und ſich ihre Gunſt zu erwerben. Auſſer
dem mahlen ſie alle unbebeskten are ve era |
ee KB |
230 e Wenn
er
Wenn die Faſtenzeit vergangen, und der Ort
der Jagd bekannt gemacht worden iſt, ſo giebt der
Anfuͤhrer, der die Aufſicht dabey hat, den verſchied⸗
nen Partheyen ein großes Gaſtmahl, woran aber
keiner Theil nehmen darf, bis er ſich gebadet hat.
An dieſen Gaſtmahlen eſſen ſie ungeachtet ihres
langen Faſtens ſehr maͤßig, und der Anfuͤhrer er⸗
zaͤhlt ihnen dabey die Thaten derer, die bey dem
Geſchaͤft, daß ſie jetzt vorhaben, am meiſten gelei⸗
ſtet hatten. Bald darauf treten ſie ihren Zug,
uberall ſchwarz beſtrichen, unter dem Zujauchzen
des ganzen Volkes nach dem beſtimmten Orte an.
Ihre Behendigkeit und ihre Geduld bey der
Verfolgung des Wildes ſind unbeſchreiblich. Keine
Gebuͤſche, Graͤben, Fluͤſſe oder Moraͤſte koͤnnen
ſie aufhalten. Sie gehen immer in der gradeſten
Linie weiter, und es giebt wenig Thiere in den
Gehoͤlzen, die fie nicht einhohlen konnten. |
Wenn ſie auf die Baͤrenjagd ausgehn, ſo be⸗
muͤhen ſie ſich, ihr Lager zu entdecken; denn den
Winter uͤber verbergen ſich dieſe Thiere in hohlen
Staͤmmen von Baͤumen, oder machen ſich Locher
in die Erde, wo fie ohne Nahrung zubringen, fü
lange, als die ſtrenge Witterung dauret.
Wenn die Indier glauben, daß ſie an eine Stelle
* find, welche dieſe Thiere gewoͤhnlich be⸗
ſuchen,
RN | 249
ſuchen, fo machen fie in Verhaͤltniß ihrer Zahl einen
Kreis, und ſuchen, indem ſie ſich dem Mittelpunkt
naͤhern, ihren eigentlichen Aufenthalt ausfündig |
zu machen. Auf dieſe Art find fie gewiß, alle die |
ſich in der Kreisfläche auf halten, aufzujagen, und
mit Flinten oder Bogen zu fällen. Der Bär
flieht, ſobald er nur einen Menſchen oder Hund
anſichtig wird, und wehrt ſich nicht anders, als
wenn er verwundet oder ſehr hungrig iſt.
Zur Buͤffeljagd machen die Indier einen Kreis
oder ein Viereck, faſt auf die naͤhmliche Art, als
wenn ſie Baͤren aufſuchen. Sobald jeder ſeinen
Poſten eingenommen hat, ſo ſtecken ſie das Gras,
das um dieſe Zeit aus gewoͤhnlich welk und trocken
iſt, in Brand, und treiben darauf die Büffel, die
ſich ſehr vor dem Feuer fuͤrchten, in einen engen
Raum nm, wo ihnen nicht Eiche einer i
ah | |
| Elendsthiere, Rehe und Steiturbhire jagen fi f. 4
auf verſchiedne Art. Zuweilen ſuchen ſie ſie in den
Waͤldern auf, in welche fie während der rauhen
Witterung ihre Zuflucht nehmen, und wo ſie leicht
hinter den Baͤumen geſchoſſen werden konnen. In
den nordlichen Gegenden machen ſie ſich der Wit⸗
terung auf eine andre Art zu Nutze, um Elends⸗
chiere un fangen. Wenn die Sonne eben ſtark ge⸗
2 5 nug
Il)
250 MEER
nug wird, um den Schnee zu ſchmelzen, auf dem
ſich aber durch den Nachtfroſt eine Art Rinde ſetzt,
ſo bricht dies ſchwere Thier mit ſeinem geſpaltenen
Hufe leicht durch, und kann ſich nicht ohne viele
Muͤhe wieder losmachen, und daher wird es von
den Indiern leicht eingehohlt und erlegt.
Einige Voͤlkerſchaften jagen dieſe Thiere auf
eine viel leichtere und weniger gefährliche Art! Die |
jagende Parthey theilt ſich in zwey Truppen, und
waͤhlt ſich eine Stelle nahe beym Ufer irgend eines
Fluſſes; ein Trupp ſetzt ſich in Kanoe, indem der
andre einen halben Kreis auf dem Lande macht,
deſſen Arme fich bis ans Waſſer erſtrecken. Hierauf
laſſen fie ihre Hunde los, die alles Wild, das ſich
innerhalb des Kreiſes befindet, aufjagen, und in
den Fluß treiben, wo der größte Theil davon leicht
von denen in den Kanoen befindlichen Set ge⸗ |
ſchoſſen wird.
Sowohl Elendsthiere als Buͤffel werden unge⸗ 1
mein wuͤthend, ſo bald ſie verwundet werden, und
wenden ſich Fühn gegen ihre Verfolger, und treten
ſie unter die Fuͤße, wenn der Jaͤger ſie nicht vor⸗
her toͤdten, oder ſich auf einem Baume in Sicher⸗
heit ſetzen kann. Auf dieſe Art koͤnnen ſie ihnen
leicht ausweichen, und ſie ſo verwunden, daß ſie
von ſelbſt auf hoͤren, ſie zu verfolgen. |
K Die
251
Die eintröglichſte unter allen Jagden, vorzuͤg⸗
00 in den nordlichern Gegenden, iſt unſtreitig die
Bieberjagd, auf welche ſie ſich daher auch beſonders
legen. Die Jahrszeit dazu waͤhrt den ganzen
Winter, vom November bis zum April, weil eben
alsdann ihr Fell ſeine groͤßte Vollkommenheit er⸗
reicht. Die Beſchreibung von dieſen auſſerordent⸗
lichen Thieren, die Bauart ihrer Huͤtten, und die
ganze ere ee werde ich weiter
unten liefern. | 9
Die Jaͤger febiehen fich verſchiebuer Mie, ſie
zu fangen, doch gewöhnlich fangen ſie ſie in Schlin⸗
gen, hauen das Eis auß Par en ihre Dämme
En Run |
Da die Bieber ein ungemein ſcharfes Geſcht
und ein ſehr feines Gehoͤr haben, ſo muß man ſich
ihrem Aufenthalte mit großer Vorſicht naͤhern.
Sie gehn ſelten weit vom Waſſer weg, und bauen
ihre Haͤuſer immer dicht an einen großen Fluß oder
See, und koͤnnen daher leicht ſich ins tiefſte Waſſer |
begeben, wo fie gleich bis auf den Grund unter; |
tauchen. Sie ſchlagen dabey mit ihrem Schwanze
ſtark auf das Waſſer, und geben eee e. sr
zen Gemeinde ein Warnungszeichen. -
Mit Fallen werden fie auf folgende At fa
gen. Es ua zwar bekannt, daß die Bieber gewöhn /
| lich
252 1
lich einen hinreichenden Vorrath fuͤr den Winter
zuſammen tragen, aber demungeachtet ſtreifen fie
von Zeit zu Zeit in die benachbarten Länder, um
friſche debensmittel zu hohlen. Wenn nun die Jaͤ⸗
ger ihren Aufenthalt entdeckt haben, ſo ſtellen ſie
ihnen eine Falle in den Weg, unter welche ſie kleine
Stuͤcke Rinde oder junge Sproͤßlinge legen, und
ſobald der Bieber dieſe beruͤhrt, ſo faͤllt ein ſchwe⸗
rer Klotz auf ihn herunter und zerbricht ihm den
Ruͤcken, wodurch er feinen Werfen leicht zur
Beute wird. \
Sonſt hauen fie auch, wenn das Eis auf glͤͤſſen
| und Seen fehr dick ift, eine Oefnung darinn, daß
ſich die Bieber „wenn man ſie in ihren Haͤuſern
ſtoͤrt, gern naͤhern, um friſche Luft zu ſchoͤpfen. Ihr
Athem macht eine ziemliche Bewegung im Waſſer,
und die Jaͤger koͤnnen ihre Annaͤherung daher leicht
bemerken, und ſich fertig machen, ſie auf den Kopf i
zu ſchlagen, ſobald fie un nur über dem TR
sehn laſſen.
Wenn die Bieber ihre Haͤuſer an Baͤchen Un
ſo ſind ſie noch leichter zu fangen. Die Jaͤger
hauen nämlich ein Loch ins Eis, ziehn ein Netz
darunter her, und zerſtoͤren die Haͤuſer der Bieber,
die immer das tiefſte Waſſer ſuchen, und ſich daher
haͤuſig in dieſe Netze verwickeln. Allein man muß
.
\
a 253
ſie nicht lange ruhig darinn laſſen, weil ſie ſich
ſonſt leicht mit ihren ſcharfen und ſtarken Bühnen
daraus würden los machen koͤnnen.
Die Indier verhindern ihre Hunde ſorgfältig ,
die Knochen von Biebern zu benagen, weil ſie theils
fo hart find, daß die Hunde leicht ihre Zähne daran
verderben koͤnnten, und weil ſie befuͤrchten, die
Geifter der Bieber durch dieſe Nachſicht ſo aufzu⸗
bringen, daß ſie ihnen die kuͤnftige Jagdzeit völlig
verderben den |
Fuͤr die Felle dieſer Tbiere tauſchen die iger |
von den Europäern ihre nothwendigen Waaren ein,
weil ſie von dieſen höher geſchaͤtzt werden, als alles
übrige Rauchwerk, und daher wird der Bieberfang
auch von den Judiern mit dem größten Eiſer bes
trieben.
Wenn die Indier Büffel a Elonbebiere, Rebe
u. u. dgl. m. fangen, ſo wird das Fleiſch davon gröͤßten⸗
de nter den Stamm, wozu fie gehören, aus⸗
getheilt. Aber zum Bieberfange vereinigen fi ch
Eh: nur etliche Familien, und theilen die
Beute unter ſich. Ueberhaupt ſehn ſie im erſten 0
Falle bey der Theilung auch immer etwas auf ihre
Familie; doch hört man nie, daß irgend Neid oder
aankeupien darüber entſtuͤnden.
Bey
—
Te a .
— 8 8 — = 2
f \
1000
iM
—
—— ——
„ Krieger genannt werden, und die immer,
254
Bey den Nabe iſt es ein Gewohnheitsge⸗
6, daß wenn jemand ein Stuͤck Wild anſchießt,
welches aber noch eine Strecke fortlaufen kann,
ehe es hinfaͤllt, er es einem andern, ſelbſt von ei⸗
nem andern Stamme, uͤberlaſſen muß, wenn dieſer
nahe genug iſt, ein Meſſer darinn zu ſtoßen, ehe
jener herbey kommt. So widerrechtlich und ge⸗
waltſam auch dies Geſetz zu ſeyn ſcheint, ſo laſſen
ſie es ſich doch willig gefallen. Die Indier, welche
an den hintern Kolonien wohnen, haben dagegen
die Gewohnheit, daß der, welcher ein Stuͤck Wild
zuerſt el auch den beſten Theil davon erhaͤlt.
MNaeuntes Kapitel.
Von der Art der Indier, Krieg zu führen.
Die Indier fangen an Waffen zu tragen, wenn
fie funſzehn Jahre alt ſind, und ſind dazu
bis zu ihrem ſechzigſten Jahre verpflichtet. Bey
einigen ſuͤdlichern Volkerſchaften hören fie ſchon
mit dem funfzigſten Jahre la in den Krieg
zu ziehn.
Bey jeder Voͤlkerſchaft und bey jedem Stamme
giebt es einen Haufen auserleſener Leute, die vor⸗
ſo
255
fo wie es s die Umſtaͤnde erfordern, zum Angriffe
oder zur Vertheidigung bereit ſeyn muͤſſen. Sie
ſind alle gut auf die Art bewafnet, welche die Lage
ihres Landes mit ſich bringt. Die Indier, welche
mit den Europaͤern umgebn, haben Meſſer, Aexte
und Flinten; diejenigen hingegen, welche weſt⸗
waͤrts vom Miſſtſippi wohnen, und ſich dieſe Waffen
nicht anſchaffen koͤnnen, fuͤhren Bogen und Mae
und Streitkolben, oder Cafle tetes.
Die Indier die noch weiter weſtwaͤrts f in einer
' Gegend wohnen, welche fich bis an die Suͤdſee ers
ſtreckt, bedienen ſich einer ſehr feltfamen Art Waffen.
Da fie Pferde im Ueberfluffe haben, fo greifen fie
ihre Feinde auch immer zu Pferde an, und beladen
ſich mit keinem andern Gewehre, als einem mittel⸗
maͤßig großem Steine, den ſie an eine ungefähr
fuͤnf Fuß lange Schnur binden, welche an ihrem
rechten Arme etwas über den Ellbogen befeſtigt iſt.
Dieſe Steine halten ſie ganz bequem in der Hand,
bis ſie ihrem Feinde nahe kommen, und wiſſen ſie
im vollen Rennen ſo geſchickt zu werfen, daß ſie
ihn ſelten verfehlen. Das Land, welches dieſen
Stämmen gehört, beſteht aus weitlaͤuftigen Ebenen,
und daher kommen ihre Feinde ſelten daraus zuruͤck,
weil ſie dieſe mit ihren ſchnellaufenden e 5
1 einpobfen konnen.
8 Die
— — — 2 — —
u m ir 3
8
256
Die Radoweſſter/ die mit dieſem Volke Krieg
gefuͤhrt hatten, erzaͤhlten mir, daß fie fich bloß durch
Moraͤſte und Gebuͤſche hätten ſichern koͤnnen. Sie
griffen ſie daher auch immer an Plaͤtzen an, die
für Kavallerie unwegſam waren, weil fie alsdann
über ihre Feinde, denen ihre Waffen völlig. unnütz
wurden, großen Vortheil erlangten.
Einige Voͤlkerſchaften bedienen ſich eines Wurf⸗
ſpießes, an deſſen Ende ein ſpitziger Knochen befe⸗
ſtigt iſt; doch beſtehn die Waffen der meiſten In⸗
dier in Bogen und Pfeilen, und der kurzen Streit⸗
kolbe, die aus einem ſehr harten Holze gemacht "
wird. Der Kopf daran hat die Geſtalt einer Rus
gel von ungefaͤhr viertehalb Zoll im Durchmeſſer,
und an dieſer Kugel iſt eine Schneide wie bey der
Streitaxt befeſtigt, welche aus un oder Kieſel⸗
ſtein gemacht iſt.
Die Nadoweſſter fuhren einen Dolch, der von
einer ſehr alten Erfindung zu ſeyn ſcheint; doch
konnten ſie nicht angeben, wie lange er ſchon bey
ihnen gebraͤuchlich geweſen waͤre. Er ward ſonſt
aus Knochen oder Kieſelſteinen gemacht; allein
ſeitdem ſie mit europaͤiſchen Kaufleuten handeln,
ſo verfertigen ſie ihn aus Stahl. Er iſt ungefaͤhr
zehn Zoll lang, und nahe bey dem Griffe ungefahr
drey an breit, Seine Ecken find ſehr ſcharf, und
gehn
in einer en von nNebfellen , die mit Stach
vom Stachelſchweine verziert iſt, und haben ihn
gewöhnlich an einer auf die naͤhmliche Art gezierten 0
Schnur. hangen, die nur bis auf die Bruſt herunter
geht. Doch wird dieſer ſonderbare Dolch blos von 10
einigen von den vornehmſten Anfuͤhrern, und eben
ſo ſehr zum Unterſcheidungszeichen em wuͤrkli⸗
chen Gebrauche getragen. 1805
Ich ſah bey den Nadoweſſtern We Schilde
n Tartſchen von rohen Buͤffelhaͤuten, welche die
naͤhmliche Form hatten, als die S childe der Alten.
Allein da es ihrer nur wenige gab, und ſie mir auch
nicht ſagen konnten, wer fie zuerſt bey ihnen ein⸗
geführt hatte, ſo ſchließe ich, daß ſie viele Geſchlech⸗
ter hindurch vom Vater u den Sohn waren ver;
erbt worden. e
Die Urſachen, malte die Indier a mit
g Nachbarn Krieg zu fuͤhren, ſind von der
naͤhmlichen Beſchaffenheit, als die, welche euro⸗
paͤiſche Völker anzuführen pflegen, doch find jener
ihre groͤßtentheils vernuͤnftiger und gerechter.
Eroberungsſucht verleitet ſie ſelten, das Gebiet
ihrer Nachbarn anzugreifen und zu verheeren. Ihre
haͤufigen und blutigen Fehden ruͤhren gewoͤhl lich das
von her, daß ein jeder ſeine Jagdgerechtigkeit i inner⸗
Carvers * R balb
halb gewiſſer Grenzen behaupten, oder das fand, |
das er einmal durch den fangen Beſitz als fein Ei⸗
genthum anſieht, gegen alle Eingriffe ſichern will.
Sie haben zwar kein beſondres Eigenthum, aber
dem ungeachtet kennt ſelbſt der unwiſſendſte unter
ihnen die Rechte ſeines Volkes auf die Grundſtuͤcke,
En nun es beſitzt, und iſt immer bereit, ſich allen
Verletzungen dieſer Rechte zu widerſetzen.
Man glaubt zwar durchgehends, daß ſich die
Grenzen ihrer Länder, eben weil fie fo weitlaͤuftig
find, nicht gut beſtimmen laſſen, aber ich bin den⸗
noch überzeugt, daß jede Voͤlkerſchaft in den innern
Gegenden von Nordamerika ſie auf ihren rauhen
Karten genau bezeichnet hat. Ich habe ſchon oben
angefuͤhrt, daß ich meine Karten nach den ihrigen
einrichtete, und daß ich durch die genaueſten Uns
0 terſuchungen und Beobachtungen nur wenig "Fälle
ausfuͤndig machen konnte / ‚in en Wefers
waren. |
Doch iſt ihr Vortheil niche der wicheigfte dene
gungsgrund zum Kriege gegen einander. Die B
gierde zur Rache, die Hauptleidenſchaft dieſer Bol
ker, iſt die gewoͤhnlichſte Ucſache. Sie fuͤhlen jede
Beleidigung aufs empfindlichſte, und ſuchen auf
alle mögliche Art fie zu raͤchen. Hierzu kommt
noch der Trieb, ſich durch tapfere Thaten hervor
| 8 259
zu thun, von welchem jeder Indier, wenn er ſich
dem männlichen Alter nahet, beſeelt wird. Sie
lernen von ihrer fruhen Jugend an, daß der Krieg
ihre vornehmſte Beſchaͤftigung ſeyn wird, daß man
nach nichts mehr trachten muͤſſe, als den Ruhm
eines großen Kriegers zu erlangen, und daß es kein
größeres Verdienſt gebe, als eine Menge Feinde
zu erſchlagen, oder gefangen zu nehmen. Es iſt des⸗
wegen gar kein Wunder, daß die jungen Indier be⸗
ſtaͤndig raſtlos und misvergnügt ſind, wenn ihr
Feuer unterdrückt wird, und ſie gezwungen werden,
unthätig zu bleiben. Dieſer ihnen eingefloßte Hang
und ihre Rachbegierde ſind daher immer hinreichend,
ſie zu Geinbfeligfeicen. e ihre menen du
ee Bde 5 50
Wenn ihre Anführer e einen Krieg für 51 5 5
1 ſo brauchen ſie nur dieſe beyden Federn anzu⸗
fpannen, um ihre Krieger zu den Waffen zu reizen.
Sie bedienen ſich dazu auſſerdem noch ihrer kriege ⸗
riſchen Beredtſamkeit, die nie ihrer Wuͤrkung ver⸗
fehlt. “Die Knochen eurer gebliebenen Landsleute
liegen unbedeckt; ſie fordern uns auf, ihr Unrecht
“zu rächen, und es iſt unſre Pflicht, ihnen zu ger
horchen. Ihre Geiſter ſchreyen gegen uns, und
wir muͤſſen ſie beſaͤnftigen. Hoͤhere Geiſter, die
ne unſrer Ehre, floͤßen uns den Entſchluß
R 3 | ein, |
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Be
1 %
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Yin
“ein, die Mörder unſrer Brüder aufzuſuchen. Laßt
“uns gehn und ſie verſchlingen, durch welche ſie
eſielen. Sitzt daher nicht laͤnger 'unthätig, folgt
dem Triebe eurer angebohrnen Tapferkeit, ſalbt
“euer Haar, bemahlt euer Antlitz, fuͤllt eure Koͤ⸗
cher, laßt die Wälder von eurem Geſange wieder⸗
cchallen, troͤſtet die Geiſter der Peer .
gelobt ihnen Rache.“ 15 0 65
Begeiſtert von ſolchen Aufforderungen EN 99
ſie wuͤthend ihre Waffen, ſtimmen ihr Sie
au, und brennen vor Ungedult, ihre Haͤnde in dem
Blute ihrer Feinde zu waſchen. K |
Zuweilen verſammeln einzelne Anfuͤhrer kleine |
| Haufen, und unternehmen Streiſereyen gegen
ihre offenbaren Feinde, oder andre, die ſie be⸗
leidigt haben. Ein Krieger allein iſt ſogar im
Stande, wenn ihn Rache, oder die Begierde, feine
Tapferkeit zu zeigen, antreibt, etliche hundert Mei⸗
len weit zu gehn, um zerſtreute Feinde zu Übtefalken,
und zu ermorden. |
Doch werden dies mungelmübioo Streiferenen
nicht immer von den äftern Anfuͤhrern gebilligt,
ungeachtet ſie gezwungen find, dabey dutch die Fin⸗
ger zu ſehn, wie das in der oben erwaͤhnten Fehde
zwiſchen den Nadoweſſiern und ene der
Fall war. | ee a A Tr
u” 1 | So
5 So bald ein Krieg das ganze Volk betrifft, —
mit allgemeiner Einwilligung beſchloſſen wird o
ſind ihre Berathſchlagungen darüber ſehr umſtaͤnd⸗
lich und langſam. Die Aelteſten verſammlen ſich
im Rathe, wobey alle Hauptkrieger und jungen
Leute zugelaſſen werden. Hier erklären fie ihre
Meynung in foͤrmlichen Reden, und uͤberlegen die
Beſchaffenheit des Unternehmens, worauf ſie aus⸗
gehn wollen, reiflich, und ſtellen mit vieler Klug⸗
heit alle Vortheile und Nachtheile, die daraus er⸗
anch koͤnnen, gegen arenen (
Ibre Prieſter , und fogar die klügsten Frauens ·
perſonen werden dabey um Rath gefragt. Wenn 5
ſie ſich zum Kriege entſchließen, , ſo machen ſie die
Zubereitungen dazu mit vielen Feyerlichkeiten. 9
Der Hauptkrieger e eines Volkes führe nicht i im⸗
mer die Partheyen ſelbſt an, ſondern überträgt das
Kommando oft an einen Krieger, von deſſen Ta⸗
pferkeit und Vorſicht er eine gute Meynung hat.
Dieſer Anfuͤhrer nun wird ganz ſchwarz beſtrichen,
und muß etliche Tage faſten, wobey er den großen
Geiſt um feinen Beyſtand anfleht, oder den Zorn der
böfen Geiſter abzuwenden ſucht. So lange, als
das Faſten auret, darf er enen von e
e
8 —
2⁵²
Augleich giebt er ſehr genau auf ſeine Traͤume
Acht, weil davon der guͤnſtige Erfolg großentheils
5 abhaͤngen ſoll. Dieſe Traͤume ſind natuͤrlicher⸗
weiſe immer vortheilhaft, weil ein jeder Indier ſich
bloß mit dem ſtolzen Gedanken beſchaͤftigt, daß der
Sieg auf allen Schritten vor ihm hergehn werde.
Sobald das Faſten, das ſeine beſtimmte Zeit
b voruͤber iſt, fo verſammlet der Anfuͤhrer ſeine
Krieger, und redet ſie mit einem Guͤrtel von
Wampum in der Hand auf folgende Art an:
Bruder, ich ſpreche jetzt auf Eingebung des
(großen Geiſtes mit euch; durch ihn werde ich
“nein Vorhaben, das ich euch jetzt entdecken will,
“ausführen können. Das Blut unfter gefallenen
| “Brüder iſt noch nicht vollig vertrocknet; ihre Koͤr⸗
“per liegen noch unbedeckt, und 15 liegt es jest |
u. ihnen diefe Pflicht zu erzeigen.”
1
Hierauf macht er ihnen die Be e
Pen die ſie nöthigen, die Waffen gegen ein
gewiſſes Volk zu ergreifen, und beſchließt feine Rede:
Ich bin daher entſchloſſen, über den Kriegsweg
zu gehn, und ſie zu überfallen. Wir wollen ihr
Fleiſch eſſen, und ihr Blut trinken; wir wollen
1 Haͤute von Erſchlagenen, und Gefangne zuruͤck
bringen; und ſollten wir bey dieſem glorreichen
“Unternehmen umkommen, fo werden wir nicht
A “immer
263
“immer im Staube verborgen legen, andern dieſer
ku Gürtel, foll die Belohnung. deſſen ſeyn, der die
Todten begraben wird. Er legt alsdann den
‚Gürtel auf die Erde, und ih Krieger, ‚der. ihn auf⸗
nimmt, erklaͤrt ſich zu feinem. Gehuͤlfen, und wird
als der zweyte Anführer angeſehn. Doch darf ihn
bloß ein angeſehener Krieger aufnehmen, der ſich
durch die Menge ae en ein Nahe zu Nets
Stelle erworben bat. n tn u 0
Die Indier RR e 5 dee das Seich
ihrer Feinde effen und ihr Blut trinken; allein
dieſe Drohung iſt weiter nichts, als ein ſiguͤrlicher
Ausdruck. Doch freſſen ſie zuweilen das Herz ihres
erlegten Feindes, und trinken fein Blilt , aber bloß
um groß zu thun, oder ihre de Re eine e
lendere Art zu befriedigen. i ee ene ee
Wenn dieſe Feherlichleit vorbey iſt, ſo wird dem
Anführer ſeine ſchwarze Farbe abgewaſchen, 2 und
man man beſalbt ihn mit Baͤrenfett und bemahlt 1 0
ibn roth mit ſolchen Figuren, als nach ihrer Mey⸗
nung den Feinden das meiſte Schrecken einflößen
0 müſſen. So a dies gehen il, 0 e ingt er
Kt Anne zum großen
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Geiste | mit f die Sonne gerichteten Auger 55
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etwas zur
muß, ſo vekfertigen die Prieſter, die zugleich
e Bigehradt,
op dieſe Feyerichkeit folgen die oben beſchrie⸗
en Tänze, und den Beſchluß macht ein Gaſt⸗
mahl, das gewohnlich aus Hundefleiſch beſteht.
Dies Gaſemahl wird in dem Zelte des Sate
kriegers gegeben, von dem ſich alle, die ihn auf
dem Zuge begleiten wollen, ihre Schuͤſſeln fuͤllen
laſſen. Ungeachtet ſeines Faſtens bleibt er ſo lange,
—
als das Feſt waͤhrt, ruhig mit der Pfeiffe im
Munde ſitzen, und ritt die tapfern Thaten Win
R N die Hofnung / 1 Wunden, die fie .
gen konnten, ‚gehörig behandelt zu ſehn, immer
Vermehrung ihres Muthes beytragen i
ihre
Aerzte ſind, allerhand heilende Arzeneyen. Sie
ſammlen dazu mit vielen Ceremonien eine Menge
gt Wurzeln und Kräuter, und behaupten, 5 ſie
ſolche wuͤrkſam machen konnen.
So viel iſt bey allen ibren aberglzubiſchen Ge⸗
branchen gewiß, daß ſie die medieiniſchen Eigen⸗ 0
ſchaften von vielen Kraͤutern kennen, und ſich ibrer 4
ſehr geſchickt zu bedienen wiſſen.
Die ganze. Zeit, von der eee an,
ö bis zum Abmarſche der Krieger, werden die Nächte
mit kuſtbar keiten, und die Tage mit no ch
a Mas
var
dendigen
5
* N | Wenn
| 1 * * { PR 2 2
) R
840 265
Wenn Werte f bree Volk es für nöthig haͤlt,
einen benachbarten Stamm um Huͤlfe anzuſuchen,
ſo waͤhlt es einen von ſeinen Anfuͤhrern, der die
Sprache des andern Volks gut verſteht, und der
uͤberhaupt auch ſonſt ein guter Redner iſt, und
ſchickt durch ihn einen Guͤrtel Wampum y worauf
die Abſicht der Geſandſchaft durch Figuren ausge⸗
druckt iſt, die ein jedes Volk ſehr gut verſteht.
Auſſer dieſem Guͤrtel führt er noch eine et ber
mahlte Art bey fich.
So bald er das dager ob Dorf, b er ge;
5 chick wird, erreicht, ſo giebt er dem Anfuͤhrer des
Stammes Nachricht von dem Zweck ſeiner Geſandt⸗
ſchaft, und dieſer beruft gleich einen Rath zuſam⸗
men, vor welchem der Geſandte erſcheinen muß.
Hier legt er die Axt auf den Boden, und erklaͤrt
mit dem Guͤrtel in der Hand umſtaͤndlicher die
Veranlaſſung ſeiner Geſandſchaft. Er bittet ſie
in ſeiner Rede, die Axt aufzunehmen, und ſo bald
er auf höre, fo uͤberliefert er den Gürtel.
Wenn die Verſammlung geneigt iſt, der andern 5
Nation beyzuſtehn, ſo tritt einer von den Anfüh⸗
rern hervor, und nimmt die Art auf, und alsdann
nebmen ſie ſich ihrer Bundsgenoſſen mit vielem Eis
fer an. Wird aber weder Art noch Guͤrtel ange⸗
nommen, ſo ſchließt der Abgeſandte, daß das Volk,
an .
N
266
deſſen Beyſtand er gene ſich ſchon mit den
Feinden ſeiner Nation in ein Buͤndniß eingelaſſen
habe, und, kehrt eifigft zuruͤck, um feinen Landsleu⸗
1 daß ſie dem Volke, welches ſie bekriegen wollen,
eine am Stiel roth bemahlte Art durch einen Skla⸗
ven uͤberſchicken. So gefaͤhrlich dieſer Auftrag
fuͤr den Eh 05 ſo e er 7 15 immer *
ya aus. 1
N
ei erregt dies Herausſorderungszeichen eine
ſolche Wuth bey dem Volke, daß ſich ſo gleich ein
kleiner Trupp auf dem Weg macht, 5 ohne die Er⸗
laubniß der aͤltern Oberhäupter abzuwarten, um
den erſten von der angreifenden Nation, der ihnen
aufſtößt, umzubringen. Treffen ſie einen an, ſo
bauen ſie ihm den Leib auf, und ſtecken eben ſo eine
Art, als ihnen überfi hickt ward, ins Herz ihres er⸗
ſchlagenen Feindes.
men geſchieht dies mit einem Spieße oder Pfeile,
| deſſen Ende roth gemahlt iſt. Um ihre Feinde noch
mehr zu erbittern, iD verftümmeln fi fi 7 den Körper,
) und zeigen dadurch, daß fie fie nicht Männern,
‚fondern alten Weibern gleich höhen. N
Die Kriegserklärung der Indier beſteht darinn,
wegen der erſten Wuth der beleidigen Nation auch |
ten von feinem üblen Erfolge Nachricht zu geben.
Bey den entferntern Staͤm⸗ 1
ee 8
Die Indier ziehn ſelten in großen Haufen zu
Felde, da ſie mehr Muͤhe auf ihren Unterhalt auf
ihren langen Maͤrſchen durch fuͤrchterliche Woͤlder
oder uͤber Moraͤſte und Seen wuͤrden wenden müß 55
0 als ſie ſich gern geben.
Ihr Heer führe nie Gepäck oder er
mit ſich. Ein jeder Krieger hat auſſer feinen Waffen
blos eine Matte, und lebt auſſerhalb den Grenzen
ſeiner Feinde, von dem Wilde, das er erlegt and
von den Fischen, die er r fangt.
Wenn ſie durch eine Gegend kommen, wo ſie
nor. ‚befürchten dürfen, Feinde anzutreffen, ſo |
find fie nicht ſehr auf ihrer Hut. Zuweilen bleiben
raum zwölf Krieger zuſammen, ‚ bie übrigen gehn
auf die Jagd. Aber wenn fie, auch noch ſo weit
vom Kriegswege abgehn, ſo ſind ſie doch ſicher,
ſich zur beſtimmten Zeit Nieder an dem Sammel⸗
h aden |
Sie ſchlagen ihre gelte immer kei vor Sonnen⸗
* unfergange auf und da fie überhaupt eine ſehr hohe
Meinung von ſich haben, ſo geben ſie ſich wenig
Muͤhe, ſich gegen einen Ueberfall in Sicherheit zu
ſtellen. Sie verlaſſen ſich ſehr auf ihre Manitus
oder Hausgoͤtter, die ſie immer mit ſich führen, und
da 5 zu ſeyn anden daß ſie Schild⸗
wachen⸗
5 . f
we s 7 3 \
N «dl 9 f | u Gun) R AL
f 5 a e
wachenſtelle vertreten, ſo ere fie ug unter
ihrem Schutze ein. %
Dieſe hie, ’ wie fie bey einigen Völkern |
heiffen, welche die Nadoweſſter aber Wakon „das
beißt Geiſter nennen, ſind nichts weiter, als die
ſchon beſchriebenen Otter⸗ und Marderfelle, für die
/ sie eine ſehr große Hochachtung haben. |
So bald fie fich in des Feindes Lande befinden,
find ſie aͤuſſerſt vorſichtig und behutſam. Sie zuͤn⸗
den weiter Fein Feuer an, man hort kein Geſchrey
von ihnen, und ſie gehn nicht mehr auf die Jagd.
Sie durfen fo gar nicht einmal mit einander ſprechen,
| fondern muͤſſen ſich ihre Gedanken * Zeichen
und Gebaͤrden mittheilen. 1
Sie ve laſſen ſich ganz auf Kriegsliten, 55 heims
© liche Nach lungen. So bald ſie ihre Feinde ent⸗
decken, ſo ſchicken fie etliche Kundſchafter aus, um
ihren Zuſtand zu erfahren, und ſo wie dieſe zurück
kommen, ſo wird ein Rath uͤber die mitgebrachten
Nachrichten gehalten, 3 ſie wir: area 505 |
mit einander ſprechen.
Ihre Angriffe thun fie gewöhnlich 8 vor <a
brach, weil ſie alsdann ihre Feinde im tief⸗
ſten Schlafe zu finden glauben. Die ganze vorher⸗ g
gehende Nacht liegen ſie platt auf der Erde, ohne
ch su * und naͤhern ſich kriechend auf Haͤn⸗
wir den
269
den und Fuͤſſen, bis ſie aue einen Bogenſchuß an
ihre Feinde gekommen. Und jetzt ſpringen alle auf
ein vom Hauptkrieger gegebenes Zeichen auf, ſchieſ⸗
ſen ihre Bogen ab, und ſtuͤrzen, ohne ihren Geg⸗
nern Zeit zu laſſen, ſich von ihrer Verwirrung zu
erhohlen, mit ihren rn und 9 Haheeeien über
f ie her. ni |
Die Judier glauben f daß ſie wenig Ehre 906
üben, „ihre Feinde offenbar anzugreifen. Sie ſu⸗
chen ihren Ruhm blos im Ueberfallen und Morden.
Selten greifen ſie an, ohne offenbaren Vortheil zu
haben. Wenn ſie ihren Feind auf der Hut, zu
gut bedeckt, oder zu zahlreich finden, ſo ziehn ſie
ſich zuruͤck „wenn es ihnen moͤglich iſt. Die vor⸗
zuͤglichſte Eigenſchaft eines Hauptkriegers beſteht
darin daß er verſteht einen Angriff zu ordnen,
und viele Feinde mit geringem Verluſte zu erlegen.
| Zuweilen ziehn fie, ſich hinter Bäume, Hügel
oder Felſen, und ziehn ſich nach etlichen Schuͤſſen
unentdeckt zuruͤck. Europaͤer, die dieſe Art zu fech⸗
ten nicht kannten, Ronen zu 152 die eren en
Würkungen davon.
General Braddock be zu Ban 0 dieser u N
glücklichen Er ruͤckte im Jahr 1755 zum Angriffe
von Fort du Quesne vor, und ward von einer Par⸗
eh mee Judier, die fuͤr die Franzoſen
i l foch⸗
fochten, angegriffen, und verlohr den größten Theil
| feines Heeres, welches aus dreytauſend tapfern Leu⸗
ten beſtand. Die Indier hatten eine ſo verdeckte 0
Stellung genommen, daß die Englaͤnder kaum wuß⸗
ten, woher und von wem fie fo viel litten. So
lange das Gefecht daurete, ließ ſich kein Indiere er⸗
blicken, und die Engländer waren genoͤthigt ſich
zuruͤck zu ziehn, ohne ſich auch nur im geringſten
für ihre Niederlage rächen zu konnen. Der Ge
neral ſelbſt bezahlte feine Verwegenheit mit ſeinem
eben, und mit ihm fiel eine Menge braver Leute,
da ſeine unſichtbaren Feinde hingegen blos 2
Verwundete hatten.
Wenn die Indier ihren Ueberfal gückch aus; |
fübren, ſo laͤßt ſich die fuͤrchterliche Scene ihrer
Wuth nicht beſchreiben. Die Grauſamkeit der Sie⸗
ger, die Verzweiflung der Beſiegten, die ſehr gut wiſ⸗
ſen, was ihnen fuͤr ein Schickſal bevorſteht, wenn ſie
gefangen werden, macht, daß beyde ihre aͤuſſerſten
Kraͤfte ene Der Anblick der Streitenden, die
alle roth und ſchwarz bemahlt und mit dem Blute der
Erſchlagenen bedeckt ſind, das fuͤrchterliche Geheul,
und ihre grenzenloſe Wuth bene alle Wege |
eines Europaͤers. ii
Ich bin oft ein Zuſchauer en Bean „ alle
nahm einmahl auf eine ſehr nachdruͤckliche Art Theil
| daran,
271
daran, und was den Auftritt noch ſchrecklicher
machte, war mein voͤlliges Unvermögen, Wider⸗
ſtand zu leiſten. Mir ſchwebt noch jeder Umſtand
davon im Gedaͤchtniſſe, und ſetzt mich in den Stand,
die viehiſche Wuth der 6 0 in ein ee beleres
Licht zu ſetzen.
General Webb, der 1757 die angie Amen
in Nordamerika befehligte hatte eben bey Fort
Edward ſein Lager, als er die Nachricht erhielt,
daß die franzöſiſchen Truppen unter General Mont⸗ |
calm gegen Fort William Henry anruͤckten.
Er ſchickte daher gleich ein Chor von funfzehn hun⸗
dert Mann, die theils aus Englaͤndern, theils aus
| Provinzialen beſtanden, zur Verſtaͤrkung der Bes
ſatzung ab. Ich befand mich mit bey dieſen Truv⸗
pen als Freywilliger unter den Provinzialen.
Die Vorſorge des engliſchen Befehlstaber war
nicht vergeblich; denn den Tag nach unſrer An⸗
kunft ſahn wir den Georgenfee, (ehemals der Sa
kramentſee genannt) an welchem das Fort liegt,
mit einer unzaͤhligen Menge Boote bedeckt, und
wenige Stunden nachher wurden unſre Linien! von
den Feinden angegriffen, die aus eilftauſend Fran⸗
zoſen und Kanadiern, und zweytauſend Indiern
beſtanden. Der tapfre Oberst Monro war Be⸗
e des Forts, und ſeine Beſatzung beſtand,
unſer
unſer Chor mit ebegeiſfn, aus zweytauſend .
hundert Mann. ee
Er vertheidigte ſich ungemein hartnäckig, 3
5 würde vielleicht das Fort erhalten haben, wenn er
waͤre gehörig unterſtuͤtzt worden, oder nur fein aͤuſ⸗
ſerſtes haͤtte thun duͤrfen. Auf jede Aufforderung
des franzöſiſchen Generals, der ihm die beſten Be;
dingungen anbot, war feine Antwort, er ſaͤhe ſich
noch im Stande, allen Angriffen der Belagerer zu
widerſtehn, und wenn er ſich auch dazu zu
1 ſchwach fuͤhlte, ſo konnte er jeden Augenblick v von
„ der Armee Verſtaͤrkuug erhalten.
1 Allein General Webb, dem der Oberſte feinen
Zuſtand hatte wiſſen, und ihn um Huͤlfe erſuchen |
laſſen, ſchickte einen Boten mit einem Briefe,
worinn er ihm ſchrieb, er Fonnte ihm nicht zu Huͤlfe
kommen, und er moͤgte daher das Fort auf die be⸗
ſten Bedingungen, die er erhalten könnte, uͤber⸗
geben. Dieſer Brief gerieth dem franzofifchen Ges
neral in die Haͤnde, der den Kommendanten gleich
um Erlaubniß erſuchen ließ, mit ihm ſprechen zu
Dürfen. Sie kamen unter Bedeckung einer kleinen
Wache mitten zwiſchen den Linien zuſammen, und
General Montcalm erklaͤrte, er waͤre in Perſon ge⸗
kommen, um die Uebergabe des Forts zu verlan⸗
g gen, da es dem Wönigen fing Herrn, gehörte.
| Der
| ne 273
e Oberſte oe er wüßte nicht wie das
ſeyn koͤnnte, und er waͤre daher ii es
1 aͤuſſerſte zu vertheidigen.
Der franzoͤſiſche General gab ihm Wa den
Brief und fagte, “hier iſt meine Vollmacht, das 1
Fort im Befis zu nehmen”. Der Oberfte ſah jezt
nur zu gut, daß der Befehl von ſeinem Obern kam,
und ließ ſich, zwar ſehr wider be Wilen, ‚in
eine Unterhanbfung ein. | |
| Der Beſatzung ward „ihrer bewiesenen Tapfer
keit wegen, erlaubt, mit allen Ehrenzeichen abzu⸗
ziehn, es wurden ihr bedeckte Wagen zur Abfuͤh⸗
rung ihres Gepaͤckes nach Fort Edward, und eine
Wache verſprochen, um ſie gegen die Wuth der
Wilden in Sicherheit zu ſetzen. 8
| Den Morgen nach der Kapitulation ward ie |
ganze Beſatzung, die jetzt aus ungefaͤhr zwey
tauſend Mann, ohne Weiber und Kinder, bes
fand, innerhalb! der Linien formirt, und war eben
im Begriff abzumarſchiren, als ſich eine große
g Menge Indier um ſie her verfammfete, und zu
pluͤndern anſieng. Wir hoften anſaͤ änglich, daß fie
ſich hiemit würden begnuͤgen laſſen, und thaten ih⸗
nen daher gar keinen Widerſtand, wozu wir auch |
ohnehin nicht im Stande waren. Wir hatten zwar
die Erlaubniß, unſre Waffen mitzunehmen, aber
CLarvers Reifen, S man
1
14400
Bin *
il x
|
5 ee
man ließ uns keine einzige Patrone. Doch es blieb
nicht beym pluͤndern, denn gleich darauffielen einige
die Kranken und Verwundeten an, und alle, die
nicht mehr vermoͤgend waren, in die Glieder zu
kriechen, wurden alles ihres Schreiens und Jam⸗
merns ungeachtet bald hingerichtet.
Nun glaubten wir doch wenigſtens, daß alle Ge⸗
fahr voruͤber ſeyn wuͤrde, und unſre kleine Armee
ſieng an, vorzuruͤcken, allein wir ſahen bald, daß
der Vortrab zuruͤck getrieben ward, und daß wir
ganz von den Wilden umringt waren. Noch er⸗
warteten wir jeden Augenblick, daß die Wache,
welche die Franzoſen uns bey der Uebergabe ver⸗
ſprochen hatten, ankommen würde, aber fie erſchien
nicht, und jetzt fiengen die Indier an, uns allen
die Waffen und Kleider abzureiſſen, und lieſſen den,
1 ſich irgend mein „die Schwere ihrer Aexte 5
fühlen. 1600
Ich befand mich im Nachtrabe, aber dennoch
nahm ich bald an dem Schickſale meiner Ge⸗
faͤhrten Theil. Etliche Wilde packten mich, und
riſſen mir meine Kleidungsſtuͤcke, meine Schnallen
und mein Geld weg. Dies geſchah nahe bey dem
Wege von den Linien auf die Ebene, auf welchem
eine franzofifche Schildwache ſtand, zu welcher ich
uf, um Schutz zu ſuchenz allein ich hieß ein eng⸗
liſcher
der in einiger Entfernung fich verſammlet hatte,
zu erreichen, aber es geſchahen von allen Seiten
ſo viel Schlage nach mir, daß ich nicht mit dem
ſiengen an, alle die ihnen nahe waren, ohne Unter⸗
| liſcher Hund, und 808 mit Gewolt wider mitten
unter die Indier geſtoßen. |
an dere Seite her, und von einem andern erhielt ich
auch eine Spießwunde am Knoͤchel. Endlich er⸗
mich aus den Haͤnden der Indier losmachte, war
3
Ich ſuchte jetzt einen Haufen unſrer 80
Leben würde davon gekommen ſeyn, wenn die Wil⸗
den nicht ſo dicht bey einander geſtanden haͤtten,
daß fie befürchten mußten, ſich einander ſelbſt zu
treffen. Doch ſtieß mir einer mit einem Spieße
reichte ich den Fleck, wo meine Landsleute ſtanden,
und drängte mich mitten unter ſie. Doch ehe ich
mein Hemd ſo zerriſſen, daß nichts als der Kragen
und vorn die Aermel davon uͤbrig waren, und uͤber⸗
all hatte ich Spuren von den wilden Griffen .
Indier. 5 \ en N
Jezt erhoben die Indier ihr Kalegegeſchten und
ſchied zu ermorden. Es iſt mir unmöglich , Dies
fen fuͤrchterlichen Auftritt nur einigermaßen zu
beſchreiben. Maͤnner, Weiber und Kinder wur⸗
den auf die ſchaͤndlichſte Art hingerichtet, und gleich
see: Viele von den Wilden tranken das
S 2 | | Blut
1 Blut ihrer Schlachtopfer, 81 wie es io garzwarn
5 aus den Wunden hervorquoll.
Wir ſahn nun leider zu fpät, daß wir von n den
Franzoſen keine Huͤlſe erwarten durften, und daß
ſie gegen ihr Verſprechen uns der Wuth der Indier
bloß ſtellten; denn ich konnte die franzoͤſiſchen Offi⸗
ziere deutlich in einiger Entfernung herumſpazieren,
und ganz gleichguͤltig mit einander reden ſehn. Ich
hoffe zwar zur Ehre der menſchlichen Natur, daß
dieſe ſchaͤndliche Verletzung der heiligſten Geſetze
mehr durch die Grauſamkeit der Indier, die wirk⸗
lich zuweilen ſich nicht baͤndigen läßt, als von dem
franzoͤſiſchen Befehlshaber veranlaßt wurde; allein
man ſollte doch faſt glauben, daß zehntauſend chriſt⸗
liche Truppen dem Morden von eee Ju
| diern hätten Einhalt thun können. . 10
Der Kreis, in dem ich mich befand, hatte ſchon
(ehr abgenommen, und das Blutvergießen erſtreckte
ſich immer weiter; es ſchlugen daher einige von
den entſchloſſenſten vor, alle unſre Kraͤfte anzu⸗
ſtrengen, um durch die Wilden durchzubrechen, da
dies das einzige wahrſcheinliche Mittel war, unſer
Leben zu retten. So verzweifelt es auch war, ſo
wagten wir es doch, und es ſtuͤrzten ſich auf ein⸗
mahl zwanzig von uns unter die Indier. Wir wur⸗
den in einem ee von * getrennt,
und
10
und ich erfüße erſt einige Wonathe nachher, bag
ſieben ſich davon gerettet hatten. Ich ſuchte mir
auf die befte Art den Weg durch die Indier zu
bahnen, und ich habe oft nachher nicht begreifen
konnen, mit wie vieler Vorſicht ich jeden Schritt
zu meiner Erhaltung that. Einige ſtieß ich nieder,
da ich noch alle meine Jugendkraͤfte beyſammen
hatte, und andern entgieng ich, durch meine Ge⸗
ſchwindigkeit, bis mich endlich zwey ſtarke Anfuͤh⸗
rer, die, wie ich an ihrer Kleidung ſehn konnte, zu
den wildeſten Staͤmmen gehoͤrten, bey beyden Ar⸗ N
men faßten, und mid) durch den Haufen diudurch
ſchleppten.
Aa Ich hielt mich ſchon für verlohren, da fie mich
0 einen Moraſt zufuͤhrten; allein wir waren kaum
etliche Schritte weit gegangen, als ein Englaͤnder,
vielleicht vom Stande, wie ich aus ſeinen rothen
ſammtnen Hoſen ſchließen mußte, die einzige Be⸗
Ä deckung, die er noch hatte, dicht bey uns vorbey
ſtuͤrzte. Einer von den Indiern ließ mich fahren,
und ſuchte ſeine neue Beute zu haſchen. A lein der
Englaͤnder, der zu ſtark für ihn war, warf ihn nie⸗
der, und wuͤrde vermuthlich entkommen ſeyn, wenn
nicht der andre Indier, der mich hielt, ſeinem Ge⸗
faͤhrten zu Huͤlfe geeilet waͤre. Ich nahm dieſe
We wahr, und lief auf einen noch unge⸗
e . trenn⸗
2 u Ä
frennten Haufen Englaͤnder zu, den ich in einiger
Entfernung vor mir ſah. Ich warf noch einen
Blick auf den Englaͤnder zuruͤck, dem ich meine
Rettung zu danken hatte, und ſah, daß der zweyte
Indier ihn von hinten mit der Axt nieder hieb,
welches mein Schrecken und meine Verzweiflung
noch vermehrte. / | ; Bi
| Kaum kam ich einige Schritte weiter, ſo kam
5 dein kleiner niedlicher Knabe auf mich zu, und bat
mich, ihn anzufaſſen, damit er den Haͤnden der
Wilden deſto leichter entgehn möchte; aber er
ward bald von mir geriſſen, und nach ſeinem
Schreyen zu urtheilen, ermordet. So vielen |
Schmerz mir auch das Schickſal dieſes armen Kin⸗
des machte, ſo war es mir doch nicht möglich, ihm
zu helfe, e e, eh
Ich befand mich jetzt wieder unter Freunden;
allein wir waren nicht im Stande, einander beyzu⸗
ſtehn. Dies war grade der Trupp, der am wei⸗
teſten vom Forte vorgeruͤckt war, und daher ſchoͤpfte
ich einige Hofnung, mich durch die aͤuſſern Glieder
durchzudraͤngen, und in einen nahe vor uns liegen⸗
den Wald zu entkommen. Ich erreichte auch dieſen
Wald gluͤcklich; allein ich war ſo auffer Athem, daß
ich mich halb todt unter einen Buſch hinwarf.
Kaum hatte ich mich wieder etwas erhohlt, ſo ward
| RS meine
' 5 —
1
I
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N) —
0
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|
|
|
u RE 2, 200
meine Furcht durch etlichen Wilden erneuert, die
nicht weit von mir vorbey giengen, wahrſcheinlich
um mich aufzuſuchen. Ich wußte jetzt nicht, ob
es ſicherer waͤre, mich hier zu verbergen, bis die
Nacht einbraͤche, oder tiefer ins Holz zu kriechen;
doch erwaͤhlte ich das letzte, aus Furcht, die In⸗
dier moͤchten zuruͤck kommen, und eilte in eine
andre Gegend des Holzes ſo ſchnell, als die Dorn⸗
ſtraͤuche und der Verluſt eines meiner Schuhe mir
erlauben wollten. Nach etlichen Stunden erreichte
ich einen Berg, von dem ich den ſchrecklichen Schau⸗
platz uͤberſehn, und ganz deutlich wahrnel hmen
konnte, daß das DIENEN noch immer W. i
währte. IN | | |
Doch um 1 . zu ermüben, will ich
bloß hinzuſetzen, daß ich, nachdem ich drei Tage
gehungert hatte, und drey Naͤchte dem kalten Thau
| ausgeſetzt geweſen war, endlich Fort Edwards er⸗
reichte, wo ich durch gehoͤrige Vorſorge meine vo⸗
rige Stärfe und Munterkeit bald wieder erhielt.
Man rechnete, daß die Wilden an dieſem frau
rigen Tage funfzehnhundert Perfonen umbrachten,
oder gefangen wegſchleppten, von welchen letztern
viele nie zuruͤck kamen. Nur einige wenige fanden
nachher wieder den Weg nach ihrem Vaterlande,
S 4 nach⸗ |
05
28⁰
ſchaft ausgeſtanden hatten. 0 „
Der brave Oberſte Monro war, ſo wie die Ver⸗
wirrung angieng nach dem franzoͤſiſchen Lager
geeilt, um die verſprochene Wache zu. hohlen; allein
da ſeine Bemuͤhungen vergeblich waren, ſo blieb
er da zuruͤck, bis General Webb ein Kommando
abſchickte „ um ihn nach Fort Edward abzuhohlen.
Allein dieſe ungluͤckliche Begebenheit, die wahr⸗
ſcheinlicherweiſe ſich nicht wuͤrde zugetragen haben,
wenn er nach ſeinem eignen Plane haͤtte handeln
duͤrfen, machte ihm ſo viel Kummer, daß er ſie
nicht lange uͤberlebte, und man kann gewiß be⸗
baupten, daß ſein Vaterland einen tapfern und ·
nachdem ſie eine lange und traurige Gefangen⸗
muͤrdigen Mann an ihm verlohr. En
Ich will zwar nicht behaupten daß es eine un: ;
mittelbare Strafe des Himmels war, daß ſo we⸗
nige von den Wilden, die an dem Blutvergießen
Theil nahmen, nach ihrem Vaterlande zuruͤck
kamen; aber es iſt doch merkwuͤrdig, daß die
Blattern, die durch die Europaͤer unter ſie kamen,
die meiſten von ihnen wegraften. Sie trugen durch
ihre Heilmethode ſehr viel zur Toͤdtlichkeit dieſer
Krankheit bey, denn ſelbſt waͤhrend des Entzuͤn⸗
dungsfiebers badeten ſie ſich im kalten Waſſer, und
brachten ſich dadurch bey Hunderten ums Leben.
5 Auch
—
ern 1 281
Auch General Montealm blieb bald data in dem
Treffen vor Quebee.
Ich ward nachher durch viele Beweiſe nen |
daß die meiſten Franzoſen die Grauſamkeit ihres
Generals ſehr miß billigten. Ein kanadiſcher Kauf—
mann ſtellte untern andern, als er die Nachricht
erhielt daß Fort William Henry erobert wäre,
große Freudensbezeugungen und ein prächtiges
Gaſtmahl an; ſobald er aber von dem Blutver⸗
| gießen: hörte, fo ſtellte er fie gleich ein, und bes
zeigte ſich gegen dem General ungemein aufge⸗
bracht, weil er durch dieſe Grauſamkeit den Zorn
des Himmels über dieſe Gegenden gebracht hätte, die
jezt gewiß den Engländern zum Raube werden wuͤr⸗
den. Eine Prophezeyhung, die nur zu richtig eintraf.
Doch es iſt Zeit, zur Sache zuruͤck zu kehren.
So nachlaͤßig die Indier auch ſind, ſich gegen einen
Ueberfall zu ſichern; fo geſchickt und thätig find fie,
ihre Feinde zu uͤberfallen. Zu ihrer großen Vor⸗ |
ſicht und Behutſamkeit koͤmmt noch das ihnen an⸗
gebohrne Talent, die Spur derer, die ſie verfolgen,
ausfuͤndig zu machen. Auf dem weichſten Graſe,
auf dem haͤrteſten Sande und ſelbſt auf Steinen
koͤnnen fie aus der Bildung der Fußtapfen und der
Weite der Schritte beſtimmen, ob ſie von einer
Frau oder einem Manne ſind, und ſelbſt zu welcher
| ee, PDoͤller⸗
282 5
Volkerſchaft dieſe gehoren. So gti dies
auch ſcheinen mag, ſo habe ich doch ſelbſt ſo viele
Proben davon geſehn, daß ich gar nicht weiter
daran zweifeln kann.
So bald ſie ihres Sieges gewiß ſind, 0 ſchaffen
ſie erſt alle aus dem Wege, die ſie nicht ohne Mühe
ſortzubringen glauben, und ſuchen nachher ſo viele
Gefangne zu machen, als ihnen moͤglich iſt. Allen
Todten oder ſchwer Verwundeten ziehn ſie die Haut
vom Kopfe, welches ſie mit vieler Geſchicklichkeit
thun. Sie wickeln das Haar ihres Feindes um
die linke Hand, ſetzen ihm einen Fuß auf den Hals,
und ſchneiden die auf dieſe Art ausgeſpannte Haut
mit ihren Schindemeffern, die fie immer dazu gut
geſchaͤrft halten, in etlichen Schnitten herunter. |
Ihre Geſchicklichkeit iſt ſo groß, daß ſie kaum eine |
Minute zu der ganzen Operation brauchen. Die
Haͤute heben ſie, als Beweiſe ihrer Tapferet und |
| N: gegen ihre Feinde auf.
Wenn zwey Indier zugleich einen Geste
anpacken, fo entſcheiden fie den S Streit, der daruͤber
entſtehn konnte, bald dadurch, daß fie die Urſache
deſſelben mit ihrer Axt oder , aus dem i
Wege raͤumen. |
So bald fie ihren Zweck telle und * vielen
N geſtiftet haben, als - BR war,
ſo
ſo ziehn ſie ſich aus 8 urch Werth zu weden aufs
eilfertigſte nach ihrem Sande zuruͤck. ii
Wird ihnen wuͤrklich nachgeſetzt, ſo ſuchen fü ie
ihren Verfolgern durch allerhand Kunſtſtuͤcke zu
entgehn. Sie ſtreuen Sand oder Blaͤtter uͤber ihre
Fußtapfen, oder treten einer in des andern, oder
heben ihre Fuͤße ſo hoch, und treten ſo leiſe zu,
daß man gar keinen Eindruck davon auf der Erde
bemerken kann. Sollten aber alle ihre Bemuͤhun⸗
gen vergeblich ſeyn, und ſie werden wuͤrklich einge⸗
bohlt, fo bringen ſie ihre Gefangnen um, ziehn
ihnen die Kopfhaut ab, und zerſtreuen ſich, um
befto leichter ihr Sand wieder zu erreichen.
Sind die Sieger hingegen fo glücklich, ſich zurück
zu ziehn, ohne verfolgt zu werden, ſo ſuchen ſie
aufs eiligſte eine Gegend zu erreichen, wo ſie ſich
voͤllig ſicher halten koͤnnen, und damit ihre Ver⸗
wundeten ſie nicht auf halten, ſo tragen ſie ſie u.
Bahren, oder seßn fie auf eee wenn es
grade Winter iſt.
Ihre Bahren ind nur ganz grob aus egen
zuſammen geſetzt. Ihre Schlitten beſtehn aus
zwey duͤnnen Brettern „ die zuſammen ungefähr
zwey Fuß breit, und ſechs Fuß lang ſind. Sie
ſtehn vorn in die Hoͤhe, und ſind auf den Seiten
mit kleinen Leiſten n Die Indier ziehn
darauf
284
=
darauf große Laſten u viel Muͤhe mit einem
Riemen, der ihnen um die Bruſt geht. Dieſer
Ziehriemen heißt Metump, und iſt in ganz Norda⸗
merika, ſowohl in den Kolonien, als i in den tiefen
landeinwaͤrts liegenden Gegenden gebräuchlich. In
den letztern werden fie aus Leder sn and ſehr ö
5 Kale gearbeitet.
Die Gefangnen werden auf dem Morſche mit
der groͤßten Sorgfalt bewacht. Bey Tage halten
ſie immer einige von ihren Ueberwindern feſt, wenn
die Reiſe zu Lande geht. Zu Waſſer werden ſie im
Kanoe feſtgebunden. Bey Nacht werden ſie ganz
nackt auf die Erde gelegt, und mit den Armen,
den Beinen und dem Halſe an Haken gebunden,
die in der Erde befeſtigt find. Auſſerdem binden fie
ihnen Seile um die Arme oder Fuͤße, die ein In⸗
dier haͤlt, und daher gleich aufwachen muß, wenn
ſie ſich bewegen. Ungeachtet aller ſolcher Maaß⸗
regeln fand doch eine Frau aus Neuengland faſt
ganz allein Mittel, aus den Haͤnden eines Haufens
von Kriegern zu entkommen, und ihr Vaterland
zu raͤchen. Es unternahm naͤhmlich ein kleiner
Trupp von zehn Kriegern nebſt zwey Weibern eine
Streiferey nach den hintern Pflanzungen von Neu⸗
england. Sie bieiten ſich einige Zeit in der Nach⸗
| barſchaſ eines Grenzortes verborgen, und hatten
ai‘
1
—
285
endlich das Gluͤck, nachdem ſie etliche Leute getödtet,
und ihnen die Kopfhaut abgezogen hatten, eine
Frau mit ihrem zwölfjährigen Sohne gefangen u
bekommen. Sie waren jezt mit dem, was ſie ge⸗
than hatten, zufrieden, und zogen ſich nach ihrem
Lande zuruͤck, welches dreybundert Meilen davon lag.
Die zweyte Nacht auf dem Ruͤckzuge faßte die
a; die, wenn ich nicht irre, Rowe hieß, einen
Entſchluß welcher der groͤßten Heldin wuͤrdig war.
Sie ſuchte, als ihre Sieger ſich im tiefſten Schlafe
befanden / ſich ihre Bande von den Händen los zu
machen, und bat leiſe ihren Sohn, den ſie unge⸗
bunden berumgehn ließen, ſich ja ruhig zu halten.
Sie legte darauf alle Vertheidigungswaffen der
Indier bey Seite, und gab ihrem Sohne eine Art,
und befahl ihm, ihrem Beyſpiele zu folgen. Sie
ſelbſt todtete mit einer zweyten Axt etliche Indier
auf der Stelle; allein ihr Unternehmen waͤre bald
durch die Schwaͤche und Unentſchloſſenheit ihres
Sohnes verungluͤckt, der einem Indier einen ſo
leichten Schlag gab, daß er bloß davon aufwachte. ö
Doch hatte ſie noch Zeit genug, ihn niederzuſchla⸗
gen, ehe er ſeine Waffen finden konnte. Auf dieſe
Art brachte ſie ſie alle um, bis auf eine Frau, die
fruͤh genug ae um . zaun nen zu
5 konnen. a rn
Die
|
|
|
Die Heldin zog 10 ihren sgi c Fein⸗
Pa Die Kopfhaut ab, und brachte ſie nebſt den Kopf⸗ 10
haufen von ihren Landsleuten i im Seinnpf nach i
rem Wohnplatze zuruͤck.
Auf dem Marſche zwingen die Indier ihre Ge⸗ |
fangnen den Todtengeſang zu fingen, der gewoͤhn⸗
lich folgendes Inhalts iſt: Ich gehe zum Tode,
ich werde viel leiden muͤſſen, aber ich will die gröͤß⸗
ten Qualen, die mir meine Feinde anthun koͤnnen,
mit gehoͤriger Standhaftigkeit ertragen. Ich will
wie ein tapfrer Mann ſterben, und zu den Helden
gehn, die auf eine aͤhnliche Art farben.” Dieſe
Geſaͤ ange werden von Zeit zu Zeit wiederboblt, bis
ſie das beſtimmte Dorf oder Lager erreichen.
Wenn die Krieger ſo nahe gekommen find, daß
man ſie hören kann, fo ſchreien ſie zu verſchiedenen
malen, „um ihren Freunden den Erfolg ihres Zuges
überhaupt kund zu thun. Ihr wiederhohltes Tod⸗
tengeſchrey zeigt an, wie viele von ihren Landsleu⸗
ten ſie verlohren haben, und ihr Kriegegeſchrey 8
zeichnet die Menge ihrer Gefangene.
Es iſt ſchwer beyde Arten von Geſchrey zu ber
ſchreiben, doch klingt das Todtengeſchrey wie hu,
bu, bup, und wird in einem kreiſchenden Tone aus-
gehalten bis fie nicht weiter den Athem anhalten
tmnen, und dann auf einmabl mit einer plötzlichen |
Exter
287
erhebung der Stimme . Das Kriegs⸗
geſchrey iſt dieſem aͤhnlich, aber lauter, und wird,
dadurch daß ſie die Hand vor den Mund halten,
etwas veraͤndert. Beyde kann man in einer be⸗
traͤchtlichen Entfernung hören. |
So lange dies Geſchrey währe, bleiben all, an
die es gerichtet, voller Aufmerkſamkeit ſtehn. So
bald aber dieſe Ceremonie vorbey iſt, fo laͤuft alles
| aus dem Dorfe, um einzelne Umſtaͤnde von der
Begebenheit zu erfahren, und je nachdem die Nach⸗
richt freudig oder traurig iſt, wird darauf durch ein
häufiges Freuden: oder Tr auergefchren geantwortet.
So wie nun der Zug ans Dorf kommt, ſo ſuchen |
Weiber und Kinder Stoͤcke und Knuͤppel zuſam⸗
men, und ſtellen ſich in zwey Glieder, durch welche
die Gefangnen durch muͤſſen. Sie ſchlagen darauf
auf dieſe Elenden ſo unbarmherzig los, daß ſie kaum
einige Spuren vom beben übrig, behalten. Doch
nehmen ſich ihre Henker in Acht, ihnen keine voͤllig
tödtliches Schlaͤge zu geben, weil ſie ſonſt das Ver⸗
gnuͤgen verliehren wurden, fie e noch Brauer zu
quälen. | 7 ®
Nach dieſem lebreichen Empfange, werden He
Gefangenen Hände und Füße gebunden, ı und die
Anfuͤhrer halten einen Rath, worin ihr Schickſal
| euechheden wird. Diejenigen, die durch die
| gewöhn⸗
f
258 | Ä
woͤhnlichen Qualen ſterben ſollen, werden dem
Hauptkrieger übergeben, die hingegen, weſchen man
das Leben ſchenken will, werden dem Oberhaupte
der Voͤlkerſchaft anvertraut, ſo daß die G Gefangnen
bald ihr Schickſal erfahren, da der Urtheilsſpruch
immer unwiderruflich iſt. Das erſte nennen ſie
dem Hauſe des Todes, und das zweyte dem Sr ü
2 Gnaden beſtimmt werden. | |
Alle Gefangnen, die ziemlich bey Jahren ſind,
und ſich durch ihre kriegeriſchen Thaten beruͤhmt
gemacht haben, buͤſſen fuͤr das Blut, das ſie ver⸗
goſſen haben, immer durch Feuer. Ihr Kriegsgluͤck
ſieht man bald an den blauen Zeichen, die ſie an
den Armen und auf der Bruſt haben, und die einem
| Indier eben ſo 1 ſind, 15 dem e be |
feine Buchſtaben.
Sie ritzen, wenn ſie dieſe Hierbgkhp machen
wollen, die Haut mit Fiſchzaͤhnen, oder ſcharfen
Kieſelſteinen, die in eine Art Dinte von Fichten⸗
ruß getunkt werden. Man haͤlt ſie, ſo wie bey den
alten Pikten, fuͤr Zierathe und zugleich her unaus⸗
f loſchliche Ehrenzeichen.
Die zum Tode verurtheilten Seraniehiäh werden
bald auf den Hinrichtungsplatz geführt, der ge⸗
woͤhnlich i in der Mitte des Dorfes oder Lagers liegt.
Hier werden 0 ausgezogen, und über dem ganzen
Koͤr⸗
g N 289
Koͤrper ſchwarz bemahlt. Auſſerdem ſteckt man ih⸗
nen eine Kraͤhen⸗ oder Rabenfeder auf den Kopf,
und bindet ſie an einen Pfahl, um den Holzbuͤndel
f berumfiegen, und noͤthigt ſie zum femme un |
Todtengeſang anzuſtimmen.
Die Krieger, denn blos ſie leiden gewoͤhnlich dee ’
Strafe, thun dies jetzt auf eine umſtaͤndliche Art
und mit vieler Feyerlichkeit. Sie erzaͤhlen mit ver⸗
nehmlicher Stimme alle ihre tapfern Thaten, und
thun auf die Menge ihrer erlegten Feinde recht ſtolz⸗
Bey dieſer Erzaͤhlung ſuchen ſie ihre Peiniger auf
alle mogliche Art aufzubringen und zu beleidigen.
Zuweilen thut dies eine ſolche Wirkung, daß man
ſie geſchwinder aus dem Wege raͤumt, als es on a
geſchehn ſeyn wuͤrde. 5
Es giebt noch ſonſt viele Todesarten für die Ge⸗
fangenen der Indier, doch iſt n nen ng |
gewöhnlichſte IE 7
Als ich mich in der — 100 Otagar |
mier aufhielt, ward ein gefangener Illineſe einge⸗
bracht, bey welchem ich alle Grauſamkeiten, die
die Indier gegen ihre Gefangnen aͤuſſern, ausüben
ſehn konnte. Nach den zu ſeiner Verurtheilung
nothwendigen Ceremonien, ward er am fruͤhen Mor⸗
gen in efnige Entfernung von dem Orte gefuhrt und
an einen Baum gebunden. Hierauf erhielten alle
Carvers Reiſen. T Zum.
Agen aus dem Orte „deren es zeine große Mes enge
gab, Erlaubniß, mit Pfeilen nach ihm zu chießen. N
Da keiner von ihnen uͤber zwoͤlf Jahr alt war,
und ſie auſſerdem ſehr weit von ihm ſtanden, ſo
konnten ihre Pfeile nicht tief in den Körper eindrin⸗
gen, ſo daß dies ungluͤckliche antenne
| Qualen zwey völlige Tage erduldete.
Unterdeſſen beſang er feine Kriegsthaten, 15 und |
erzählte alle Kunſtſtuͤcke, die er angewandt hätte,
um feine Feinde zu überfallen. Er rechnete die
Menge Kopfhaͤute und Gefangene her, die er fort⸗ 5
geſchlept Hätte. Er beſchrieb alle grauſamen Qua⸗
len, die er dieſen angethan haͤtte, 1 und schien bey
dieſer Erzählung das lebhafteſte amen z em⸗ 0
pfinden. oe
Vorzüglich aber hielt er ich bey En Gn
> 93 auf, die er gegen Anverwandte ſeiner jetzigen N
Peiniger veruͤbt haͤtte; und ſuchte ſie durch alle
moͤgliche Beleidigungen zur Vermehrung ſeiner
Qualen anzureitzen, damit er deſto größere Proben
ſeiner Standhaftigkeit ablegen moͤchte. Selbſt wie
er ſchon mit dem Tode rang, und nicht weiter ſpre⸗ |
chen konnte, ſo zeigte er noch Züge von aue und
Stolz auf feinem Geſichte. 1
Die Indier glauben bey dieſen Gra 3 8
auſſer er Beſriedigung ihrer abſcheulichen Rachbe⸗
17 5 4 n ran
| gierde „auch noch den Worcheil zu 68 daß die
jung en Krieger fruͤh den Hang zur Grauſamkeit und
zum Blutvergieſſen lernen, der zu den indiſchen
Kriegen ſo nothwendig erfordert wird. 0
N Man erzaͤhlte mir, daß ein Indier, eben wie er
gequaͤlt ward, ſich berühmte, er habe feine Ge⸗
fangne an einen Pfahl gebunden, ihre Koͤrper vol⸗
ler kleinen Splitter ni Lerch hne BARRITEN und
dieſe angebrannt. Seine Peiniger waͤren dagegen
nur alte Weiber, die es gar nicht verſtuͤnden, wie
man einen tapfern Krieger hinrichten ſollte.
8 Dieſe Prahlerey hatte ſelbſt für ein indiſches Ohr
zu viel beleidigendes „und brachte die Sieger ſo auf,
daß einer von ihren Oberhaͤuptern ihm das Herz ans
dem Leibe riß, und damit den Mund verſtopfte, aus
welchem fie ſolche fi ͤrchterliche Dinge gehoͤrt batten.
Es giebt unzaͤhlige aͤhnliche Geſchichten von dem
Muthe und der Entſchloſſenheit der Indier. Viele
uͤberſteigen allen Glauben, aber! es iſt dennoch aus⸗
gemacht, daß die Wilden viele Heldeneigenſchaften
beſitzen, und alles Ungluͤck mit einer Standhaftig⸗
keit ertragen „ die keine alten Helden Roms oder
Griechenlandes uͤbertreffen konnten. 8
So grauſam aber auch die Indier gegen Ga |
fangne ihres eignen Geſchlechts ſind, ſo haben ſich
doch erlihe Stämme wegen ihrer Mäßigung gegen
* ge⸗
29
W
292 | | Ä
gefangne engliſche Frauensperſonen berühmt ge⸗
macht. Sie führten oft die größten Schoͤnheiten
fort, und hatten ſie auf einem Marſche von drey
bis vierhundert Meilen durch entlegene Bälder mit⸗
ten zwiſchen ſich liegen, ohne ihre Keuſchheit im ge⸗
ringſten zu beleidigen. Selbſt ſchwangere Frauenss
perſonen erhielten von den Wilden, wenn ſie mitten
in einſamen Gehölzen ihre Geburtsſchmerzen fuͤhl⸗
ki allen Beyſtand „den ihre Lage erlaubte.
Dieſe Beſtheidenheit ruͤbrt aber doch nicht ganz
von ihrer natuͤrlichen Denkungsart her, da man
ſie blos bey Indiern antrifft, die mit franzoͤſiſchen
Miſſi onarien Umgang hatten. Denn, ohne viel⸗
leicht die Abſicht zu haben, zum Vortheile ihrer
Feinde, der Engländer, mit zu arbeiten, gaben
ſich die Geiſtlichen alle erfinnfiche Mühe, den Sins
diern ein Gefuͤhl von Menſchlichkeit einzuflöffen, und
man bemerkt die Wirkung davon augenſcheinlich
bey ſehr vielen. 7 a ri
‚Die Gefangnen 7 bie dem Piu der Gnade be⸗
ſtimmt werden, und die gewoͤhnlich aus jungen Leu⸗
ten, Weibern und Kindern beſtehn/ „ muͤſſen auf
die Entſcheidung der Oberhaͤupter warten, Die,
wenn die andern hingerichtet find, 2 einen n dwepten
. uͤber ſie halten.
e
- „
Es wird zu dem Ende ein Herold herumgeſchickt,
der allen ankuͤndigt, die irgend jemand von den ih⸗
rigen auf dem letzten Zuge verlohren haben, daß
eine Vertheilung der Gefangnen vor ſich gehn foll.
N Zuerſt werden die Frauen, die Kinder oder Maͤnner
verlohren haben, befriedigt; und auf ſie folgen alle,
die weitlaͤuftiger Anverwandten beraubt wurden,
oder die Luſt haben; von den jungen Leuten e
an Kindesſtatt anzunehmen. Pf |
Wenn die Austheilung geſchehn iſt, die immer
ohne allen Streit vor ſich geht, ſo fuͤhrt ein jeder
ſeinen Antheil nach Hauſe. Der Gefangne wird
losgebünden, feine Wunden, wenn er welche hat,
werden ausgewaſchen und verbunden, er wird ge⸗
kleidet, und bekoͤmmt von dem beſten Eſſen, , das
im Hauſe zu haben iſt. |
Während daß ihre neuen Hungern bey der
Mahlzeit find, ſuchen die Herrn fie zu tröͤſten. Sie
ermuntern ſie fröhlich und gutes Müches zu ſeyn,
da ſie dem Tode entgangen waͤren, und wenn ſie
ihnen getreud dienen wuͤrden, ſo wollten ſie alles thun,
was in ihrem Vermögen ſtuͤnde, um ihnen den Ders
luſt ihrer Freun e und ihres Vaterlandes in
a ersehen |
Wenn erwachsenen Mannsperforlen das leben ge⸗
chte wird ſo fallen ſi ſie gewöhnlich Witwen zu
i m 3 5 Theil,
7 Kr /
2 2 N. 0 AT SW]
>) ee
„ De = RI N
\ ’ AI *
a
Theil, die ihre Maͤnner im Kriege verlohren haben
und die fie gleich heyrathen, wenn ſie ihnen gefal⸗
len. Sollte aber die Wittwe ihre Neigung | ſchon
auf einen andern geworfen haben, ſo iſt es fuͤr ih⸗
ren Gefangnen ſehr gefährlich, hauptſoͤ aͤchlich, wenn
ſie glaubt, ihr Mann Wage im lande der € Geiſer
einen Bedienten. 5
Iſt dies der Fall, 0 führen einiger junge —
den Gefangenen an einen abgelegenen Ort, und
ſchlagen ihn ohne viele Umſtaͤnde todt, denn da der
Rath ihm das Leben geſchenkt hat, ſo glauben Ir *
er ſey es nicht wehrt, lange gequaͤlt zu werden.
Die Frauensperſonen fallen gemeiniglich Min,
nern zu Theil, bey welchen ſie größtentheifs ſehr gut
aufgenommen werden. Die Jungen und Maͤdchen
werden in Häufern aufgenommen, wo man ſie noͤ⸗
thig hat, und fie als Sklaven haͤlt. Zuweilen wer⸗
den ſie auch an die europaͤiſchen Kaufleute verkauft.
Auswechſelung der Gefangnen hat bey den In⸗
Bern gar nicht ſtatt. Alle Gefangnen werden ent
weder umgebracht, in Familien aufgenommen oder
zu Sklaven gemacht. Dieſe beyden letztern wer⸗ ’
den von ihrem eignen Volke zur. ck geſtoßen, wenn
ſie entfliehn ſollten, nachdem man ſie begnadigt hat.
Die Aufgenommenen werden voͤllig als? Mitglie⸗
ö ie des Volkes angeſehn, zu welchem fie jezt ges
N „ bofren,
295
eren Sie treten in alle Rechte derer, an weis |
0 er Stelle ſie gekommen ſind, und tragen oft kein
Bedenken, gegen ihre alten Landsleute zu Felde zu
Wen, Sollte aber irgend einer von ihnen entwi⸗
ſchen, und wieder gefangen werden, ſo wird ſeine
Undankbarkeit aufs grauſamſte beſtraft. |
Die Gefangnen, die als Sklaven angeſehn wer⸗
den, fallen groͤßtentheils an die Oberhaͤupter, die
fie of an die Kommendanten in engliſchen Grenz⸗
plätzen, oder an die Kommiſſarien der indiſchen An⸗
gels genheiten verſchenken. Die Jeſuiten und fran⸗
zöſiſchen Miſſi onarien ſollen zuerſt die Indier bewo⸗
gen haben, ſie zu verkaufen, und ihre Abſicht war
wuͤrklich lobenswuͤrdig. Sie glaubten naͤhmlich
dadurch Grauſamkeiten und Blutvergieſſen zu ver⸗
hindern, und mehr Gelegenheit zu erhalten, die
christliche Religion auszubreiten. Allein die guten
Vaͤter ſahen ihre guten Abſichten bald vereitelt.
Denn anſtatt Blutvergieſſen vorzubeugen, moch⸗
ten ſie nur dies Kriege zwiſchen den Indiern weit
häufiger und heftiger. Sie fochten jetzt nicht mehr
| blos aus Rachſucht oder Ruhmbegierde, ſondern
auch aus Gewinnſucht, denn ſie vertauſchten ihre
Gefangenen fuͤr hitzige Getraͤnke, die ſie ungemein
cen und daher immer aufuntoſtenitrer a
n erhalten ſuchten. will. Ne
a | mar! Man
Man könnte zwar dagegen zaenden „ 1 jezt
N
weit weniger Gefangne gequäft und umgebracht
wuͤrden, da fie jezt für ſie von einem ofen Werthe
ſind, allein gegen die Krieger ſind ſie noch i immer
eben ſo grauſam, und opfern ſie gewiß ihrer R
ich»
fücht auf. Sie ſuchen jezt nur mehr junge Gefan⸗
gene zu machen, und bringen die, welche ſie zu
| 2 ah eben fü gut um, als es 1580
Als bie Miſſtonarien ſahen, daß dieser e Sklaven, |
handel blos dazu diente, den Abſat hitziger Getraͤnke
zu vermehren, ſo wandten fie ſich an den S
tatthals
ter von Kanada, im Jahre 1693, und baten ihn,
dieſen ſchaͤdlichen Handel zu verbieten.
Allein er
konnte ihn nicht ganz verhindern, denn die franzos
ſiſchen Holzlaͤufer (couriers de bois) fuͤhrten MER:
mer heimlich fort, ungeachtet eine ſchwere e 0
und Gefaͤngnißſtrafe darauf ſtand.
Einige von ihnen, die man darauf ertappte, be⸗
gaben ſich zu den Indiern, verheyratheten ſich mit
indiſchen Maͤdchen, und waͤhlten eine freywillige
Verbannung aus ihrem Vaterlande. Allein da fie
gewoͤhlich ſchlechte und ausſchweifende Kerle wa⸗
ren, ſo trugen ſie wenig dazu bey, die Sitten der
Indier zu verbeſſern, oder die chriſtliche Religion
** ihnen auszubreiten. Ihre N hatte jedoch
vielen
297
| Alen Vortheil von Siefen Fluͤchtlingen, jr denn ſie
unterhielten die verſchiedenen indiſchen Völkerſchaf⸗
ten beſtaͤndig von der Macht und der Groͤße der
Franzoſen, fuͤ᷑ deren Monarchen ſie, ungeachtet ihrer
Verbannung, ihre angebohrne Anhaͤnglichkeit noch
immer beybehalten hatten, und floßten dadurch den
Indiern eine Neigung fuͤr ihre Sandsfeute ein, die
ſich noch jezt bey jeder Gelegenheit aͤuſſert.
Sellbſt die Verachtung, worin ſie durch den Ders
luſt von Kanada bey den Indiern gerathen ſeyn
muͤſſen, hat dieſe Neigung noch nicht ganz auslö⸗
ſchen koͤnnen. Sonſt ſehn die Indier jedes uͤber⸗
wundne Volk als Sklaven ſeiner Sieger an. Wenn
ein Volk ſich ein andres völlig unterworfen hat, ſo
muͤſſen die Oberhaͤupter von diefem, wenn ſie mit
ihren Ueberwindern im Rathe ſitzen, Weiberröͤcke
fragen, um dadurch ihre ng erg e
zeigen.
— ͤ
Zehntes Kapitel. 4 5 10
ug der Art der Or Frieden z ſchlißen.
0
D. Kriege der Indier find gewöhnlich erblich
und daures von eee zu Geſchlecht faſt
ununterbrochen fort. Wenn der Friede nothwen⸗
. 8 dig
ſchein zu vermeiden, als wenn ſie den erſten un.
trag gethan haͤtten. ee
Wenn ſie mit ihren Feinden wege cines Waffen⸗
5 ſtillſtandes Unterhandlungen pflegen, ſo erſcheint der
Anfuͤhre er, der den Auftrag dazu erhalten hat, es
ſey denn, daß ein neutraler Stamm die Vermitte⸗
lung auf ſich nimmt, mit ſeinem gemößnfichen
wenn es mit feinem Vaterland? auch noch ſo ſch lecht
reden, daß ihr Vortheil es nn dem iu
machen.
Völkerſthaften, die ſonſt nichts vereinigen konnte.
zu verſchiednenmalen gehoͤrt habe. Hit
Vor ungefaͤhr achtzig Jahren führten die gro
keſen und Tſchipiwaͤer Krieg mit den Ottogamiern
und Sakiern, die ihnen lange nicht gewachſen
waren. In einem Winter unternahmen einmal
tauſend Irokeſen eine Streiferey vom See Ontario
des Huronenſees fort, bis ſie an die Inſel St. Jo⸗
bab kamen, die in der Meerenge von St. Maria
Stolze, und giebt nicht im geringſten nach, ſelbſt
aus uͤber Toronto in das Gebiet ihrer Feinde. Sie
giengen laͤngſt den oſtlichen und nordlichen Ufern
Big bud, ſo ſuchen kon Theile ſorgfaͤltig den An⸗
ſteht, ſondern ſucht vielmehr ſeine Feinde zu übers Ä
Oft verurſachen Qufälle einen grieden zwiſcen |
Ich will ein Beyſpiel davon rien ae ic |
liegt. Hier giengen fie über das Eis in dieſer
Meerenge ungefaͤhr funfzehn Meilen unterhalb des
| Waſſerfalles, und ſetzten ihren Weg immer gegen
Weſten fort. Da der Boden mit Schnee bedeckt
war, ſo giengen fie, um ihre Anzahl zu verſtecken,
alle hinter einander, und traten foegfäleig einer in
des andern Fußtapfen.
Allein ungeachtet aller ihrer Vorſicht Wide de .
von vier Tſchipiwaͤern entdeckt, die aus der Rich⸗
tung ihres Marſches und ihrer een leicht
ihre Abſichten errathen konnten. Die T ſchipiwaͤer
fuͤhrten zwar ſelbſt damahls Krieg mit den Otta⸗
gamiern, und ſtanden mit den J llineſen i im Buͤnd⸗
niſſe/ ‚ aber fie entſchloſſen ſich nichts deſtoweniger,
jenen von der ihnen bevorſtehenden Gefahr Nach⸗
richt zu geben. Sie nahmen daher mit ihrer ge⸗
woͤhnlichen Geſchwindigkeit einen Umweg, und
kamen auf der Wildbahn der Ottagamier an, ehe
ein ſo großer Haufen 0 der noch dazu ſo behutſam
anruͤckte, fie. erreichen konnte. Sie fanden hier
ungefahr vierhundert Krieger, worunter einige
Sakier waren, und gaben ihnen von der Annähe,
rung ihrer Feinde Nachricht. | |
Die Anfuͤhrer zogen gleich ihre ganze Macht
zuſammen, und hielten einen Rath uͤber die Maaß⸗
0 zu ihrer n Da ſie ihre Fami⸗
ſien
lien bey ſich hatten ſo war es unmoͤglich, aufs
Fliehen zu denken; ſie entſchloſſen ſich daher, die
vortheilhafteſte Stellung in der Gegend zu nehmen,
und die Srofefen aufs waͤrmſte zu empfangen.
Nicht weit davon waren zwey kleine Seen, die
durch eine ſechszig bis hundert Fuß breite, und un⸗
gefähr eine Meile lange Erdenge getrennt wurden.
Da ſie vermutheten, daß die Irokeſen daruͤber ans
ruͤcken wuͤrden, ſo theilten ſie ihr kleines Heer in
zwey Haufen, wovon jeder zweyhundert Mann
ſtark war. Einer davon nahm ſeinen Poſten an
dem Ende des Paſſes, der auf die Wildbahn ſtieß,
und zog daruͤber ein Verhack; der andre Haufen
zog ſich unterdeſſen um die Seen berum, um den
Feinden, wenn ſie ſich innerhalb des Paſſes ann
den, den Ruͤckweg abzuſchneiden.
Ihr Plan gluͤckte vollkommen, und fo bald alle |
Irokeſen auf der Erdenge waren, ſo machte der
zweyte Haufe in ihrem Ruͤcken eine ähnliche Linie,
wozu ſie das Holz ſchon bereit hatten, und n
dadurch die Feinde vollig ein. ;
Die Irokeſen fahn bald die Lage, worinn fie ſcch
befanden, und berathſchlagten ſich über die Maaß⸗
regeln, die ſie zu ihrer Befreyung ergreifen muͤßten.
Zu ihrem Ungluͤck hatte es eben angefangen zun
e, und @ war ſchon fo wenig Eis in den
Seen,
Seen, daß man sicht weiter dariiber‘ gehn tome,
aber dennoch zu viel, um mit Floͤßen durchzuk
men, oder durchzuſchwimmen. Sie beſchloſſen
daher, eine von den Verſchanzungen zu sinne,
womit es ihnen aber nicht gluͤckte. 1 8
Ungeachtet der r mißlichen Lage, worinn fie ſch
\ jest: befanden, brachten fie mit der den Indiern
| eignen Gleichguͤltigkeit etliche Tage mit Fiſchen
zu. Unterdeſſen war das Eis völlig geſchmolzen,
und fie entſchloſſen ſich daher, auf Flögen, wozu
fie grade etliche Baͤume auf der Erdenge fanden,
| über einen von den Seen zu gehn. Allein die Otta⸗
gamier erfuhren ihre Abſicht, und ſchickten von
jedem Haufen hundert und funfzig Mann ab, um
ihnen die Landung zu verwehren, die dadurch ohne⸗
hin verzögert ward, daß ſie mit ihren Ruderſtan⸗
5 gen oft im Schlamme ſtecken blieben.
ö So o wie die Irokeſen ſich dem Ufer naͤherten,
empfiengen die Ottagamier ſie mit einem Regen
von Pfeilen und Kugeln, und ungeachtet jene aus
Verzweiflung ins Waſſer ſprangen, und ſich durch⸗
ſchlugen, ſo buͤßten ſie doch mehr als die Halfte
ihrer deute dabey ein. Sie verlohren dabey alles
Pelzwerk, das ſie en Winter über gefangen hatten,
wovon die Sieger den Tſchipiwaͤern, WAR ”
eg zu danken hatten, einen The
302
Belohnung gaben. Sie noͤthigten ſie ungeachtet
aller Weigerungen, die beſten davon auszuſuchen,
und ſchickten ſie unter einer Aeta en
nach ihrem Lande zurück.
Dieſer tapfere und kluge Witerſend der Otta⸗
gamier und Sakier brachte nebſt der 2 Bermittelung
der Dſchipiwäer, die ihre alte Feindſchaft bey Seite
festen, und das Betragen ihrer vier Landsleute
vollkommen billigten, einen Frieden zwiſchen dieſen
Völkerſchaſten zu Stande, nik den ne
| völlige Freundſchaft folgte. |
| Ueberhaupt glaube ich daß jezt alle Indier in g
dem weitläuftigen Striche dandes, der ſich von Que⸗
bee bis an den Miſſiſi iſippi nordwärts vom Uief konſir n
erſtreckt, und i in den Gegenden, welche der Hud⸗
| ſonsgeſellſchaft gehören, in vollkomt enen Frieden
mit einander leben. Ibre Streiſereyen erſtrecken
ſich größtentheils nur ſuͤdwaͤrts gegen die Tſchero⸗
kiſen, Tschocktaer „ Tſchickaßer und Jlineſen.
2 Zuweilen werden die Zudier eines Kriegs müde,
den fie Jahre lang gegen ein benachbartes Jolk
ohne ſonderliches Gluͤck gefuͤhrt haben, und ſue en
daher einen Frieden durch andrer Bölker Vermit⸗ |
telung zu Stande zu bringen. Die Art, 150 Unter⸗
3 pfegen, iſt folgendes, a ie
a Eine
E N 1
303
Eine Anzahl Anführer von ihren dandsleuten und
dem Volke, das die n über ſich genom⸗
men hat, reiſen nach dem Lande ihrer Feinde ab.
Gewoͤhnlich werden dazu die geſchickteſten und red⸗ |
lichſten Anfuͤhrer erwaͤhlt. Sie tragen die Stier
denspfeiffe vor ſi ch her, welche eben das bedeutet,
was in Europa die weiſſe Fahne iſt, und ſelbſt bey
den enn Voͤlkerſchaften in großer Achtung
ſteht. Mir iſt wenigſtens kein Beyſpiel bekannt,
daß gend jemand, der die Friedenspfeiffe trug,
eine Beleidigung wiederfahren waͤre, und ohnehin
glauben die Indier, daß der große Geiſt ein gr
gehe nie ungeſtraft laſſen wurde. pi
Die Friedenspfeiffe, welche die Franzoſen Ca-
1 nennen, iſt ungefaͤhr vier Fuß lang. Der
Kopf beſteht aus rothem Marmor, und die Rohre
aus einem leichten Holze, das mit vielfarbich⸗
ten Hieroglyphen ſchön bemahlt, und mit Federn
von den ſchoͤnſten Voͤgeln geziert iſt. e
Jedes Volk hat dabey eine beſondre Art Zierath, 0
und die Indier koͤnnen bey dem erſten Anblick be⸗
ſtimmen, welchem Stamme fie zugehoͤret. Sie
dient bey allen Unterhandlungen zur Vorbereitung,
und wird mit vielen Feyerlichkeiten gebraucht.
Wenn ſich die Oberhaͤupter Waben und 0m
* nee fuͤllt fie der Adjute roßen Krie
304
gers mit Toback an, welcher mit den oben erw
ten Kraͤutern vermiſcht iſt, und huͤtet ſich dabey
ſorgfaͤltig, die Erde damit zu berühren. Wenn ſie
geſtopft iſt „ ſo nimmt er eine völlig. brennende
Kohle vom Feuer, das gemeiniglich mitten in der
Verſammlung angezuͤndet iſt, und legt ſie auf den
Toback. Wenn ſie gehörig brennt, fo wirft er die
Kohle weg, und hält darauf die Röhre gegen den
Himmel, und nachher gegen die Erde. Hierauf
dreht er ſich in einem Kreiſe herum, wobey er ſie
immer wagrecht in die Hand haͤlt. Durch die erſte
Bewegung bietet er ſie dem großen Geiſte an, um
ſeinen Beyſtand zu erhalten, durch die zweyte glau⸗
ben ſie den Tuͤcken der boͤſen Geiſter vorzubeugen,
und durch die dritte den Schutz der Geiſter zu er⸗
or langen, welche die Luſt, die Erde und das Waſſer
i bewohnen. Wenn ſie ſich auf dieſe Art der Gunſt
der unſichtbaren Weſen verſichert haben, welche
ihrer Meinung nach die Unterhandlung befoͤrdern
oder ſtoͤren koͤnnen, fo wird die Friedenspfeiffe dem
Erbregenten des Volks hingereicht, der etliche Zuͤge
daraus thut, und den Rauch gegen den Himmel
und darauf rund um ſich herum auf die Erde blaͤſt.
Nachher geht ſie auf die naͤhmliche Art bey den
Abgeſandten und Fremden herum, die ebenfalls
dieſe * beobachten. Von — koͤmmt
vn fe
5 . 305
ſie an den Hauptkrieger und an die übrigen Ober⸗
haͤupter i in ihrer Ordnung. Der Anführer, der
dies Ehrenamt verrichtet, haͤlt dabey die Pfeiffe
immer ſo leicht in der Hand, als wenn er befuͤrch⸗ 5
tete, dies geheiligte Werkzeug zu hart zu druͤcken,
und alle übrigen berühren ſe gleichfalls nur eben
mit den Lippen.
Wenn die Unführer, denen der Auſtrag En
iſt, den Frieden zu ſchließen, ſich dem beſtimmten
Orte oder lager nähern, fo fangen ſie die ſolchen Gele⸗
genheiten beſonders gewidmeten Geſa ange: und Tänze
an. Unterdeſſen erfährt die Gegenparthey ihre Ans
kunft, und laͤßt ſie in die Wohnung des Hauptanfuͤh⸗
rers noͤthigen, wo ihnen alle mögliche Bequemlich⸗
keit verſchaff wird, fo lange als die br
lung waͤhrt. e \
Hierauf wird ein Rath gehalten und nach geen⸗
digten Reden und Debatten, wenn die Unterhand⸗
lung durch keine Hinderniſſe unterbrochen wird,
die bemahlte Art eingegraben, zum Zeichen, daß
alle Feindſeligkeit zwiſchen beyden Voͤlkern aufge⸗
hort habe. Bey den rohern Indiern, die keine
Handlung mit Europaͤern haben, wird anſtatt der
er eine Streitkolbe eingegraben.
Sonſt wird bey ſolchen Gelegenheiten auch noch
ein Guͤrtel Wampum übergeben, der zur Beſtaͤti⸗
Carvers Reiſen. u gung
306
gung des Friedens n und der zugleich den In⸗
halt der Friedensbedingungen durch die Hierogly⸗
phen, in welche die Knoͤpfe gebracht find, auf die
ſpaͤteſt e Nachkommenſchaft erhaͤft,
Dieſe Guͤrtel beſtehn aus Muſcheln von ben
Kiffen von Neuengland und Virginien, aus wel⸗
chen ovale und ungefähr einen Viertelzoll lange
Knoͤpfe gemacht werden. Dieſe Knoͤpfe ziehn fie
auf lederne ‚Schnüre, und verſchiedne davon ma⸗
chen, wenn ſie mit einem feinen ſehnigten Faden
zuſammen genaͤht find, einen eee Guͤrtel
Wampum aus.
Die Muscheln ſind gewöhnlich von weyerley
Farben, weiß und violet; doch werden dieſe weit
hoͤher geſchaͤtz. Ueberhaupt achten fie die Indier
eben ſo ſehr, als die Europaͤer Gold, Silber oder f
Edelſteine nur immer achten koͤnnen. .
Die Gürtel beſtehn oft aus zehn bis zwölf 1
gar noch mehreren Schnuͤren „wobey es aber i im⸗
mer auf die Wichtigkeit der Sache, oder das An⸗
ſehn der Perſon ankoͤmmt, welcher er überliefert
wird. Bey gewohnlichen Vorfaͤllen beſchenken fich
EN bie Oberhaͤupter mit einzelnen Schnuͤren, die ſie
als einen großen San am Hale tragen.
Eilftes
—
N Eilftes Kapitel hi
* Von den n Spielen der Judier.
ar
& Nie Iudier find dem Spiele ſehr aan ; MN
wagen und verliehren ihre ſchaͤtzbarſten Reich⸗
thuͤmer mit der groͤßten Gelaſſenheit. Sie haben
viele Arten von Spielen, worunter aber das Ball⸗
ſpiel das vornehmſte iſt. Ihre Baͤlle ſind etwas
größer, als unſre gewoͤhnlichen Federbaͤlle, und
werden aus Rehfellen gemacht. Man nimmt ein
Stuͤck davon, feuchtet es mit Waſſer an, um es
weicher zu machen, und ſtopft es ſtark mit Rehhaa⸗
ren aus, und naͤht es mit Sehnen zu. Die Ball⸗
holzer find ungefähr drey Fuß lang / und haben am
Ende eine Art von Rakete, die wie eine flache Hand
ausſieht, und aus Riemen beſteht, welche aus einer
Rebhaut geſchnitten werden. Mit dieſer Rakete
fangen ſie den Ball auf, und ſchlagen ihn weit we /
wenn ſie nicht von der Gegenparthey, die ihn auf⸗
zufangen ſucht, daran verhindert werden.
Dies Spiel wird gewoͤhnlich von einen großen 10
Haufen geſpielt, der oft über dreyhundert ſtark iſt,
und gemeiniglich ſpielen verſchiedne Parcberen ge |
a einander.. ö
Zuerſt werden zwey fühle INNEN achtzehn 0
E Fuß von einander in die Erde geſchlagen, |
1 l und
7
x 7 — eo. v
N Ne. * .
3 08 e
u” DEE
und eine jede Parthey hat ihr eignes Quartier dahin⸗
ter. Der Ball wird grade mitten zwiſchen dieſen
Quartieren ſtark in die Hoͤhe geworfen, und jede |
Parthey ſucht ihn zuerſt i in das ihrige zu ſchlagen.
Sie find hier inn fo geſchickt, daß der Ball faſt
immer in verſchiednen Richtungen im Fluge bleibt,
ohne waͤhrend des ganzen Spiels die Erde zu beruͤh⸗
ren. Sie duͤrfen ihn bloß mit den Raketen, und
nicht mit den Haͤnden auffangen. Sie laufen ein⸗
ander mit unglaublicher Geſchwindigkeit nach, und
wenn eben einer im Begriff ift; den Ball weit weg
zu ſchlagen, ſo kommt ihm oft plötzlich ein Auen
zuvor, und ſchlaͤgt ihn nieder. 7
Sie ſpielen mit fo vielem Eifer, daß ſie ſich oft
| verwunden „oder gar Arm und Bein zerbrechen;
aber nichts deſto weniger ſieht man nie, daß dies
aus Bosheit geſchehe, und man hört nie von Zaͤn⸗ ;
kereyen zwiſchen den beyden Partheyen.
me. giebt bey den Indiern noch ein zweytes merk⸗
wuͤrdiges Spiel, das Schaalen⸗ oder Tellerſpiel,
welches blos von zweyen geſpielt wird. Ein jeder hat
dazu ſechs bis acht kleine Knochen, die einem Pfir⸗
i ſichſteine an Groͤße und Geſtalt gleich kommen,
nur mit dem Unterſchiede, daß ſie viereckigt ſind.
Zwey Seiten davon ſind ſchwarz und zwey weiß.
Dieſe Knochen nn ſie in die Höhe / und laflen
fie
1
" N“ 4% 300
ſie in eine Schaale oder auf einen Teller fallen, auf
welchen fü ie ſich herumdrehen muͤſſen.
Sie zaͤhlen ihr Spiel nach dem die oberſte Seite
weiß oder ſchwarz iſt. Wer die größte Anzahl von
einerley Farbe hat, rechnet dafuͤr fuͤnf; und vier⸗
zig machen das ganze Spiel. |
Der gewinnende Theil behaͤlt ſeine Stelle, und
der verliehrende muß ſie einem andern abtreten, den
die Schiedsrichter dazu beſtimmen. Denn zuwei⸗
len ſpielen ganze Dörfer, ober ſo gar we \
gegen einander.
Waͤhrend des Spieles find Die Indier i in ehr
Bewegung, und erheben bey jedem entſcheidenden
Wurfe ein fuͤrchterliches Geſchrey. Sie machen
bundert verzerrte Geſichter, und fluchen den
Knochen und den boͤſen Geiſtern, die ihren Gegnern
Gluͤck bringen. In dieſem Spiele verliehren ſie
oft ihre Kleidungen, ihren ganzen Hausrath, und
ſo gar ihre Freyheit, die doch ſonſt kein Volk böber |
ſchätzen kann, als die Indier. | u
Zwoͤlftes Kapittel.
Von den Hepraths⸗ ‚Ceremonien der Indier.
Nie Vielweiberey iſt bey den e erlaubt, |
N und bey allen Ständen eingeführt. Die Ober⸗
Ba bea
310
du haͤupter haben gereößnich ſechs bis vierzehn in ib
rem Seray. Die geringeren nehmen ſo viele
Frauen, als fie nebſt ihren kuͤnftigen Kindern er;
naͤhren zu koͤnnen glauben. Es iſt gar nichts un⸗
gewoͤhnliches, daß ein Indier zwey Schweſtern
beyrathet, zuweilen nimmt er die ganze Familie,
wenn es ihrer noch mehrere giebt, und alle leben
in der größten Eintracht mit einander, fo unnatuͤr⸗
lich dieſe Verbindung auch BR OO vors
kommen möchte. | | |
Die jüngern Frauen bm em ältern mit
0 Ehrerbietung, und die, welche keine Kinder haben,
voeerichten alle geringen Dienſte für die Fruchtba⸗
Hl ren, fo daß ihr Zuſtand wenig vom Stande der
Dienſtbarkeit entfernt iſt. Allein ſie verrichten
nichts deſto weniger jeden Auftrag mit der größten |
Bereitwilligkeit, weil ſie hoffen, ſich dadurch die
Zuneigung ihres Mannes zu erwerben, und eben,
falls das Gluͤck zu haben, Mutter zu werden.
Man findet oft, daß ein Indier ſich vieler ſeiner
Frauen verſchiedne Jahre lang völlig enthaͤlt. Ei⸗
nige Weiber, die nicht ſo gluͤcklich ſind, durch ihren
Gehorſam und durch ihr kluges Betragen ſich die
Gunſt ihres Mannes zu erwerben, bleiben ſo gan
ihr ganzes Leben hindurch Jungfern, wenn er fie
nicht men einem angefehnen Sehnden anbietet,
der
| ARE 311
der nur kurze Zeit ſich bey der Nation auf haͤlt, um
ſich in dauerhaftere Verbindungen einlaſſen zu koͤn⸗
nen. Sie gehorchen in einem ſolchen Falle ihrem
Nanne ohne Widerſpruch, und laſſen ſich dieſe kurze
Verbindung gern gefallen. Aber wenn ſie ohne
ſeinen Befehl ſich dieſe Freyheit herausnehmen ſoll⸗
ten, ſo werden ſie eben ſo beſtraft, als wenn ſie
ſonſt die Ehe gebrochen haͤtten.
Dieſe Art Gaſtfreyheit iſt bey den Völkerſhaſten,
die tief im Lande wohnen, gebräuchlicher, als bey
Indiern auf den Grenzen der Kolonien, die ſchon ihre
Sitten mehr nach den europaͤiſchen gebildet haben.
Die Heyrathsceremonien ſind ſo wie die Eheſchei⸗
dungen faſt bey allen indiſchen Voͤlkerſchaften die
naͤhmlichen. Bey den Voͤlkerſchaften auf den Gren⸗
zen von Kanada ſind folgende gebraͤuchlich.
Wenn ein junger Indier ſeine Neigung auf ein
Mädchen geworfen hat, ſo ſucht er ihre Neigung
zu gewinnen, und wenn er hierin gluͤcklich iſt, ſo
hat er weiter Feine Hinderniß von der Eltern Seite
zu befuͤrchten. Wenn man uͤber alle Punkte einig
geworden, ſo wird ein Tag angeſetzt, an welchem
ſich die Freunde und Bekannten von beyden Seiten
in dem Zelte oder Hauſe des aͤlteſten Anverwand⸗
ten vom Braͤutigam verſammlen, wo fie ein Gaſt⸗
mahl ee finden.
.
7
1 )
— Bo A As
a 8 N
N 5 INN Er
* 7} * 7
— *
1 Oft iſt die Geſellſchaft bey dieſem Feſte ſehr zahl⸗
mich. Man tanzt, man ſingt, und macht ſich auf
| jede andre Art luſtig, die bey ihren öffentlichen Fe⸗
ſten gewöhnlich iſt. Wenn dies vorbey ift, fo gehn
alle weg, die nur aus Ceremonie da waren, und
blos der Braͤutigam und die Braut bleiben nebſt
etlichen ihrer äfteften Anverwandten zurück, Von
des Bräutigams Seite werden Maͤnner und von der
Braut Frauen dazu gewaͤhlt. er
Die Braut geht darauf weg und erſcheint wieder
in Begleitung dieſer Anverwandten an einer von
den Thuͤren des Hauſes, und wird dem Braͤuti⸗
gam zugeführt, der bereit ſteht, ſie zu empfangen. |
Sie ſtellen ſich darauf mitten in dem Zimmer auf
eine Matte, und halten einen ungefähr vier Fuß
langen Stock an den Enden zwiſchen ſich, da unter⸗
deſſen die alten Maͤnner eine kurze der Sache ange⸗
meſſene Rede halten. 4055 uk 5
Das Ehepaar erklaͤrt darauf oͤffentlich die Liebe
und Achtung, die beyde fuͤr einander begen, und
tanzen und ſingen zuſammen, wobey ſie aber noch
immer den Stock zwiſchen ſich halten. Wenn nun
auch dieſe Ceremonle vorbey iſt, fo wird der Stock
in ſo viele Theile zerbrochen, als Zeugen gegen⸗
waͤrtig ſind, wovon ein jeder einen zu ſich nimmt
und aufs ſorgfaͤltigſte aufhebt.
Die
313
Die Braut wird hierauf wieder aus der Thuͤr
| berausgeflhrt, durch welche ſie herein kam, und
wird von ihren jungen Gefährten, die fie erwarte⸗
ten, nach ihres Vaters Hauſe begleitet. Hier muß
fie der Bräutigam auffüchen, und die Heyrath
vollig zu Stande bringen. Oft bleibt die Frau in
| ihres Vaters Hauſe, bis ſie niederkoͤmmt, und
alsdann packt ſie ihre Kleidung zuſammen, worin
gewoͤhnlich ihre ganze Mitgabe beſteht, und ſolgt
ihrem Manne nach ſeiner Wohnung. f
Wenn durch irgend ein Misvergnuͤgen (denn
Zank hat ſelten zwiſchen Eheleuten ſtatt) eine Ehe⸗
ſcheidung veranlaßt wird, ſo thun ſie gewohnlich 8
ihr Vorhaben ihren Freunden etliche Tage vorher
kund, und oft zugleich die Gruͤnde, welche ſie dazu
bewegen. Die Zeugen, welche bey der Heyrath
zugegen waren, kommen an dem beſtimmten Tage
in dem Hauſe der Eheleute zuſammen ‚ und brins
gen die Stücke des Stockes mit, die ſie am Hoch⸗
zeitstage erhielten, und werfen ſie in eee |
der ganzen Geſellſchaft ins Feuer. 0
Dies iſt die ganze Ceremonie, die zur Ehbeſchei⸗
dung erfordert wird, die ohne allen Zank oder Haß
zwiſchen dem Paare und ſeinen Verwandten vor ſich
geht, und nach einigen Monathen haben beyde
Te die Erlaubniß wieder zu heyrathen. 1 1
. „„
314 3 |
Die Kinder, die aus einer ſolchen Ehe herſtam⸗
men, werden unter beyde Theile gleich vertheilt,
und da inan bey den Indiern Kinder fuͤr einen
Zahl die meiſten zu. Es konnte ſcheinen, als wenn
dieſe Gewohnheit Eheleute leicht wankelmuͤthiger
machen koͤnnte, allein es giebt dem ungeachtet viele
verfeinerten Völkern irgend fähig iſt. Es giebt
ſonſt auch noch viele Beyſpiele von Frauen, die
waren, blos den oben erwaͤhnten Vorfall ausge⸗
ihrer Keuſchheit angefehn wird.
verliebt, ſo macht er ſeine Neigung ihren Eltern
zu wohnen.
dadurch anheiſchig, ein ganzes Jahr, als einer
von ihren geringern Bedienten bey ibnen zu bleiben.
*
Schatz haͤlt, fo fallen der Frau bey einer ungleichen
Indier, die blos eine Frau haben, und mit ihr
alles Gluͤck der Ehe genieffen, deſſen man bey mehr
ihren Maͤnnern mit der groͤßten Treue zugethan
nommen, der aber gar nicht als eine en
Ich ſagte zwar vorhin, daß die Serratpege
e der Indier einander fat völlig gleich was
ren, aber es giebt doch auch hier etliche Ausnah⸗
men, hauptſaͤchlich bey den Nadoweſſtern. Wenn
bey dieſen ein junger Menſch ſich in ein Maͤdchen
kund, die ihn einladen, mit een in e. Zelte
Er nimmt dies Anerbieten an, und wache ch
2
* 38
Waͤhrend dieſer Zeit geht er auf die Jagd, und
bringt alles Wild, das er erlegt, der Familie,
woraus der Vater erkennen kann, ob er im Stande
iſt, ſeine Tochter und ihre zukuͤnftigen Kinder ge⸗
boͤrig zu unterhalten. Doch thun dies nur junge
Leute, wenn ſie ihre erſte Frau nehmen, ohne es,
wie Jacob ſeine Dienſtbarkeit, zu wiederhohlen.
Wenn dieſe Zeit verfloſſen iſt, ſo wird die Hey⸗
rath nach Landesgebrauch auf folgende Art vollzo⸗
gen. Etliche von den aͤlteſten maͤnnlichen Auver⸗
Büchen des Bräutigams und der Braut begleiten
das junge Paar aus ihren Zelten auf einen offenen
Platz in der Mitte des fagers, wo die Oberhaͤuͤp⸗
ter und Krieger zu ihrem Empfange verſammlet
ſind. Von den letztern ſtellt ſich ein Haufen in
zwey Reihen auf behden Seiten des Braͤutigams
und der Braut, ſo bald ſie ankommen. Der vor⸗
nehmſte von den Oberhaͤuptern macht darauf der
Verſammlung die Urſachen ihrer Zuſammenkunft
bekannt, und erflärt, das Paar vor ihnen, wel⸗
ches er bey Nahmen nennt, ſey gekommen, um
öffentlich ihre Abſicht kund zu thun, als Mann und
Frau mit einander zu leben. Er fragt darauf bende |
junge Leute insbeſondre, ob ſie verl. angen trügen,
ihre Vereinigung zu Stande gebracht zu ſehn. Dieſe
wm mit vernatmicher Stimme ihre Eimwillis
*
gung, worauf die Krieger ihre Pfeile über die
Koͤpfe der Eheleute abſchieſſen, und der nen
fie für Mann und Frau erklart. 6
fi ch nieder, und nimmt ſeine Frau auf den Ruͤcken,
nach ſeinem Zelte. Auf dieſe Cerimonie folgt ein
ſo praͤchtiges Gaſtmahl, als der neue Mann es
irgend geben kann, und Geſaͤnge und Taͤnze be⸗
Feſt.
Art ſie dabey verfahren.
falle ſeiner Frau die
| gleich von ihr. Ich ſah, als ich mich bey ihnen
aufhielt, ein Beyſpiel von dieſer Strafe. Die
Eltern, wie bey andern Eheſcheidungen getheilt.
der Liebe widmen, fo viel auch neuere Schriftſteller
die Kaͤlte der Indier erheben. Die jungen Krieger,
Hierauf dreht ſich der Braͤutigam herum, buͤckt
und traͤgt ſie unter dem Zurufe aller Zuſchauer
die
Der Ehebruch wird bey ihnen für ein der
Verbrechen gehalten, und mit der größten Strenge
beſtraft. Der Mann beißt bey einem ſolchen Vor⸗
Naſe ab, und ſcheidet ſich
Kinder werden bey dieſer Gelegenheit unter beyde
Es giebt bey den Indiern eben ſowohl als bey
den Europäern deute, die ſich ganz dem Vergnuͤgen
wee nach ihrer een Weiſe das ganze i
Eheſcheidungen ſalen bey den Nadoweſſern ſo
ſelten vor, daß ich nicht erfahren e eee
—
legen werde, fo nimmt er die erſte Gelegenheit
wahr, die ſich ihm zur Ausführung feiner Mose |
ten darbietet.
Da die Indier keine Räuber an heimliche
Feinde zu befuͤrchten haben, ſo laſſen ſie ihre Thuͤren
beſtaͤndig unverfchloffen. Etliche Stunden nach
Sonnenuntergang ſchuͤtten die alten deute oder
Sklaven Aſche auf das Feuer, das gemeiniglich
in der Mitte des Zimmers e und en
ſich zur Ruhe.
Bey dieſer Dunkelheit Bon Stille geht nun der
Siebhaber, gut in feine Decke eingehuͤllt, um ſich
unkenntlich zu machen, ins Haus ſeiner Geliebten.
Hier zuͤndet er bey dem halb erloſchenen Feuer einen
Splitter an, der ihm ſtatt eines Schwefelfadens
dient, und ſucht damit die Stelle, wo ſeine Ge⸗
liebte ſchlaͤft, welcher er die Bettdecke ſo lange
wegzieht, bis ſie aufwacht. Steht ſie auf und
pblaͤſt das Licht aus, ſo iſt er willkommen; zieht ſie
ſich aber, wenn ſie ihn geſehn hat, die Decke uͤber
den Kopf, ſo kann er verſichert ſeyn, daß alle feine
Bemühungen vergeblich ſind. Da
|
N RER 317
die dazu geneigt find, finden: immer Gelegenheit |
genug, ihrer Leidenſchaft ein Genuͤge zu thun.
Wenn einer von dieſen Helden glaubt, aus dem
Betragen feiner Geliebten ſchließen zu koͤnnen,
daß fie ihm eben keine große Hinderniſſe inden Weg
Da die Wohnungen der Indier ſehr enen
find, fo wird nicht leicht jemand durch den ſchwa⸗
chen Schimmer des Lichts aufgeweckt. Die jun⸗
gen Maͤdchen ſollen bey ſolcher Gelegenheit durch
gewiſſe Kraͤuter, deren Kraͤfte ſie kennen, ſorgfaͤl⸗
tig den Wirkungen ihrer unerlaubten Liebe vorzu⸗
beugen ſuchen, die ihnen auf immer das Heirathen
verbieten wuͤrden, wenn man etwas davon erfuͤhre.
Die Kinder der Indier werden immer nach ihrer
Mutter benannt, ſelbſt wenn eine Frau mehrere
Maͤnner hat, und von jedem Kinder bekommt. Ihr
Bewegungsgrund dazu iſt der Satz, daß ein Kind
ſeine Seele vom Vater, den Koͤrper aber von der
Mutter erhalten, und daß es auſſerdem immer
ſiccherer fen, fie nach der Mutter zu benennen, weil
dieſer das Kind gewiß ſein Daſeyn zu verdanken
habe, da hingegen vom angeblichen Vater dies
nicht immer bewieſen werden konne.
Die Indier geben ihren Kindern ihren Wms
mit vielen Feyerlichkeiten, und ſehn es uͤberhaupt
fuͤr eine ſehr wichtige Sache an. Worinn dieſe
Feyerlichkeiten eigentlich beſtehn, konnte ich nicht
erfahren, weil man ſehr geheim damit thut. Nur
ſo viel weiß ich, daß man ihnen erſt nach den
Jahren der eme ene gewodhülich chren ern,
en |
Nichts
319
e icht kann die gärdfichfeie der Indier gegen
ihre Kinder übertreffen, und man kann ſich ihre
Gunſt durch nichts leichter erwerben, als wenn
man ihrer kleinen Familie ſchmeichelt. Ich kann |
gewiß die gaſtfreye Aufnahme, die mir bey den
Nadoweſſtern wiederfuhr, großentheils den Ge⸗
ſchenken zuſchreiben, die ich den een der Vor⸗
ae Macht.
Es iſt ſchwer zu beſtimmen, At die Inbier 0
fich eigentlich von einander unterſcheiden. Auſſer
dem Nahmen des Thieres, wornach jede Nation
und jeder Stamm benannt wird, giebt es noch per⸗
ſoͤnliche Nahmen, w welche nn 1 von a
Mutter erhalten. | |
Die Oberhaͤupter aunterſceiden ſich un mech
einen Nahmen, der eine Beziehung auf ihre Faͤ⸗
higkeiten, oder die Hieroglyphen ihrer Familie hat;
und dieſe bekommen ſie, wenn ſie das maͤnnliche
Alter erreichen. Diejenigen, welche ſich im
Kriege oder auf der Jagd hervor thun „oder ſonſt
eine vorzuͤgliche Eigenſchaft beſitzen, erhalten ei⸗
nen Ehrennahmen, um N57 Een nee u
en 5
So hieß zum Beßiele der Fu Wiege bil
Ä ee garen e, der große Vater
der S Otta bedeutet Vater; tonglim
groß,
320
groß, und liſchka eine Schlange Ein andrer An⸗
fuͤhrer ward Honapadſchatin, ein ſchneller Laͤufer
uͤber die Gebuͤrge, genannt. Als ſie mich zu einem
von ihren Anführern erwaͤhlten, fo erhielt ich den
Nahmen Schibägo, welches einen Schreiber, oder
einen Menſchen bedeutet, welcher geſchickt Hiero⸗
glyphen machen kann, weil en 1 an eg
ſahn.
i er 2 3% } & E « .
} 2 9
Dtremzehntes Kapitel
54 Ven der dene der Jndier.
E. iſt fe ſchwer, ſiche eine e gend . von
den Religionsgrundſaͤtzen der Indier zu erwer⸗
n. Die Europäer haben ihre Lehrſaͤtze und Ce⸗
be fo oft laͤcherlich gemacht, daß ſie jezt fin
chen ſie zu verhehlen; und wenn ſie auch jemand
ihr Religionsſyſtem aus Freundſchaft entdecken, ſo
miſchen ſie doch, um es weniger laͤcherlich zu ma⸗
chen, ſo viele Saͤtze, die ſie von den franzoͤſiſchen
Miffionarien gelernt haben, darunter, daß man
ſich gar nicht weiter darauf verlaſſen kann.
Ich will meinen Leſern bloß eine Beſchreibung
von der Religion der Nadoweſſter mittheilen, ſo
weit, als ich ſie kennen gelernt habe, denn auch dieſe
| waren
—
321
waren damit ſehr ie Sonſt kahn man
ſich daraus einen ſehr richtigen Begriff von den
urſpr uͤnglichen Lehrſaͤzen und dem Gottesdienſte
der alten Indier machen, da ſie von allen fremden
Lehren, die ſich jezt bey den Indiern in der Nach⸗
barſchaft der Kclonſen ehen Men „ woll
kommen frey iſt. 807
Sie erkennen. 9009 u Sole er böchſe Ber
— das alle Dinge regiert. Die Tſchipiwaͤer ®
nennen dies Weſen Manitu oder Kitfchi Manitu,
und die Nadoweſſt er Wäkon. oder Tongo Wäkon,
| den großen Geiſt, und ſehn es als die Quelle des
Guten an, aus welcher nichts Böoͤſes herkommt.
Auſſerdem glauben fie auch noch einen böfen Geiſt,
dem ſie eine große Gewalt beymeſſen, und von wel⸗
chem alles Böſe, welches den Menſchen wiederfaͤhrt,
herruͤhren ſoll. An dieſem wenden fie ſich im Uns
gluͤck, und bitten ihn, es abzuwenden, oder doch
wenigſtens zu mildern. „ wenn es miße sen vers
meidlich iſt. oi |
Sie ee un große Geiſt sole rn Enue 9
den Menſchen nichts Boͤſes zufuͤgen, ſondern er
uͤberſchuͤtte fie. mit allem Segen, den ſie irgend
verdienen; der boͤſe Geiſt hingegen ſinne beftandig:
bloß darauf, wie er dem e wen
ſchaden koͤnne. NER Ons
85 Karvers alen ar 1 0
4 19 J
1 95 * gi RR 3 0 sy * PER
2
Auſſerdem nehmen fe auch gute € Geiſter von
beigen Range an, denen ihre verſchiedne Ver⸗
richtungen angewieſen ſind, wodurch ſie beſtaͤndig
das Gluͤck der Menſchen befoͤrdern. Sie haben
jeder ihre gewiſſen Stuͤcke der Natur unter ihrer
Aufſicht, als große Seen, Fluͤſſe und Berge, Thiere,
Voͤgel, Fiſche und ſogar Pflanzen und Steine,
die einen beſondern Werth beſitzen. Allen dieſen
Geiſtern erzeigen ſie eine Art von Verehrung.
Wenn ſie zum Beyſpiel an den Obernſee, an den
Miſſſſippi/ oder irgend ein andres großes Gewaͤſſer
kommen, ſo bringen ſie dem Geiſte, der ſich dort
aufhält, ein Opfer dar, wie ich ſchon vom Prin⸗
zen der Winnebager beym wien von Wa DR
ton erzaͤhlt habe. ! u
Sonſt aber glaube ich, daß der Bene den fie
mir dem Worte Geiſt verbinden, ſehr von dem
unſrigen verſchieden iſt. Sie ſcheinen fich eine kör⸗
perliche Vorſtellung von ihren Goͤttern zu machen,
und ihnen eine Menſchengeſtalt, den eine weit
ſchoͤnere, als die indiſche, beyzulegen.
Eben ſo denken ſie von der Zukunft. Sie zwei⸗ ;
feln keinesweges an einem kuͤnftigen Leben, aber
fie glauben, daß fie aͤhnliche Beſchaͤftigungen, doch
mit weit weniger Mühe und Arbeit, haben / und
in eine reizende Grau kommen eres wo ein
. 76 K ET Z 44 N
us jur 4 112 1973 N az j fotg *
ſtets heitrer unummöffter Himmel, und ein immers
waͤhrender Fruͤhling herrſcht; wo die Waͤlder mit
Wild, die Seen mit Fiſchen angefuͤllt ſind, die
ſich ohne alle Muͤhe fangen laſſen, und daß ſie übers
- haupt in dem größten IR 75 e \
leben werden. | N
Freuden der Seele kennen % ncht und diese 10
gehören daher nicht zu ihrem Plane von Gluͤckſe⸗
ligkeit. Sinnliche Freuden bingegen werden dort
eben fo wie hier nach) Verdienſt ausgetheilt. Der
geſchickte Jaͤger, der tapfre Krieger erhaͤlt einen
größern Antheil davon, als der Traͤge und Feige.
Die Prieſter der Indier ſind zugleich ihre Aerzte -
und Zauberer. Sie heilen ihre Krankheiten und
Wunden; fie. erklaren ihre Träume; fie ſchuͤtzen
ſie durch ihre Zauberkraft, und verkuͤndigen ihnen
zukuͤnftige Dinge, welche! die Indier zu wiſſen auf |
ſerſt begierig ſind. N
Von dem letzten Stücke 7 ai Kunft babe ich
ſchon das glückliche Beyſpiel des Prieſters der Kl
liſtiner am Obernſee angefuͤhrt. In ihrer Arzney⸗
kunſt find fie zuweilen eben fo glücklich; doch wage
ich es nicht zu entſcheiden, ob die Zerimonien, die
ſie daben machen, etwas zur Wü der Kr |
ter beytragen k konne. au aan
X 2 5 Wenn
j x
x 4 1 u MW ;=
324 a
88 £ 2
Wenn jemand krank iſt, ſo bleibt der Arzt Tag
bes Nacht bey ihm, und macht mit einer Klapper,
worin trockne Bohnen find, und die ſie Tſchitſchikue
nennen, ein annehmen weten - ae Ri
nicht gut beſchreiben laͤßt. A Hh It lane
Dieſe rohe Harmonie ide iR fen) Yet, *
urtheilen den Kranken beunruhigen, und die gute
5 Wuͤrkung d der Arzney hindern; aber bey den Indiern g
glaubt man dadurch die Tuͤcke des bd ofen Geiſtes,
der die Krankheit erregt, zu vereiteln. all,
Sonſt habe. e ich nicht erfahren können, ob noch
dla gottes dienſtliche Gebraͤuche bey ihnen uͤblich
ſind, als die ‚ ‚welche ich ſchon beſchrieben habe.
Beym At Infange des Neumonds ſingen und tanzen
ſie zwar, allein es iſt nicht ausgemacht, daß ſie
den Mond göttlich verehren; ſie ſcheinen blos ſi ch
uͤber die Wiederkunft eines tichtes zu freuen, das
die Nächte angenehm macht, und ihnen bey ib⸗
ren Reiſen den Weg zeigt, wenn die er die
Welt nicht mehr erleuchtet. |
Herr Adair behauptet, daß die Dölkerchofen N
bey welchen er ſich aufhielt, faſt all e Gebräuche be⸗
obachteten, welche im moſaiſthen Geſetze verordnet
wurden, allein ich konnte bey den Indiern, die
nur einige Grade weiter gegen Weſten wohnen,
keine Rare vom Bee endeten, wenn
ARE We man
| | 325
man eine gewiſſe Gewohnheit der Weiber, und
bee Eintheilung in Stämme ausnimt.
Einige franzöfſſche Mi onarien und Jeſuiten
glauben ſogar, daß die Indier, wie ſie zuerſt Ame⸗ b
rika bereiften, wuͤrklich einige dunkle und verwirrte \
Begriffe von der chriſtlichen Lehre gehabt hätten;
fie wurden naͤhmlich durch den Anblick des Kreuzes
ſehr gerührt, und bewieſen dadurch, daß ihnen die
heiligen Geheimniſſ des Chriſtenthums nicht unbe⸗
kannt waren. Dieſe Ungereimheiten find zu auffal⸗
lend/ als daß ſie irgend Glauben verdienten, , und |
wurden blos von den guten Vaͤtern erfunden ‚um
Er Miſſton ein deſto größeres Anſehn zu geben.
Die Indier fü ndi in ihren Religionsgrundſa atzen |
völlig, roh und ungelehrt. Sie baben nur wenige
und einfache Lehrſaͤtze, die man überhaupt, auch
in den unwiſſendſten Zeitaltern der menſchlichen
Seele eingedruͤckt ſindet. Allein dem ungeachtet
verfielen ſie nicht „wie viele andre rohe und geſit⸗
tete Volker, auf Abgotterey. Sie verehren zwar
die merkwuͤrdigſten Dinge der Schöpfung und brin⸗
gen ihnen Opfer; doch thun fie dies vermuthlich blos,
weil ſie dieſelben als den vorzuͤglichen Aufenthalt,
oder als dieblingsguͤter der unſichtbaren Geiſter
anſehn, welche ſie andeten. — 8 60
. *
\
326
Die menſchliche Seele ie in ihrem
unebideten Zuſtande alle auſſerordentliche Na⸗
turbegebenheiten, als Erdbeben, Donner und
Stuͤrme dem Einfluſſe unſichtbarer Weſen zuzu⸗
ſchreiben. Die Beſchwerden und Muͤhſeligkeiten,
die mit der Lebensart eines Wilden verknuͤpft ind,
und die der Menſch in ſeinem verbeſſerten Zu⸗
| ftande zu vermeiden gelernt hat, werden von ihnen
böſen Geiſtern beygemeſſen, welche der Indier
daher beftändig fürchtet, und durch Zauberenen,
durch Beſchmörungen und die maͤchtige Huͤlfe ſeiner
Manitus abzuwenden ſucht. Die Furcht hat da⸗
her mehr Einfluß auf ſeinen Gottesdienſt, als Dank⸗
barkeit, und er giebt ſich mehr Muͤhe dem Zorne
der boͤſen Geiſter auszuweichen, hu. 4 die Gunſt
der guten zu erwerben. ee
ei‘
| Doch haben alte bn den 0 die He von ee au
Religion erleuchtet werden, welche allein die Wok
ken des Aberglaubens und der Unwiſſenheit zer⸗
ſtreuen kann, dieſe Thorheiten mit den Indiern
gemein, und dieſe ſind ſo frey von Irrthuͤmern, als
alle hörigen, die nicht durch ihre ee Waben |
1 er wurden. e eee 5
ö
327
Mi BR — dpi
Ben den genen der dialer. ei
* .
niet 238 * N n
„ Nie Indier ſind überhaupt geſund, und kennen
viele von den Krankheiten nicht, welche ge⸗
fi tteten Voͤlkern quälen, und blos eine Folge ihrer
Ueppigkeit ſind. Jedoch ſchwaͤchen die Beſchwer⸗
den der Jagd und des Krieges, die unfreundliche
Witterung, und vorzuͤglich der anhaltende Hunger
und! die darauf folgende Gefräßigfeit , „denen fie
auf, ihren fangen Streifereyen ausgeſetzt ſind, ihren
5 Körper ſehr, und werden die Mache geſibrücher
Ksanfeten. un
Schmerzen und Schwächen des Magens nn
Der Bruſt entſtehn oft aus ihrem langen Faſten, |
und Schwindſuchten aus den Beſchwerden und Ar⸗
beiten, welchen ſie ſich oft in ihrer Jugend aus⸗
ſetzen, ehe ſie die gehoͤrigen Kraͤfte dazu haben.
Ihre gewoͤhnlichſte Krankheit iſt jedoch das Seiten⸗
ſtechen, gegen welches ſie ihr allgemeines Huͤlfs⸗
mittel, das Schwitzen, vorzuͤglich gebrauchen.
Sie richten dazu ihre Schwitzſtuben auf folgende
Art ein. Es werden etliche kleine Stangen in die
Erde geſteckt, die ſie oben zuſammen flechten, und
. eine Art von Kuppel machen. Hieruͤber
0 | 1 4 9 legen
un
A
3 8
A:
3
a
A
11
328
legen fie Sei oder Decken fo geſchickt, daß keine
Ritze bleibt, wo die Luft hindurch dringen könnte.
Es bleibt blos eine kleine Oefnung uͤber, wodurch
ein Menſth hinein kriechen kann, die aber auch
gleich nachher verſchloſſen wird. In der Mitte
dieſes engen Geruͤſtes legen ſie glühende Steine,
| auf welche Waſſer gegoſſen wird, das 16 5 feinen
Dampf eine große Hitze erregt. Se
. Dieſe Hitze verurſacht in wenig Augenbtiden
eine ſtarke Ausduͤnſtung, weſche ſie nach Gutbefin⸗
den vermehren. Wenn fie ſich eine Zeitlang! darinn
aufgehalten haben BAT: laufen fie an das nächſte
Waſſer, und tauchen darinn unter; doch bleiben
ſie nicht uͤber eine halbe Minute darinn, und ziebn
darauf ihre Kleidung wieder an / und rauchen ihre
Pfeiffe i in der feſten Ueberzeugung, daß das Mittel
helfen wird. Sie ſchwitzen oft auf dieſe Art, um
fich zu erfriſchen, oder ſich zu einem Geſchaͤfte vors
zubereiten, das viele Ueberlegung und Liſt 1
Sonſt giebt es auch noch Lähmungen und Waſſer⸗
ſuchten bey den Indiern, die man N nicht
haufig antrift. Sie helfen ſich dagegen mit Baͤ⸗
bungen und Dekokten von Kräutern, die ihre Aerzte
ſehr gut zuzubereiten und anzuwenden wiſſen. Doch
verlaſſen ſie ſich nie auf Arzneyen allein, ſondern
N Wehe immer etliche aberglaubiſche Zerimonien
| mit
329
mit zu Huͤlfe, ohne welche die Kranken den Min
teln wenig Wuͤrkung zutrauen wuͤrden io
„Eben! ſo gut wiſſen ſie Kraͤuter zur Helge von
Wunden, von Quetſchungen! oder Knochenbruͤchen
anmuwenden. Durch fie. koͤnnen ſie Splitter, Stuͤcke
Eiſen „ oder andre Dinge, 1 wodurch die Wunde
verursacht ward, ohne Erweiterung derſelben aus⸗
ziehn. Sie ſind in dieſen Kurarten ſehr erfahren, ö
und bringen! ſie geſchw winder zu Stande, als A
ben ibrer rohen Art zu verfahren ſchließen voll te. .
Sie ziehn ebenfalls Splitter aus Wunden ver⸗ ;
mittelſt der Haut, welche die Schlangen alle Jahr
abwerfen. Es iſt unbegreiflich „ was fie für Wir⸗
kung haben, ungeachtet man nicht die geringſte
Feuchtigkeit mehr darinn entdecken kann. ee
Man hat ſich lange daruͤber geſtritten in wel⸗
chem Welttheile die Luſtſeuche entſtanden ſey.
Viele glauben, daß fie aus Amerika herruͤhre. Ich
kann nur ſo viel ſagen, daß ich waͤhrend meines
langen Aufenthalts bey den Nadoweſſtern nicht die
geringſten Spuren davon angetroffen habe, und
ich erfuhr, daß ſie eben ſo wenig bey den weiter ge⸗
gen Weſten belegenen Voͤlkern 2 bekannt ſey/ und
daher glaube ich nicht, daß ſie in Nordamerika ent⸗
fanden ſey. Die ſuͤdlichern Stämme, die mit
nina Umgang haben, leiden ſehr daran / aber
5 —
ſie kennen ſo gute und ſchnelle Mittel, vs Rn
Uebel ſelten mit großer Gefahr verknuͤpft iſt.
Bald nachdem ich meine Reise angetreten hatte,
beklagte ſich einer von den Kaufleuten, zu denen
ich mich geſellt hatte, über einen heftigen Saamen⸗
fluß, der fo zunahm/ daß er nicht weiter reiſen
konnte, als wir die Ortſchaft der Winnebager er⸗
reicht hatten. Er klagte ſeine Noth einem von den
Oberhäuptern 25 der ihm verſprach ; ihn fd weit zu
bringen, daß er in etlichen Tagen ſeine Reiſe
fortfegen, und bald 75 ſich völlig geſund ſebn
ſollte. A
Er, kochte; u .bem Ende die Kinde von. Por Burs
zeln der ſtachlichten Eſche, einem Baume, der kaum
in England bekannt iſt, aber haͤuſig in ganz Nord⸗
amerika waͤchſt. Der Gebrauch davon ſtellte ihn
größtentheils wieder her, und vierzehn Tage nach
ſeiner Abreiſe war er aus dem Grunde geheilt.
Wenn ſie durch heftige Arbeiten oder uͤbergroße
Hitze und Kälte an Gliederſchmerzen leiden, ſo
ſchroͤpfen ſie den den ſchmerzenden Theil. Die Na⸗
tionen, die keinen Handel mit Europaͤern haben,
bedienen ſich dazu eines ſcharfen Kieſelſteines, dem
ſie mit ſehr viel Geſchicklichkeit eine feine Spitze zu
| geben wiſſen; — er kann kaum ſthaͤrfer ſeyn/
| als
331
als die Jnſtrumente, die f B aus diem Fes
Stoffe machen. 0
Sie koͤnnen ſich nicht überzeugen, daß ele
krank ſey, ſo lange er noch eſſen mag; aber wenn
ihm ſchlechterdings alle Eßluſt fehlt, ſo ſehen ſie die
Krankheit als gefährlich an, und wenden viele Sorg ⸗
falt darauf. Waͤhrend der Krankheit darf 0
Kranke alles mögliche eſſen, was ihm gefaͤlt.
Das gemeine Volk glaubt, daß ſeine Pieter
durch die Tſchitſchikue von den Geiſtern die Urſache
der Krankheit erfahren, und ſie folglich beſſer hei⸗
len koͤnnen. Sie finden i in allen Krankheiten etwas
| übernatürliches, und die Arzneyen muͤſſen daher
auch durch aufferorbentfiche Zerimonien unteefigt
Ä werben. |
Zuweilen glaubt der Krane, daß er bezaubert
ſey, aber auch dann wiſſen ihm feine Prieſter zu
1 helfen, die, ungeachtet aller ihrer abergläubifchen
Handlungen, durch ihre Erfahrung ‚ welche fi fie
durch unermuͤdete Aufmerkſamkeit erlangen, und
durch ihre Kenntniß von Kräutern, ihre Kunſt nach
lem guten Grundsätzen ausüben können. ii
Krankheiten zu urtheilen und ſie zu eben Wil, Ihn
will ich folgende Geſchichte e fuͤr deren 1
3 ich einſtehn kann. a
|
35
332
Zu Penobſtot, einem Orte in der Puowi Main,
auf der Nordoſtſeite von N euengland, fühlte, eine
Soldatenfrau Geburtsſchmerzen, allein man konnte
ihre Niederkunft, alles angewandten Beyſtandes
den glaubten, daß jede neue Wehe ihrem Leben ein
Ende mechen Binder ee e
1
N und fagte, daß fie, wenn ſie die Kr anke ſehn duͤrfte,
iber wahrſcheinlicherweiſe wuͤrde ‚helfen können. .
Der Wundarzt und die Hebamme, die alle Sofe
hielte. Sie nahm daher ein Schnupftuch, band
es grade über die Naſe und den Mund der Kranken,
wodurch dieſe faſt auf der Stelle geſtickt waͤre, da
etlichen Secunden ihre Niederkunft bewuͤrkten. So
bald dies geſchah, ſo riß ſie den Schnupftuch weg
um allen geföhrlichen Folgen vorzubeugen. Die
ſtaunen ‚völlig wieder bergeſteltt
ungeachtet „nicht bewerkſtelligen. In dieſem Zu⸗
ſtande hielt ſie etliche Tage aus, und die Umſtehen⸗
Eine indiſche Frau hörte zufälligerweiſe davon,
| nung aufgegeben batten, Hi erlaubten der indiſchen
Frau, jedes Mittel anzuwenden, das ſie fuͤr gut
| unterdeſſen die dadurch verurſachte Anſtrengung i in
arme Kranke ward bald darauf zu jedermanns Es
pn, Grund, den die Indierin fir dieſe kühne
Methode auführte „war, daß verzweifelte Krank⸗
1 e beiten |
r 1.
2 N N 0
— * *
g e
333
beiten verzweifelte Mittel erforderten, und daß ſie
es fuͤr nothwendig gehalten haͤtte „die ‚Kräfte der
Natur durch dies heftige Mittel anzuſtrengen,
da ſie ſonſt zu ihren nen n able 90 i
Bee ſeyn würden. 10
Funtzehntes Kapitel.
Ben der Kai der Indier, ihre zo .
re behandeln. en e
N
Vin . ie den Tod i in 1 Ste mit
F eben der Gleichgültigkeit „ mit welcher er ihm
oft im Felde entgegen gieng. So bald der, Arzt
ihm ſein Schickſal kund thut 7 ® redet er die Um⸗
ſtehenden mit einer Faſſung an, die bey einem fo
wichtigen Falle, der faſt jedem andern Menſchen
ſo viele Furcht verurſacht, die größte Bewunderung
verdient. Iſt er einer von den Oberhaͤuptern und
bat er Familie, ſo hält: er eine Art von Sterberede,
worin er ſeinen Kindern allerhand nothige Regeln
giebt. Hierauf nimmt er Abſthied von ſeinen Freun⸗ |
den, und befiehlt ein Gaſtmahl für, die anzuri ichten,
| welche ihm eine leichenrede halten wollen.
ge
A We *
So bald er den Geiſt aufgiebt, fo wird der Koͤr⸗
ver e gekleidet, als er es gewoͤhnlich bey deb⸗
zeiten
334
zeiten war, das Geſicht wird bemahlt, und man
ſetzt ihn auf einer Matte oder auf einem Felle mit⸗
ten in der Hütte in eine aufrechte Stellung und
legt ſeine Waffen neben ihn. Hierauf ſetzen ſich
ſeine Anverwandten um ihn herum, und ein jeder
hält nach der Reihe eine Rede an den Verſtorbenen.
War er ein beruͤhmter Krieger, ‚ fo erzaͤhlt er feine N
Heldenthaten ungefähr auf folgende Art, die i in der
Sprache der Indier ſehr dichteriſch und gefällig iſt.
Du ſitzeſt noch unter uns, Bruder, dein Koͤr⸗
per hat noch ſeine gewöhnliche Geſtalt, und iſt dem
unſrigen noch ahnlich, ohne ſichtbare Abnahme,
nur daß ihm das Vermögen zu handeln fehlt. Aber
wohin iſt der Athem geflohen, der noch vor etlichen
Stunden Rauch zum großen Geiſte empor blies?
Warum ſchweigen jezt dieſe Lippen, von! denen wir
erſt kurzens fo nachdruͤckliche und gefällige Reden
bhoͤrten? Warum ſind dieſe Fuͤße ohne Bewegung,
hundert Wintern war. Wir wollen jedoch dich
die noch vor einigen Tagen ſchneller waren, als
das Reh auf; jenen Gebuͤrgen? ? Warum hängen diefe
Arme ohnmaͤchtig , die die löchſten Bäume hinauf:
klettern, und den haͤrteſten Bogen ſpannen konn⸗
ten? Ach, jeder Theil des Gebäudes, welches
wir mit Bewunderung und Erſtaunen anfahen,
iſt jetzt wieder eben ſo unbeſeelt, als es vor drey⸗
nicht
nicht betrauren, als wenn du für uns auf immer vers
lohren waͤreſt, oder als wenn dein Name nie wie⸗
der gehört werden ſollte; deine Seele lebt noch in
dem großen Lande der Geiſter, bey den Seelen dei⸗
ner Landsleute, die vor dir dahin gegangen ſind ·
Wir ſind zwar zurück geblieben, um deinen Ruhm
zu erhalten, aber auch wir werden dir eines Tages
folgen. Beſeelt von der Achtung, die wir bey deinen
Lebzeiten fuͤr dich hatten, kommen wit jezt, um dir den
letzten liebesdienſt zu erzeigen. Damit dein Kör⸗
per nicht auf der Ebene liegen bleibe, und den Thies
ren auf dem Felde oder den Voͤgeln in der Luft zur
Beute werde, wollen wir ihn ſorgfaͤltig zu den Koͤr⸗
pern deiner Vorgaͤnger legen, in der Hofnung,
f daß dein Geiſt mit ihren Geiſtern ſpeiſen, und be⸗
reit ſeyn werde, den unſrigen zu empfangen, wenn
auch wir in e e lande SAN pe an 5
kommen“ e e
In ache enen Reden Abet ah: pie b
rer das Lob ſeines abgeſchiedenen Freundes. Wenn
dies vorbey iſt / und fie befinden ſich grade in einer
großen Entfernung von dem Begraͤbnißplatze ihres
Stammes, oder wenn der Todesfall ſich im Win⸗
ter eraͤugnet, fo wickeln fie den Korper in Haͤute,
a undfegen ihn auf ein hohes dazu errichtetes Geruͤſte,
oder un ſoie W eines großen Baumes, „und
ua? 1 | of >
95
4
336
laſſen ihn bis zum Frilinge liegen. Alsdant
gen ſie ihn, nebſt allen uͤbrigen kichen 1080 Stam⸗
mes, auf den allgemeinen B Begraͤbnißplatz, wo er
mit noch etlichen andern neee
wird, die ich aber nie erfahren konnte ane U
Als die Nadoweſſter ihre Todten zur Werne
nach der großen Hoͤhle brachten, ſo ſuchte ich die
übrigen Zerimonien mit anzuſehn/ allein, vielleicht
verhinderte fie der uͤble C geruch von den vielen Lei⸗
chen, da es noch dazu ſehr heiß war, oder ſie woll⸗
ten fie auch vor mir geheim halten, denn uͤberhaupt
bemerkte ich, daß ſie mich nicht gerne dabey ſahen,
und daher hielt ich es fuͤr gut, mich zu entferne.
Nach der Beerdigung ſetzten die Landsleute des
Verſtorbenen Hieroglyphen an die Stelle, ae |
man in kuͤnftigen Zeiten noch ſeine Verdienſte und
Vorzüge wiſſe. Wenn Indier im Sommer ſo weit |
vom Begraͤbnißplatze ſterben, daß die Leiche in
Faͤulniß uͤbergeht, ehe fie dahin gebracht werden
kann, ſo wird das Fleiſch von den Knochen ge⸗
brannt, welche aufbewahrt, und nie auf die
gewoͤhnliche Art begraben werden.
Da die Indier glauben, daß die Seelen der Per⸗
ſtorbenen ſich in dem Lande der Geiſter noch auf die
gemöbnliche Art beſchaftigen daß ſie ſich ihren Un⸗
terhalt auf der Jagd nen müſſn, und daß ſie
nö auch
Base |
auch dort mit Feinden zu kaͤmpfen haben, fo be;
graben ſie ſie mit ihren Bogen, Pfeilen und allen
a ara Waffen, die zur Jagd oder zum Kriege die⸗
Auſſerdem geben ſie ihnen auch noch Haͤute
hi Zeuge zu Kleidungen, und allerhand Haus⸗
rath und ſo gar Farbe ſich au bemahlen mit ins
Grab.
| Die nächten eee des Verforsenen
me feinen Verluſt mit vielen anſcheinendem
Kummer und Schmerz. Sie ſchreyen und heulen,
und verdrehen ihre Glieder, wenn ſie in die Huͤtte
oder dem Zelte um die Leiche herumſitzen, ſo bald
als die Pauſen zwiſchen den Lobreden der beben
ter es erlauben. |
Eine Trauer Ceremonie der Nadoweſſt ter iſt ſehr
von allen unterſchieden, die ich bey andern Voͤlkern
bemerkte; die Maͤnner zerſtechen ſich zum Beweis
ihres Schmerzens das Fleiſch an den Armen über
den Ellbogen mit Pfeilen, wovon ich bey Vorneh⸗
men und Geringen haͤufige Narben fand. Die
Frauensperſonen hingegen zerfetzen ſich die Beine
mit einem ſcharfen Kieſelſteine, bis das Blut haͤu⸗
fig herausquillt.
Als ich mich bey den Nodoweſſ ern aufßiele , ſo
are die Bewohner eines benachbarten Zeltes
ihren vierjaͤhrigen Sohn. Sie wurden uͤber dieſen
Carvers Reiſen. Ver⸗
.
Verluſt fo gerührt, daß der Vater durch feinen
Kummer und den Verluſt von Blut ſich den Tod
zuzog. So bald die Frau, die vorhin ſchon untroͤſt⸗
bar war, ihren Mann ſterben ſah, fo horte ſie auf
einmahl auf zu weinen, und ward vo beiten und
gelaffen.
Mir kam dieſe ſchleunige Veraͤnderung ſo onder |
bar vor „daß ich nicht umhin konnte, ſie darum zu
befragen. Sie ſagte mir, der Gedanke, daß ihr
Kind ſeiner großen Jugend wegen im Lande der
Geiſter ſich ſeinen Unterhalt nicht wuͤrde verſchaffen
konnen, haͤtte ihren Mann und fie ſehr beunruhigt,
aber da ihr Mann eben dahin gegangen waͤre, der
ſein Kind zaͤrtlich liebte, und die Jagd ſehr gut ver⸗
ſtuͤnde, fo hätte fie aufgehoͤrt zu trauren, denn
jetzt wäre fie überzeugt, ihr Kind fen glücklich,
und fie wuͤnſche jetzt nichts mehr, als pers ihnen zu
En
Sie gieng nachher jeden Abend an den Baum,
auf welchem ihr Mann und Sohn lagen, und
ſchnitt eins Locke von ihrem Haare ab, welches ſie
auf die Erde ſtreute, und betraurte in einem ſchwer⸗
muͤthigen Liede ihr Schickſal. Ihre Leblings⸗
materie war, die Thaten herzurechnen, die ihr
Sohn verrichtet haben wuͤrde, wenn er laͤnger ge⸗
lebt hätte, und fo lange fie ſich mit dieſen Gedan⸗
| ken
RES 339
ken Sefhäftigte, ſhien ihr ganzer Eimer; aufzu⸗
hören. NG u
„Waͤreſt du ER uns geblieben, mein ſieber
Sohn, wie ſehr wuͤrde der Bogen deine Hand ge⸗
ziert haben, und wie toͤdlich würden deine Pfeile den
Feinden unſers Stammes geworden ſeyn. Du
wuͤrdeſt oft ihr Blut getrunken und ihr Fleiſch ge⸗
geſſen haben, und zahlreiche Sklaven wären die
Belohnung deiner Arbeit geworden. Mit ſtarkem
Arme wuͤrdeſt du den verwundeten Büffel nieder⸗
geriſſen, oder den wuͤthenden Baͤr bekaͤmpft haben.
Du haͤtteſt das fliegende Elendsthier eingehohlt,
und auf dem Gipfel der Gebuͤrge dem ſchnellſten
Rehe Trotz geboten. Was für Thaten wuͤrdeſt du
nicht verrichtet haben, wenn du das Alter der Kraft
erreicht haͤtteſt, und von deinem Vater in allen in⸗
diſchen nee 7 unterrichtet wor⸗
den”.
In ähnfichen Ausdrücken n dieſe ungebil⸗
dete Indierin den Verluſt ihres Sohnes, und oft
brachte fie den größten Theil der Nacht ben dieſem
ruͤhrenden Geſchaͤfte zu. 5
Die Indier beobachten überhaupt die Einen
| für ihre Todten ſehr ſtrenge. Bey einigen Voͤl⸗
kerſchaften ſchneiden fie ſich das Haar ab, bemahlen
4 das Geſicht ſchwarz, und ſitzen in einer e,
Ya ten
340 1 AB
entſagen allen Vergnuͤgungen. Dieſe Strenge
beobachten ſie etliche Monathe, und einen gerin⸗
Man ſagte mir, daß die Nadoweflier, wenn fie
von ungefaͤhr an ihre verſtorbene Anverwandten
anſfiengen zu heulen. Zuweilen währte dieſer Bes
weis ihrer Achtung und Liebe etliche Stunden, und
wenn es ihnen grade gegen Abend einſiele, ſo ſtimm⸗
ten ibre Nachbarn Samek mit ein.
„Sechszehntes Kapittel.
Eine kurze Beſchreibung des Karakters der.
| Indier überbaute
CH \
rohen Volke aus einer Miſchung von Wilds
heit und Sanftmuth. Sie laſſen ſich oft von Lei⸗
denſchaften und Begierden hinreiſſen, welche ſie
mit den wildeſten Thieren ihrer Waͤlder gemein ha⸗
ben, und zeigen dagegen eben ſo oft Tugenden,
welche der menſchlichen Natur Ehre machen.
Ich werde mich bey der folgenden Beſchreibung
ſorgfaͤltig hüren, die Vorurteile der Europäer,
u iR Be
Des Noto der Judier beſteht wie e bey jedem
ten Stellung mit dicht zugebundnen Kopf, und
gern Schein von Trauer wenigſtens etliche Jahre.
erinnert wuͤrden, oft noch nach neun Jahren laut
341
die indiſch und roh und — fuͤr be halten,
und eben ſo ſehr alle Partheylichkeit für die Indier
zu vermeiden, zu der mich ſonſt ihre guͤtige Auf⸗
4 ſehr geneigt machen muͤßte. 15
Auſſerdem werde ich meine Bemerkungen bloß
auf die Voͤlkerſchaften der weſtlichen Gegenden,
die Nadoweſſter, Ottagamier, Tſchipiwaͤer, Wins
nebager und Sakier einſchraͤnken; denn es giebt
unſtreitig i in den verſchiednen Himmelsſtrichen von
Nordamerika auch Volker von verſchiedner Den⸗
ku gsart „ und es würde daher für meinen Man
viel zu weitlaͤuftig werden, von allen dieſen insbes
ſondre zu handeln. Eben ſo wenig wuͤrde es thun⸗
ich ſeyn, alle mit einem Blick zu uͤberſehn.
Ich geſtehe es, daß die Indier von Natur grau⸗
ſam, rachſuͤchtig und unerbittlich ſind, daß ſie un⸗
wegſame unbegraͤnzte Waͤlder durchſtreifen, und
dabey bloß von den kuͤmmerlichen Nahrungsmit⸗
teln leben, die ſie darinn antreffen, um ſi ch an
einem Feinde zu raͤchen; daß ſie das klaͤgliche Ge⸗
ſchren ihrer Gefangnen nicht ruͤhrt, und daß ſie an
ihren Qualen Freude finden; auf der andern Seite
hingegen ſind ſie maͤßig im Eſſen und Trinken;
(ich rede hier von den Stämmen, die wenig Um
gang mit Europäern haben,) fie konnen Hunger,
Kaͤlte und Hitze mit der aͤuſſerſten Gedult ertragen,
3 und
342
und Ehn bie Sefriebigung ihrer Bere Stoß
als einen Nebenzweck an.
Gegen ihre Freunde, und ſelbſt gegen ihre auf⸗
genommenen Feinde ſind ſie geſellig und leutſelig;
fie theilen ihr letztes Brodt mit ihnen, und wagen
Nhe gern zu ihrer Vertheidigung. en
Die Indier kennen ihre Pflicht als Männer 115
We ſehr gut. So gleichguͤltig ein Indier auch
zu ſeyn ſcheint, wenn er ſeine Frau und Kinder
nach einer langen Abweſenheit wieder antrifft, ſo
ruͤhrt dies doch mehr von einer einmahl eingefuͤhr⸗
ten Gewohnheit, als vom Mangel an Gefuͤhl her.
Ich glaube, die Erzaͤhlung von dem Betragen der
des und Gattens beweiſt dies 4 er die aus⸗
geſuchteſten Gruͤnde.
Sie gewoͤhnen ſich von Jugend auß die größten
Muͤhſeligkeiten zu ertragen, und lernen dadurch
bald Gefahr und Tod verachten; und ihre Stand⸗
haftigkeit, die ihnen die Natur ſchon gab, und die
Beyſpiele, Ermahnungen und Zufaͤlle noch ver⸗
mehrten, verlaͤßt ſie keinen Augenblick ihres lebens. 5
Sie ſind traͤge und unthaͤtig, ſo lange ihr Vor⸗
rath dauret, und ihre Feinde weit von ihnen find,
aber eben fo unermuͤdet und ſtandhaft ſind ſie auf
der Jag, oder wenn ſie gegen ibre einde ziehn. 5
Sie
Nadoweſſtſchen Frau bey dem Verluſt ihres Kin⸗
Base 343
Sie ſind liſtig und nehmen jeden Vortheil
eee ſie ſind kalt und bedaͤchtlich in ihren Raths⸗
verſammlungen 0 und ſehr behutſam, ihre Gedan⸗
ken oder Geheimniſſe zu entdecken. Auſſerdem be⸗
ſitzen ſie noch viele vorzuͤgliche thieriſche Eigenſchaf⸗
ten, den feinen Geruch eines Hundes, das ſcharfe
Geſicht eines Luchs, die Liſt eines Fuchſes, die
Schnelligkeit eines Rehes, und die nbeaiinohone
Wildheit eines Tigers.
In ihrem buͤrgerlichen Karakter zeigen ſie eine
ſolche Anhaͤnglichkeit fuͤr den Stamm, zu welchem
ſie gehoͤren „als man bey andern Voͤlkern faſt nie
antrifſt. Gegen die Feinde ihres Volkes handeln
fie, als wenn nur eine Seele ſie belebte, und ver⸗
bannen jeden Gedanken, der ſie bieran verbindernß
koͤnnte. |
In ihren 1 ahn man kei⸗
nen unnoͤthigen Widerſpruch, keinen Neid oder
Ehrgeiz, wodurch ihre Maasregeln gegen ihre
Feinde vereitelt würden. Eigennutz hat keinen Ein
fluß auf ihre Rathſchloͤge. Nie koͤnnen Beſtechun⸗
gen oder Drohungen ihre diebe zum Vaterlande
. Aggringern, i
Die Ehre und. Wohlfahrt N Völkerſchaft lie⸗
gen ihrem Herzen am naͤchſten. Aus dieſem Triebe
en faft alle ihre Tugenden und Lafter. Durch
94 fie
344 1
ſie bieten ſie jeder Gefahr Tus / erdulden die
groͤßten Schmerzen, und ſterben voll Stolz über
ihre eigne Standhaftigkeit, nicht als eine per⸗
ſoͤnliche Eigenſchaft, a als das e ae
ihres Volkes. |
Aus eben dieſer Quelle ee ihre unerfätt
liche Rachſucht und Grauſamkeit gegen ihre Feinde.
Ihre ungebildete Seele erlaubt ihnen nicht, zu
beurtheilen, ob eine Handlung gut oder uͤbel ſen,
wenn ihre Leidenſchaften ſie dazu antreiben; ſie ver⸗
ſtehn es nicht, ihrer Wuth Einhalt zu thun, und.
dadurch wird ihr ruͤhmlicher Muth zu wilder Oran
ſamkeit.
Doch weiter RI mir die Grenzen diefes
Werkes nicht, dieſen Gegenſtand abzuhandeln.
Die Betrachtungen, die ich ſchon auf den vorher⸗
gehenden Blaͤttern gemacht habe, werden hinrei⸗
chend ſeyn, meinen Leſern eine ziemlich richtige
Kenntniß von dieſen Voͤlkern zu verſchaffen. Und
uͤberhaupt lehrt die Erfahrung, daß Erzählungen
von einzelnen Fällen, ſo unbedeutend fie auch ſchei⸗
nen mögen, ums oft einen beffern Begriff von den
Sitten, den Gewohnheiten und dem Gegenſtande
eines Volkes machen, als die tiefſinnigſten Unter⸗
ſuchungen 127 ſie.
ge
8 855 | | Sieben.
e e 345
Siiebenzehntes Kapittel.
Von der Sprache und den De,
I Indier. gi l
\ 8 ie S Sprachen der Nordamerikaner koͤnnen in
vier Hauptſprachen abgetheilt werden. Die
erſte wird von den Irokeſiſchen Voöͤlkerſchaften in
den weſtlichen Gegenden, die zweyte von den Tſchi⸗
piwaͤern oder Algonkinen in den nordweſtlichen,
die dritte von den Nadoweſſtern in den weſtlichen,
und die vierte von den Tſcherokiſen und Tſchicka⸗
ſaern in den ſuͤdlichen geredet. Eine oder die andre
davon iſt die Sprache aller Indier, welche die Ge⸗
genden zwiſchen der Kuͤſte von Labrador bis an
Florida, und von dem atlantiſchen Meere bis an
die Suͤdſee bewohnen, ſo weit, als unſre Entdek⸗
kungen ſich bisher erſtrecken.
ſcheint von allen dieſen die tſchipiwaͤiſche
ch
en am meiſten ausgebreitet zu ſeyn, und ſie
wird überhaupt fü ſehr geſchaͤtzt „daß die Ober⸗
haͤupter von mehr als dreißig Staͤmmen, die bey
den großen Seen, oder weſtwaͤrts davon an den Ä |
Ufern des Miſſt ſippi, oder ſuͤdwaͤrts bis an den
Ohio hinunter, und nordwärts bis an Hudſonsbay
wohnen, ſie faſt allein in ibren Rathsverſammlun⸗
gen reden, ungeachtet jedes Volk ſeine beſondre
Y 5 Sprache
M
Sprache hat. Wahrſcheinlicherweiſe wird ſie ben
allen indiſchen Voͤlkerſchaften eingeführt werden,
da keine es wagen, weite Reiſen zu unternehmen,
oder zu Unterhandlungen mit einem entfernten
Volke für tuͤchtig ‚gehalten werden, ‚ohne die ir
piwaͤiſche Sprache zu verſtehn. f
Jetzt wird ſie, auſſer den Tſchipiwaͤern, von den
Ottowaern, den Sakiern, den Ottagamiern, den
Killiſtinern, den Nipegonern und den Indiern ge⸗
ſprochen, die noch von den Algonkinen oder Gens
de terre uͤbrig ſind. Ihre Mundart iſt nur
wenig verſchieden; ich konnte aber nicht entdecken,
ob ſie dieſen Volkerſchaften natuͤrlich iſt, oder ob
‚fie fie nur angenommen haben. Doch glaube ich,
daß die wilde und rauhe Sprache der Winnebager
und Menomonier und vieler andern Volker aufhor
ren, und der tſchipiwaͤiſchen Platz machen werden.
Die Sprache der Tſchipiwaͤer hat keine weit⸗
ſchweiſige unnuͤtze Ausdrucke, die Ausſprache iſt
leicht, und ſie iſt überhaupt worfreicſeze als irgend
eine andre indiſche Sprache. |
Da die Indier nichts von 80 Bub
Zerimonien wiſſen, fo fehlen ihnen auch eine Menge
Woͤrter, die bey uns zur Ausſchmuͤckung unſerer
Unterredungen dienen. Bey ihren einfaͤltigen
unverfeinerten Sitten haben ſie blos Ausdruͤcke
N fuͤr
| . 347
für ihre Beduͤrfniſſe und etliche Bequemlichkeiten
des Lebens, deren man aber in einem Zuſtande der
Natur, wie der ihrige iſt, nur wenige kennt.
Ich habe ein Verzeichniß von tſchipiwaͤiſchen und
nadoweſſiſchen Wortern bengefügt, aber ohne fie
unter grammatikaliſche Regeln bringen zu konnen.
Das Nadoweſſiſche wird mit einem ſanften Ak⸗
zente geſprochen, es hat keine Kehltone, und ft
daher ſehr leicht zu lernen, auszuſprechen und zu
ſchreiben. Es iſt faſt ſo reich und ausdruckvoll als
die Sprache der Tſchipiwaͤer, und zugleich die h herr;
ſchende S prache auf der Weſtſeite des Miſſiſt ppi,
da ſie nach der Ausſage der Nadoweſſter von allen
Volkerſchaften geſprochen wird, die nordwärks vom
Meſorie, und bis an die wen des ſtillen Meeres
wohnen.
Da, die Indier Feine Buchſtaben kennen, ſo „
es ſehr ſchwer den Ton ihrer Worte genau auszu⸗
druͤcken; ich habe mich aber doch bemuͤht, ihm ſo
nahe zu kommen, als mir moͤglich war. Ungeach⸗
tet dieſes Mangels konnen ſich die Indier doch ges
wiſſermaaßen durch Hieroglyphen ihre Begriffe ver⸗
ſtaͤndlich machen, die ungefaͤhr dazu dienen, das
Andenken vorzuͤglicher Handlungen oder Begeben⸗
heiten zu erhalten. Wenn ſie zum Beyſpiele auf
ihren Streifereyen irgend ein wichtiges Unterneh⸗
W | ET | men
348 ur u Zee
men ausgeführt haben, oder auszuführen begriffen
find, ſo ſchaͤlen fie die Rinde von den Bäumen,
die ſie auf ihrem Wege antreffen, und bezeichnen
dadurch ihren zuruͤck gebliebenen Partheyen den
Weg den fie nehmen moͤgten, um ſie einzuhohlen.
Als ich den Miſſtſippi verließ und auf meinem
Wege nach dem Obernſee den Fluß Tſchipiwa bins
aufging, fo nahm mein Führer, ein Oberhaupt der
Tſchipiwaͤer, die am See Ottawaw nahe bey den
Quellen des Tſchipiwa wohnen, folgende Maas:
| regeln, um zu verhindern, daß uns Partheyen von
Nadoweſſtern, mit denen feine Nation beftändig
Krieg führe, nicht überfallen und Schaden zufügen.
möchten, ehe fie erfuhren, daß ich da wäre.
Er ſchaͤlte die Rinde von einem großen Baume,
beym Ausfluſſe der Tſchipiwaͤ, und machte mit Holz⸗
kohlenſtaube, der mit Baͤrenfette vermiſcht war,
und ihnen anſtatt der Dinte dient, ein rohes aber
deutliches Zeichen der Ortſchaft der Ottagamier.
Auf der linken Seite davon zeichnete er einen Mann
in Rehfellen, wodurch die N dadoweſſter bezeichnet
werden, und aus ſeinem Munde gieng ein Strich
in den Mund eines Rehes, dem Sinnbilde der
Tſchipiwaͤer. Hierauf zeichnete er noch weiter zur
Linken einen Kanoe, der den Fluß hinaufgieng,
worin ein Mann mit einem Hute ſaß. Dieſe
Figur
349
Figur ſollte einen Engländer oder mich vorſtellen,
und mein Franzoſe war mit einem Tuche um den
Kopf abgebildet, als wenn er den Kanoe ruderte.
Hierzu fügte er noch verſchiedene Sinnbilder, unter
andern die Friedenspfeiffe am Vorderteil des
Kanoes.
Er wollte dadurch den Nadoweſſiern andeuten,
daß ein Anführer der Tſchipiwaͤer in der Ortſchäft
der Ottagamier von etlichen Oberhaͤuptern der Na⸗
doweſſſer wäre gebeten worden, den Englaͤnder,
der ſich vor einiger Zeit bey ihnen aufhielt „den
Fluß Tſchipiwaͤ hinaufzufuͤhren, und daß fie ihn
daher ſicher feine Fahrt vollenden laſſen möchten.
Einige Schriftſteller behaupten, daß die Indier 8
ordentliche Wapen haͤtten, und die Felder darin
mit vieler Genauigkeit ausmahlen, allein ich konnte
feine andre Wapen bey ihnen entdecken, als die
gewoͤhnlichen Sinnbilder, wodurch ſich ein Volk
von Den andern unterſcheidet.
350 E —
kurzes Verzeichniß von Wöttern
der Tſchipiwaͤiſchen Sprache.)
6 b . 5 B. 0 |
Aue, Kokinum. | Beyſtehn, Mauineua. Ou.
Ankommen, Takautſchin. Vine wah.
Axt, Agacwet. I Ball, Alewin.
Aſche, Pingo. Beutel oder Tobadsseut,
Ein Anführer, Okema. Ciaſpetagan.
Ankommen, Moppa. Ein Bär, Mackua. Hacke
Achtung, Napetelimaa. wah). u
0 Augen, Uisfeinkie *) (Wis- Ein junger Bär, Mikon,
kinkhie). Bieber, Amik. =
Alt, Kaueſheine. Bieberfell, Apiminiqus,
Ander, Kautack. | 94 Bart, Miskiton.
Anſehn, Uabimo, Wan. Bauch, Niſchemaut.
bemo), 1 I ö Blut, Misko. |
Arzney, Maskikic, | Sn Neconnis.
Brand;
62 Ich habe die indiſchen Woͤrter ſo i wie wir Deut /
ſchen ſie ausſprechen wuͤrden, und das Engliſche „wo die
Ausſprache ſich nicht ee läßt, in Klammern beys
gefuͤgt.
) Das engliſche W läßt bch wie mich dünkt, nicht beſſer
ausdruͤcken, als wenn man ein U an deſſen Stelle ſetzt,
das aber mit der folgenden Sylbe zugleich ausgeſprochen
werden muß.
as
Brandtewein oder Rum, Eſſen, Päpigik. 5
Scottavaba. (Scuttawaw- Engliſch, Saganofeh,
bah). | ö
nahls, Pi Pir-
en, nee, ee
wego).
e N Ehre, Mackauala, a
walaw).
Betroffen, Tallemiſſi. |
Bettdecker, Uabeuion. Eiſen, Peusbiek, (Pewaw-
15 bick).
1
(Wawbewion).
Becher, Olägan, | Erzählung, Tawuema,
Betruͤger, Malatiſſie. (Tawwemaw). |
Behalten,Ganuerima. (Gan- Ehrerbietung, Tabamiaa.
werimaw). Eingeweide, Olabiſch.
Brief, Maſiganon. e
Beten, Talaimia. |
Beſchlieſſen, Tibelindon.
Bewundrungswärdig,
Etwa, Etua, (Etwah, Et-
wäh). -
3
Flaſche, Schifehigo. |
Faſten, Ualicbic, (Walicbie).
| Fallen, Porkifin,
Betruͤbt, Milcottiſſie. Fett, Piminitie.
e W Freund, Niconnis.
Daß, Maba. ! 1355 beſaͤetes, Kittegamic.
Ta, Uarladebi, (Watſau Feuer, Seotta. 1
debi). Feuer ſchlagen, Seutecke.
Dieſer, Manda. Finden, e (Nan-
Doch, Minneuatſch, (Min- tounawah). b 1
nẽ watch). | ! Sifch, Kickon, |
(Megwatch).
E.
e Tebikbip; Di,
Erde, Akuip, (Aukwin),
Franzoſe, Nietegüfch.
Frieren, Kiſſi n. |
es friert hart, Killin magat.
Flinte, Paſ keſſigan.
Dank euch, Meguatfch, 8 Uakaigon,
Faul,
—
Se.
Faul, Kittimi.
Fleiſch, Ues, (Weas).
Friede machen, pecatotitſche.
Fluß, Sippin.
G.
Gefaͤß, Auentagän.
Gefaͤhrte, Nietſchie.
Getraide, Melomin.
Genug, Mimilie.
Gleich, Tabiſcotſch.
Gabel, Naffauokuot, 1
fawokwot.)
Gott, Kitſchi Manitau.
Gehn zu Waſſer, Pimmiſca.
Geben, Milla.
Gut, Calatſeh (Cawlach). | an
( Heiß, Akeſchotta.
Zu nichts gut, Malatal.
General,
Groß, Manatau.
Gefraͤßig, Safakifi.
Gleich, Wehe, (We.
batch). |
Gaͤnzlich, Nepich.
Geliebte, Neremaufi in.
Gehoͤrig, Saſega.
Geiſt, Manitau. 1
Geſtern, Petfchilago,
Gelb, Uazzo, (Wazzo).
Stauden, tilerima,
Hofe, Miſeauſz. |
Kitfchi Okima, |
Hoſen, Kipokitie Kauft.
[Hund, Alim. fu
kleiner Hund, Alemon.
Haſe, Uapus, (Way poos).
Herz, NMitſcheua,
che wah.)
(Alit-
Haſſen, fchingarıma.
Halb, Nabal.
Menſchenhaar, Lin,
Haar von Thieren, Piual.
Huͤbſch, Canotſchininne. 5
g Haben, Fandäla, +
Haupt, Auſtecauan.
Himmel, Speminkakuin.
Hier, Aconda. 3
Huͤtte oder Haus, Uig-Uäm,
(Wig-Waum).
zu Hauſe, Entagent.
Heyrathen, Uieuin, Fa
win).
Halbinſel, Minniſſin.
Hemd, Papakuèan, (Fa-
pawkwean.)
\
Holz, Mittie.
J.
Immer, Kokali.
1 Wa Kia, (Kewaſſa).
Indier,
Indier, Tfehinaba.
Inſel, Meinis.
Indiſch Korn, Mittamin.
Jung, Visconckiff, (Wis.
conekifi)
4 F —
ut I 4 . K. e a
Körper, Yo, (Toe).
Kande, Tlehemaa.
Kind oder Kinder, Bobe.
loſchin. Run
Kalt, ich bin, Kekatfch.
Kraut, Metfchask. 1055
Es kann ſeyn, Teniendo.
Keſſel, Ackikons.
König oder as Ocke-
ma rs
Krieger, Semaganafch.
\ Krieg, Montabala. |
Land, Endalakien. N a
Tragen über Land, Cappa-
| tagon.
Lachen, Papi.
Lahm, Kikekäte. ER,
Leben, Nautfehimonin, Re
(Nouchimowin).
Lieben, Sakie. .
Lange her, Schaſchia.
Laufen, Pitſchebot.
353
Muth, Taguamiſſie, Dr
gwawmilli. .
Muͤde, ate Tanke
wiſſi. ax J
1 Madchen, Borkuli,
(Jeckwaſſin).
Es mag ſeyn, Taniendo. -
teffer, Mockoman.
krummes Meſſer, Curägon,
Mann, Aliffinape, ;
Marſchieren, Pimmauſſie.
Monath, Debicot.
| Mörfer zum ſtoßen, Pautz⸗
gon. .
Maͤnnlich, nape,
| Morgen, Uabonk 5 e ö
bunk). |
Mebermorgent, Ausnabonk
N. fan
Nachher, Mipidätfeh,
Niederlegen, Viepema,
(Weepemah )):
Nadel, Schabonkin.
K Nahe, Pinitſeh, (Pewiteck);
Nation, Eirinie.
Ne Cavioka, e
Nacht, Debicot.
Nein, Ka.
a eee Naſe, Lotſch. N
Carvers Reifen.
ER | mis,
Nichts, kakego.
Noch nicht, kamiski.
Gar nicht, kagotſch.
Nichtsnuͤtzig, Malatat.
Nehmen, Emända,
” / D.
Oben, Spimink.
Otter, Nikkik.
Pfeiffe, Poagan.
Pulver, Pingo.
Be >
Rufen, Tefchenka.
Regieren, tibarima.
Spiel, Packiego.
Schnell, Kegorfch.
Segeln, pemifca.
Sack, Maſhimot.
Schuh, Makiſſin. W
großes Schiff, Kitlehi tſche·
man.
Stern, Alank.
Stehlen, kemätin,
Strümpfe, Mittas.
Stark, Mafchkäva (Mafch-
kauwah).
Stoͤr, Lamach.
onne, kiſſis.
Schwerd, fi imigan.
EN
Te ——————
5
Roth, Miſcau. I Sehn, Uabemo, (Waw⸗
Regen, kimmeuan, Gait bemo). a
mewan. Seit, mapedo.
Nock, Cäpotiuian; (Capo- Sklave, Vacken, (Wacker).
tewian ): Schlaf, Nippig.
Weiberrock, Ockola. Sitzen, Mintepin.
3 T.
Schlagen, Pakuait. \ 1 0
Seyn, Tapadſche. Tragen, Petau.
Schwarz, markäte, | Tanz, Nemeh.
Sterben, Niß. Todt, Niep d“
Schuͤſſel, Mackoan. Teufel, Matſcho-Manitau.
Spiegel, Uabemo. (Waw- Thun, Toſchiton |
bemo). | Trinken, Minikus, (Mi-
See, Kirfehigämink, nikwah). |
Betrun⸗
355
Betrunken, Auisquiba.“) ] Wahrlich, Kikit.
Trauben, Schoamin. Waſſer, Nebbi.
Theil, Tanapie. Weg, Mickon.
Traurig, Talimiſſie. Wohl denn! Taniendal
Toback, Sema. Was iſt das? Uauenin,
Be (Wawwewin)? |
Uebel, Napitſch. [Was jetzt? Quagonie?
Perlaſſen, Packiton. 98 Woher, Tanippi.
Vater, Nliſſa. Wo, Ta.
Vorwaͤrts, Nopauink, (No- Weiß, Uabe, (Waube).
pawink). Wer d da? Quagonie Maba?
Voll, Mauſ kinet. Bind A Lautin. 1
Verborgen, Kemautſch. f
Verliehren, Pachilagus.
Viel, Nibbilau.
Winter, Pepaun.
Weib, Ickuie, (Ickwee),
Wolf, Mahingon.
5 W. I ͤWenig oder klein, Mangio,
Wurfſpieß, Sehefchickuie, | * .
(Shefhikwee).. Zu wenig, Olammangis.
Wie, Tane. Zu viel, Oflane,
Wie viel, Tawnemilik! Zunge, Auton.
Wiſſen, Thickerema. „ Zaͤhne, Tibbit. |
Wenig, n (Wan, Zuſammen, Mamauie, (Mau- a
beſheen). 1 maw wee). |
Zablwörter aus der Tſchipiwaͤiſchen Sprache.
Eins, Paſchik. | Fuͤnf, Nara.
Zwey, Nintfch. | Sechs, Ningautuaſſau, (Nin.
Drey, Niflau. goutwaſſou). u
Vier, Nea. N A Sieben, Ninchouaſſau. u:
) Dies Wort klingt ſaſt völlig wie Usquchaugh, welches in
bergſchottiſchen Branntwein bedeutet. ueb. |
|
8
Acht, Nifſouaſſau. |
Neun, e Mittana.
Zehn, Mittaſſau. 1 ag, Nifguafat. N
Eilf, Mittaſſau Paſchik. 40 5
Zwanzig, Nintſchtäna.“ i Machte Schongau Mit-
Dreißig, Niſſau Mittana. tana. Ki
Vierzig, NeaMittäna. Hundert, Mittaſſau Mittäna,
Funfzig, Naran Mittana. Tauſend, Ae
Sechszig, Ningautuaſſau Mittäna. |
° Miträna. ) .
5 Siebenzig, Nintfchouaflsu
täna..
Ein kurzes Verzeichniß von Woͤrtern aus
der Sprache der Nadoweſſter.
en Freund, Kitfehina, (kit.
Axt, Aſcbhpa. [chiwah). e
Augen, Efchtike. “2 Witte, Muza Unkon, 957
B. „ zah Wakoh).
Bieber, Tchad 1 G.
Büffel, Tatongo. 1 f Gut, Uoſchta, (Wolhtah). |
Bär, Uakonfchedfcha, : Geben, Accuje. _
(Wahkonfchegah), Gott, Wäkon, (Wakon).,
Baum, Orfcha, | Groß, Tongo.
| u A | Geld, Muzaham.
Da, Datſche. PGeiſtige. Getränke, | Mench
1 G Uikon
Eſſen, Etfchamen, Gottlos, ——
| Eiſen, Murah. * | H. ae, ee
. aten, Nane
Fuer, Pata. [Haͤuslich, Schua.
Fraͤnzoſe, Nietiegoſch. [Haus, Tiebie- a" Ä
| Rü 610 ö Him
* 5 ö '
1 \
„ 33%
Himmel, Uoſchta Tiebie, | M. fr si
(Woſhtab). 160 ben Mehr, Ot ena
Hund, Schunguſch. I Monath, bus. Own?
ge Mund, as er 190
m I Medaillen, Muzah Ota.
Ich, Meon. Mein, NMiua, (Mewah).
Ihr, ene, Milch Etat: f
Sung Hapäna. Rue. en,
18 9 Ihr ſeyd weste 5 N.
(Waſhtal). Nein, Heyah. 5 f
SH ſeyd ein Gait, Uakon Nahe, Dfchieftina,
(Wakon) tſchie. Nichtsnuͤtzig, Heyah Uafch-
ta, (Wafhtah),
0 hi | N. Ä
3 3 Ohren, Nukah, 3
Bea doi Hopmiyahiel ) er
Ihr ſeyd mein guter Freund,
Vaſchta kitſchiua (kit
chiwah) tſchie.
Fulle Pate (Wachtoh), | P.
Kalt, Metſchueta. a 25 Schuetongo.
Kind, maͤnnliches, Uet- Pfeife, Schanuapa.
ſehoakſe. (Wechoakfeh ) Friedenspfeiffe, Schanuapa
Kind, weibliches, Uarfchiek- | Pe (Wakon).
IE, (Wahchecſeh).
II
Kommt her, r e . R. i 19 0 5
König, Otra. 4 Regen, Oua (Owah)Meneh.
Klein, dicheftin. >»: 1 Ring, buten.
[Rund, clehupa.
a Reh, Tchindfcho. |
ee des, (Shaweah).
„ n L.
" : £ 5 ‚oh 1
ane, 5 3
. ds don Rehe ME a
wi | . S.
| 358 i
!
See, Tongo Mena.
s N ©. | a e N U.
2 3 jſuebel, Schedfch,
ige en ee Vater, Ota.
Viel, ota.
Salzwaſſer, Menio Quea. 1 * *
Sehen, Efchta. Sn.
Schlafen, Eſehtiemo. W.
Schlange, Omlifchka. Waſſerfal, 6 o 8
Sonne, Pata. meua.
Schnee, Sinnie. Weggehn, been, (ae
. Seltſam, Hopiniayare. e ; coowah).
Siber, Murabam. [Weib, Uinnokedfcha,(Win-
T. . nokejaw). |
Todt, Negoſch. “u Waſſer, Mene.
—
Toͤdten, Negofchtäga, Was? tägo? Ä
u A 4 Wer da? Tagouht? Au
Zablrörter der c Nodoweſſ fer.
Eins, » Unie, (Won- Eilf 5 Vegotfehunganon
| chaw). \ Vontſcha, (Wontſcha).
Zwey, Nümpa, 1 Beanaig,Uegöleanngenen
Drey, Yamonie, 0 Nümpa, 5
Vier, Tobo. ; Dreißig, Uegorfchunganon
Fünf, Sabottie. I ũXe«monie. N
Sechs, Schako. Vierzig, Vegotfchungenon
Sieben, Schakopie, Tobe, 8 .
Acht, Schabindohin. Funfzig, ve ba
Neun, Nebotſchunganon. Sabattie. |
Zehn, Uegotſchunganon, Sechszig, Uegotſchunga: .
(Wegochunganong). | non Schko. RR
1 | | | | Sie⸗
Be 359
* *
| es, Uegotſchunga- Neunzig, Vegotſchunga-
non Shakopie. A non Nebotſehunganon.
Hundert, Opong.
Acht Uegotfehunganon | Tausend Uegorfchunganon
Schahindohin. e e OBene
Dieſem kurzen Verzeichniß von Woͤrtern will
ich doch noch eine Probe von der Art beyfuͤgen,
wie die Nadoweſſter ihre Worte zuſammen ſetzen.
Ich habe dazu ein kurzes Lied gewaͤhlt, das ſie mit
einer gewiſſen Art von Melodie, doch ohne allen
Anschein von Skanſion ſingen, wenn ſie ihre Jagd⸗
zuͤge anfangen. Meine Ueberſetzung iſt ſo buch⸗
ſtaͤblich „ wie der Genius benber Sprachen | es
erlaubt. | 0
Meo accùua 60 85700 efchen Ra |
fchedfcha mena. T ongo Uäkon (Wakon) meo
uoſchta (wofhtah) päta accùua. Hopiniyahie
ouie Cowech) accuyie meo, uoſchts pàta oto to-
= hinofcha meo tiebie.
Ich will aufſtehn vor der Sonne, und jenen
Huͤgel beſteigen, zu ſehn, wie das neue Licht die
Duͤnſte wegjagt, und die Wolken vertreibt. Großer
Geiſt, verleihe mir Gluͤck. Und wenn die Sonne
weg iſt, „leihe mir, o Mond, hinreichendes Licht,
mich ſicher nach meinem . mit Wild beladen,
zurälkzuführen.
N War Dicht
' 368
Ahrzehntes Kapitel. ts l
Von Thieren, Vöͤgeln, Fischen, Gg
und Inſekten, die in den innern Theilen 1
von Nordamerif a gefunden werden.
f 10 n 7 * 5 838
\ . 8 er 7 104 Aa)
SE, is von dieen ee ein en Ver⸗
beſchreiben, die dieſem Lande beſonders e eigen find,
oder fich in weſentlichen Stuͤcken von aͤhnlichen un⸗
terſcheiden, War man in andern Wegendeng an⸗
trifft. 12 80 e Ba
| Vbn Thieren. e
Von 83 giebt es hier, Tiger, Baͤren, sie,
Füͤchſe, Hunde, Bergkatzen, wilde Katzen, Büffel,
=
zeichniß angeben, und nachher nur diejenigen
Rehe, Elendthiere, Mooſethiere, Rennthiere,
Wolfsbaͤren, Stinkthiere, Stachelſchweine, Igel,
Hamſter, Coatis, Marder, Fiſcherwieſel,“) Biber
ratzen, ‚Eichhörnchen, Hafen, Caninchen, Maul⸗
wuͤrfe, Wieſeln, Maͤuſe, Murmelthiere, an
Fiſchottern, Sumpfottern und Fledermaͤuſe.
Der Tiger. Der amerikaniſche Tiger ifi We
aſi jatiſchen und afrikaniſchen aͤhnlich, doch iſt er
0 nicht ſo groß, und koͤmmt ihm ebenfalls an
Wilde
0 Muſtela pennanti corpore nigro Iateribus ſuſeis.
Erxleben fy It. regni anim. p. 470.
. 361
Wildheit und Gefraͤſſigkeit nicht gleich. Seine
Farbe iſt dunkelgraugelb, und vollig ohne Flecken.
Ich ſah einen auf einer Inſel im Fluſſe Tſchipiwaͤ
ziemlich genau, da er nicht weit von mir entfernt
war. Er ſaß auf ſeinem Hintertheile wie ein Hund,
und ſchien eben ſo wenig unſre Annaͤherung zu
fürchten, . als raubbegierige Abſichten zu hegen.
Man trift ihn in dieſen Gegenden nur ſelten an.
Der Baͤr.) Bären ſind in dieſem Theile des
feſten Landes ſehr zahlreich, aber vorzuͤglich in den
nordlichen Gegenden deſſelben. Sie dienen faſt
allen indiſchen Nationen zur N dahrung und zu Betz
ten. Die amerikaniſchen find von den grönlaͤndi⸗
ſchen und rußiſchen in verſchiedenen Stuͤcken unter⸗
ſchieden. Sie ſind lange nicht ſo groß, und wagen
nicht leicht einen Angriff, wenn ſie nicht von Hun⸗
ger oder Schmerz angetrieben werden. Der An⸗
blick eines Menſchen ſetzt ſie in Schrecken, und ein
Hund kann verſchiedne zum Laufen bringen. Sie
ſind große Liebhaber von Weintrauben, und klettern
die hoͤchſten Baͤume hinauf, ſie aufzuſuchen. Dieſe
Art Futter macht ihr Fleiſch ſehr ſaftig und wohl,
ſchmeckend, welches die Indier und Handelsleute da⸗
her dem von allen uͤbrigen Thieren vorziehn, das Fett
ö iſt ebe weiß, en und geſund, und hat auſſer⸗
3 13 5 Rn dem
0 Uiſus Arctos L. a
362 Be
dem den Vorzug, daß es nicht leicht ranzigt wird.
Die Eingebohrnen ſalben ſich beſtaͤndig damit, und
baben ihm ihre Geſchmeidigkeit groͤßtentheils zuzu⸗
ſchreiben. Die Zeit der Baͤrenjagd faͤllt in den
Winter, da ſie ſich in hohle Baͤume begeben, oder
ſich vcher in den Wurzeln umgewehter Bäume aus⸗
hoͤhlen, wozu fie den Eingang mit Zweigen ver⸗
ſtopfen. Aus dieſem Lager ſollen ſie ſo lange, als
die ſtrenge Witterung waͤhrt, nicht herauskommen,
und da man weiß, daß ſie keinen Vorrath von
Futter zuſammen bringen, ſo glaubt man, daß ſie
etliche Monathe ohne Futter zubringen koͤnnen, und
ſelbſt ohne während dieſe Zeit an Dicke abzunehmen.
Der Wolf. Die Woͤlfe ſind in Nordamerika
weit kleiner, als man ſie in andern Gegenden antrift.
Sie haben aber ein eben ſo grimmiges Anſehn, und
ein eben ſo wildes Auge, wie dieſe. Doch ſollen
fie lange nicht ſo gefraͤſſig ſeyn, als die europaͤiſchen,
und nicht leicht einen Menſchen angreifen. Doch
bat man fie zuweilen bey Leichnamen von Erſchla⸗
genen angetroffen. Wenn ſie ſich truppweiſe zu⸗
ſammen halten, welches fie oft im Winter thun,
ſo machen ſie einen ſcheuslichen und fuͤrchterlichen
Lrm. Es giebt in den hieſigen Gegenden zweyerley
Arten, wovon die eine eine graugelbe und die andre
eine ſchwarzbraune Farbe hat.
Der
De 363
Der Suche. Es giebt zwey Arten Fuͤchſe in
Nordamerika, die ſich blos durch ihre Farbe unter⸗
ſcheiden. Die eine iſt roͤthlichbraun, und die an⸗
dre grau. Die, welche man von der letzten a |
am Miffifippi findet, find ungemein ſchoͤn, da ihr
Haar eine voͤllige Silberfarbe hat. Ä
Der Sund. Die Hunde, welche die Andier zur
Jagd brauchen, ſcheinen alle von einerley Art zu
ſeyn. Sie tragen ihre Ohren, aufwaͤrts, und ihr
Kopf iſt dem von einem Wolfe ſehr aͤhnlich. Sie
ſind den Indiern auf ihren Jagdzuͤgen ſehr nuͤtzlich,
und greifen jede Art von wilden Thieren, das ſie
verfolgen, an. Sie ſind ihren Herren ſehr getreu,
nur werden ſie oft i in den Hütten und Zelten, wenn
man ſie ſchlecht futtert, ungemein beſchwerlich.
Die Bergkatze. 5) Dies Thier hat die Geſtalt
einer Katze, nur iſt es weit groͤßer. Ihr Haar
oder Fell iſt dem von einer zahmen Katze ebenfalls
ahnlich, doch unterſcheidet es ſich durch feine Farbe,
die roͤthlich oder orangengelb iſt, und unter dem
Bauche heller wird. Die ganze Haut iſt mit ſchwar⸗
zen Flecken von verſchiedenen Figuren geſchmuͤckt.
Auf den Rücken find fie laͤnglicht, und an den uns
tern u rund. An den Ohren hat ſie ſchwarze
Strei⸗ a
* Felix bei I.
*
—
364 a 9
Streifen. Dieſe Katze iſt faſt eben ſo wild, als
ein Leopard / doch greift ſie ſelten einen Menſchen an.
Der Biſon.) Von dieſen Thieren giebt es in
den bieſigen Gegenden eine ungeheure Menge. Sie
"find größer, als Ochſen, haben kurze ſchwarze Höͤr⸗
ner, und einen langen Bart unter dem Kinn. Ihr
Kopf 55 Ki „daß die Haare über die Augen
herunter llen, und ihnen ein fuͤrchterliches Anſehn
geben. Sie haben einen Höcker auf den Ruͤcken,
der bey den Huͤften anfaͤngt, und gegen die S Schul⸗
tern zu immer höher wird, bis er den Nacker er⸗
reicht. So wohl dieſer Auswuchs „als der ganze 5
übrige Körper, ſind mit langem Haare, oder viel⸗
mehr einer Art 2 Wolle bedeckt, die eine dunkelbraune
oder Mauſefarbe bat. Sie wird ſehr geſchatzt,
haͤuptſ ächlich die vom Vordertheile des Körpers.
Der Kopf iſt groͤßer wie bey einem Stiere und
der Hals ungemein kurz. Die Bruſt iſt breit, und
der Körper wird gegen die denden zu immer duͤnner.
Sie laufen ſo bald ſie einen Menſchen ſehn, und
ein einziger Hund kann ganze Heerden von ihnen
verjagen. Das Fleiſch vom Biſon iſt ſehr gut zu
eſſen, die Haut iſt auſſerordentlich nuͤtzlich, und
das Haar ſchickt ih: su werte Nane Mun
turen. Ni me ren ein ee *
e.
925 bifon, L. var. jubatus. J
365
Der Surſch. *) Es gebt nur eine Art von Hir⸗
en in Nordamerika, und dieſe . hoͤher und
feiner gebaut, als die europaͤiſchen. Ihre Farbe
iſt dunkelgraugelb, und ihre Geweihe ſind ſehr groß
und vielendigt. Sie ſind die geſchwindeſten Thiere,
die man auf den amerikaniſchen Ebenen antrifft,
und gehn, wie in andern. Ländern ; e sus
farnmen.
Das Elendsthier 0 iſt weit Eileen als an
Hirſch, und hat faſt die Dicke eines Pferdes. Sein
Rumpf hat einen Bau wie bey einem Hir che nur
iſt ſein Schwanz ſelten uͤber drey Zoll lang. Sein
Haar iſt grau, faſt kameelfaͤrbig, nur fällt es etwas
mehr ins roͤchlichte; die Laͤnge deſſelben betraͤgt
faſt drey Zoll, und es iſt fo hart als Pferdehaar.
Die Geweihe erreichen eine erſtaunliche Größe,
und geben ſich ſo weit aus einander, daß zwey bis
drey Leute dazwif ſchen ſitzen koͤnnten. Sie ſind
nicht an beyden Seiten gezackt, wie bey den Hir
ſchen⸗ ſondern haben alle ihre Enden an dem aͤuſſern
Rande. Auſſerdem unterſcheiden ſie ſich von dem
Geweihe eines Hirſches noch dadurch, daß ſte platt
und acht bis zehn Zoll breit ſind, da man fe bins
— 5 “x dieſen rund und weit ſchmahler findet.
er \ 1 er
0 Cervus Plaphus L. varietas cauadeuf Wai e
0 Cervus Alees I. 42% a! he
366 e
Sie werfen ihre Geweihe alle Jahre im Hornung,
und mit dem Auguſt erreichen die neuen gewoͤhn⸗
lich ihre völlige Größe. Ungeachtet ihrer Größe
und ihrer Vertheidigungswaffen, womit ſie die
Natur verſehn hat, ſind ſie eben ſo furchtſam, als
Hirſche. Ihre Haut iſt ſehr nuͤtzlich, und läßt ſich
eben ſo gut, wie die von einem Rehbock zubereiten.
Sie leben des Sommers vom Graſe, und des
Winters vom Mooſe und von den Blartfnofpen
der Bäume. |
Das Muſethier ) iſt faſt be ſo ne wie
das Elendthier, und hat faſt eben ſo ungeheure
SGemeihe, wie dieſes, nur mit dem Unterſchiede,
daß fie ſich an der Wurzel einander mehr nähern,
und wie bey einem Hirſche auf beyden Seiten Zacken
ſchießen. Sie werfen ſie ebenfalls alle Jahre. Sein
Hintertheil iſt ſehr breit, aber ſein Schwanz iſt
nicht uͤber einen Zoll lang. Es hat Fuͤße und Beine
wie ein Kameel; fein Kopf iſt ungefähr zwey Fuß
lang, ſeine Oberlefze iſt weit größer, als die untere,
und die Naſeloͤcher find fo weit, daß ein Menſch
feine Hand ziemlich weit hineinſtecken konnte. Das
Haar des Muſethiers iſt hellgrau mit ſchwarz⸗
braun vermiſcht. Es hat eine ſtarke Federkraft,
denn
| ® Dies iſt wuͤrklich 0 eine bloße Abaͤnderung vom
Elkendsthiere. Erxl. ſyſt. regni anim. p. 300,
denn wenn man es auch noch fo lange ſchligt, p
nimmt es doch immer feine vorige dage wieder an.
Das Fleiſch iſt ſehr angenehm, geſund und nahr⸗
haft. Die Naſe oder Oberlefze, die ſehr groß iſt,
und nicht ans Zahnfleiſch haͤngt, wird fuͤr einen
guten keckerbiſſen gehalten, 1 da ſie eine etwas feſtere
Konſiſtenz bat, wie Mark, und gehörig zubereitet
ein ſaftiges und wohlſchmeckendes Gericht giebt.
Seine Haut ſchickt ſich zum Leder ſehr gut, da ſie
dick und ſtark, und doch dabey weich und biegſam
iſt. Dies Thier laͤuft immer im Trabe, und zwar
ſo geſchwind „daß es nur von wenigen andern wil⸗
den Thieren an Schnelligkeit übertroffen wird.
| Man trifft es gewöhnlich in ee an, wo es
ſich von Moos und Blattknoſpen naͤhr
hoͤren zwar zu dem Hirſchgeſchlechte, ch aber nie
rudelweiſe zuſammen. Die meiſten Schriftſteller
verwechſeln ſie mit den Elendthieren, Hirſchen oder
Karrabus, allein ſie gehören zu einer ganz verſchied⸗
nen Art, wie man aus den Beſchreibungen, die
ich von dieſen Tieren gegeben habe, deutlich ſehn
kann.
Das Rennthier iſt zwar dem Muſethier
an n . doch it es ie ſo groß, und
c unbe⸗
) Cervus tarandus L. Erxleben hit. r. a. paß 308.
. oder Carrabou.
367
/
Sie ge⸗
„
unbehuͤlflicher. Ueberhaupt nähert es ſich etwas
dem Bau eines Eſels. Seine Geweihe ſind nicht
ſo platt, wie beym Elendthiere, ſondern rund, wie
beym Hirf
aͤuſſern Enden, und haͤngen mehr uͤber das Geſicht
herüber, als ſis es bey dem Elend⸗ und Muſethiere
thun. Es hat viel von der Schnelligkeit eines
Hirſches „und laßt ſich nicht leicht fangen. Sein
Fleiſch iſt ebenfalls ſehr gut, und feine Zunge wird
vorzuͤglich geſchaͤtzt. Da ſeine Haut glatt und
ohne Adern iſt, ſo wird ſie W 1 boch —
als Gemſenleder. 0
Der Wolfsbaͤr 9 se Raßengefhfehe,
je. Sie nähern ſich auch mehr bey den
und iſt ein ſchrecklicher Feind von den vier vorher⸗ i |
gehenden Arten Thieren. Er greift ſie entweder
unvermuthet aus einem Hinterhalte an, oder klet⸗
tert auf einen Baum, und nimmt ſeinen Stand
auf einem Zweige, wo er lauert, bis irgend eines
von ihnen von großer Hitze oder Kaͤlte getrieben
Schutz darunter ſucht. Er ſpringt ſeinem Raube
auf den Nacken „reißt ihm die Kehlader ab, und |
falle es bald dadurch zu Boden. Hiezu hilft ihm
fein langer Schwanz ungemein, den er um den
eis 1 en ſchlingt. Der einzige Weg,
2 b ihm
7 „Y Cnresjou, UrfsTaheipefonft auf Engliſch auch Wol-
verene oder Quick. hateh. Erxleben p. 168.
.
5 369
ihm zu entgehn, iſt / wenn das Thier gleich auf ein
Waſſer zulaͤuft, wodurch es ſich zuweilen vom 5
Wolfsboͤren, der dies Element ſehr ſcheut, e !
ehe er ſeinen Zweck erreichen kann.
Das Stinkthier # iſt das wunderbarſte von N
allen, die man in den amerikaniſchen Waͤldern an⸗ 15
trifft. Es iſt noch wohl etwas kleiner, als ein
Iltis, zu deſſen Geſchlecht es gehört, und mit dem
es oft verwechſelt wird, ungeachtet es ſich i in vielen
Stuͤcken davon unterſcheidet. Sein Fell iſt ſang
und glaͤnzend, die Farbe ſchmutzig weiß mit ver⸗
ſchiednen ſchwarzen Stellen, fo daß es hin und wie⸗
der ſchwarz⸗ ſchattirt zu ſeyn ſcheint, ohne doch eigent⸗
lich gefleckt oder geſtreift zu ſeyn. Sein Schwanz
iſt lang und buſchigt, wie beym Fuchſe. Es haͤlt
ſich vorzuͤglich in Waͤldern und Gebuͤſchen auf.
Seiner auſſerordentlichen Waffen bedient es ſich
blos, wenn es verfolgt wird. Sobald es naͤhmlich
ſich in Gefahr ſieht, ſpruͤtzt es von hinten auf
eine große Entfernung eine fo feine und ſtark vier
chende Feuchtigkeit aus, daß die duft uͤber eine halbe
Viertelmeile herum davno angeſteckt wird, und feine
. ee e e echt als en ſehn ſichh
durch
50 Viuerra putorius L. Putorus Americanus ftriatus. |
Catesby. e
Carvers Reiſen. 1 Ya nn
.
5 durch den abscheulichen Gestank genungen von
ihrem Vorhaben abzuſtehn. Die Franzoſen nennen
es daher enfant du diable (Teufelskind), oder bete |
puante, (Stinfthier): Es iſt faſt unmöglich, die
ſchaͤdlichen Wuͤrkungen der Feuchtigkeit zu beſchrei⸗
ben, womit es die Natur zu ſeiner Vertheidigung
verſehn hat. Wenn nur ein Tropfen davon auf die
Kleidung faͤllt, ſo erhaͤlt ſie davon einen ſo unan⸗
735 genehmen Geruch, daß man ſie nicht weiter tragen
* kann; oder wenn etwas davon ins Auge kommt,
N ſo erregt es lange unertraͤgliche Schmerzen, und
man verliehrt wohl gar das Auge daruͤber. Dieſer
ſo fuͤrchterliche Geruch des Stinkehiers bat jedoch
nichis Aasaͤhnliches, ſondern riecht vielmehr wie
ſtarker Moſchus, der mehr durch ſeine Stäufe, als
| durch ſeinen ekelhaften Geruch widrig wird. Er
ſoll aber dazu dienen, den Kopf aufzuheitern, und
die gebensgeifter in Bewegung zu bringen. Einige
Naturkuͤndiger glauben, daß dieſe Feuchtigkeit 1
nichts als Harn ey; allein ich ſchnitt viele von den
Stinkthieren auf, die ich ſchoß, und fand nahe bey der
Harnblaſe ein kleines Waſſerbehaͤltniß, das vollig
von ihr abgeſondert u war, und aus dem nac, mei⸗
ner Ueberzeugung dieſer ſuͤrchterliche Geruch allein
herkommt. Wenn ich den Sack, worinn ſich dies
| Wafer befindet, forgfätrig herausgenommen hatte,
f 0 ſo
0 Alein ei ein einziger ebe 15 her verföritten 1100
verdirbt nicht allein das ganze Thier, 7 ſondern er⸗
fuͤlt auch das ganze Haus, und macht alle Eßwaa⸗
ren darinn unbrauchbar. Die Franzoſen haben ihm
daher mit ſehr großem Mech Wipe Ren
gegeben. TRETEN ET 1
Das amerikaniſche Grawelibwein 95 iſt un⸗
| gefahr fo groß wie ein kleiner Hund, nur iſt es kürzer
und niedriger. Es unterſcheidet ſich von den Stachel⸗
ſchweinen aus andern Gegenden ſehr durch ſeinen
Bau und durch die Lange ſeiner Stacheln. Seine
NED
Geſtalt iſt der von einem Fuchſe aͤhnlich, nur hat 13
faſt
es einen kuͤrzern und nicht ſo ſcharfen Kopf,
wie ein Kaninchen. Sein Koͤrper iſt mit dunkel⸗
braunen vier Zoll langen Haaren bedeckt, davon
f einige die Dicke eines Strohhalmes haben, und
daher ſeine Stacheln genannt! werden. Dieſe Sta⸗
| cheln ſind weiß mit ſchwarzen Punkten „ inwendig
hohl und ſehr ſtark, vorzüglich auf dem Ruͤcken.
Sie dienen zu Angriffs⸗ und Vertheidigungswaffen,
womit dies Thier feine Feinde ſticht. Wenn fie
nur im geringſten ins Fleiſch eindringen, fo finfen
fie gleich ſo tief binein, daß man ſie herausſchneiden
MB ‚Die Indier machen fig). damit cher in die
Aa 2 ng 15
= Hyſtris dorfara L.
Ohren und Naſen zu ihren Gelengen, und zieren
ihre Strümpfe, Haare u. f w. damit. Auſſerdem
wird das Fleiſch davon ſehr geſchaͤtzt 0
Der Samſter 7 (Woodchuck) ift ein Thier,
das ſich immer unten auf der Erde aufhält, und
zu den Thieren gehort, die Rauchwerk liefern. Es
iſt ungefaͤhr ſo groß wie ein Marder, und funfzehn
Zoll lang; doch hat es einen rundern Koͤrper und
kuͤrzere Beine. Seine Vorderpfoten ſind breit, um
damit föcher in die Erde graben zu koͤnnen, worinn
er ſich eben folche Gänge macht, als die Kaninchen.
Sein Fell iſt grau ins röthliche buen und RR
ſehr geſchaͤtz. n ö |
Der Coati 9 iſt etwas kleiner als ein u Bieber, 5
und hat eben ſolche Fuͤße und Beine, nur ſind dieſe
Pi im i Berpälmif: feines Sante der dem von
„ ne
5 Mus erĩeetus L. Ich oberſeze das Wort Woöächück
nur auf Gerathewohl durch Hamſter, da ich es nir⸗
gends, als im Carver, habe finden koͤnnen, und
die unvollſtaͤndige Beſchreibung, die er von i dieſem
Thiere giebt, „ doch etwas aͤhnliches mit einem
Hamſter hat. Nach den Einfuhrliſten von Hud⸗
ſonsbay in Dobb's account of the countries adjoi- \
ning to Hudfonsbay p. 201. wird 1740 das Stuͤck |
N von den Fellen zu 8 ſh. 7 d. und 1743 zu 4 nad.
verkauſt. |
) Urſus lotor L, Racoon. e
373
emem D Dachſe ahnlich ir Er bar einen Kopf wie
ein Fuchs, doch ſind ſeine Ohren kuͤrzer, rund und
kahl. Sein Haar iſt ebenfalls Fuchshaaren ähn-
lich, und dick, lang, weich und an den Enden
ſchwarz. Auf ſeinem Geſichte hat er einen breiten
Streif, der queer uͤber daſſelbe hinlaͤuft, „und die
Augen, die ziemlich groß find, umgicht. Seine
Schnautze iſt ſchwarz / und laͤuft gegen das Ende
rundlich zu, wie bey einem Hunde. Die Form
und die Zahl von ſeinen ‚Zähnen ift ebenfalls der
von einem Hunde gleich. Sein Schwanz iſt lang
und rund, und hat ringfoͤrmige Streifen, wie ben
einer Katze. An den Fuͤßen giebt es fuͤnf duͤnne
Zaͤhen mit ſcharfen Krallen, womit er wie ein Affe
die Baͤume hinauf klettert, und bis an die Enden
der Zweige vorlaͤuft. Er gebraucht ſeine Vorder⸗
pfoten wie Hände, und ſteckt ſich damit das Futter
ins Maul. Sein Fleiſch iſt im September und
Oktober ſehr gut, weil es alsdenn Fruͤchte und
Nuſſe genug > wovon er 15 0 ee
e
Der Marder“) ie etwas: TER als ein eich
ne dem er doch an Bau nicht völlig unaͤhn⸗
lich iſt. Doch ſind ſeine Beine und Klauen viel
1 Seine Ohren ſt ſind kurz, breit, und ruͤnd⸗
8 1 ns y Ä ie
Se Muftela martes L. Leco,
lich, und ſeine 1 glänzen bey Roc ie Katzen
Augen. Der ganze deib iſt mit braͤunlich gel ben
Haaren bedeckt und in den nordlichen Gegenden
giebt es welche, die ſchwarzes Haar haben, a
deren Felle weit hoͤher geſchaͤtzt werden. Der
Schwanz iſt mit langem Haare bedeckt, .
er dicker zu ſeyn ſcheint, als er oirklich iſt. Sein
Fleiſch wird bawellen ee un HR febe ge⸗
achtet. 0 „ n TER nn,
Die Bieberratze Pr oder u keene Be den
Namen von dem ſchönen Moſchus den ſie liefert.
SEie ſcheint blos ein Bieber im Kleinen zu ſeyn, da
iſiꝛ alle Eigenſchaften dieſes klugen Thieres befißt,
| und ihm blos an Größe und Staͤrke weichen muß.
Sie iſt nicht viel großer wie eine große Ratze von
der norwegiſchen Art, auch unterſcheidet ſie ſih
vom Bieber durch ihren Schwanz, der dem von
einer europaͤiſchen Ratze vollkommen ahnlich iſt.
Sie bauet ſich eine Hütte, wie der Bieber, aber“
von ſchlechterer Bauart, und ſchlaͤgt ihren Wohn⸗
platz immer am Waſſer auf. Im Fruͤhjahr ver⸗
laſſen ſie ihre Schlupfwinkel und leben paarweiſe
bis gegen den Sommer von Blaͤttern und Wurzeln.
Im Sommer hingegen machen Erdbeeren, Hin⸗
beeren und andre Nabe ihre Nahrung aus. Bey
| der
0 Caor bine L, ebene ö
| 375
der Annaͤherung des Winters trennen fiefich, und
eine jede ſucht ſich eine Stelle in irgend einem hoh⸗
len Baum aus, wo ſie den Winter aber voͤlli ig ohne
Vorrath bleibt, und daher wahrſcheinlicherweiſe
bis zum Frühling auch ohne Nahrung zubringt.
Das Eichhoͤrnchen. Von Eichhoͤrnchen giebt
es in Amerika: fünf Abaͤnderungen. Das rothe, “)
das graue, das ſchwarze, ) das bunte, * und
das fliegende eee Die beyden erſten ſind den
europaͤiſchen vollkommen aͤhnlich. Die ſchwarzen
ſind etwas größer und unterſcheiden ſich blos durch
ihre Farbe. Die bunten haben ebenfalls einen
ähnlichen Bau, und find ſehr ſchoͤn, da fie oft mit b
weiſſen oder grauen, und zuweilen mit rothen oder
ſchwarzen Streifen bedeckt ſind. Das amerika⸗
niſche ftegende Eichhörnchen aber iſt viel kleiner /
als das europaͤiſche, und nicht über fuͤnf Zoll lang.
Es iſt auf dem Ruͤcken rörhlich grau, oder aſchgrau,
und an den untern Theilen weiß. Es hat ſchwarze
vorſtehende Augen, wie eine Maus, und einen
Eugen flachen breiten Schwanz. Es kann ver⸗
moͤge einer Haut, welche ſich von den Vorderfuͤßen
bis an die Hinterfuͤße erſtreckt, von einem Baum
Las 00 andern ſpringen, ſelbſt wenn ſie ziemlich
W e ein Aa An e welt
1400 11
H deiurus vulgaris L. 00 Sciurus niger L.
) Sciurus ſtriatus L. ) Seiurus volans L.
376
weit von Anander entfernen Diese loſe Haut,
die es wie ein Segel ausſpannen kann, und womit
es ſich in der Luft erhaͤlt, iſt ungefähr zwey Zoll
breit, und mit feinem Haare oder Wolle beſetzt.
Es hat einerley N en, mit den mi und
llaͤßt ſich leicht zahmen. Tarn |
Der Bieber. Dies Thier fi — o Abende
und ſeine ſonderbaren Eigenſchaften ſind ſchon fd
genau beſchrieben worden, daß jede weitere Nach⸗
| richt davon uͤberfluͤßig ſcheinen wird. Allein da viele
meiner Sefer noch keinen deutlichen Begriff von der
Bildung und den Eigenſchaften dieſes ſchlauen und
nuͤtzlichen Thieres haben werden; ſo will ich zu ihrem
Beſten eine kurze und genaue Beſchreibung davon
geben. Der Bieber iſt ein vierfußiges Thier, das auf
dem Lande und im Waſſer leben kann. Doch kann er
im Waſſer nicht lange aushalten, und es ſo gar, wie
man ſagt, vollig entbehren, wenn er nur dann
und wann Gelegenheit hat, ſich zu baden. Die
größten Bieber find faft vier Fuß lang, und über
den Hüften vierzehn bis funfzehn Zoll breit. Sie
wiegen ungefähr ſechszig Pfund. Er hat einen
Kopf, wie ein Otter, nur iſt er etwas größer. Die
Schnautze iſt ziemlich lang, die Augen ſind klein,
und die Ohren kurz, rund, auſſen haarigt, und
inwendig glatt. Seine Wen ſind ſehr lang, die
0 untern
| a 37
untern ſtehn etwa drey Finger breit und die obern
einen Finger breit aus dem Maule hervor. Alle
| dieſe Zähne find breit, gekruͤmmt und ſcharf. Auſſer
den Schneidezaͤhnen, von denen die obern in die
untern paſſen, und die ſehr tief in den Kinnbacken
ſitzen, haben ſie ſechszehn Wangenzaͤhne, davon
acht an jeder Seite, vier oben und vier unten,
grade einander gegenuͤber ſitzen. Mit den Schnei⸗
dezaͤhnen können fie große Bäume abſaͤgen, und
mit den Wangenzähnen' die härteften Dinge zer:
malmen. Ihre Beine ſind kurz, vier bis fuͤnf Zoll
lang, und Dachsbeinen ſehr aͤhnlich. Die Zaͤhen
an den ® Zorderfuͤßen ſind von einander abgeſondert,
die Nägel liegen ſchief, und ſind hohl, wie Feder⸗
kiele. Die Hinterfuͤße aber find völlig verſchieden,
und mit einer Schwimmhaut verſehn. Durch dieſe
Einrichtung der Natur iſt er im Stande langſam
zu gehn, und faſt ſo gut zu ſchwimmen, wie jedes
andre Waſſerthier. Sein Schwanz hat die Geſtalt
von einem Fiſche, und ſcheint gar nicht an ſeinen
Körper zu gehören, da er, bis auf die Hinterfüße
Landthieren voͤllig aͤhnlich iſt. Der Schwanz iſt
mit einer ſchuppigten Haut bedeckt, und die Schup⸗
pen darauf ſind wieder durch ein feines Haͤutchen
mit einander verbunden. Dieſe Schuppen find uns
FR fo dick, wie Pergament; beynahe andert⸗
a 5 vs Bo
378
halb linien 1 und a ſechseckigt⸗
ganze Schwanz iſt eilf bis zwölf Zoll lang / f und in
der Mitte brefter als an ver Wurzel oder der Spitze.
Die Breite in der Mitte beträgt auf vier Zoll Nahe
am Korper ift er faſt rund und zwey Zoll dick, allein
gegen das Ende zu wird er immer duͤnner und ſpitzer.
Die Farbe des Biebers iſt nach dem Himmels⸗
ſtriche, worin er lebt, verſchieden. In den nord⸗
lichſten Gegenden iſt er gemeiniglich ganz ſchwarz;
in gemaͤßigtern braun, und wird immer hellfarbich⸗
ter, je weiter er gegen Suͤden koͤmmt. Sein Haar
iſt am Körper. von zwey verſchiednen Arten, und
an den Fuͤßen ſehr kurz. Das längſte iſt gewoͤhn⸗
lich einen Zoll lang, doch betraͤgt es auf dem Rücken
wohl zwey Zoll, und wird gegen den Kopf und
Schwanz zu allmaͤhlig kuͤrzer. Dieſer Theil des
Haares iſt ſproͤde, grob und glänzend, und nicht
viel werth. Das uͤbrige beſteht aus einer dicken und
ſeinen Wolle, die faſt ſo weich wie Seide anzufuͤhlen
iſt. Ihre Lange betraͤgt ungefaͤhr dreyviertel Zoll,
und wird gemeiniglich zu Manufacturen gebraucht.
Das Biebergeil, welches in der Arzeneykunſt ſei⸗
nen Nutzen bat, koͤmmt ebenfalls von dieſem Thiere,
und man glaubte ſonſt, daß es aus dem Hoden deſ⸗
ſelben beſtuͤnde; allein neuere Erfahrungen lehren,
daß es in vier Socken, die unter dem Unterleibe
ſchen,
82
2
Ban 379
fißen, enthalten ift. Zwey davon die wegen ihrer
erhabenen Lage die Obern heißen, ſind mit einer
weichen, harzigen und klebrichten Muterie ange⸗
füllt; welche mit kleinen Fibern vermiſcht iſt, auſſen
eine graͤulichte und inwendig eine gelbe Farbe hat.
Sie giebt einen unangenehmen durchdringendenGe⸗
ruch, und laͤßt ſich leicht entzuͤnden. Dies iſt das
wahre Biebergeil. Es verhaͤrtet ſich an der Luft,
wird braun, bröcklicht und reibbar. Die untern
Saͤcke enthalten eine ſchmierigte Feuchtigkeit, wie
Honig. Ihre Farbe iſt blasgelb, und der Geruch
etwas von dem andern unterſchieden, indem er
ſchwaͤcher und unangenehmer iſt. Dieſe Feuchtig⸗
keit verdickt ſich ebenfalls mit der Zeit und erhaͤlt
endlich eine Dichtigkeit wie Talg. Sie wird eben⸗
falls in der Mediein gebraucht, aber ah ſo hoch
gerhäst, „ wie das wahre Biebergeile nu.
Die Geſchicklichkeit dieſer Thiere 5 ai Bau
lhre Huͤtten und ihrer uͤbrigen Haushaltung iſt
wirklich bewundernswuͤrdig. Wenn fie im Begriff
ſind, ſich einen Wohnplatz auszuſuchen, ſo ver⸗
ſammlen fie ſich oft zu zwey bis dreyhunderten,
und wählen ſich endlich nach reiflicher Uerlegung
eine Stelle, wo ein Ueberfluß von Lebensmitteln
und alle übrige Nothwendigkeiten zu finden ſind.
Ihre Haͤuſer liegen immer im Waller, und wenn
—
N
51
Sr,
389 K
ſie in der Nachbarſchaft keinen See oder Teich
finden Fönnen, fo füchen fie dfefen Mangel dadurch
zu erſetzen, daß ſie einen Damm durch einen kleinen
Fluß oder Bach ziehn, um daß Waſſer aufzuſtem⸗
men. Sie fallen zu dem Endzwecke Baͤume, vor⸗
zuͤglich ſolche, die oberhalb der Stelle wachſen, wo
ſie ſich anbauen wollen, um ſie den Fluß deſto be⸗
quemer hinabtreiben zu laſſen. Wenn ſie ſich die
dazu tauglichen Baͤume ausgeſucht haben, ſo ma⸗
chen ſich drey bis vier Bieber an einen davon, und
fällen ihn in kurzer Zeit mit ihren ſcharfen Zaͤhnen.
Sie ſehn immer dahin, daß ſie ihn auf das Waſſer
zufallen laſſen, damit ſie ihn nicht ſo weit zu ſchlep⸗
pen brauchen. Wenn fie ihnen endlich die gehörige
Lange gegeben haben, fo waͤlzen fie fie ins Waſſer,
und laſſen fie an den beſtimmten Ort treiben. Ohne
mich umſtaͤndlicher auf die Maßregeln einzulaſſen,
welche ſie bey dem Bau ihrer Daͤmme befolgen,
will ich blos anmerken, daß ſie eine Art Moͤrtel
mit ihren Fuͤßen machen, und ihn auf ihrem
Schwanze an die gehörige Stelle bringen, deſſen
ſie ſich auch ſtatt einer Kelle bedienen. Sie bauen
ihre Haͤuſer damit ſo dauerhaft und regelmaͤßig,
als der erfahrenſte Arbeiter nur immer thun koͤnnte.
Die Grundlage ihrer Haͤuſer iſt eben ſo bewunderns⸗
würdig. Sie ruhen entweder auf Pfeilern i in der
| Mitte
Mitte von den kleinen Seen, die fie am Ufer der
Fluͤſſe machen, oder auf einer Landſpitze, die in den
See vorlaͤuft. Ihre Figur iſt rund oder eyförmig/ | .
und ihre ganze Einrichtung zeugt von eben ſo viel
Kunſt, als der Bau ihrer Damme. 2 Zwey Drittel von
dem Gebaͤude ſtehn uͤber Waſſer, und dieſer Theil iſt
für acht bis zehn Bewohner geraͤumig genug. Jeder
Bieber hat ſeinen angewieſenen Platz „wovon er
den Fußboden ſorgfaͤltig mit Blaͤttern oder kleinen
Fichtenzweigen beſtreut, um ihn rein und warm
zu halten. Ihre Häufer liegen fo nahe an einan⸗
der, daß ſie bequem aus einem ins andre kommen
koͤnnen. Der Winter uͤbereilt ſie nie, ehe ſie ihr
Gefhäfte zu Stande gebracht haben, denn gegen
das Ende des Septembers ſind ihre Haͤuſer gewohn⸗
lich fertig, und ihre Lebensmittel unter Dach ge⸗
bracht. Dieſe letztern beſtehn in kleinen Stuͤcken
Holz von weichen Faſern, als Pappeln, Eſpen oder
Weiden, die ſie in Haufen w aufiegen, daß ihre Saͤfte
nicht austrocknen koͤnnen. Wenn ich alle Umſtaͤnde, |
welche die Klugheit dieſer Thiere beweiſen, anführen,
wollte, ſo würden fie einen ganzen Band ausmachen,
und dennoch angenehm und unterrichtend ſeyn.
Die Siſchotter ) lebt ebenfalls im Waſſer 10
a dem Sande. Sie hat in einigen Stuͤcken viel
1
D Muſtela a L.
38
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e 4
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ri zz m G — Z FE ZZ jm— ——
——
382
| ähnfiches mit dem Bieber, unterſtheidet ſcch uin
merklich in vielen andern von ihm. Ihr Koͤrper iſt
faſt eben ſo lang, als der von einem Bieber, aber viel
kleiner in allen ſeinen Theilen. Die Augen, die
Schnauze und die Bildung des Kopfes haben eben⸗
falls viel ähnliches, aber die Zähne machen einen ;
großen Unterſchied, da der Otter die großen
Schneidezaͤhne fehlen, die man bey dem Bebek
finder, und alle ihre Zähne ohne Ausnahme. wie
Hunds⸗ oder Wolfszaͤhne gebildet find, Ihr Fr:
iſt auch lange nicht fo lang, und von verſchiedner
Farbe; denn unten am Halſe und unter dem
Bauche iſt es graͤuchlichter, als bey einem Bieber.
Dies Thier, das man faſt in allen Weltgegenden,
vorzuͤglich Häufig aber in Nordamerika antrifft, iſt
ſehr bösartig, und greift, wenn es hitzig verfolgt
wird, Hunde und Menſchen an. Es naͤhrt ſich
gewöhnlich von Fiſchen, vorzuͤglich im Sommer;
allein im Winter begnuͤgt es ſich mit Baumrinde
und Feldgewaͤchſen. Sein Fleiſch ſchmeckt und
riecht nach Fiſchen, und it überhaupt ſehr unge-
ſund, as “ ma aus er Hegeſſen N
wird. 8 es fize
Die enen 9 gehöre mit der vorigen zu
einem VORAN und fuͤhrt ming Lebensart. 5
s
hi 0 Nuſtela lutreola L. Mink. N
383
Sie 195 die Größe und Gestalt eines Ilkis,
und iſt e eben ſo lang und mager. Ihr Fell iſt
ſchwaͤrzer, als das Fell von einer Otter, oder viel⸗
leicht jedem andern Thiere; und es iſt daher in
Amerika zum Spruͤchworte geworden, “fo ſchwarz
wie eine Sumpfotter- Doch wird es nicht ſo
boch geſchaͤtzt, wobey es aber ſehr auf die Jahrs⸗
seit. ankümmt, zu welcher ſie gefangen wird. Ihr
Schwanz iſt rund, wie bey einer Schlange, und
vollig kahl. Gegen das Ende zu wird er etwas
platt. Oer ganze Koͤrper hat einen angenehmen
Musfgeruch. Ihr Aufenthalt ift vorzuͤglich bey
| nee von? Flüſſen, an deren lem! fer lebt.
* Von Voͤgeln. weg
0 55 eln findet man bier Adler, „ Habichte,
Nachabichte, Fiſhbabichte, , Nachtſchwalben,
Raben, Kraͤhen, Eulen, Papageien, Pelikane,
9 1 Waltrrahen, Reiher, Schwäne,
AIRES
FH, Schnepfen, erben, Spechte Kukuke,
blaue Haber, Schwalben, Waͤkon, Amſel, Roth⸗
vögel, Krammetsvögel, Scharfſaͤgen, Nachti⸗
gallen, Königsvögel ö M Zaunkönige =
und Colibris. e
1 9 Ae Der
NR
384
Der Adler.) Es site blos zwey Arten Adler
in dieſen Gegenden, der kahle und der graue, die
faſt von einer Größe find, und uberhaupt denen
aus andern Gegenden vollig gleich kommen.
Der Nacht habicht gehört zu dem Habichts⸗
geſchlechte da fein Schnabel unterwaͤrts gekruͤmmt
iſt. Seine Fluͤgel ſind zum Geſchwindfliegen ge⸗
macht, und haben faſt eben die Geſtalt, wi beym
gemeinen Habicht; doch iſt er viel kleiner und von |
dunkler Farbe, wie dieſer. Man ſieht ihn ſel ten
anders, als des Abends zur Zeit der Daͤmmerung, h
da er muthwillig um den Kopfl des ſich verfpätene
den Wanderers herumfliegt. Vor einem Gen wit ⸗
ter ſieht man ſie in einer erſtaunlichen Hoͤhe in der
duft bauffenweiſe beyfammen; eine Bemerkung,
die man auch von Schwalben gemacht bat. .
Der Siſchhabicht iſt ihm ſehr ahnlich, und bat 5
den Nahmen von ſeiner Nahkung, die größtentheils
in Fiſchen beſteht. Er ſchwebt uͤber Seen und
Fluͤſſen, und ſcheint oft auf dem Waſſe er zu ruhen. 0
Wenn er ſieht „daß er die Fiſche erreichen kann,
| ſo ſtuͤrzt er ſich plötzlich darauf los, und erhaſcht
ſie. Er ſoll wenn er dicht uͤber dem Waſer weg⸗
fliegt eine anziehende Kraft befisen, „ wodurch er
0 hi ch ai Fiche naͤher . und dieſt Zauberkraft |
FAN wu.)
2 Falco Kultus 15 10
fol in einem Oehle beſtehen, das in einem kleinen
Sack, den er im Leibe hat, enthalten i ft, und das
ihm die Natur zu dieſem Endzweck gegeben hat.
So viel iſt gewiß, daß jeder Art Köder, die nur
mit einem Tropfen von dem Oehle dieſes Vogels
befeuchtet iſt, eine unwiderſtehliche dockſpeiſe fuͤr
Fiſche abgiebt, und den an eines Ss io
! folge BERN
Die Nacheſchwelbe ) wird von den en
Muckawiß genannt. Dieſer auſſerordentliche Vo⸗
gel koͤmmt den vorhergehenden an Geſtalt und
Farbe etwas gleich, nur hat er etliche weißlichte
Streifen über den Fluͤgeln, und laͤßt ſich ſelten vor .
Sonnenuntergang ſehen. Man trifft ihn ebenfalls
nie auſſer den Fruͤhlings und Sommermonaten an.
Sobald die Indier aus ſeinen Tönen feine Ankunſt
erfahren, ſo ſchlieſſen ſie daraus 1 daß der Froſt
gaͤnzlich voruͤber iſt, und ſehn ſich ſelten darinn be⸗
trogen, und fangen auf dieſe Verſicherung einer
milden Witterung an, ihr Getraide auszuſaͤen.
a Bi Na Sie
3 Caprimulgus Americans L. Caprimulgus Amer.
canus minor Catesby Nat. hift, of Carolina V. III.
t. 16. Edwards nat. hiſtory of birds t. e Whip-
. Whip: poor- will.
Co Ban: 36
385
0
10
386
*
Er hat feinen Namen von dem Geſchrey, das er
macht welches den Coloniſten wie Whipperwill
vorkoͤmmt, einen indiſchen Ohee aber wie Muck-
a-wisf klinget. Die beyden Wörter find zwar ſehr
verſchieden, allein die Einbildungskraft der Eng⸗
laͤnder und Indier wird dadurch auf einerley Art
\ geruͤhrt; und dieſer Umſtand beweiſt, daß einerley
Toͤne, wenn ſie nicht durch die Regeln der Recht⸗
ſchreibung beſtimmt gemacht worden, bey verſchie⸗
denen $ Leuten mit verſchiednen Begriffen verbunden
ſeyn koͤnnen. So bald die Nacht anbricht, ſo ſetzen
ſich dieſe Vögel auf Zäune, Staͤmme von Baͤu⸗
men, oder Steine, die nahe bey einem Hauſe lie⸗
gen, und wiederhohfen ihre traurigen Tone ohne
die geringſte Abwechſelung bis Mitternacht. Die
Indier und verſchiedene Einwohner aus den hintern
Pflanzungen glauben, daß, wenn ſich dieſer Vo⸗
gel auf ein Haus niederläßt, den Bewohnern deſſel⸗
ben MIN ein Ungluͤck bees
Die Eule, * Die einzige Eufenart, die 00
Ukgker des Miſſtſippi angetroffen wird, hat ein ſehr
| ſchoͤnes Gefieder, von einer ſchoͤnen dunkelgelben
oder Goldfarbe, mit huͤbſchen Sec und Schat⸗
tirungen. 120 0 |
N De Der
*) Strike flammen? L.
—
Be 2
. ———— .
\ ii RR: |... |
Der Kranich.) Es giebt eine Art Kraniche in
dieſen Gegenden, die Vater Hennepin Pelikane
nennt. Sie hat ungefaͤhr die Groͤße vom euro⸗
päifchen Kranich, lange Beine und eine graͤulichte
Farbe. Allein fie unter ſcheidet ſich von allen uͤbri⸗
gen durch ihren Schnabel, der zwoͤlf Zoll lang iſt,
und bis ans Ende, wo er abgeſtumpft iſt und wie
eine Ruderſchaufel ausſieht, anderthalb Zoll breit
bleibt. Die Zunge if eben ſo lang als der
Schnabel. e
Enten. Von den vielen verfihtehhhen Arten
wilder Enten, davon es hier uͤber zwanzig Abaͤn⸗
derungen giebt, werde ich blos die Holzente beſchrei⸗
ben, welche die Franzoſen Canard branchu ) nennen.
Sie hat ihren Namen von ihrer Gewohnheit, ſich
in Waͤldern aufzuhalten, und ſich auf Zweigen
niederzuſetzen, welches kein anderer Waſſer vogel
thut. Sie iſt ungefaͤhr ſo groß, wie andre Enten,
und hat ein ſehr buntes und glänzendes Gefieder. 5
Ihr Fleiſch iſt ebenfalls ſehr ſchmackhaft, und an⸗
derm Entenfleifch weit vorzuziehn, 5 I faſt gar
keine Fiſche frißt. e
B A Die
10 Ardea Canadenfis? L. Doch paßt die Beſchreibung
des Schnabels gar nicht, der bey den eigentlichen
Kranichen ſpitzig zulaͤuft. 0 a
> Vermuthlich Anas arboren L.
388 I | |
10 i a
Die Kriechente ). Ich habe ſchon in meinem
Tagebuche angemerkt, daß die Kriechenten, wel⸗
che man am Fuchsfluſſe und Miſſtſippi antrift, alle
uͤbrigen an gutem Geſchmack und Fette übertreffen.
Ihre Farbe, Bildung und Groͤſſe iſt von denen,
die man in andern Gegenden e 5 wenig un⸗
terſchieden. .
Der Luhn (oon) iſt ein andrer Waſservogel,
etwas kleiner wie die Kriechente, und eine Art von
Tauchente. “) Seine Fluͤgel ſind kurz, und ſeine
un Beine und Füße der Größe des Körpers angemeſ⸗
‚fen. Seine Farbe iſt dunkelbraun und fällt ins
Schwarze. Sein Fleiſch ſchmeckt nicht gut, da
er faſt ganz von Fiſchen lebt. Er iſt ungemein be⸗
hende, und taucht ſo gut unter, daß es fuͤr einen
allein faſt unmoͤglich iſt, ihn zu ſchießen, da er
immer eher untertaucht, als der Schuß ihn erreichen
Fin kann. Es muͤſſen daher mehrere Schuͤtzen zugleich
auf ihn zielen, und er kann nicht anders getroffen
Kepfe uber dem Waſſer hervorkommt, um wieder
| die man auf ihn wendet, blos durch das Vergnuͤgen,
das er ſeinen J Jägern whrend der Jagd verurſacht.
9 # 1 Das 0
> Anct es L. 0 f
4) Mergus I
werden, als in dem Augenblicke, da er mit dem
unterzutauchen. Auſſerdem bezahlt er die Muͤbe, 10
a. 8
Das Rebhuhn.) Es giebt drey Arten Rebhuͤh⸗
ner hier zu kande, das braune, das rothe und das
ſchwarze, doch wird die erſte Art den uͤbrigen vor⸗
gezogen. Sie find alle weit großer, als die euro⸗
paͤiſchen Rebhuͤhner, und kommen einer Faſanhenne
faſt an Groͤße gleich, mit der ſie auch an Kopf }
und Augen viel ähnliches haben. Sie haben alle
lange Schwänze, die fie wie ein Pfau, aber nicht
lothrecht, ausbreiten. Sie ſetzen ſich wider ihre
Gewohnheit in andern Landern auf Zweigen von
Pappeln und ſchwarzen Birken, von deren Knoſpen
| fie fruͤh Morgens und im Winter in der Abenddaͤm⸗
merung freſſen, zu ſchlafen nieder, und können
alsdann leicht geſchoſſen werden.
Der biefige Specht 240 if ein befhöner ds
gel; es giebt eine Art en) deren Federn in ver⸗
ſchiedne Farben ſpielen „ und eine andre, *) die
uͤber den ganzen Körper braun iſt, und einen ſcho⸗
nen rothen Kopf und Hals hat. Da dieſer Vogel
zu beſondern Zeiten ein vorzuͤglich ſtarkes Geſchrey
macht, ſo glaubt man, 7 er alsdann 1555 10
prophezeye. N
CœVNU§
) Tetrao perdix L. ee . 1 K
ane) Pica Picus L. e) Picus auratus L.
===) Picus erythrocephalus. |
390 N Er
Der blaue Saber 0) kommt an Schaft dem eu⸗
ropaͤiſchen Haͤher gleich, doch hat er einen längern
Schwanz. Oben auf dem Kopfe hat er einen
blauen Federbuſch, den er nach Gefallen aufheben,
und niederlaſſen kann. Der untere Theil des
Nackens und der Ruͤcken ſind purpurfarbig, und
die Auſſenſeiten der Fluͤgel und Schwanzfedern er
dem untern Theile des Ruͤckens und Rumpfes fehon
blau. Die Raͤnder der Fluͤgel ſind ſchwaͤrzlicht und
an den aͤuſſerſten Enden mit dunkelblau ſchwach
ſchattirt. Der uͤbrige Theil der Fluͤgel iſt in die
quer ſchoͤn ſchwarz geſtreift. Ueberhaupt gehört die⸗
ſer Vogel zu den ſchoͤnſten unter den befiederten
Einwohnern dieſer und andrer Gegenden. Er hat
das Huͤpfen mit andern Haͤhern gemein, und macht
ein weit Angenebfarfes Geſchrey, wie dieſe.
Der Vogel, den bie Indier Wakon nennen,
ſcheint eine Art von Paradiesvogel ) zu ſeyn. Er
hat ſeinen Namen Wakon, oder Vogel des großen i
Geiſtes, wegen feiner vorzuͤglichen Eigenſchaften
und der großen Achtung, in der er bey den Indiern
ſteht. Er iſt angefihe R groß, wie eine Schwalbe,
und
9 e can L.
4 0 Pica paradiſea L. Der Wakon if vermutih die
gemeine Art Paradifea apodia.
|
391
und von brauner Farbe, um den Hals hellgruͤn
ſchattirt; die Fluͤgel ſind dunkelbrauner, wie der
übrige Körper: Sein Schwanz beſteht aus vier
oder fuͤnf Federn, die dreymahl ſo lang ſind, als
der Koͤrper, und ſchoͤn mit Gruͤn und Purpur ſpielen
Er traͤgt die ſchoͤnen langen Federn auf die naͤhm⸗
liche Art, als ein Pfau, allein man weiß nicht, ob
er ſie auch eben ſo ausſpannen kann, wie dieſer
zuweilen thut. Ich habe von dieſen Voͤgeln nie
welche in den Kolonien geſehn, allein die Nado⸗
weſſter fingen unterſchiedliche, als ich mich in ihrem
Lande aufhielt, und ſchienen fie weit hoͤher, als
8 irgend eine andre A vom eee Wee
zu halten.
Es 8 drey Arten Ampeln 9 in Nordame⸗ |
rika; die erfte iſt die gemeine oder ſogenannte Kraͤ⸗
henamſel, die ganz ſchwarz iſt, und eben die Ges
ſtalt und Größe, aber keine fo harmoniſche Stimme
hat, als die europaͤiſche. Im September fliegt
dieſe Art in großen Zuͤgen herum, und thut am indi⸗
ſchen Korne, das grade um dieſe Zeit anfängt, reif
zu werden, großen Schaden. Die zweyte Art iſt
der Rothfluͤgel. Er iſt etwas kleiner, als die erſte
Art, aber eben ſo wie ſie uͤber den ganzen Koͤrper
ee „den untern Rand der Fluͤgel ausgenom⸗
Bb 4 „ wen
2. Turdus merula L.
men, der eine 3 Scharlachfarhe bat. Er
niſtet und ſitzt größtentheils unter kleinen Büfchen,
die auf Wieſen und in niedern ſumpfigten Gegen⸗
den zu wachſen pflegen. Er kann verſchiedne Töne
angeben, koͤmmt aber am Geſange der europaͤi⸗ 5
ſchen Amſel bey weitem nicht bey. Die dritte Art
iſt ſo groß, wie die vorige, und eben ſo agath⸗
ſchwarz/ allein der obere Theil der Fluͤgel grade
unter dem Ruͤcken hat eine ſchöne reine weiſſe Farbe.
Es ſcheint daher, als wenn die Natur bey dieſen
Vögeln den Mangel des Geſanges durch die Schön;
heit ihres Gefieders habe erſetzen wollen, denn auch
dieſer dritten Art fehlt eine harmoniſche Stimme.
Der Schnabel iſt bey allen drey Arten dunkelgelb,
und die Weibchen von allen en wie in San N
eine roſtige ſchwarze Farbe.
Der Rothvogel (red bird) iſt ungefähr 50 groß,
wie ein Sperling, nur hat er einen langern Schwanz,
und uͤber den ganzen Leib eine glaͤnzende Zinober⸗
farbe. Ich ſah viele von ihnen bey den Ottowa⸗
gen. Ich ſah ebenfalls in verſchiednen andern Ge⸗
genden einen Vogel von der naͤmlichen Geſtalt,
der aber durchgehends ſchön gelb war.
Der Schar fſaͤger (Whetlaw) gehoͤrt zu den Ku⸗
1 kuken; er liebt eben ſo wie W die Einf amkeit,
Seen; allein ich konnte nicht erfahren, ob ſie fan
und 1
| 393
und laͤßt fich ſelten fehn. In den Sommermonaten
hört man ihn in den Waͤldern, wo er ein Geraͤuſch
wie eine Saͤge macht, die hin und her gezogen wird,
und erhaͤlt von dieſem Geraͤuſche ſeinen Nahmen.
Der Rönigevogel *) iſt einer Schwalbe aͤhn⸗
lich und ſcheint faſt von einerley Art mit der Haus⸗
ſchwalbe **) zu ſeyn. Er heißt der Koͤnigsvogel, g
weil er faſt alle andre Vögel bezwingen kann. Ich
habe ihn ſelbſt einmahl einen Habicht e
bringen ſenn.
Der Bolibri. we Diefer ſchoͤne Vogel iſt
der kleinſte unter allen gefiederten Bewohnern der
zuft, und ungefähr ein Drittel fo groß, als ein
Zaunkönig, mit dem er auch an Bau ſehr viel aͤhn⸗
liches hat. Seine Beine ſind ungefähr einen Zoll
lang, und fehn wie zwey Nadeln aus. Die Dicke
des Koͤrpers ſteht mit ihnen im Verhaͤltniß. Sein
Geſieder iſt uͤber alle Beſchreibung ſchön. Auf
ſeinem Kopfe hat er einen Buͤſchel von einer glaͤn⸗
zenden Agathfarbe. Die Bruſt iſt roth, der Bauch
Fi der r Rücken, die Fluͤgel und der Schwanz
Bb 5 e dend
| 9 Hirundo Subis L?, REG
) Hirundo urbica 1
' ) Pica trochilus. Die hier beſe hriebene Art iſt v vers
muthlich der Trochilus ug deffi en Vaterland
ic Nordamerika if,
find von dem ſchoͤnſten Blaßgruͤn; und kleine Flecke
von Gold ſind mit unausſprechlicher Anmuth uͤber
ſeinen ganzen Koͤrper zerſtreut. Auſſerdem macht |
eine faſt unfuͤhlbare Wolle die Farben ſanfter, und
verurſacht eine ſehr angenehme Schattirung. Er
ſaugt mit ſeinem Schnabel eine Feuchtigkeit aus ö
den Blumen, die ihm zur Nahrung dient. Er
ſchwaͤrmt beſtaͤndig um ſie wie eine Biene herum,
ohne ſich je darauf nieder zu laſſen, und bewegt
ſeine Fluͤgel mit einer auſſerordentlichen Geſchwin⸗
digkeit „ woraus ein Geraͤuſch entſteht, von dem
er den Nahmen e ar 1. ers 5
balten hat. Ae ER
Von den Fiſchen, die man im
Miſſiſippi findet.
(Von den Fiſchen, die man in den großen Seen 0
antrifft, habe ich s ſchon eine eee |
gegeben.)
Es giebt hier Störe, Kolewelf See Karpfen
und Dickkoͤpfe.
Der Stör. *) Der Flußſtör if der At, bie
man gemeiniglich nahe beym Meere fängt, blos
darch hen Kopf und Schwanze donc allein
i ein
5 Bb 5 ſei
* Anker SturioL. Die hier zu rihe |
Altt iſt vermuthlich der Lachsſtoͤr.
}
\ ee Sc; n
*
K FE EB WE DEE WR
1 9 85 395
ſein Koͤrper iſt runder, und nicht mit ſo vielen horn⸗
artigen Schuppen bedeckt, als bey dieſer. Seine
Lange beträgt gewöhnlich drittehalb bis drey Fuß,
allein ſeine Dicke iſt verhaͤltnißmaͤßig nur gering,
indem es ein ſehr duͤnner Fiſch iſt. Sein Fleiſch
iſt ungemein zart und wohlſchmeckend. Ich fing
einige nicht weit von den Quellen des Fluſſes St.
Croix, die Forellen weit uͤbertrafen. Wenn man
ſie fangen will, ſo giebt man auf ſie acht, wenn ſie
unter dem Ufer eines hellen Fluſſes liegen, und
ſchießt ſie mit einer Art von Harpune, denn
an Koͤder beiſſen ſie e nicht. Es giebt noch eine andre
Art im Miſſiſippi, die man ſonſt nirgends antrifft,
und ſich von der eben beſchriebenen blos dadurch un⸗
terſcheidet daß der obere Kiefer vierzehn bis funf
zehn Zoll uͤber den untern hervorragt. Dieſer lange
Kiefer beſteht aus einem knorpelartigen Weſen, und
ift bis an das Ende, welches platt if, viertehalb
Zoll breit. Seine Figur hat uͤberhaupt mit einem
Ruder viel ähnliches. Doch koͤmmt das Fleiſch
von dieſer Art der erſtern lange nicht bey, und
wird auch ſelbſt von den en lange nicht ſo
boch geſchaͤtzt.
Der Kater wels. *) a Fiſch iſt ungeflf;
achtzehn Zoll lang, und von ehchen Farbe,
ohne
0) Silufns catus L. Caffh.
ohne Schuppen. Er hat einen großen runden
Kopf, von dem er auch feinen Nahmen hat. An
verſchiednen Stellen deſſelben ragen drey bis vier
ſcharfe ſtarke ungefähr zwey Zoll lange Hoͤrner her⸗
vor. Seine Floßfedern ſind ebenfalls knochenar⸗
tig und ſehr ſtark, und man muß ihn ſehr behut⸗
ſam angreifen, wenn man nicht Gefahr laufen
will, ſich die Hände damit zu zerſtechen. Er wiegt
gewöhnlich fünf bis ſechs Pfund. Sein Fleiſch iſt
ungemein fett und geil, und koͤmmt dem von einem
Aale an Geſchmack faſt gleich.
Der Rarpf*) und Dickkoͤpf u find hier faſt
von der naͤmlichen Große, wie in England, und
| diesen überhaupt ſehr ahnlich. a
e Von Schlangen. |
Von Schlangen giebt es bier die Klapperſchlange,
| die lange ſchwarze Schlange, die Haus- oder
e Mauernatter ‚ die geſtreifte oder Bindenſchlange,
„ „Die Waſſerſe chlange, die ziſchende Schlange, die
giruͤne Schlange, die Dornſchlange, die gefleckte
Schlange, die Meda und die smenföpfüche
Schlange
Die Rlapperſchlange. 11 Es glebr h Arten
davon, die ſchwarze und die gelbe, weine die größte
| iſt.
0 Cyprinus Carpio L. 55 0 Cyprinus cephalus ..
ws) Crotalus horridus L. |
>
2 u ³ —
|
iſt. Wenn ſie ihren völligen Wachsthum erreicht
haben, fo find fie über fünf Fuß lang, und haben
in der Mitte des Koͤrpers, wo ſie am dickſten ſind,
etwa neun Zoll im Umfange. Gegen den Kopf und
den Schwanz zu werden ſie allmaͤhlig duͤnner. Der
Hals iſt im Verhaltnis ſehr duͤnne, und der Kopf
iſt breit und eingedruͤckt. Kopf und Hals ſind hell-
braun, der Stern im Auge iſt roth und der ganze
obere Theil des Körpers braun mit rothgelb un⸗
termiſcht, und mit vielen regelmäßigen dunkel⸗
ſchwarzen Strichen durchkreuzt, die allmaͤhlich in
eine Goldfarbe ſpielen. Ueberhaupt iſt dies ge⸗
faͤhrliche Geſchöͤpf ſehr ſchoͤn, und feine mannigfal⸗
tigen Farben wuͤrden ihm ein reitzendes Anſehn ges
ben, wenn man es nur ohne Schrecken anſehn
koͤnnte. Sie zeigen ſich nie ſchoͤner, als wenn fie
in Wuth geſetzt werden, weil ſich dann durch einen
ſtaͤrkeren Andrang von Feuchtigkeiten gegen die
Oberflache, die Farben ihrer Haut erhoͤhn. Der
Bauch iſt hellblau, das aber gegen die Seiten zu
dunkler wird, und ſich endlich mit der Farbe des
obern Theiles vermiſcht. Die Klapper an ihrem
Schwanze, wovon ſie den Nahmen haben, beſteht
aus einem hellbraunen, harten, trocknen und
knochenartigen Weſen, das verſchiedne Zellen macht,
die wie Gelenke in einander ae Sie vermeh⸗
ren
398
ren fich mit jedem Jahre, fo daß man dadurch das |
Alter des Thieres erkennen kann. Dieſe Gelenke
ſind ſehr los, und die Spitzen darin ſtoßen gegen
die innere Oberfläche der hohlen Ringe, wo ſie hin⸗
einpaſſen, und machen, wenn die Schlange ihren
Schwanz ſchuͤttelt, ein klapperndes Geraͤuſch.
Dies Geraͤuſch macht ſie immer, wenn ſie Gefahr
befuͤrchtet, und gleich zieht ſie ſich in Geſtalt eines
Schneckenganges zuſammen, und haͤlt in dem Mit⸗
telpunkte dieſes Schneckenganges ihren Kopf in die
Hoͤhe, mit welchem ſie Menſchen und Thieren,
die ihr zunahe kommen, Rache droht. In dieſer
Stellung erwartet ſie ihre Feinde, und klappert
immer mit dem Schwanze, ſo wie ſie ſolche ankom⸗
men ſieht oder hoͤrt. Durch dieſe zeitige Warnung,
die vom Himmel zur Verhuͤtung des Schadens, den
dies giftige Thier ſonſt verurſachen koͤnnts, beſtimmt
zu ſeyn ſcheint, lernt der unvorſichtige Wanderer
ſeine Gefahr kennen, und kann ihr ausweichen.
Die Klapperſchlange greift nie an. Sie verfolgt
niemand, und flieht vor keinem Feinde, der ſich
ihr naͤhert, ſondern bleibt in der beſchriebenen Stel⸗
lung liegen, wobey ſie immer mit dem Schwanze 9
klappert, als wenn fie ungern ſchaden möchte.
Die Zähne womit fie vergiftet, find von ihren Zaͤh⸗
nen, deren ſie ſich bey andern Gelegenheiten be⸗
Biene,
dient, völlig unterſchieden. Es giebt ihrer nur
zwey, und beyde ſind ſehr klein und ſcharf zugeſpitzt.
Sie liegen in einem ſehnigten Weſen nahe am Vor⸗
derrande des obern Kinnbackens, und haben mit
den Klauen einer Katze viel aͤhnliches. Sie kann
ſie ausdehnen, zuſammenziehn oder ganz ver⸗
bergen. An der Wurzel eines jeden liegen zwey
kleine Blaſen, die fo eingerichtet ſind, daß, fo wie
die Zähne einen Einſchnitt machen, ein Tropfen x
von einer gruͤnlichen giftigen Feuchtigkeit in die
Wunde fälle, und das ganze Blut mit ihrer töd⸗
tenden Eigenſchaft erfuͤlt. Schon in dem erſten
Augenblicke fuͤhlt das ungluͤckliche Opfer ihrer
Wuth eine fieberhafte Kalte über den ganzen Koͤr⸗
per. Es erhebt ſich gleich ein Geſchwulſt an der
Stelle, wo der Zahn eingedrungen iſt, die ſich all
maͤhlig uͤber den ganzen Körper verbreitet, und uͤber⸗
all auf der Haut die verſchiednen Farben der
Schlange hervorbringt. Der Biß dieſer Schlange
iſt zu verſchiednen Jahrszeiten mehr oder weniger
gefährlich. In den Hundstagen iſt er oft in einem |
Augenblicke toͤdlich, und vorzüglich, wenn die
Wunde zwiſchen der Sehne uͤber dem Hacken liegt;
allein im Fruͤhjahr, im Herbſte, oder an einem
kuͤhlen Tage im Sommer, kann man ſeinen Wuͤr⸗
b i durch gehbrige Mittel, wenn man fe nur
gleich
gleich braucht, zuvorkommen. Dieſe Mittel hat 5
die Güte der Vorſehung reichlich verliehen. Der
Klapperſchlangen Wegerich, ein bewaͤhrtes Gegen⸗
mittel gegen das Gift dieſes Thieres, waͤchſt häufig
überall, wo man ſie antrift. Auſſerdem giebt es noch
verſchiedne andre Mittel gegen ihren giftigen Biß.
Eine Abkochung von den Knoſpen oder der Rinde
der weiſſen Aeſche innerlich gebraucht, verhindert ih⸗
re ſchaͤdlichen Wirkungen. Salz iſt ein neuentdecktes
Mittel, und wenn man es gleich auf die Wunde legt,
oder fie mit Sohle auswaͤſcht, ſo kann man vor aller
Gefahr ſicher ſeyn. Auch das Fett der Schlange ſelbſt
zum Einreiben ſoll ſehr wuͤrkſam ſeyn. Durch dieſes
Mittel kann man nun zwar das Leben eines Men⸗
ſchen, der von der Klapperſchlange gebiſſen iſt,
retten, und ſeine Geſundheit gewiſſermaaßen wie⸗
der herſtellen, aber er erfaͤhrt dennoch alle Jahr
eine geringe Anwandlung von den fuͤrchterlichen
Zufaͤllen, die er empfand, als er zuerſt gebiſſen
ward. Es iſt eben ſo merkwuͤrdig als gewiß, daß
da doch jedes andre Geſchoͤpf in einem höhern oder
geringern Grade von dem Gifte dieſer Schlange
leidet, Schweine eine Ausnahme von der Regel
machen, und ſie leicht toͤdten können, ohne ihre
giftigen Zaͤhne fuͤrchten zu duͤrfen. Sie freſſen ſie
ſogar, und werden fett davon. Man hat es oft
beobachtet
2 Ze Zn:
. a ee
401
beobachtet, und ich kann die Begbachtung beſtaͤtigen,
daß die Klapperſchlangen gern jede Art von Muſik
hoͤren, ſowohl von Geſang als Inſtrumenten. Ich
habe oft geſehn, daß ſie, ſelbſt wenn ſie in Wuth
geſetzt waren, ſich in eine horchende Stellung ſetz⸗
ten, und mit großer Aufmerkſamkeit und einem
Anſchein von Ver ghhůͤgen ſo lange, als die Muſik
waͤhrte, unbeweglich ſaßen. Ich ſollte ſchon vor⸗
ber angeführt haben, daß die Klapperſchlange, wenn
ſie beißt, den untern Kinnbacken fallen laͤßt, den
obern aufwärts hält, und fi nell in einer krummen
Linie auf den Gegenſtand ihrer Rache mit großer
Wuth zuſchießt. Einen Augenblick nachher geht
ſie wieder in ihre vorige Vertheidigungeſtelung
zuruͤck. Sie kann vermoͤge der dage, in der ſich
ihr Kopf beym Angriff befindet, ihre Zaͤhne ſehr
geſchwind aus der Wunde herausziehn. Sie ſchießt
nie weiter, als die Häffte ibrer Länge vor, und
ungeachtet ſie ihren Angriff zwey bis dreymal wie⸗
derhohlt, fo ſpringt fie doch eben ſo oft ſchnell in ihre
vorige Lage zuruͤck. Die ſchwarze Klapperſchlange
unterſcheidet ſich von der gelben blos durch ihre
geringere Groͤße, und durch ihre Farbenmiſchung,
die grade da ſchwarz iſt, wo jene gelb hat, und um⸗
gekehrt. Beyde find gleich giftig. Man weiß noch
nicht, wie ſie ſich fortpflangen. Ich habe oft Eyer
Car vers Haien 0 Ce von
—
1
allein, ungeachtet ſich niemand mehr Mühe geben
konnte als ich, jeden Umſtand, der dieſe betraf,
kennen zu lernen, ſo wollte es mir doch nicht ge⸗
lingen, die Art, wie ſie ihre Jungen zur Welt
bringen, zu erfahren. Ich toͤdtete einmahl ein
Weibchen, das ſiebenzig Junge im Leibe hatte, die
von verſchiednen andern Schlangenarten gefunden,
aber vollig ausgebildet waren, und die ich zum
Rachen ihrer Mutter, als einem ſichern Orte, ihre
Zuflucht nehmen ſah, als ich mich ihnen naͤherte.
Die Galle dieſer Schlange wird mit Kreide vers
miſcht, in kleine Kugeln geformt und zum medi⸗
ziniſchen Gebrauche aus Amerika ausgeführt. Sie
thun eben die Wuͤrkung als Gaſcoigvs Pulver, und
| find ein vortrefliches Mittel in Kinderkrankheiten.
Das getrocknete Fleiſch dieſer Schlange in Suppen x
gekocht, iſt nahrhafter als en; und ſehr
gut in Schwindſuchten.
Die lange ſchwarze Schlange. — Von dieser
| giebt es ebenfalls zwey Arten, die an Größe und
Geſtalt einander vollig gleich find. Der ganze
obere Theil des Koͤrpers iſt bey beyden ſchwarz und
ſchuppicht. Blos der Bauch iſt bey der einen helle
roth, und bey der andern blaͤulicht. Sie find ges
| | woͤhn⸗
5 Boa contortrix L. Anguis niger. Catesby Hiſt. Car.
II. tab. 48. | 145 1
| ie „„ 48
wöbniich ſechs bis acht Fuß lang und düngen ihren
Kopf, wenn ſie fortkriechen etwa anderthalb Fuß
uͤber die Erde erhaben. Sie kriechen die hoͤchſten
Baͤume ohne Muͤhe hinauf, wenn ſie Voͤgel oder
Eichhoͤrnchen verfolgen, die ihre Hauptnahrung aus⸗
machen; und dieſe follen fie durch ihren Blick ſo be⸗
zaubern, daß ſie ihnen nicht entgehn koͤnnen. Ihr
Anblick erregt Schrecken bey allen, die ihre Unſchaͤ⸗
lichkeit nicht kennen. Sie greifen niemand an,
und haben gar kein Gift. | 1955
Die geſtreifte ) oder Bindenſchlange iſt von
eben der Art mit denen, m man in andern Ger |
genden antrifft. .
Die Waſſerſchlange **) iſt der e |
an Geſtalt und Größe ſehr ähnlich, doch iſt ſie lange
ir fo giftig, und thut uberhaupt keinen Schaden.
Die ziſchende Schlange habe ich ſchon in mei⸗
nem Tagebuche „wie ich vom See Erie Ren
beſchrieben. 8 „
Die gruͤne Schlange — if ungefhr anden \
halb Fuß lang, und hat eine ſo genaue Grasfarbe, |
| Ce: Ki daß
Y Colubes natrix L.?
*) Boa enydris L. As
Vermuthlich eine Art von ie 1 1 Natter
(Colubes viridifimus L.) die in Surinam gefun⸗
den wird.
daß man fie nicht entdecken kann, wenn ſie auf der
Erde liegt. Zum Gluͤck iſt ſie gar nicht giftig, da
fie ſonſt aͤuſſerſt ſchaͤdlich ſeyn würde, weil die Vor⸗
uͤbergehenden auf Wieſen fie nicht ſehn, und ſich
folglich vor ihr nicht in Acht nehmen koͤnnen.
Die Dornenſchlange wird in vielen Gegenden
von Amerika gefunden, aber man ſieht ſie nur ſel⸗
ten. Sie iſt von mittler Größe, und hat den Nas
men von einem dornaͤhnlichen Pfeil am Schwanze,
mit dem ſie toͤdliche Wunden machen ſoll.
Diüie gefleckte Schlange lebt im Waſſer, iſt uns
gefaͤhr drittehalb Fuß lang und nicht giftig. Ihre
Haut iſt braun und weiß, mit etlichen untermiſch⸗
ten gelben Flecken. Die Amerikaner brauchen ſie
zu Ueberzuͤgen fuͤr Peitſchenſtiele, die davon ein
recht huͤbſches Anſehn kriegen. |
Die Kingelſchlange! iſt ungefaͤhr zwölf Zoll 3 |
der Korper ift ganz ſchwarz, bis auf einem gelben
Ring, der ihr um den Hals geht, und wie ein
ſchmahles Band ausſieht. Dieſe Schlange wird oft
zwiſchen Baumrinden oder alten Kloͤtzen gefunden.
Die zweykoͤpfigte Schlange. Die einzige
Schlange von dieſer Art, die man in Amerika ge⸗
ſehn hat, ward im Jahre 1762 am See Schamplain
von Herrn Park aus Neuengland gefunden, und
an Lord Amherſt geſchickt. Sie war ungefähr einen
Fuß
Auf lang, und ſah wie eine gemeine Schlange aus,
nur hatte fie zwey Köpfe, die am Halſe zuſammen
ſaßen. Ich wage es nicht zu entſcheiden, ob dies
eine beſondre Art von Schlangen war, die ihre Art
fortpflanzen konnte, oder ob ſie zu den Misgeburten
unter den Schlangen gerechnet werden muß.
Die Geſtalt der Landſchildkroͤte “) iſt zu be⸗
kannt, als daß ich ſie beſchreiben duͤrfte. Es giebt
ſieben bis acht Arten davon in Amerika, wovon
einige ungemein ſchoͤne und mannigfeltige Farben
haben. Von vielen haben die Schilde rothe, grüne
und gelbe Flecken, die eine Menge kleiner Vier⸗
ecken bilden. Die kleinſten darunter ſind die ſchon⸗
‚Ben und man glaubt, daß ihr Biß giftig ſen,
Eidechſen. |
Es iebt zwar eine Menge verſchiedner Arten von
dieſen Gefchöpfen, in der Gegend, welche ich bes
ſchreibe, allein ich will nur die beyden merkwuͤrdig⸗
ſten davon, die geſchwinde und die langſame Ei⸗ f
dechſe anführen. |
Die geſchwinde Eidechſe 9 iſt ungefaͤhr ſechs
Zoll lang, hat vier Beine und einen Schwanz.
C3 Der
) Teftudo ſcabra L.
) Lacerta agilis L. Dies iſt die gemeine europaͤiſche
Art, die aber in Amerika und Indien weit ſchoͤner
iſt, als bey uns.
* — * 1 5 8 % 5 ’
3 x m na
ar Er N
* 8 * 2
„ n 5
3 * *
488
Der Körper iſt re an mit dunklen Strichen,
die mit gelb ſthattirt find, geſtreift. Das Ende
des Schwanzes iſt durchgehends blau. Sie iſt ſo
behende, daß man ſie in einem Augenblicke aus dem
Geſichte verliehrt, und ſelbſt das beſte Auge kann
ihre Bewegung kaum bemerken; ſo daß man eher
von ihr ſagen kann, man habe ſie verſchwinden, als
weglaufen geſehn. Sie ſollen durch ihren Biß ver⸗
giften, allein fie find nicht gefährlich „ da ſie nie⸗
mand, der ſich ihnen naͤhert, anzugreifen wagen,
| ſondern vielmehr plotzlich zu entfliehn ſuchen.
Die langſame Eidechſe hat einerley Geſtalt mit
der geſchwinden allein ihre Farbe iſt braun, und
auſſerdem iſt ſie grade ſo langſam als jene geſchwind
if. Beyde Arten find ungemein fpröde, und brechen
nahe am Schwanze ſo leicht ab, als ein Eiszapfen.
Unter den kriechenden Thieren in Amerikg giebt
es eine Krötenart, die Baumkroͤte ) genannt,
die faſt die naͤmliche Geſtalt „ als die gemeine,
aber laͤngere Klauen hat, und dabey kleiner iſt.
Man findet fie gewohnlich auf Baͤumen, wo ſie ſich
feſt an die Rinde hänge, oder in den Spalten der⸗
ſelben ſteckt. Sie ſieht der Farbe des Baumes,
an welchem ſie klebt, ſo aͤhnlich, daß man ſie kaum
davon
9 Dies ift vermuthlich der braunrothe amerifanifche
Laubfroſch, eine Abart des gemeinen Rana arborea L.
Be 4
davon unterſcheiden kann. Man hoͤrt fie blos in der
Morgen⸗ und Abenddaͤmmerung, oder grade vor und
nach einem Regenſchauer, und alsdann macht ſie
ein quackendes Geraͤuſch, das aber durchdringende
iſt, als bey einem Froſche, und in einer großen Eut⸗
fernung gehört werden kann. Sie hält ſich in den
Gehoͤlzen in ſolcher Menge auf, daß das Ohr dadurch
von allen Seiten betaͤubt wird. Es iſt blos ein Som⸗
merthier, und verſchwindet im Winter gaͤnzlich.
| Inſeckten.
Die i innern Theilen von Nordamerika haben faſt
die nämlichen Inſeckten, die man in andern Gegen⸗
den unter eben den Graden der Breite antrift; und
ihre Arten ſind ſo zahlreich, und dieſe haben wieder
ſo viele Spielarten „daß eine genaue Beſchreibung
von allen ein ganzes Buch ausmachen wuͤrde. Ich
werde mich daher blos auf drey Arten einſchraͤnken,
die, wie ich glaube, dieſem Lande beſonders eigen
ſind: naͤhmlich die Blitzwanze, die Waſſerwanze,
und die Hornwanze.
Die Blitz wanze “) oder Feuer fliege (ighining-
bus or Arefly) it ungefähr ſo groß, als eine“ Biene,
ee Ä allein
) Zu dieſer Art von leuchtenden Käfer gehören ver:
muthlich die Linneiſchen Lampyris pyralis, mar gi-
nata, hefpera, ignita und lueida, die man in Nord⸗
amerika antrifft.
N
408 . |
allein ſie gehört zu den Kaͤfern, da fie, wie 1 diese In⸗
ſeckten, zwey Paar Fluͤgel hat, von denen das
Obere zu ihrer Sicherheit von einem ſehr harten
Gewebe iſt. Wenn fie fliegt, und ihre Flugel
ausbreitet, ſo zeigt ſich darunter eine Art von Haut,
die faſt die Form von Fluͤgeln hat, und einen Glanz
von ſich wirft. So wie das Inſeckt fortfliegt,
giebt ſie dem ganzen hintern Theil des Koͤrpers das
Anſehn von einer glaͤnzend feurigen Kohle. Wenn
man ſieſauf die Hand ſetzt, fo ſcheint bloß der untere
Theil, und wirft fein Leicht auf den Gegenſtand der
unter ihm iſt. Allein ſo bald es ſeine Fluͤgel aus⸗
breitet, um weg zu fliegen, wird der ganze Körz
per, der hinter ihnen liegt, erleuchtet. Ihr licht
iſt ſelbſt während ihres Fluges nicht von einerley i
Groͤße, ſondern ſcheint von der Ausdehnung oder
Zuſammenziehung der leuchtenden Haut abzuhaͤn⸗
gen. Es iſt weit mehr einem wuͤrklichen Feuer
aͤhntich, als das Licht, welches trocknes Holz und
verſchiedne Fiſcharten bey Nacht von ſich werfen.
Dieſe Feuerfliegen ſcheinen ihre Vorzuͤge und die
beſte Zeit, ſie ſehn zu laſſen, zu kennen, da man
ſie bey dunklen Naͤchten immer in weit groͤßern
Haufen antrifft. Man findet fie blos in den Som⸗
! mermonathen, Junius, Julius und Auguſt, und
auch alsdann blos bey Nacht. Ob ihre dunkel⸗
braune
unſchaͤdlich. Man kann fie ſich ficher auf der Hand
Gegenden, wo man ſie fuͤr einen Haufen von un⸗
zaͤhlbaren fliegenden Lichtern halten ſollte. In dunk⸗
len Naͤchten, wenn es ſtark blitzt, ohne zu regnen,
hat es das Anſehn, als wenn ſie mit den Blitzen
wetteiferten; denn in den Zwiſchenraͤumen, da man
keinen Blitz ſieht, ſind ſie ungemein fluͤchtig, und
Beine, womit ſie uͤber die Flaͤche des Waſſers mit
daß ſie blos daruͤber e t
Bose 409
braune Farbe daran ſchuld iſt, daß man ſie bey
Tage nicht bemerkt, oder ob ſie ſich in Spalten
und Löcher verkriechen, kann ich nicht entſcheiden. |
Man finder fie vorzuͤglich in niedrigen moraſtigen
bemühen ſich, jeden Lichtſtrahl, den ſie in ihrer Ges
walt haben von ſich zu werfen; doch find dieſe In⸗
ſeckten ungeachtet ihres glänzenden Scheins völlig
herumkriechen laſſen, und wenn man fuͤnf oder ſechs
neben einander ſetzt, und alle ihr Licht zugleich von
ſich werfen, ſo kann man die kleinſte gebtüee
Schrift daben been |
Die Waſſerwanze 9 ift . e von
der Große einer Erbſe, und faſt oval; fie hat viele
ſolcher unglaublichen Geſchwindigkeit fortlaͤuft,
) Dies iſt wahrſcheinlich eine Art tipula L. a
410 e,
—
| Die gehoͤrnte Wanze, ) oder wie man ſie
zuweilen nennt, der Sirſchkaͤfer, iſt dunkelbraun,
oder faft ſchwarz. Seine Länge, beträgt ungefähr
anderthalb Zoll, und feine Breite einen halben Zoll.
Er hat zwey große Hoͤrner, die an jeder Seite
des Kopfes herauswachſen, und wagrecht an einan⸗
der ſtoßen. Sie haben Enden wie ein Hirſchge⸗
weib, wovon er auch den Nahmen hat. Er kann
damit ziemlich ſtark kneifen. Dieſe Hirſchkaͤfer
fliegen des Abends herum, und werden den Leuten,
die ſich alsdann auf dem Felde e „ſehr bes
ſchwerlich. e |
Ich muß = anfuͤhren, daß di hiefi, ige Heu⸗
ſchrecke en Locuft) ein fiebenjähriges Thier iſt,
da man ſie, einige wenige Schwaͤrmer abgerech⸗
net, nur alle ſieben Jahre ſi eht. Aber alsdenn
kommen ſie nach dieſen Gegenden und den inlaͤndi⸗
ſchen Pflanzſtaͤdten in großen Haufen, und thun
vielen Schaden. Man nennt die Jahre, in denen
ſie anzukommen pflegen, aan die Heuſchref
1 IRA 1
0 X Nein,
N 15 Eine kleinere Art von dem e Hirſchtifer
Lache cervus.
er) Gryllus zeriſtetus L. Kalm erzaͤhlt, daß ſie nur
alle ſiebenzehn Jahre ſich Haufenweiſe ſehn laſſen,
und blos den Baͤumen ſchaͤdlich find,
%
Neunzehntes Kapittel.
Von Baͤumen „Geſtraͤuchen, Wurzel,
| Kräutern und Blumen.
6000
ul
*
Jo werde bier eben die Methode beobachten,
welcher ich im vorhergehenden Kapittel ge⸗
folgt bin; nemlich zuerſt ein Verzeichniß der
Baͤume u. ſ. w. geben, die in den innern Theilen
von Nordamerika einheimiſch find, und darauf dies
jenigen beſchreiben, die ſich von den Arten in ans
dern Laͤndern unterſcheiden, „ oder doch bisher nur
wenig bekannt geweſen ſind. | |
Von Bäumen. |
Von Bäumen giebt es hier Eichen, F chten, Ahors
ne, Aeſchen, amerikaniſche Tannen, Baß oder
weiſſe Holzbaͤume, C edern, Ulmen, Birken, Tannen,
Schotendorne, Pappeln, kanadiſche er, Da
buchen und Knopfbaͤume. \
Die Eiche. Es giebt verſchiedne Arten von
Eichen in dieſen Gegenden, die ſchwarze, ) die
weiſſe, ) die rothe, ) die gelbe, die graue, * —9
die Wanna D und die Men 1:
Die
%
| 0 Odlerchs nigra L. *) reti alba L:
Kan) Quercus rubra L. ** KN) Quereus robus L.
1 Quercus phellos L. +) Quercus prinus.
\
412
Die fünf erften find in ihrem Aeuſſerlichen der Ge,
ſtalt der Blätter und der Farbe der Ninden einander
fo ahnlich, daß man fie kaum von einander unter⸗
ſcheiden kann. Allein wenn man den Stamm des
Baumes durchſaͤgt, fo zeigt ſich der Unterſchied, 0
welcher vorzuͤglich auf der Farbe des Holzes be⸗
ruht, das ſonſt von allen ſehr bart iſt, und ſich gut
zum Bauen ſchickt. Die Weideneiche iſt von den
andern weſentlich unterſchieden, da ihr Blatt kleiner
und anders geſtaltet, und ihre Rinde glatter if
Aſſerdem waͤchſt ſie blos auf feuchtem ſteinigten
Boden. Ihr Holz iſt das zähefte, das man kennt,
und bey aller ſeiner Staͤrke doch ſo biegſam, daß
man es oft ſtatt Fiſchbein braucht. Die Kaſta⸗
eo
nieneiche unterſcheidet ſich vorzuͤglich durch ihre
Blaͤtter, die denen von einem Kaſtanienbaume ſehr
ähnlich find, woher fie auch ihren Nahmen hat. Sie
iſt weder ſo ſtark wie die erſten Arten, noch fo zähe
als die letztere, allein es laſſen ſich gut Latten daraus
ſpalten, die man zu Zaͤunen braucht, wozu ſie vorzuͤg⸗
lich gut find, da fe in freyer Luft lange aushalten.
Die Sichte. Die haͤufigſte Art von dieſem Ges
ſchlechte in den hieſigen Gegenden iſt die Weiß⸗ |
tanne,) die ich nicht zu beſchreiben brauche, da
dus Holz von ihr n uns unter dem Nahmen
Tannen,
*) Pius picea L.
—
eine erſtaunliche Höhe und Größe, und giebt vor⸗
ken, Tiſchen und Flintenkolben ſehr hoch geſchoͤtzt.
Das von der weichen Art unterſcheidet ſich durch
weichen Ahorn weit größer und dunkelgruͤner.
5 e 413
Tannendielen (deal) ſo bekannt iſt. Sie erreicht hier
treflichen Terpentin, aber nicht in ſolcher Menge, \
als ſie es in den nordlichen ändern von Europa thut.
Der Ahornbaum. Von dieſem Baume
giebt es hier zwey Arten, die harte und die weiche.
Beyde liefern einen füßen Saft, aus dem die In⸗
dier einen guten Zucker kochen. Allein der Saft von
der erſten iſt weit reichhaltiger und f üßer, als von
der letzten, die ihn hingegen in groͤßrer Menge
giebt. Das Holz von dem barten Zuckerahorne
hat ſchoͤne Adern und Wellen, und wird zu Schraͤn⸗
ſein Gewebe, worinn man den bunten Kern der
harten vermißt. Sie waͤchſt auſſerdem grader,
hat weniger Zweige und laͤßt ſich leichter ſpalten.
Die harte waͤchſt auf Bergen und Anhoͤhen, und
die weiche auf Wieſen und niedern Gruͤnden. Die
Blaͤtter haben einerley Geſtalt, nur ſind die vom
Die Eſche. Es giebt verſchiedne Arten Eſchen
in dieſen Gegenden, allein ich werde blos die gelbe )
beſchreiben, die nirgends, als an den Hauptarmen
* 775 N i | N 5 des
) Acer ſacharinum L. i je
) Fraxinus Americana L.
414 | * ne. 1
des Miſſtſippi ug egen wird. Sie erreicht eine
erſtaunliche Höhe, und ihr Stamm iſt fo feſt und
geſund, daß die franzöſiſchen Handelsleute, die
bon Souifiana nach dieſen Gegenden gehn, um Pelz
werk einzukaufen, Piroguen daraus machen. Sie
biͤhlen ſie mit Feuer aus, und bringen alsdenn ihre
erhandelten Waaren darinn nach Neuorleans, wo
ſie einen guten Markt für ihr Fahrzeug und ihre
Ladung finden. Das Holz von dieſem Baume iſt
dem von der gemeinen Eſche ſehr ahnlich, allein er
unterſcheidet ſich von allen andern durch ſeine
Rinde. Die aͤuſſerſte Rinde iſt faſt acht Zoll dick,
und hat viele mehr als ſechs Zoll tiefe Ritzen, wo⸗
durch die größeren Stämme ein ungemein rauhes
Anſehn erhalten, und von andern Baͤumen leicht
unterſchieden werden konnen. Der Baſt oder die
innere Rinde iſt ſo dick, als bey andern Baͤumen,
und hat eine ſchoͤne hellgelbe Farbe. Wenn man
dieſe Rinde nur obenhin angreift, ſo faͤrbt ſie ſchon
die Finger ſo gelb, daß man ſie kaum wieder rein
waſchen kann. Und wenn man gar im Fruͤblinge
die Rinde abſchaͤlet, und den Saft beruͤhrt der
zwiſchen ihr und dem Stamme des Baumes ber⸗
vorquillt, fo befleckt er die Finger ſo ſtark, daß ſie
etliche Tage davon gelb bleiben. Ich zweifle nicht,
daß die Zeit viele a Eigenſchaften an dieſem
Baume
ein Baum von mittler Größe, und hat das weiſſeſte
Faͤrbekunſt von großer Wichtigkeit ſeyn.
lich ſind. Sie iſt von gar keinem Nutzen „und
415
Baume beten wird, wenigſtens muß er fuͤr die
Die amerikaniſche Tanne *) waͤchſt überall in
Amerika. Sie erreicht eine beträchtliche Größe,
und hat Blaͤtter, die denen vom Eichenbaume aͤhn⸗
wird dem Boden blos zur Laſt, da ihr Holz von
ſehr groben Korne und voller Borſten und Ritzen iſt.
Der Baß ) oder der weiſſe Solzbaum iſt
und weichſte Holz, das man nur finden kann.
Wenn es ganz trocken iſt, ſo ſchwimmt es wie
Korkholz auf dem Waſſer. Die Drechsler machen
in den Kolonien Schaalen, Teller und Schuͤſſeln
| daraus, die bald glatt durch den Gebrauch werden, |
feuchtet in einem Augenblicke die Konſiſtenz und
und lange halten. Allein zu jedem andern Ge⸗
brauche iſt es gar nicht dauerhaft.
Der Wickopick oder Suckwick ſcheint eine
Art von weiſſem Holzbaume zu ſeyn, von welchem
er ſich durch eine beſondre Eigenſchaft ſeiner Rinde
unterſcheidet, die geſtoßen und mit Waſſer ange⸗
ii = Kͤlebrig⸗
) Abies Americana fohi is er obtufiufeulis bifa-
riam verfis conis fubrotundis Miller Gerd. BR
Hemlock tree. |
**) Vermuthlich eine Art von Linden.
)
Klebrigkeit von Kleiſter erhält. Die Indier brau⸗
chen fie, ihre Kanoe damit auszuſchmieren, und
ſie iſt zu dieſem Endzwecke Pech und jedem andern
Material weit vorzuziehn. Denn auſſer ihrer
Klebrigkeit iſt ſo viel Oel darinn enthalten, daß
das Waſſer nicht durchdringen kann; eine Eigen⸗ |
ſchaft, die ſie ſehr lange behaͤlt.
Der Knopf baum) gehört zu den groͤßten
Baͤumen, und kann leicht an ſeiner Rinde erkannt
werden, die vollig glatt und ſehr huͤbſch gefleckt iſt.
Das Holz ſchickt ſich ſehr gut zu feiner Tiſchlerar⸗
beit. Es hat viele kleine harte Knoten, die von
den Zweigen herruͤhten, und Knöpfen ſehr ahnlich 1
ſind; wovon auch ohne Zweifel der engliſche Nahme
burtonwood, Knopfholz, herzuleiten iſt.
Der Butter oder Oehlnußbaum.) Da noch 9
fein Schriftſteller dieſes Baumes erwähnt hat, fo
werde ich in meiner Beſchreibung deſto umſtaͤndli⸗
cher ſeyn. Dieſer Baum waͤchſt vorzuͤglich auf
Wieſen in reichen und warmen Boden. Sein
Stamm wird ſelten über. drey Fuß im Umkreiſe dick.
Er hat viele Aeſte, die ſich in kurze und ſtumpfe
| e theilen, und ‚eine Blätter find Wallnußs
blaͤttern
u) o oecidentalis I. button wood.
a) juglans oblonga Milleri, fructu ua profun- |
diſſime inſculpto?
| 417
laͤttern fehr aͤhnlich. Die Nuß hat eine Schale
wie eine Wallnuß, die aber, wenn ſie reit ft, mehr
Falten krigt, und ſich leichter zer drucken laßt.
Sie iſt auſſerdem weit länger und dicker, als eine |
Wallnuß, und hat einen größern Kern, der ſehr |
viel Oehl enthält und ungemein angenehm riecht. |
Man würde gewiß aus dieſem Kerne ein weit reines
res Oehl, als aus Oliven, preſſen koͤnnen. Die
innere Rinde dieſes Baums faͤrbt schon purpur, und
foll bald dunkler bald heller ſeyn, wobey es auf den Mo⸗
nath ankommt, in welchem ſie geſammlet worden.
Die Buche. Dieſer Baum iſt zwar der euro⸗
paͤiſchen Buche völlig gleich, allein feine Fruͤchte
ſind hier eben ſo gut, als Kaſtanien, und dienen
Bären, Mardern, Eichhörnchen, Rebhuͤhnern, Ras
lekuten, und vielen andern Thieren und Vögeln:
e Die eigentliche Nuß bat ein Ge⸗
haͤuſe, das dem von einer Kaſtanie ahnlich ‚ aber
doch nicht vollig ſo rauh iſt. Die innere Schafe
iſt ebenfalls fo glatt, als bey dieſer, nur iſt ihre
Geſtalt faſt dreyeckigt. Sie liegen in großen Hau⸗
fen in den Waͤldern umher. Die Blaͤtter, die eine
weiſſe Farbe haben, bleiben den e Winter
uͤber auf den Baͤumen ſitzen. Eine Abkochung
davon iſt ein ſicheres und geſchwindes Heilungsmit⸗
tel bey Brandſchaden und Sroftbenien, | EP
Carvers Reiſen. D Die
x
U
lich, nur iſt fie kleiner, ungefähr ſo groß, als eine
mittelmaͤßige Eichel, und eyförmig. Die Schale
llaͤßt fich leicht zerdruͤcken, und ihr Kern hat die Ges
ſtalt von einem Wallnußkern. Dieſer Baum *
vorzuͤglich am Fluſſe Illinois. |
Der weiſſe Wallnußbaum ) trägt eine
Frucht, die der gemeinen Waͤllnuß faft gleich kommt.
Es giebt verſchiedne Arten davon, die ſich blos
durch die Farbe des Holzes unterſcheiden. Es iſt |
ſehr zaͤhe, und wird daher zu Arrſtielen und der⸗
gleichen groͤßtentheils gebraucht. Es giebt auch
ſehr gutes Brennholz ab, aus dem, wenn es brennt,
ein vortreflicher Zucker heraustr oͤpfelt.
Alle hieſigen Fruchtbaͤume werden freywillig von
der Natur ohne propfen, umpflanzen und düngen
hervorgebracht.
Der wilde eee traͤgt
weit größere: und beſſer n Ae ö als
f der europaͤiſche. I
Von Pflaumenbeumen giebt es in deer |
Gegend zwey Arten. Eine die en der einen Seite
u ar any iX en 3 I a 12 ins
wa
U j;
2
Nik 5 Juglans en L.; . 1 . N
ba a) Juglans alba L. Hickory.
e) Pyrus coronaria L.
26) prunus domeſtiea L.
Die Pekanuß ) iſt einer Wallnuß etwas aͤhn⸗
[1
8 1
r
. * 90 \ * ”
3 RT
Eee,
| 1 R 419
ins purpurfarbene, auf der andern aber ins röth⸗
liche fälle, und eine ganz gruͤne, die viel kleiner
iſt. Beyde haben einen ſehr guten Geruch, und |
‚werden von ven Indiern ſehr geſchaͤtz, deren Ges |
ſchmack durch Künſteleien noch nicht verdorben,
und mit den unverbeſſerten Produkten der Ratut
zufrieden iſt. | 5
Es Hebnter drey Arten von Nirſch er, der
cher ze, rothe und Sandkirſchenbaum. Man koͤnnte
die beyden letzten zwar fuͤ glicher zu den Straͤuchen
rechnen, da der Buſth, der d die Sandkirſchen trägt,
faſt nur über der Erde wegkriecht, und der andere
nicht uͤber acht bis zehn Fuß hoch wird, allein ich
werde ſie dennoch alle hier beſchr eiben. Die ſchwar⸗
zen Kirſchen ſind ungefähr fo groß wie Johannis⸗
beeren, und haͤngen dicht bey einander wie Trau⸗
ben. Die Bäume; die ſte tragen, ſind ungemein
fruchtbar, und ſitzen gewöhnlich ſehr voll davon.
Die Frucht ſelbſt laͤßt ſich nicht gut eſſen, allein ſie
giebt dem Branntewein einen guten Geruch, und
faͤrbt ihn wie rother Wein. Die rothen Kirſchen “)
wachſen ebenfalls im größten Ueberfluſſe und haͤn⸗
gen buͤſchelweiſe, wie die eben beſchriebene ſchwarze
Art, ſo daß die Bf: he, auf denen fie ſitzen, in
der Ferne, wie feſte Körper von einer rothen
e Ma⸗
0 Prunus canadenſis L.
ER
—
4²⁰
vorhin d die Sandkirſchen, ) welche ſo wohl die rothen
als ſchwarzen an Geruch und Groͤße weit uͤbertref⸗
fen, beſchrieben habe, fü ſo will ich mich bier nicht
dabey aufhalten. Das Holz vom ſchwarzen Kir⸗
ſchenbaume 7) iſt ſehr nuͤtzlich „und ſchickt Ni zu |
feiner Tiſchlerarbeit ungemein gut.
Von Geſtraͤuchen.
Von Sefträuchen findet man! hier Weiden, Bein, |
1 Sumach, Saſſafras, ſtachlichte Eſchen,
Lederholz, vöffelbaume, große Flieder, Zwergflie⸗
der und giftige Flieder, Zwergeichen, Wacholder, 40
Mtterte ausſehn. Einige‘ eute eſſen ſie ehr, gern, Ä
ungeachtet ſie etwas von den Eigenſchaften und dem
Geſchmack des Alauns an ſich haben. Da ich ſchon
ſuͤßes Farnkraut, (Sw eetfern) Lorbeerbaͤume, Heren⸗
haſel, Myrten, Wintergruͤn, Fieberbuͤſche, Krons⸗
beeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Hinbeeren,
e en Balkberries und Stickbeerenbuͤſche.
Die Weide. Es giebt hier verſchiedne Weiden⸗
arten, wovon die merkwuͤrdigſte eine kleine Art
iſt, die am Ufer des Miſſiſippi und in den benach⸗
barten Gegenden waͤchſt. Die Rinde dieſes Strau⸗
De sin! dem BI fine Winternahrung, Seine
Wur⸗
5 * Prunus e F..
*) Prunus Virginiana L.
9 0
—
42¹
| Wurzen ſcheinen, wenn das Woſſerdie Erde, welche
fie bedeckt, abgeſpuͤlt hat, aus einer Menge mit
einander durchwebter Faden zu beſtehn, dle eine
unbeſchreiblich ſthoͤne Scharlachſarbe haben. Mit
dieſer Farbe faͤrben die Indier viele von ihren zum
Putz gehörigen K Kleidungsſtuͤcke.
Die Beinwinde.) Dieſer auſſerordentliche
Strauch waͤchſt in Waͤldern. Er ſteigt wie eine
Weinrebe auf, laͤuft ſechs bis acht Fuß lang uͤber
den Boden weg, und ſchlaͤgt darauf von neuem
Wurzel. Auf dieſe Art, da er bald aufſteigt, bald .
Wurzel ſchlaͤht, nimmt er einen großen Raum ein,
N wodurch er einem eilfertigen Wanderer ſehr be⸗
| ſchwerlich wird, da man fich die Fuͤße leicht Baer |
verwickeln kann. 5
Saſſafras !) iſt ein Holz, V das wegen feines
mediziniſchen Nutzens hinreichend bekannt iſt. Man
könnte es eben ſo gut unter die Bäume, als unter
die Geſtraͤuche zählen, da der Stamm zuweilen
dreißig Fuß hoch wird. Allein gewohnlich erreicht
er nur die Hohe eines Strauches. A Blaͤtter
e e ede 75 geben
—
8 Dies iſt unſtreitig eine gianenart (Epidendrum) |
von denen man viele Gattungen in Afrika und
Amerika antrifft, und die billig eine beſondre natur
liche Ordnung ausmachen jollten.
N ** Laurus ſaſſafras L
geben einen ſehr guten Geruch, ſie ſind ziemlich
groß und faſt i in drey Theile gerheilt. Der Strauch
trägt eine braurothe Beere, die ſaſt die Größe und
SGeſtalt von Jamaikaniſchen Pieffer (Pimento) hat,
und in den Kolonien zuweilen an ſeiner Stelle ger
braucht wird. Die Rinde und die Wurzeln ſind
zum mediziniſchen Gebrauche dem Holze weit vor⸗
zuziehn „und ich wundere mich daher ſehr, daß: man
fie fo ſelten i in den Apotheken antrifft. 2
Die ſtachlichte Eſche „) iſt ein Strauch „ der
| zuweilen zehn bis funfzehn Fuß 5 0 wird, und
deſſen Blatter Eſchenblaͤttern vollig ähnlich find.
Seinen Beynahmen hat er von der Menge kurzer 95
Dorne, womit jeder Zweig bedeckt iſt, und wodurch
er an Orten, wo er häufig ſteht, den Voruͤberge⸗
henden ſehr beſchwer lich wird. Die Rinde dieſes
Strauches vorzuͤglich von den Wurzeln, wird von
den Eingebohrnen ſehr wegen ſeiner mediziniſchen
Eigenſchaften geſchaͤtzt. Ich habe ſchon oben ein
Beyſpiel von ſeiner Wuͤrkſamkeit angefuͤhrt, und
es iſt gar kein Zweifel, daß eine Abkochung davon
alle Unreinigkeiten aus dem DEN erben und
gruͤndlich vertreibt.
ge
®) Aralia ſpinoſa arborefeens, caule foliisque aculeatis
L. Sp. Pl. Mill. Gard. Die, W pen: Fr.
due epineufe,
©)
0)
*
Ä | nn 423
Das gederholz ) wird ungefaͤhr vier Fuß
hoch, und treibt viele Zweige. Das merkwuͤr⸗
digſte daran iſt ft feine Rinde, die fo ſtark und bieg⸗
ſam iſt, daß ſie, zu welcher Jahrszeit man ſie auch
abſchaͤlet, und flechten Mk eben ſo gute Stricke
Kaps als Hanf. |
Der Loͤffelbaum 72 iſt eine Art ue e
ER fein Holz ſieht, wenn man ihn durchſaͤgt, We, 0
baumbolze ſehr ahnlich.
Der ſogenannte gige Sliederbaum h iſt Yin
andern Fliederarten an Zweigen und Bfättern ſehr
aͤhnlich, allein er waͤchſt weit grader, und kömmt
blos in Moräften und auf feuchtem Boden fort.
| Dieſer Strauch hat eine ganz beſondre Eigenſchaft,
wodurch er gewiſſen euten giftig wird, ſelbſt wenn
fie ſich ihm nur in einer Entfernung von etlichen
Ellen nähern „da andre hingegen feine Rinde und "WR
Blaͤtter ohne den geringſten Nachtheil kauen kn -
nen. Sein Gift iſt jedoch nicht tödtlich, ungeach⸗
tet es ſehr gewaltſam wuͤrket, indem der Kopf und
der ganze Korper davon zu einer ungeheuren Dicke
aufſchwellen, und uͤberall mit einem Ausſchlage be⸗
Wc werden „der, wenn er ſeine Hohe, erreicht
1 e e bat,
x) Dirca palulis L. Moufewood- Leacherwood.
* Kalmia lalifolia L.
0 ** Rhus vernix 1. f
=
ſuchen. U
Die dwergeiche > iſt der großen eiche 8
424 ee
bat, zuſammenfließenden Pocken ſehr abniich iſt Er
waͤchſt in vielen Kolonien, wo die Einwohner den
* *
Wuͤrkungen feines Giftes durch Safranthee, und
durch eine Salbe aus Sane und en ) zu ſieuem
Holz und Blattern völlig ähnlich, und trägt eben⸗
falls eine Frucht wie Eicheln, allein ſie wird nie
uͤber vier bis fuͤnf Fuß hoch, und hat dabey einen
ſehr krummen und aſtigen Stamm. Man trifft
ſie vorzuͤglich auf trockenem ſteinigten Boden an.
Die Hexenhaſel *) iſt voller Zweige, und
| wird ungefähr sehn Fuß hoch. Schon im May
iſt ſie mit zahlreichen weiſſen Bluͤthen bedeckt.
Wenn ſich ihre Bluͤthen zeigen, ſo ſehn es die
Indier als ein Zeichen an, daß der Froſt vol⸗
lig voruͤber iſt, und daß ſie ihr Getreide ſicher
ausſaͤen können. Man ſchrieb ihr eine anziehende
Kraft gegen Gold und Silber zu, und brauchte
Zweige davon zu Wuͤnſchelruthen; allein dieſe Ei⸗
e iſt e eben nicht ſehr gegruͤndet.
e x
| > Althea.
) Quercus humilis, foliis oblongis obtuſe dentatis
fruttibus fefilibus eonglomeratis Mill. Gard. Dict.
Ri) Ulmus ſcabris foliis oblongo ovatis inaequaliter
nie, calycibus foliaceis Miller?
425
Jedoch hat fi e bie Aeguben ihren Weben i
| zu danken.
Der Moyrtenſtrauch N wird Mi. vier
bis fünf: Fuß hoch, feine Blätter find größer als
bey der gemeinen Myrte, aber haben vollig den
naͤhmlichen Geruch. Er traͤgt kleine Beeren, die
gewohnlich Lorbeeren (bay berries) genannt werden,
und eine leimigte Subſtanz enthalten, die, wenn
man ſie kocht, auf dem Waſſer ſchwimmt, und zu
einer Art von grünem Wackſe wird. Es wird
nicht ſo ſehr geſchaͤtzt, als gewöhnliches Wachs,
da es broͤcklichter iſt. Allein wenn man es mit
gelbem Wachſe vermiſcht, fo laſſen ſich gute lichter \
| daraus machen, die beym Brennen einen febr ans
genehmen Geruch geben. E
Wintergruͤn gehoͤrt zu den 65 c a
Straͤuchen, und iſt eine Art von Myrtenſtrauch.
Man findet es auf trocknen Heiden. Seine Blu⸗
men ſind weiß, und haben die Geſtalt einer Roſe,
doch ſind ſie nicht größer „ als ein Sechspfennig⸗
ſtuͤck. Im Winter ſitzt es voll rother Beeren, die
ungefähr fo groß find, als Schlaͤhen. Sie find
—
glatt und rund, und erhalten ſich waͤhrend det ſtren⸗
gen Jahrszeit, in welcher ſie eben ihre größte Voll⸗
. e erreichen, dra die Waͤrme des
5 * Myrve cexifera L
| Schnees. Die Indier eſſen dieſe Beeren, und 4
glauben, daß ſie den Magen ſehr ſtaͤrken. Die
Einwohner in den innern Pflanzungen legen Rei⸗
ſer und Beeren in Bier, das ſie zur Blutreini⸗
gung beym Scharbock und fe ure kin
ten trinken. 1
Der Sieberbufch ii etwa fünf bis ſechs Fuß 5
| boch. Er hat ein⸗ Blatt wie ſpaniſcher Flieder,
(Syringa vulgaris L.) und trägt eine roͤthliche Beere
von einem gewuͤrzhaften Geruche. Die Stengel
daran ſind ſehr ſproͤde. Eine Abkochung von dem
Holze oder den Knospen iſt ein vortrefliches Mittel ge⸗
gen Fieber. Auſſerdem iſt es ein altes indiſches Mit⸗
tel gegen alle Arten von Entzuͤndungen, und wird
deswegen auch von den Aue der innern
Pflanzungen ſehr geſchaͤtzt. e
Per Aronbeerenbufch ) eee
Die Frucht von dieſem Strauche iſt zwar der ger
meinen Art, die auf kleinen Buͤſchen in Suͤmpfen
und Moräften waͤchſt „an Größe und Form ſehr
ähnlich; allein der Buſch ſelbſt wird zehn bis —4
Fuß hoch, und wird nur ſelten angetroffen.
man den gemeinen Sumpfbeerenbuſch, der — 8
in Moraͤſten waͤchſt, nicht verpflanzen kann, ſo
0 Würde e Art, wenn man a z einer gehörigen
Zeit
9 ku hifpidulum L. Cranberrybuſn.
geit im der verfeßte y und gut wartete ein
ſchaͤtzbares Geſchenk für Gartenfreunde werden,
und vermuthlich noch beſſere Früchte geben, als jene. 55
Der Stickbeer enbuſch, wie ibn die Einges
bohrnen nennen, wird ungefät r fi uf bis ſechs Fuß
boch, und traͤgt eine Beere von der Gr ße von
Schlaͤhen, die eine agalhſchwarze Farbe hat, und
in ihrem Fleiſche ver! ichiedne Körner enthaͤt. Der
Saft dieſer $ Frucht iſt ihr es guren Geruchs unge⸗
achtet ſo herbe, und macht, wenn man ſie ißt, den
u Mund und die Kehle 0 rauh, daß d der Musch davon
ſeinen Rahmen erhalten bat. e en
»
}
Alandwurzel, ) Narden, Angeliken, Sarſaparille, a
Ginſeng, Erdnuͤſſe, ) wilde Kartoffeln, Suͤßholz,
Schlangenwurzel, 1 Goldfaden „Weißwur⸗
zel, ) Teufelsabbiß, Blutwurzel, Zwiebeln,
Knoblauch, wilde Paſtinaken j Allraun, 7 weif
ſer ID und e HD Nieswurz |
EN
Von Wurzeln und Pfanzen. 15
| Er
9 ink helenium L; ** Antes Weeze L.
FB Serpeitäria Virginiana L. N
g 1 Convallaria poly e 1. |
+) Atropa Mandragora E. + ) Veratrnm album.
ns Helleborus niger l. Wannen e
ee
6 | x
Marden) en wird gewohnlich in den
Kolonien Petty-Morrel genannt. Dieſe Pflanze
hat das völlige Anſehn von dem aſiatiſchen Narden,
der von den Alten fo hoch geſthaͤtzt ward. Sie
waͤchſt an Bächen auf felſi chten Stellen, und ihr
€ tengel, der ungefähr ſo dick iſt, als ein Feder⸗
kiel von einer Gans, ſchießt wie Angeliken zu einer
Hoͤhe von anderthalb Fuß auf. Sie trägt Buͤſchel
von Beeren, die vollig wie Holunderbeeren aus⸗
5 ‚feben, nur daß fie etwas größer ſind. Dieſe Bee⸗
16 gefaͤ 12
ren haben eine fb balſamiſche Eigenſchaft, daß ſie
in einem Aufguſſe mit Branntwein ein ſehr ange⸗
| nehmes und berzſtaͤrkendes Mittel abgeben.
Die Wurzel der Sarſaparille ) iſt der chaͤtz 5
barſte Theil von der ganzen Pflanze. Sie iſt un⸗
r ſo groß wie ein Gaͤnſekiel, und lauft i in ver⸗
ſchiednen Richtungen mit vielen Kruͤmmungen! und
Wendungen eine betraͤchtliche Strecke unter der
Erde weg. Aus ihren Hauptzweigen entſtehn viele
kleine Fibern, die alle zaͤhe und biegſam ſind. Gleich
aus der Wurzel ſchießt ein anderthalb Fuß hoher
Stengel hervor, der ſich an ſeinem obern Theile
in drey Zweige theilt. An jedem davon ſitzen drey
Blaͤtter, die ung gefaͤhr die Geſtalt und u von
Ä | Wall⸗
9 Vale riana .celtioa L.
*)) Smilax Sarlaparilla L.
Wallnußblaͤttern haben, und aus einer Theilung
N dfefer Zweige waͤchſt ein Buͤſchel von blaulicht⸗
weiſſen Blumen hervor, die den Nardenbluͤchen
ſehr aͤhnlich ſehn. Die Rinde von den Wurzeln,
die allein in der Medizin gebraucht werden ſollten,
hat einen etwas bittern aber gewuͤrzhaften Ge
ſchmack. Man ſchaͤtzt fie mit Recht wegen ihrer
mediziniſchen Eigenſchaften. Sie erregt einen gelin⸗
den Schweiß, und iſt ein vortrefliches ee ein
es Blut zu verduͤnnen. .
SGinſeng iſt eine Wurzel, von der man ont
gabe, daß ſie blos in Korea wuͤchſe, da ſie aus
dieſem Lande uͤber Japan nach Europa kam. Allein
man hat fie neulich auch in Nordamerika entdeckt
wo ſie wild waͤchſt, und völlig von der naͤmlichen
Guͤre iſt. Ihre Wurzel iſt einer kleinen Karrot⸗
tenwurzel ähnlich, aber nicht völlig ſo duͤnn am
Ende. Sie theilt ſich oft in zwey oder mehrere
Zweige, und waͤchſt in jedem Betracht wie die
Sarſaparille. Die Wurzel ſchmeckt etwas bitter.
1 den oſtlichen Landern von Aſien wird fie theuer
verkauft „da man ſie als ein allgemeines Mittel
anſieht, wozu jedermann i in allen moͤglichen Krank⸗ 5
heiten ſeine letzte Zuflucht nimmt. Gelkaͤut ſtaͤrkt
fie Neis den * 3 1
* Gold⸗
* Für grüner * 0
CC)
430
Goldkaden. Dies iſt eine Pflanze, die zu den
kleinen Lanenarten gehört. Sie waͤchſt an ſumpfig⸗
ten Plaͤtzen, und liegt auf dem Boden. Die Wur⸗
zeln breiten ſich grade unter der Oberflaͤche des Mo⸗
raſtes aus, und laſſen ſich leicht bey Haͤndenvoll
aufziehn. Sie ſehn einen großen verwickelten Knaͤul
Zwirn von einer glaͤnzenden Goldfarbe ſehr aͤhn⸗
lich, und würden gewiß eine ſchöne und dauerhafte
gelbe Farbe geben. Sie wird ebenfalls von den
Indiern und Koloniſten ſehr bey allen Verletzun⸗
gen im Munde geihägt, allein ihr Gerda a un
* bitter.
Weiß wur; MN if eine Mn Inge, le an Flͤſen, i
| it auf reichen Wiefen wächit. Sie wird im Gas
zen ungefähr drey Fuß hoch. Die Blatter ſitzen
in einer Hohe von zwey Füßen uͤber der Erde. Jede 1
Fiber hat einen Eindruck, wie ein zwey gute (ro⸗
ſchenſtück, die ausſieht, als wenn ſie von einem
Siegel entſtanden wäre. Man fe haͤtzt ne ſehr ! wer
gen ihrer blutreinigenden Eigenſchaft. ö
Teufelsabbiß J iſt ebenfalls eine Pflanze, die
wild auf den Feldern waͤchſt, und hat ihren Rasten
von einem Eindruck in der Wurzel, der von Zaͤhnen
herzuruͤhren ſcheint. Die Indier behaupten, daß
) Convallaria polygonatum L. 5
=) Scabioſa ſuceiſa L. 9
fie ehemals ein allgemeines Mittel gegen jede Frank
heit geweſen ſey, der die menſthliche Natur ausge⸗
ſetzt werden kann. Allein ein böſer Geiſt habe die
Menſchen wegen des Beſitzes dieſer Fräftigen Arze⸗
ney beneidet, und ihr einen n Theil ihrer
Bm genommen. N *
Blutwurzel iſt eine Art von Wegerich biet mit |
ſeche bis ſieben rauhen Blaͤttern mit rothen Adern
aus der Erde hervorkoͤmmt. Ihre Wurzeln find
kleinen Karrottenwurzeln an Farbe und Geſtalt
gleich. Wenn man fie durchbricht, fo hat die innre
Seite eine are Farbe, als die aͤuſſere, und
laͤßt etliche Tropfen Saft fallen, die wie Blut aus⸗
ſehn. Dieſer Saft iſt ein —. und ARCHE
an |
| en
Von Kräutern findet man. bier, „Melſſt, Neffen, 9
Fuͤnff. gerkraut, Augentroſt, Sanickel, Wegerich,
Klapperſchlangenwegerich, Hungerwegerich, Kro⸗
tenwegeri ich, Steinbrech, 95 Grindwurz, ) Stein⸗
flechte, Guͤldenklee,s) Blutwurz, ) wilde Bohnen, |
Gundelreben, ) Waſſerkreſſe . Tauſendguͤlden⸗
e eee Gargit, Seinktbierkoht
| oder
13 . ann, L. 5 Rumex acutus L.
) Anemone hepatica, 2) Tormentilla reptans.
*) Glechoma hederacea. ) Achilles millefolium.
hr) Anthenis arvenſio, Maywecd, |
438
kraut?) wilde Erbfen, Mausbhrchen, en n In.
digo, und Katzenkraut ö).
Sanickel *) hat eine Wurzel, die ei dick it,
und unten viele kleine Fibern hat. Die Blaͤtter
ſind breit, rundlicht, hart, glatt, und fchön hell⸗
grün. Der Stengel bebt ſich uͤber ſie etwa einen
Fuß in die Hoͤhe; er iſt ganz glatt und ohne Kno⸗
ten, und oben an ihm ſitzen verſchledne kleine Blu⸗
men, von einer roͤchlich weiſſen Farbe, die wie eine
wilde Roſe ausfehn. Der Aufguß von der Wurzel
iſt balſamiſch und giebt ein gutes Wundmittel ab.
1 Rlapperſchlangenwegericb. Dieſe nuͤtzliche |
Pflanze gehört zu den Wegerichen. Ihre Blärter
breiten ſich über der Erde aus, und find ungefahr
anderthalb Zoll breit, und fünf Zoll lang. Aus ih⸗
rem Mittelpunkte ſchießt ein kleiner ſechs Zoll langer
Stengel hervor, der eine kleine weiſſe Blume traͤgt.
Die Wurzel iſt ungefahr fd gr oß wie ein Gaͤuſekiel,
und ſehr gekruͤmmt. Sie theilt ſich in verſchiedne
Zweige. Die Blätter dieſer Pflanze ſind am
1 gegen den Biß der Klapperſchlange,
| | wovon
. 1 Arum ee 1 robin.
2) Verbafcum tapſus, Mullein.“
) Nepata cotaria. 10
) Vermuthlich Saxifraga penfylvanica L.
oder Poke, Zehrwurz, ) Betone, Sfabtofe, Woll⸗
wovon ie den Rahmen bat. Man * ſie und
legt ſie gleich auf die Wunde, und nimmt zugleich
etwas von dem Safte innerlich, wodurch gemeinig⸗
lich der Gefahr vorgebeugt wird. Die Indier ſind
von der Kraft dieſes untruͤglichen Gegengiftes ſo
uͤberzeugt, daß fie ſich fur etwas Branntewein von
einer Klapperſchlange beiſſen laſſen. Es iſt merk⸗
würdig, daß grade zu der Zeit, da der Biß der
” Pflanze ihre größte Vollkommenheit erreicht.
Sungerwegerich Poor robin s plantain) ges 5
bern mit der vorigen zu einer Art, nur iſt er in jedem
Betracht weit kleiner. Er hat ſeinen Namen von
ſeiner geringen Größe, und dem ſchlechten Boden,
auf welchem er waͤchſt. Er iſt für die Arzneykunde
von einiger Wichtigkeit, da man ihn oft mit Erfolg
bey Fiebern und innerlichen Schwachheiten braucht.
Kroͤtenwegerich iſt dem gemeinen Wegerich
äbntich nur treibt er weit mehr Blaͤtter, und bat
ſeinen Nahmen von den Kröten, bie 10 gern un⸗
ter ihm aufhalten. EN
Steinflechte“) iſt eine A Art von Flechten Aicher
die ul Felſen waͤchſt, und wird fuͤr ein cher N
| Mittel gegen wen. gehalten.
„ ben Mende 17 Hop
Carvers Reiſen. Ee
—
am, 7
Klapperſchlange am giſtigſten wird, auch dieſe
Bee |
Gargit oder Skoke iſt ein großes wild wachſen⸗
des Kraut, deſſen Blatter ungefähr ſechs Zoll lang,
und drittehalb Zoll breit ſind. Sie ſind Spinat⸗
blaͤttern an Farbe und Gewebe, aber nicht an Ge⸗
ſtalt ahnlich. Die Wurzel iſt ſehr groß, und aus
ihr kommen verſchiedne Stengel hervor, die acht
bis zehn Fuß hoch werden, und rothe Beeren tra⸗
gen. Dieſe Beeren hangen im September buͤſchel⸗
weiſe daran, und werden Taubenbeeren genannt,
weil ſich die Tauben um dieſe Zeit größtentheils
davon naͤhren. Wenn die Blaͤtter noch zart und
jung find, fo geben fie gekocht eine nahrhafte und
geſunde Speiſe ab, aber wenn ſie ihrem volligen a
Wachsthum nahe kommen, T werden ſie etwas
si 5 0 man einem enen hn,
Hegg. ſtark an e a 1 1 ei ce |
a Stinkthierkohl oder Pole ein Kraut „ Das
an eu ten a und a n eee MR kr |
2 Zoll 2 und d fast al, = re etwas z
ſpitzt. Die Wurzeln beſtehn aus einer Menge Fibern,
von denen man eine Abkochung aͤuſſerlich zur Hei⸗
lung der Kraͤtze in den Kolonien braucht. 2
ſelbſt hat einem ſtarken Geruch, der dem vom Stink⸗
thiere etwas MER iſt, ſeinen Namen zu danken. 1
das Kraut
“als nz Aal EE Sehr | |
435
6 wächst in Fee Gegenden.
Seine Wurzel iſt einer kleinen Ruͤbe ähnlich, und
| verurſacht aufder Zunge, wenn man ſie leckt, eine
Entzuͤndung, und veraͤndert ihre natuͤrliche Geſtalt
in eine runde harte Subſtanz. In dieſem Zuſtande
bleibt ſie einige Zeit, ohne daß irgend ein andrer
Theil des Mundes dabey litte. Wenn man ſie
trocknet, ſo verliehrt ſie ihre zuſammenziehende
Eigenſchaft, und wird zu einer guten Arzney.
Denn wenn man fie alsdann im kalten Waſſer
reibt, und e einnimmt, ſo iſt ſie bey allen 9 a
ten der Eingeweide ſehr wuͤrkſam. |
Wilder J Indigo *) iſt ein Kraut von der naͤm⸗
lichen Art, als das, woaus man in den ſüͤdlichen
Kolonien Indigo macht. Es ſchießt in einem
Stengel fuͤnf bis ſechs Zoll hoch auf, und theilt ſich
alsdann in viele Zweige. Auf dieſen Zweigen ſitzt
eine Menge kleiner harter bläufichter Blätter, die
ſehr breit werden, und zwiſchen dieſen Blaͤttern
kommt eine gelbe Blume hervor. Sein Saft Ka” N
einen ſehr unangenehmen Geruch. |
Batzenmuͤnze“ ) hat eine holzigte Wurzel, die
fi in verſchiedne Zweige theilt, und aus der ein un⸗
gefahr drey Fuß hoher Stengel aufſchießt. Die
Blätter find wie Neſſel oder Betonienblaͤtter, und
G 8 . 2 . „haben
O Indigofere ifoliae L? ser) N cataria L.
9 =
136
haben einen ſtarken — ni
nen ſcharfen beiſſenden Geſchmack. Die Blumen
wachſen oben auf den Zweigen, und haben eine
2
“
blaſſe Purpur oder weiſſe Farbe. Man nennt dieſe
Pflanze Katzenmuͤnze, weil die Katzen einen Wi,
derwillen gegen ſie haben und ſie ausreiſſen ſollen.
Sie hat faft einerfen W e mit be Kea,
ſemünze.
Blumen.
Von Blumen giebt es hier Stiefmütterchen, 1) |
rothe und gelbe Lilien, Wafferlifien, ) Schluͤſſel⸗
blumen, ) Mayblumen, Roͤhrenbaͤume,) Geis
blatt, “) Felſengeisblatt, 7 rothe und weiſſe Roſen,
wilde Nelken, ) wilde Stockrosen, 0 und Gilden
wundkraut. n
f
Ich will . nicht auf bf eine x umfänhäfe 2 Des
ſchreibung dieſer Blumen einlaſſen, ſondern blos
anmerken, daß ſie den europaͤiſchen Blumen glei⸗
ches Nahmens ſehr aͤhnlich ſehn, und ihnen ſowohl .
an A der Farbe, als an Vollkommenheit
ie
8 1
*) Viola tricolor 25 2 Nymphæa. 991 Primula 1 .
*) ConvallariamajalisL. ) Philadelphus ‚eoronariusl.
0 Lonicera caprifolium L. 79 perielymenum america
num Milleri? *)Dianchus, ® Wales . i
virgauren L. f „
437
des Geruchs ſo nahe W als man es von
wildwachſenden Pflanzen erwarten kann.
a 45 Hülſenfrüchte Rem,
Von Huͤlſenfruͤchten hat man bier Mais oder
indiſch Korn, wilden 1 Bohnen, Melonen:
‚Beben... ae
Mais oder indiſch Norn wächſt ungefähr |
fünf bis ſechs Fuß boch, der Stengel iſt ſteif und
ſeſt, bat viele Gelenke, und ſo lange als er noch
gruͤn iſt, einen Ueberfluß von ſuͤßem Saſte. Die
Blaͤtter ſind wie beym Schilf geſtaltet, und unge⸗
faͤhr z zwey Fuß lang „ und drey bis vier Zoll breit.
Die Blumen 8 kommen auf der naͤmlichen Pflanze
aber i in einer Entfernung von der Frucht hervor, und
wachſen wie Haferaͤhren. Sie ſind bald weiß, bald
gelb, bald purpurfarbig. Die Saamenkoͤrner ſind |
ſo groß als Erbſen, und vollig ſo glatt wie dieſe.
Sie haben eine rundlichte, aber dabey etwas zuſam⸗
mengedruͤckte Oberflaͤche. Eine Aehre beſteht 9 |
wöhnlich aus ungefähr fechshundert Körnern, die
in Reiben von acht bis zehn und zuweilen gar von
wwöff dicht an einander ſißen. Dieſe Art Getraide
Se 3 „ iſt
1 Tea Nass L. .
u wi Dies iſt von den maͤnnlichen Blumen zu verſtehn,
die von den weiblichen, aus denen die Frucht ent⸗
aht, abge ſondert ben: |
*
iſt eben ſo leicht zu verdauen, und ben 0 nab haft
als jede andre e. Die Indier ſtoßen es zu Mehl,
machen uchen daraus, und backen ſie am Feuer.
Ich habe ſchon oben angeführt daß etliche Volker⸗
ſchaften Kuchen aus Mais eſſen, ehe er reif wird, und
daß er auch alsdann ſchon ſebt an und
nahrhaft iſt. 15505 1
Wilder Reise. 1 Dieſe Getreideart, die in allen
9 innern Theilen von Nordamerika im größten Ueber⸗
fluſſe waͤchſt, ift in dieſem Lande das ſchaͤtzbarſte
von allen freywilligen Produkten der Natur. Opne
den Nutzen zu rechnen, den er den Menſchen, die
dieſen Theil des feften landes bewohnen, 45 unmit⸗
telbar bringt, da ſie weiter keine Muͤhe, als beym
Einſammlen, darauf zu wenden brauchen, fe, zieht
ſeine Suͤßigkeit und ſeine nahrhafte Eigenſchaft
eine ungeheure Menge wilder VBoͤgel von allen
Arten aus den entfernteſten Himmelsſtrichen her;
N ben a die davon ungemein fett und wohlſchmeckend
werden. In kuͤnftigen Zeiten wird er neuen! Manz
ſtaͤdten in ihrer Kindheit zu einer großen Sruͤße
und ihrem Unterhalte ſo lange, dienen I bis ſie fich,
durch den Bau ihrer kaͤndereyen andre Huͤlfsmit⸗
tel verſchaffen koͤnnen. In andern Gegenden hin;
gegen, denen die Natur dies reiche Geſchenk ver⸗
feet hat, find we erſten Anbauer immer durch den
ene
{
1
\
4390
Mangel der nothwendigen Suben großen Br
E ſchwerden ausgeſetzt, wenn der Himmelsſtrich auch
noch ſo gemaͤßigt, und der Erdboden noch ſo frucht⸗
bar iſt. Dies nuͤtzliche Getreide waͤchſt im Waſſer,
wo es einen reichen ſchlammigten Boden findet, .
und ſteht ungefähr zwey Fuß tief. Seine Stengel
und ſeine fruchttragenden Zweige oder Aehren ſind
Hafer in dem aͤuſſerlichen Anſehn und ihrem Wachs⸗
tthum ähnlich. Die Halme find voller Gelenke,
und erheben ſich über acht Fuß uͤber dem Waſſer.
Die Indier ſammlen das Korn auf folgende Art
ein. Gegen die; eit, daß es anfaͤngt zu reifen,
fahren ſie mit Kanoden zwiſchen die Halme, und
binden ganze Buͤſchel davon grade unter den Aehren
mit Baſt zuſammen, und laſſen es ſo zuſammenge⸗
bunden noch drey bis vier Wochen länger ſtehn/
bis es völlig reif wird. Gegen das Ende des
Septembers kommen ſie an den Fluß zuruͤck, wo
jede Familie ihren angewieſenen Theil einſammlet /
| den m an der Art, die Garben zu binden, kennen
kann. Sie bringen dabey ihre Kanoe fo dicht als
moͤglich an die Reisbuͤndel, damit das Korn hinein⸗
fallen kann, wenn ſie es ausſchlagen, welches ſie a
mit beſonders dazu eingerichteten Stuͤcken Holz
thun. Wenn ſie damit fertig ſind, ſo trocknen ſie
aun; Raͤuchern, und treten oder reiben die Huͤlſe
Ee 4 a ab;
42
abz und wenn es auf dieſe Art zum Gebrauche
völlig fertig iſt, fo thun fie es in Hirſchkaͤlber⸗ oder
junge Buͤffeihaͤute, die fie faſt ganz dazu abzie⸗
hen, und eine Art von Sack daraus naͤhen; und
bewahren es darinn auf, bis zur naͤchſten Erndte.
Man hat viel daruͤber nachgegruͤbelt, warum dieſe
wildwachſende Getreideart in keiner andern Ge⸗
gend von Amerika, oder in ändern gefunden wird,
die unter der naͤmlichen Breite liegen, da doch die |
9 Gewaͤſſer daſelbſt ſich eben ſo gut dazu ſchicken, als
in dem Himmelsſtriche, von dem ich jetzt rede.
So bringt zum Beyſpiele keines von den Landern,
die ſuͤdwaͤrts und oſtwaͤrts von den großen Seen
liegen, und ſelbſt keine von den Provinzen nord⸗
waͤrts von Karolina bis an die aͤuſſerſte Grenze von
Labrador, irgend etwas davon hervor. Ich fand
iR zwar eine große Menge davon i in den feuchten Ge⸗
genden bey Detroit, zwiſchen den Seen Huron
und Erie; allein ich erfuhr, daß es bloß zur B Bluͤthe
und nie zur Reife kaͤme, ſondern daß es alsdenn
verwelkte und abſtuͤrbe. Dies uͤberzeugt mich,
daß der Nordweſtwind, wie ich ſchon oben bemerkt
babe, i in dieſen Gegenden weit heftiger iſt, als in den
inlaͤndiſchen, und daß er den Erdfruͤchten weit mehr
ſchadet, nachdem er Über die Seen gekommen iſt,
und ſich mit dem Winde vereinigt hat, der aus
e den
werden von den Indiern gekocht, und größrenpete
9 mit Baͤrenfleiſch gegeſſen.
ii Die Melonenpfebe. Es giebt bier ebenfalls
deren ſich verſchiedne Voͤlkerſchaften anſtatt des
man die runde, den Kranichhals, die kleine platte,
und die große länglichte. Die kleinern Arten wer⸗
den gekocht, und des Sommers uͤber als Zugemuͤſe
Geſchmack. Der Kranichhals, der die uͤbrigen
weit übertrifft, wird, gewoͤhnlich zum Wintervor⸗
rathe aufgehaͤngt, und kann ſich n W 1
lange nicht mit der Genauigkeit eines Naturkuͤn⸗
digers abgehandelt habe. Ich habe weder alle
| 1 5 . und Pflanzen, die ſie hervor⸗
Le 5 bringen,
441
den kalten * 8 daun ft, als er
es weiter nach Weſten thut. |
Bohnen. Dieſe haben hier faft eben die Ge⸗
ſtalt, als die europaͤiſchen Bohnen, allein ſie ſind 0
nicht viel groͤßer, als die kleinſten davon. Sie
verfiehne Arten Melonen oder Kuͤrbiſſe, die von
einigen Melonenpfeben genannt werden, und
Brodtes bedienen. Von Melonenpfeben bat
gegeſſen. Alle zuſammen haben einen angenehmen
nathe hindurch halten.
Ich bin es mir voͤllig ne daß ich die vor⸗
hergehende Beſchreibung von den Produkten der
Natur in den innern Theilen von? tordamerika
4
bringen, angegeben, noch diejenigen, welche ich
beſchrieb, unter ihre gehörigen Geſchlechter nach
linneiſcher Methode gebracht; allein die Grenzen
meines jetzigen Werks wollten es mir nicht erlau⸗
ben, dieſen Gegenſtand weitlaͤuftiger abzußendeln:
Wenn jedoch der Beyfall des Publikums eine zweyte
Ausgabe nörhig machen ſollte, wie ich nach der An⸗
5 zahl meiner S Subſeribenten hoffen darf, ſo werde
ich meinen Plan betraͤchtlich erweitern, und ver⸗
ſchiedne unterhaltende Umſtaͤnde und Beſchreibun⸗
gen einruͤcken, die ich bey der jetzigen kleinen Aus⸗
| 58 ere oder er gömich er |
Nie bauder zwichen den großen Seen fend vent i
2 Fluſſe Miſſt ſippi, und von dieſem ſuͤdwaͤrts
nach Weſtflorida zu, liegen zwar mitten auf einem
feſten Lande und in einer großen Entfernung vom
Meere, allein demungeachtet könnte leicht eine Ge⸗
meinſchaft zwiſchen ihnen und andern Reichen er⸗
offnet werden „und aus kuͤnftigen Pflanzſtaͤdten |
dadurch ein reicher Handlungsſtaat entſtehn. Der
' große Fluß Miſſiſippi, der durch fiel hinlaͤuft,
wuͤrde ihre Bewohner eben ſo gut dazu in den Stand
ſetzen, als der Euphrat, der Nil, die Donau und
Wolga den Bewohnern ihrer Ufer dazu behuͤlflich
find, die Fein ander Huͤlfsmittel zur Ausfuhr ihrer
Produkte und zur Einfuhr fremd
nder Waaren haben,
als Boote oder leichte Fahrzeuge, und die unge⸗
achtet dieſer er W und reiche 1 1
Völker enden find, Ä * 1 5
Der Miſſiſippi fließt, wie ich ſchon Win .
merkt hatte, von Norden gegen Suͤden, und durch⸗
Taufe grade den fruchtbarſten und gemaͤßigſten \
Theil von Nordamerika, ſeine beyden Enden aus⸗
| genommen, davon das eine an den kalten, und .
das andre an den Vertem Erdguͤrtel ſtoͤßt. Dieſe
| em
güͤnſtige lage zeigt die beſten Ausſichten zu einem
vortheiſhaften und ausgebreiteten Handel, ſobald
als feine Ufer mit Einwohnern bedeckt feyn werden.
Die ſuͤdlichern Gegenden werden faſt von ſelbſt
Seide, Baumwolle „Indigo und Toback hervor⸗
bringen; ; und die noͤrdlichern Wein, Oehl, Fleiſch,
Tel, Häufe, Baumwolle und Pelzwerk, nebſt
Bley, Kupfer, Eiſen, Kohlen, Holz, Getreide,
Reis und Fruͤchten, und auſſerdem noch Erde und
Rinde zum Faͤrben liefern.
Dieſe Stüde, an denen fie den el Ueber⸗
fluß haben „ koͤnnen auf dieſem Fluſſe mit eben ſo
großer Leichtigkeit auf die Kuͤſte gebracht werden,
als es auf andern von den eben erwaͤhnten Fluͤſſen
geſchehn kann. Der Miſſiſippi macht zwar die
Grenze zwiſchen den engliſchen und ſpaniſchen
Pflanzungen, und fein Ausfluß gehört ganz den
Spaniern, die deswegen die freye Fahrt darauf
leicht ſtoͤren, und den erſten Unternehmern den
Muth ſehr benehmen konnen; allein wenn die Vor⸗
teile, die Pflanzern nothwendig daraus erwachſen
muͤſſe ſen, erſt einmahl recht bekannt ſind, ſo werden
Haufen von unternehmenden Leuten, durch dieſe
guͤnſtigen Ausſichten angereizt, dahin ziehen, und
ſich in dieſem Lande . wenn es e,
me von Blut koſten ſollte. nd r
| Oder
*
Oder follte auch die Nation, die ſich im Beſitz
von Neuorleans befindet, ſich feindſelig gegen die
inlaͤndiſchen Pflanzer bezeigen, fo können dieſe ſich
vermittelſt des Fluſſes Iberville den Weg zum
Meerbuſen von Mexico bahnen, der aus dem Miſſi⸗
ſippi entſteht, und durch den See Maurepas in den
See Ponchartrain faͤllt, welcher wieder mit dem
Meere eine Gemeinſchaft auf der Kuͤſte von Weſt⸗
florida hat. Der Fluß Iberville trennt ſich vom
Miſſeſippi ungefaͤhr achtzig engliſche Meilen übers
halb Neuorleans, und koͤnnte, ungeachtet er jetzt
an verſchiednen Stellen verſchlaͤmmt iſt, leicht und
mit wenigen Unkoſten ſchiff bar gemacht werden,
wenigſtens fuͤr ſolche Fahrzeuge, als die biefige
Handlung erfordern würde.
Die Englaͤnder haben zwar ſeit dem letzten Frie⸗
den eine ausgebreitetere Kenntniß von den inlaͤn⸗
diſchen Gegenden erlangt, als ſelbſt die Franzoſen
vorher beſaßen, aber dennoch giebt es viele von
ihren Produkten, welche ihnen unbekannt geblieben |
find. Ich wandte alle mögliche Mühe und Auf⸗
merkſamkeit an, in der kurzen Zeit, die ich mich
darinn auf hielt; allein ich muß demungeachtet ge⸗
ſtehn, daß meine Kenntniſſe lange noch nicht ſo
vollkommen find, als ich wuͤnſchen mögte, und daß
noch fernere eee noͤthig ſind, um die
5 | Welt
445
von
Welt den bub Pa dieſer lange verborgen
gebliebenen Gegenden kennen zu lehren.
Die Strecke des Miffifippi, von der men bis⸗
ber noch keine Karten aufgenommen hat, betraͤgt
achthundert engliſche Meilen. Die Gegenden, wel⸗
ner Reiſekarte mit eingeſchloſſen. Von den Ge⸗
von dem Fluſſe Illinoa bis an den Uisfonſin uͤber |
che nordwaͤrts von dem letztern liegen, ſind in mei⸗ f
genden vom Fluſſe Illinoa bis an den Meerbuſen
Miſſiſippi zwiſchen dem Fluſſe Illinoa und dem
0 Meere, nebſt den Fluͤſſen Ohio, Tſcheroki und
Nexiko hat man Zeichnungen von verſchiednen
Erdmeſſern. Und jetzt habe ich das Vergnuͤgenzu
erfahren, daß eine Karte von den Gegenden des 8
—
Uabatſche, die ein ſehr geſchickter Erdmeſſer auf
der Stelle ſelbſt aufgenommen hat, geſtochen u
bald herauskommen wird. Ich fehmeichle ı mi
die darin enthaltenen Beobachtungen meine Erfah⸗
rungen beftätigen, und den Entwurf befördern wer⸗
den, den ich hier empfohlen habe, da ſie von einem
Manne herruͤhren, der ſeine Kenntniß der Gegend
Ai blos feinen eignen Unterſuchungen zu danken hat,
und der dabey aue men Beurtheilungs⸗
ER 120 e e ee ee ee
* Thonet Hüichite Esq. dt ice
oder Koͤnigl. amerikaniſchen Regiment zu Fuß.
sang Man ö
Man konnte die Gegend am oſtlichen Ufer des
Miffifippi bequem i in Diſtrickte abtheilen, um klei⸗
nere Pflanzſtaͤdte darin anzulegen. Ich habe dazu
blos Gegenden ausgeſucht, die nahe an einem Fluſſe
liegen, und daher alle Vorzüge Km: die 15 vor⸗
im aten 1
Jedoch iſt es zur Antogung dieser Pfanſdt
i nothwendig daß ſich die Unternehmer auf die ges
braͤuchliche Art Privilegien verſchaffen, und die
Ländereien denen abkaufen, die durch einen langen
Beſitz Anſpruch darauf machen konnen. Allein
dieſer Umſtand wird fuͤr ſie von keiner gröffern
Schwierigkeit ſeyn, als er es ehemals den erſten
Stiftern jeder Kolonie auf dem feſten ande war;
denn da die Anzahl der Indier, welche dieſe Gegen⸗
den bewohnen, im Verhaͤltniß ihrer Größe, ſehr
gering iſt, ſo werden ſie ohne Zweifel Landereyen, 935
die ihnen gar nichts nuͤtze ſind, fuͤr einen billigen
Preis verkaufen, oder zum Vortheile ihrer neuen
Nachbarn vom Miſſtſi ſiſippi ab Landeinwaͤrts ziehn,
da die Schiffarth auf dieſem Strome auf m. Bft
ſtand keinen weſentlichen Einfluß haet.
Der nordlichſte Diſtrickt, den ich zu einer be⸗
ſonde en Pflanzſtadt abtheilen würde, liegt zwiſchen
dem acht und dreyßigſten und ein und vierzigſten
1 State nörötichen Breite. Er bat eine *
ei | rl
als die übrigen aber demungeachtet bin ich Übers
zeugt, daß die Luft darin weit gemaͤßigter iſt, als
in den Landern, die weiter nach Oſten unter der naͤm⸗
lichen Breite liegen. Der Boden iſt vortreflich,
und es giebt eine große Strecke am Miſſtſippi, in
der man keine Wälder antrifft, da hingegen die
nordoſtlichen Grenzen gut beholzt finde Gegen die
Quelle des Fluſſes St. Croix zu waͤchſt Reis in
großer Menge, und man findet daſelbſt ebenfalls |
einen Ueberfluß von Kupfer. Der Waſſerfall vn
St. Anton liegen zwar an dem ſuͤdoſtlichen Winkel
von dieſer Abtheilung, allein die Schiffahrt wird
nicht vollig dadurch geſtoͤrt, da der Fluß St. Croir,
der durch eine große Strecke ihres füdfichen Theiles
2 laͤuft grade unterhalb der Waſſerfaͤlle in den Miſſi⸗
ſippi falt, und fo ſanft fließt, daß Boote bequem |
darauf fahren koͤnnen. Dieſe Abtheilung betragt
ungefähr hundert Meilen von Nordweſten nach
Suͤdoſten, und hundert und zwanzig Meilen von
Nordoſten nach Suͤdweſten.
Der zwenyte Diſtrickt grenzt an den vorigen, nd |
” erſtreckt ſich füdwärts bis in die Mitte des ſieben und
dreyßigſten Grades nordlicher Breite. Dieſer Strich
übertrifft, wie ich ſchon in meinem Tagebuche be⸗
ſchrieben habe, die größten wbeserhebungen, welche
ich uch geben Fan, und erna iſt er völlig
unbe⸗
rr
449
unbewohnet und der Ueberfluß von Segen „den
die Natur uͤber dieſe himmliſche Gegend ausgegoſſen
hat, kehrt ungenutzt zu dem Schoße zuruͤck, aus
welchem er herkam. Der See Pepin, wie ich ihn
mit den Franzoſen nenne, liegt innerhalb ihrer
renzen. Der See hingegen, der eigentlich dies
fen Nahmen führe, liegt etwas oberhalb des Fluſſes
St. Croix; allein da alle Handelsleute dem untern
| See dieſen Nahmen geben, ſo habe ich ihn beybe⸗
halten, ungeachtet mich die Indier eines beſſern be⸗
lehrten. Dieſe Kolonie liegt in ungleichen Win⸗
| keln, und ich kann ihre Weiten daher nicht beſtim⸗
men; allein ſie ſcheint im Durchſchnitte etwa hun⸗
g dert und zwanzig Meilen 1. und achtzig breit
zu ſen. |
Der vierte Diſtrickt beſtabt aus nee ben
vereebne Güte. Die beſten liegen an den Ufern
der gruͤnen Bucht und des Fuchsfluſſes, wo es uns
zaͤhlige Morgen Landes giebt, die mit ſchoͤnem Graſe
bedeckt ſind, das bier eine auſſerordentliche Hoͤhe er⸗
reicht. Dieſer Fluß ſchickt fich in ſeinem ganzen Laufe,
der ungefaͤhr achtzig engliſche Meilen betraͤgt, fuͤr
Boote ſehr gut, ausgenommen zwiſchen dem See
Winnebago und der gruͤnen B Bucht, wo man auf
einer Strecke von dreyßig Meilen verſchiedne Tu
gepläge antrifft. Der Fuchsfluß iſt Berühmt: we⸗
Lurvers Reiſen. Ff gen
5
gen des Reiſes/ se im Ueberſuſſe an feinen ufern
waͤchſt, und unzaͤhlbare Schaaren von wilden Vd⸗
geln herbeyzieht. Das Land, das nahe dabey liegt, |
ſcheint ſehr fruchtbar zu ſeyn, und wuͤrde die größte
Anzahl von Einwohnern mit allen Lebensbeduͤrf⸗ 8
niſſen reichlich verſehn koͤnnen. Die Pflanzer koͤnn⸗
ten ſich von hier aus uͤber der gruͤnen Bucht, die
Seen Miſchigan, Huron, Erie und Ontario mit
Kanada und mit andern Gegenden vermitteſſt des
Uisconſin, der in den Miſſtſippi fällt, eine Ges
meinſchaft eröfnen. Dieſe Abtheilung iſt von Nor
den nach Süden ungefähr hundert und ſechszig Wel,
en gt und hundert und vierzig Meilen breit.
Der fuͤnfte Diſtrickt, iſt ein vortreflicher Erich 5
1 „und hat, wenn man ſeine Lage mitten auf
dem feſten Lande betrachtet, / größere Vorzuͤge, als
man erwarten ſollte. Denn da der Miſſt ſippi an
ſeinen weſtlichen Grenzen und der Fluß Illinoa an
we
= aba Adee A fließe, 29 8 er eine een | 1
gen. Die weichen Gegenden darin bude etwas
bergicht, allein man trifft auch viele unbeholzte
Ebenen darin an, die einen reichen Boden, und
viele fruchtbare Wieſen haben, und auſſerdem noch |
ziemlich viele Erzgruben. Er hat über zweyhundert
Meilen von Norden nach Suͤden in die Lange, und
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8 FV * N iir
— f ein 0 e
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== 3 E rcch ==
45¹
1 ee Re Difirit liegt an 1 den Duelen d der ö
Fluͤſſe Illinois und Uabatſche, wovon jener unmit⸗
telbar, dieſer aber durch den Ohio in den Miſſiſippi
fall. Durch dieſe beyden Fluͤſſe kann ſie daher
leicht eine Gemeinſchaft mit dem Meere erhalten,
und da der Fluß Miamis, der in den See Erie falt,
durch fie binfließt, ſo würde: dadurch der Handel
mit Kanada uͤber die Seen ſehr erleichtert werden.
Sie enthält. viel fruchtbares Land, und wi ird, ob
ſie gleich tiefer im dande liegt, eben 0 blͤhend wer⸗
den, als irgend eine der uͤbrigen. Von Norden
nach Suͤden erſtreckt fie, ſich aa pe a; hundert
und ſechszig und von Oſten nach W Me auf huns
W t und achtzig Meilen. r
Die fiebente Abtheilung weicht dune der vorher,
ee Ihre nordlichen Grenzen liegen am
Fluſſe Illinoa, und ihre weſtlichen am Miſſt ſippi, |
und ihre Lage iſt aher zum auswaͤrtigen Handel
ſehr bequem. Sie bat einen Ueberfiuß an allen tes
bensbeduͤrfniſſen, und erſtreckt ſich ungefähr hun⸗
dert und funfzig Meilen von Norden nach Suͤden,
und ſechszig Meilen von Oſten nach 5
da fie eine ſehr unregelme ßige Figur hat, ſo laſſen
m ihre Weiten nicht genau beſtimmen.
55 hl Mit
em und funf ig von Ofen nach 3 . die |
Weſten, allein
Mitten durch den achten Diſtrickt fließt de Fluß |
Uabacſche, und auf ſeiner ſüdlichen Grenze der
Ohio, wodurch feine Handlung ſehr beft ördert w wer⸗
den kann. Er iſt ungefähr hundert und vie 15
Meilen von Norden nach Suͤden lang, und bun, N
dert und dreyßig von Oſten nach Weſten breit. 1
Die Gegend, die darauf folgt und auch in dren
Diſtrickte abgetheilt werden koͤnnte, hat eine den
vorhergehenden ähnliche dage und gleiche Vortheile,
und daher will ich blos ihre Größe anzeigen. Nr. 9 N
iſt ungefähr achtzig Meilen breit und lang, br
| dennoch Fein vollkommnes Viereck. Nr. 10 hat
faſt die naͤmliche Figur und G Größe. Nr. 11. iſt
weit größer, da ihre kaͤnge von Norden nach Suͤden
bundert und funfzig, und ihre Breite von Oſten
nach Weſten hundert und vierzig Meilen beträgt,
ſo weit namlich, als ihre unregelmaͤßige ‚Figur
eine genaue Berechnung verſtatter.
Nach der Beſchreibung/ die ich ſchon bon diefe
reeitzenden Lande gemacht habe, brauche ich Kali 2...)
noch hinzuzuſetzen, daß alle die © Gegenden, die ich 6
zur Anlage von Kolonien empfohlen habe, mit allen i
debensbeduͤrfniſſen, als Reis, Buͤffeln, Baͤren u. ſ. w.
reichlich verſehn ſind, und daß ſie in gleichem Ueber⸗ ’
fluſſe Stücke, die blos zum Luxus gehören, ‚hervor;
bringen * um ihren Einwohnern durch Tauſch
alle
a u en er Den
alle ihnen notwendigen. Diodufe ere rde
ae zu verſchaffen.
Die Entdeckung einer RE Durchfahrt
| meh Indien hat zu unzähligen Unterfüchungen An⸗
laß gegeben. Es wurden ſelbſt viele Verſuche ge⸗
macht, um aus Hudſonemeerbuſen in das ſtille
Meer zu kommen, aber alle ohne Erfolg. Ich werde
mich daher nicht bey den Vortheilen aufhalten,
die aus dieſer ſo ſebr gewuͤnſchten Entdeckung ent⸗
ſtehen würden, ſondern mich blos auf die Methoden
einſchraͤnken, durch die fie Fünftigen Unternehmern
am wahrſcheinlichſten gelingen kann.
Die vielen vergeblichen Verſuche, die man bis⸗
her hierin gemacht hat, ſcheinen den Entdeckungs⸗
geiſt völlig auf eine andre Bahn geleitet zu haben,
und dieſe wichtige Unternehmung wird faſt ganz als
unausfuͤhrlich aufgegeben; allein ich glaube, daß
der bisherige ſchlechte Erfolg weniger von der Un⸗
moͤglichkeit der Sache ſelbſt, als davon herruͤhre/ daſt
man ſie an einer unrechten Stelle angefangen hat.
Alle Seefahrer, die auf die Entdeckung dieſe 1
Dinh er ausgiengen, ſegelten zuerſt in Hudſons⸗
meerbuſen. Die Folge davon war, daß ſie die
Jahrszeit, in welcher dieſe Meere allein ſchiff
ff bar
ſind, damit zubrachten, viele von den Seearmen,
die daraus ins Land hineingehn, zu unterſuchen,
Sf 3 ohne
C
—
en e een fie — jun, 908 Furchen eins
zufrieren, und folglich gezwungen zu feyn, bis zum
naͤchſten Sommer in dieſen den und traurigen
Gegenden zu bleiben. Selbſt die, welche fanden,
daß die Kuͤſten anfiengen, ſich von einander zu
trennen, und daher auf einen guten Erfolg hoffen
konnten, wurden von der Fortſetzung ihrer Reiſe
e durch die Furcht abgeſchreckt, daß der Winter ein⸗
fallen wuͤrde, ehe ſie ein gemäßigteres Klima errei⸗
chen koͤnnten.
Dieſe Furcht ſchreckte ſelbſt die kübnſten 4
ab, ihre Unternehmung vollig auszuführen, und
machte jeden Verſuch ruͤckgaͤngig. Allein da man
entdeckt hat, daß es in den nordlichen Gegenden des
ſtillen Meeres verſchiedne Einfahrten giebt, die ſich
gegen Hudſonsmeerbuſen zu erſtreckten, ſo darf man
nicht zweifeln, daß nicht von jener Seite her eine
N Durchfahrt entdeckt werden ſollte, wenn man nur
zu einer bequemen Jahrszeit darauf ausgienge.
Sollte auch dieſe Erwartung fehlſchlagen, ſo wuͤr⸗
den fich die Unterſucher doch nicht in der naͤhmlichen
gefährlichen tage befinden, als wenn ſie von Hud⸗
ſonsmeerbuſen ausgiengen. Denn von der Seite
der Suͤdſee konnen ſie immer durch ein offnes Meer
nach warmern Gegenden zuruͤckkommen, ſelbſt wenn
ver⸗
I
x
| berſchiedne wiederhoblte Verſuche fruchtlos ausfal⸗
len ſollten. Und dieſe Sicherheit wird ſie in den
Stand ſetzen, mit größerer Zuverſicht zu Werke zu
gehn, und vielleicht ein Mittel ſeyn, das zu Stande
zu bringen, was zu em: eh und * 55
m verhindert hat. |
Dieſe G
Plans hatten ſo viel Gewicht, daß ſich Herr Richard
Whitworth, Parlamentsglied fuͤr Stafford/ ein
Mann der eine ausgebreitete Kenntniß in der Erd⸗
be chreibung beſitzt, und immer bereitwillig iſt, alles
zum Beſten einzelner Mitbuͤrger oder des ganzen
Staates beyzutragen, auf einen und andrer Vor⸗
ſtellungen von der eichtigkeit der Sache im Jahre
1774 entſchloß, durch das feſte Land von Amerika
zu reiſen, um einen rg zu e ige Unters |
bee auszuführen.
Er hatte die Abſicht, faſt den nähren weg
zu gehen / den ich auf meiner Reiſe nahm. Es ſollte
ein Fort am See Pepin gebaut werden, alsdenn
wollte er den Fluße St. Peter (Pierre), und darauf
einen Arm vom $ luße Meſſorie hinaufgehn, bis er
an die Quelle des Oregan oder weſtlichen Fluſſes
| kaͤme, der jenſeits der hoͤchſten Gegend liegt, wel⸗
che die Gewaͤſſer, die in den Meerbuſen von Mexico
fallen, von denen trennt, welche fich ins ſtille Meer
a er⸗
455
unde zur Beinbering: des bicherigen
ergieſſen. Dieſen Fluß wollte er hinabſegeln, bis
an die Stelle, wo er in die „ 1 Ki
u me Be 19907 3 i
Hier ſollte ein gwehtes — aufe einer Stelle W
gelegt werden, die ſich zur Erhaltung ſeiner Leute 4
am beſten ſchickte; und nicht weit von irgend einer
Einfahrt entfernt waͤre, und von dieſem Forte aus
wollte er ſeine Unterſuchungen anfangen. Er hatte /
ſich Oberſt Rogers, mich und verſchiedne andere N
) en Zu Begleitern gewaͤhlt, und wollte eine hinreichende 1
Anzahl von Handwerkern und Seeleuten mit fih
nehmen, die er zum Bau ſeiner Forte und Schiffe,,
und zu ihrer Bemannung noͤthig haben koͤnnte.
Alle zuſammen ſollten ſich bis auf funfzig oder
ſechszig erſtrecken. Die gehoͤrigen Vollmachte
und andre dazu erforderlichen Stuͤcke waren ſchon |
faſt ganz fertig, als die jetzigen Unruhen in Amerika
ausbrachen, wodurch ein Unternehmen ins Stecken
gerieth, welches den brittiſchen Staaten een
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